[Wirre Gedanken] Die WWDC 2014: Die Revolution blieb aus, iOS bekommt doch keinen kotzenden Smilie. Oder so.

Marcel Am 03.06.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:50 Minuten

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So, die Apple-Keynote zur Eröffnung der WWDC 2014 ist vorbei und möchte mich nun einmal meinen Gedanken widmen. Erst einmal: Die Show war mal wieder grandios. Zwar gab es das ein oder andere Windows- und Android-Bashing, was sicherlich nicht ganz so passend war und ein Vergleich von Äpfel und Birnen ist. Dennoch gab es auch einige Lacher und sehr viel Selbstironie – etwas, was Apple auf den letzten Keynotes nach Steve Jobs Tod etwas vermissen ließ. Ja, die Show war spaßig. Wirklich viel Luft haben Tom Cook und Co. einem nicht wirklich gelassen, man hat ein wahres Feuerwerk an neuen Funktionen für OS X „Yosemite“ und iOS 8 vorgestellt, dazu noch etliche neue Programmierschnittstellen (vor allem für iOS) und auch eine neue Programmiersprache hat man mit „Swift“ eingeführt. Eine Revolution blieb ob des neuen Designs von OS X 10.10 aus – oder doch nicht? Es mag auf den ersten Blick vielleicht nicht so danach aussehen, in meinen Augen hat Apple aber doch eine kleine Revolution ausgerufen und sich auch in Sachen Hardware bereits positioniert.

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Fangen wir doch erst einmal mit OS X „Yosemite“ an. Neue Optik, neue Funktion. Ja, ist alles ganz nett und sieht stimmig aus – sieht man aber mal von der neuen Optik ab ist auch das neue OS X nur ein weiterer Schritt und kein großes Update. Hier ein paar Verbesserungen, dort ein paar Verbesserungen. Man baut das System wie gewohnt weiter aus. Dank etlicher Neuerungen kann der einfache Nutzer nun auf zahlreiche Anwendungen verzichten: Das neue Spotlight kann Alfred ersetzen, Markup ersetzt Skitch, die neue Anruffunktion macht Apps wie HandsFree und Dialogue überflüssug und mit dem iCloud Drive hat Apple auch einen Konkurrenten zu Dropbox und Co. in petto. Ist das nichts? Natürlich: Wer die Alternativen kennt und nutzt der wird sicherlich auch dabei bleiben – für den einfachen Nutzer aber ist es immer der Idealfall, wenn möglichst viel „out of the magic box“ geboten wird.

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Nächster Punkt: iOS 8. Auch hier gibt es von Haus aus nur wenig wirklich große Neuerungen. Eine neue Tastatur, Widgets für’s Notification Center, interaktive Benachrichtigungen (die ich wirklich sehr geil finde) – ja, die kleinen Dinge im Leben sind es, die ein System weiter voran bringen. Es gibt zahlreiche Dinge, die Apple in der Keynote gar nicht erwähnt hat: So gibt es eine Anzeige des Akkuverbrauchs nach Apps gestaffelt, die Kamera bekommt eine Timelapse-Funktion, privates Browsing lässt sich für jeden einzelnen Tab aktivieren und noch einiges mehr. Eine grandiose Sache sind hierbei aber die rund 4.000 neuen Programmierschnittstellen für Entwickler, von denen Apple mit den Extensions (Erweiterungen für Tastatur, Teilen-Menü und Co.), Health und Co. nur ein paar auf der Keynote angerissen hat. Und da wären wir auch schon beim eigentlichen Gedankengang, nämlich der Öffnung des Systems und den drei angekündigten Kits: HealthKit, HomeKit und CloudKit.

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Braucht Apple wirklich eine eigene iWatch? Die Keynote brachte mir eher den Eindruck, als gehe man einen anderen Weg. Jenen Weg, den man im Grunde auch schon mit dem App Store gegangen ist: Das iPhone stellt die Plattform dar, die Apps machen dieses benutzbar. Ähnlich geht man auch mit dem HealthKit und dem HomeKit (für Hausautomatisierung) vor: Man bietet Herstellern ein mehr oder weniger offenes System um Daten und Funktionalitäten zentral und in einer App verwalten und nutzen zu können. Statt also eine Hand voll verschiedener Fitnessgadgets für teuer Geld auf den Markt zu werfen, versucht man hier erst einmal, die „neuen Nutzungsformen von Gadgets“ in einer breiten Masse unterzubringen und setzt dabei auf die bereits bestehende Vielfalt und unterschiedlichsten Gadgets. Wieso also Geld für Entwicklung ausgeben und eigene Hardware präsentieren, wenn man doch lieber die zahlreichen Hersteller „für sich“ arbeiten lassen kann und noch dazu über eine Lizenzierung ohne wirtschaftliches Risiko ordentlich Kohle scheffeln kann? Ich lehne mich damit weiß aus dem Fenster, aber ich glaube nicht, dass wir auf kurz oder lang ein „Wearable“ von Apple sehen werden.

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Aber: Apple klaut!!!!1111einelf Okay, sind wir mal ehrlich und legen die rosarote Brille ab: Offne APIs für Apps, um sich zum Beispiel in ein Teilen-Menü einreihen zu können oder eine Wischtastatur á la Swipe findet sich auch schon in Android und Windows Phone vor – gleiches gilt sicherlich auch mit anderen Dingen wie zum Beispiel das „Hey Siri!“-Hotword oder andere Dinge. Aber rufen wir uns einmal in Erinnerung, dass Android und Windows Phone diese Wischtastaturen auch erst eingeführt haben, nachdem zum Beispiel die Swype-Tastatur einen ordentlichen Nutzerzuwachs verzeichnen konnte. Erinnern wir uns einmal daran, dass Windows Phone offiziell erst Ende Juni das Benachrichtigungscenter erhält. Ja, Apple hat hier und da sicherlich mal über den Tellerrand geschaut. Na und? Google und Microsoft machen dies nicht anders und es wäre eine Schande, wenn kein Hersteller hinüber blicken würde und gute Ideen ebenfalls verwerten und weiterentwickeln würde.

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Wo aber ist die Revolution, die ich im ersten Absatz angeschnitten habe? Nun, diese steckt nicht in OS X oder iOS, sondern in der gesamten Keynote. Und zwar in deren Funktionalitäten. OS X kann Anrufe über das iPhone führen, Handoff lässt euch einfach per Wisch auf dem iPad im Dokument oder in Safari weiterarbeiten, iCloud Drive bringt jegliche Dateien auf den Mac oder dem iDevice, die neue Foto-App (die übrigens auch für OS X angekündigt wurde) hält alle eure Fotos zentral bereit und so weiter und so fort. Das, was Microsoft mit Windows 8.1 erreichen wollte – nämlich die nahtlose Zusammenarbeit von Desktop und Tablet – hat Apple mit Yosemite und iOS 8 durchgezogen und wesentlich besser umgesetzt. Ganz nach dem Motto: Egal ob du mit dem Mac oder dem iPad arbeitest, du kannst jederzeit die Geräte wechseln ohne auf Funktionen verzichten zu müssen. Und dies wird mit kommenden Updates auf der WWDC 2015 sicherlich noch weiter ausgebaut werden.

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Denn genau dieses Zusammenspiel ist Apples Ass im Ärmel gegen die schiere Übermacht von Android. Apple hat das, was Google nicht hat: Mehr als ordentliche Geräte, man muss seine Systeme nur auf seine eigene Hardware anpassen und das ist bekanntlich leichter, als eine Kompatibilität für hunderte oder sogar tausende an Geräten zu ermöglichen. Nein, die neuen Funktionen von iOS oder „Yosemite“ selbst sind nichts neues und waren schon hier und da mal gerne gesehen – Apple schafft es aber immer wieder, diese in einer sauberen und funktionellen Symbiose in ihre Systeme einzubauen. Ja, SMS sind so 2004 – aber dies ist nur der Anfang der tiefergehenden Symbiose aus iOS und OS X.

Eine komplette Verschmelzung wird es so auf Dauer wohl nicht geben, das aber muss auch nicht Apples Pläne darstellen. Stattdessen versucht man durch die Verzahnung der beiden Systeme Mac-Nutzer zu einem iPhone zu bewegen und iPhone-Nutzer zu einem Mac. Kundengewinnung im eigenen goldenen Käfig (und nur hier kann diese Symbiose funktionieren) mit den noch immer höchsten Kundenzufriedenheiten – so sichert man sich seine Umsätze und Gewinne, dann erst kommt der Ausbau. Und das klappt seit Jahren gut und besser.

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