[Wirre Gedanken] Wieso Apple mit iOS 7 eigentlich nur scheitern kann. Oder: Wieso die Erwartungshaltung immer zu hoch ist.

Marcel Am 26.05.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:13 Minuten

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Vom 10. bis zum 14. Juni dieses Jahres findet die alljährliche World Wide Developer Conference von Apple statt – eigentlich nichts für Konsumenten, dennoch geht es auf der Eröffnungskeynote meistens auch um Dinge für „uns“. Wurden bis zum iPhone 4 hier immer die neuen iPhone-Generationen vorgestellt, so beließ man es in den letzten zwei Jahren immer bei einer Vorschau auf neue Versionen von iOS und Mac OS X – wird in diesem Jahr sicherlich nicht anders werden, ich persönlich rechne stark mit einer Vorschau der beiden Systeme. Mac OS X wird dann vermutlich ab Mitte Juli 2013 verfügbar sein, iOS 7 dann mit einer neuen Generation an iDevices im September oder Oktober. Aber, das ist reine Spekulation, kommen wir einmal zurück zum Titel: iOS 7 und wieso es eigentlich nur scheitern kann – auch wenn das Thema natürlich viel allgemeiner sein könnte.

Ich glaube, der Wunsch vieler Nutzer ist eine komplett neugestaltete Oberfläche des mobilen Systems. Gerüchten nach soll dies auch kommen, als Hoffnungsbringer wird immer wieder Jonathan Ive, Chef-Designer für Hardware und seit einigen Monaten auch für iOS, genannt. Ja, Ive hat eine tolle Designsprache was Hardware angeht, siehe iMac, MacBook und Co. Software? Hier ist er – im Gegensatz zum verstorbenen Steve Jobs – ein bekennender Gegner des Skormorphismis, welcher in etlichen Apps unter iOS und OS X Einzug gehalten hat.

Und hier wird Apple sicherlich auch ansetzen. Ja, ich gehe stark davon aus, dass das Design von iOS 7 ein wenig „flacher“ wird und man die verspielten Hintergründe, bestehend aus Mustern, Verläufen und Co. hinter sich lassen wird. Was ich allerdings nicht erwarte, ist eine komplette Umstrukturierung des Systems. Das, was Google zum Beispiel mit dem Sprung auf Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ gewagt hat, wird Apple nicht wagen – Google wird solche Schritte in Zukunft ebenso wenig mehr wagen. Den Grund kann man an Windows 8 sicherlich gut erkennen: Sobald sich zuviel an der Oberfläche ändert, fangen die bisherigen Nutzer an zu meckern und empfinden das „neue“ System als schlecht. Nutzer zu vergraulen – das können sich weder Apple, noch Google erlauben. Dementsprechend wird die Optik sicherlich moderner, wird dabei jedoch ganz klar als iOS zu erkennen sein.

Funktionell erwarte ich ebenso eher eine Evolution, statt einer Revolution. Dienste werden wohl ausgebaut werden, Siri wird erweitert, hier und da wird es sicherlich ein oder zwei Neuerungen geben – aber einen Bruch der bisherigen Entwicklungslinie? Offener App Store? Ändern der Standard-Apps? Nein, glaube ich nicht dran, auch wenn die Hoffnung natürlich zuletzt stirbt. Aber: Apple ist mit der bisherigen Strategie mehr als gut gefahren, auch wenn man von Android natürlich überholt wurde – günstigen Geräten sei Dank. Betrachtet man einmal die einzelnen Geräte für sich, so kann sicherlich nur Samsung mit der Galaxy-S-Reihe Apple Paroli bieten. Das iPhone ist trotz aller Unkenrufe noch immer neben dem Galaxy S3/4 das meistverkaufteste Smartphone weltweit.

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Was viele bei der Betrachtung der Keynotes (sei es Apple, Google oder sonst wer) nicht beachten: Die Hersteller geben vorher eigentlich so gut wie nie Details bekannt – alles, was irgendwie nur auftaucht, sind Gerüchte und Details von so genannten Insidern und Analysten, aber auch letzteres sich letztendlich nur Gerüchte. Als gutes Beispiel kann man hier sicherlich einmal die asymmetrischen Schraube eines neuen iPhones nennen: Schraube mit neuartigem Gewinde mittels CAD designen, bei Reddit einstellen und einfach mal was abwarten. Das Gerücht verbreitete sich, ohne dass auch nur jemand die Quelle in Frage stellte – nach kurzer Zeit haben selbst die großen Portale und Newsseiten das Gerücht als Tatsache hingestellt.

Wieso Apple und iOS 7 eigentlich nur scheitern können? Zu viele Leute lesen Gerüchte und sehen dies als offizielle Ankündigungen an. Und genau diese Gerüchte werden dann als Erwartungshaltung genommen – und wehe, es kommt dann nicht genau so und die Gerüchte bewahrheiten sich nicht. Dann bekommt Apple den schwarzen Peter zugeschrieben, die sich trotz „Ankündigungen“ nicht daran gehalten haben – den Gerüchten sei dank.

Das ganze gilt aber nicht nur für Apple oder iOS, auch bei der letzten Google-Keynote auf der I/O 2013 konnte ich das beobachten: Enttäuschte Gesichter, dass es kein neues Nexus-Smartphone oder eine neue Android-Version gab – aber hey, wie kann man enttäuscht sein, wenn Google niemals so etwas selbst angekündigt hat? Fakt ist: Mobile Systeme werden in den nächsten Monaten (und vielleicht Jahren) keinen großen Sprung machen – egal ob iOS oder Android. Konsequente Evolution ist das Thema und das finde ich absolut akzeptabel. Lieber ein anständig laufendes und gut funktionierendes System, als Fehler und Ruckler in neuen Versionen, die keinem etwas bringen.

Bildquelle stille post by Kai Schreiber

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