Xiaomi Mi Band 1S ausprobiert: Der wohl günstigste Schrittzähler mit Herzfrequenzsensor

Marcel Am 20.12.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:59 Minuten
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Fitness-Tracker sind auf dem Markt inzwischen keine Seltenheit mehr und an immer mehr Handgelenken zu finden. Die neusten Generationen von Fitness-Trackern kommen rn auch mit einem Sensor zur Messung der Herzfrequenz daher, wie zum Beispiel das Fitbit Charge HR, welches ich vor einigen Wochen verbloggt habe. Ebenfalls fast schon ein alter Hase im Tracker-Geschäft ist auch Xiaomi, die von dem Mi Band nicht gerade wenig Geräte absetzen konnten.

Natürlich aufgrund des geringen Preises von etwa 20 Euro – günstiger ging der Einstieg in die Welt der Fitness-Tracker sicherlich nicht. Mit dem Mi Band 1S haben die Chinesen vor wenigen Wochen ihr neustes Modell vorgestellt, das nun auch einen Herzfrequenzmesser an Board hat. Ich habe eine der ersten Charge von Gearbest zur Verfügung gestellt bekommen und konnte mir das Band nun schon rund 2 ½ Wochen anschauen und ein paar Vergleiche anstellen – meine Erfahrungen und Kommentare könnt ihr hier nachlesen.

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Design & Verarbeitung

Das Design des Mi Band 1S liegt – wie auch jenes des eigentlich identischen Vorgängers –  irgendwo zwischen „zweckmäßig“ und „schlicht“ und besteht aus zwei grundlegenden Teilen: Zum Einen das Silikonarmband mit einer Länge von maximal etwa 20,5 Zentimetern, zum Anderen der eigentliche silberfarbene Tracker. Dieser misst etwa etwa 1,36 x 3,7 x 0,99 Zentimeter, besitzt drei weiße LEDs (also, wie auch bei der neueren Version des Vorgängers, keine RGB-LEDs mehr) und wird in das Band hineingedrückt. Das Einsetzen klappt wie auch das Herausnehmen ohne Probleme, dennoch hält der Tracker so fest, dass er sich während des Tragens und diversen Aktivitäten nicht selbstständig machen und verloren gehen kann.

Das Silikonarmband, welches neben Schwarz auch noch in anderen Farben gibt, wird mit einem recht simplen Druckverschluss am Handgelenk befestigt – die Größeneinstellung erlaubt dabei Größen von 15,7 bis 20,5 Zentimetern. Ganz einfach gelöst, auch dieser ist ausreichend, dass sich das Armband nicht ungewollt öffnet. Eine Ausnahme wäre natürlich, wenn man irgendwo hängen bleibt, dann aber gibt es noch immer die Sicherungsöse, die ein Abfallen des Mi Band nochmals verhindert. Das Material, wie gesagt Silikon, dürfte vielleicht nicht jedem gefallen, aber gerade für sportliche Aktivitäten dürfte jenes die beste Option sein.

Insgesamt macht das Mi Band einen guten Eindruck: Natürlich bringt der ein oder andere Fitnesstracker etwas mehr „Style“ mit, man muss allerdings auch immer den deutlich geringeren Preis im Auge behalten. Und für diesen ist das Mi Band sehr gut verarbeitet und bietet in dem Punkt eigentlich keine Kritikmöglichkeit. Das Mi Band 1S besitzt wie auch der Vorgänger eine IP67-Zertifizierung, ist also gegen kurzzeitiges Untertauchen bis zu einer Tiefe von einem Meter wasserdicht. Schwimmen sollte man nun nicht unbedingt mit dem Band, Händewäschen, Duschen und derlei Sachen sind aber ohne Probleme mit dem Band möglich.

Zur Akkulaufzeit: Das ursprüngliche Mi Band besaß einen Akku mit 41 mAh und versprach eine Laufzeit von 30 Tagen – die in den meisten Tests aber nicht selten noch übertroffen wurde. Das Mi Band 1S kommt mit einem 45 mAh-Akku daher, allerdings verbraucht der Herzfrequenzsensor natürlich mehr Strom. Seitens Xiaomi werden 20 Tage versprochen, auch diese Dauer wird mindestens eingehalten, teilweise sogar um 2-3 Tage überboten. Es kommt aber eben darauf an, wie häufig ihr zum Beispiel den Sync durchführt, die Pulsmessung aktiviert und ähnliches – dazu aber im Verlaufe mehr. Zum Laden muss die „Pille“ übrigens aus dem Armband genommen und in das Ladekabel gesteckt werden.

Die Einrichtung

Die erste Einrichtung des Mi Band 1S ist simpel, erfordert aber die dazugehörige Mi Fit App, die kostenlos für iOS und Android zu haben ist. Neben der App wird allerdings auch zwingermaßen ein Online-Account benötigt, den man in der App erstellen kann. Stellt sich natürlich immer die Frage, warum man die App nicht einfach nur Lokal nutzen kann, andererseits fragt die App auch mit Ausnahme der Mail-Adresse eigentlich keine weiteren persönlichen Daten ab. Okay, doch: Ihr müsst nämlich euer Geschlecht und euer Alter angeben, diese Werte lassen sich aber wohl nicht weiter zuordnen.

Die Verbindung des Bands mit der App klappte bei mir ohne Probleme und war binnen Sekunden erledigt: Bluetooth an dem Smartphone aktivieren, mit dem Band koppeln lassen, fertig. Das Band kann übrigens sowohl rechts, als auch links getragen werden, wird während der ersten Einrichtung von der App abgefragt. Alles ganz simpel gelöst, leider ist die App vom Design und der Funktionalität her „nur zweckmäßig“, wirklich viele Spielereien findet man dazu nicht – im Gegensatz zur Android-App steht die iOS-Version nur in englischer Sprache zur Verfügung, was aber auch kein allzu großes Problem darstellen dürfte.

xiaomi-mi-band-1s-app-einrichtung-4Ihr könnt natürlich ein bestimmtes Tagesziel angeben, ist dieses erreicht vibriert das Band kurz und die drei LEDs leuchten auf. Dazu sollten die LEDs eigentlich bei entsprechender Bewegung anzeigen, wie weit ihr eurem Tagesziel schon entgegengekommen seid – was bei mir aber nicht wirklich funktionieren wollte. Zusätzlich noch ein kleiner Hinweis: Das Band schickt seine Daten nicht von sich aus die App, dies erfolgt nur manuell beziehungsweise automatisch beim Öffnen der App. Ihr müsst euch also immer ein paar Sekunden gedulden, bevor euch die aktuellen Daten angezeigt werden.

Schrittzähler

Beginnen wir einmal mit dem verbauten Schrittmesser, für Fitness-Wearables schon ein alter Hut und auch die Hauptaufgabe des Mi Band 1S. Bei Fitness-Trackern ist es eigentlich immer so: entweder sie messen zu viele Schritte, oder eben zu wenig. Liegt schlicht in der Natur der Sache, denn die meisten Fitness-Tracker erkennen einen Schritt an verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel am Körperimpuls oder einer ruckartigen Bewegung, wie sie eben die Arme beim Laufen machen. Das Mi Band dürfte durchweg etwas zu viele Schritte messen, denn es misst lediglich die Bewegung des Bandes. Heißt also: Bewegt ihr schlicht euren Arm, wird ein Schritt gezählt.

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Macht aber in der Maße wohl nur wenig aus, zumal eben auch andere Tracker eine derartige Streuung mit sich bringen. Insgesamt kann ich im Vergleich zur Apple Watch sagen, dass die Werte zumindest annähernd stimmen, kleinere Schwankungen sind aber eben vorhanden. Welche Messung nun genauer ist? Keine Ahnung, die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwischen. Wer einen derartigen Tracker nutzt, der wird allerdings auch keine 100% akkuraten Ergebnisse erwarten, die Werte dienen lediglich einer kleinen Orientierung und ob es nun 12.100 oder 12.250 Schritte waren ist meiner Meinung nach unrelevant.

In der App könnt ihr euch neben den Schritten des aktuellen Tages auch einen Verlauf der letzten Tage und Monate und eine kleine Auswertung ausspucken lassen. Hierbei werden euch nicht nur die gelaufenen Schritte (und die damit verbundene Kalorien-Zahl, grob basierend auf Alter und Gewicht) angezeigt, sondern auch zwischen „Laufen/Gehen“ und „Rennen“ unterschieden, wobei ich für mich persönlich nicht festmachen konnte, woran die App das erkennt. Wohl an der Geschwindigkeit der Schrittabfolgen, denn beim Kochen wird recht häufig ein „Rennen“ erkannt – ansonsten keine Ahnung, kam mir zugegebenermaßen recht willkürlich vor.

Schlafüberwachung

Wer das Mi Band 1S auch zum Schlafen anbehält, der kann auch seinen Schlaf überwachen lassen. Auch hier gibt es einen Verlauf der gespeicherten Werte, wobei das Band für jede Nacht verschiedene Werte ausgibt. Natürlich erst einmal die gesamte Zeit, die man im Bett verbracht hat, die Phasen des tiefen und leichten Schlafs, die Wachphasen zwischendrin und natürlich auch die Einschlaf- und Aufwachzeit. Zur besseren Messung lassen sich auch die Daten aus der Herzfrequenzmessung hinzuziehen. Wie genau das Band nun die verschiedenen Werte misst, ist mir nicht gänzlich bekannt – die Werte stimmten aber halbwegs, zumindest was die Uhrzeiten anbelangt.

Herzfrequenzmessung

xiaomi-mi-band-1s-7Kommen wir nun zum neuen „Herzstück“ des Mi Band 1S – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nämlich zum neuen Pulssensor, der sich wie auch bei anderen Trackern dieser Art an der Unterseite der „Pille“ befindet. Allerdings: Während die Messung zum Beispiel beim (wesentlich teureren) Fitbit Charge HR konstant durchgeführt worden ist, ist dies beim Mi Band 1S nicht der Fall. So muss man die Herzfrequenzmessung erst recht umständlich über das Hauptmenü der Mi Fit App auslösen – und das jedesmal aufs Neue, eine automatische, kontinuierliche Messung ist nicht möglich. Zwar lässt sich eine Option aktivieren, dass zur Messung während der Schlafphasen regelmäßig gemessen wird, diese Daten fließen aber nicht in die Übersicht ein.

Die App gibt euch zwar den Hinweis, dass ihr während der Messung euren Arm angewinkelt recht nah an eurem Körper halten solltet – ist aber nur bedingt notwendig. Andere Tracker messen auch in jeder Position und auch bei diesen Werten gilt immer: sie dienen nur als Richtwert, wer aus medizinischen Gründen seine Herzfrequenz überwachen möchte, der bekommt beim Arzt ganz andere Gerätschaften, die den Preis einen Fitness-Trackers aber nicht selten ordentlich überbieten.

Ich habe auch hier mal ein paar direkte Vergleiche mit der Apple Watch gemacht. Ergebnis: Weder genau, noch ungenau. Mal war der gemessene Pulse der Apple Watch höher, mal der gemessene Puls des Mi Band 1S. Die Abweichung lag dabei aber eigentlich immer im Rahmen von +/- 5, also nicht eher gering und mit der Abweichung des Fitbit Charge HR zu vergleichen – und auch die Apple Watch wird mit Sicherheit keine 100% akkuraten Ergebnisse liefern.

Was eben schade ist, ist die Tatsache, dass Xiaomi zwar einen Pulssensor verbaut hat, diesen aber recht lieblos integriert hat. Keine automatische Messung und mit Ausnahme einer knappen Erklärung keine weiteren Optionen wie Benachrichtigungen, verschiedene Zonen und dergleichen. Dies aber dürfte eine reine Software-Geschichte sein, vielleicht kommt ja noch etwas mit kommenden Updates für das Mi Band 1S und den Apps – wer weiß, wäre zumindest wünschenswert.

Weitere Möglichkeiten

Die App (und auch das Band) besitzen allerdings noch ein paar kleinere Zusatzfeatures auf die ich nun kurz eingehen möchte.

  • xiaomi-mi-band-1s-app-weckerStiller Alarm aka Wecker: Das Mi Band kann auch als Wecker beziehungsweise stiller Alarm herhalten. In der App lassen sich bis zu drei Alarmzeiten konfiguriert werden, die sich auch wiederholen oder nur zu bestimmten Tagen aktivieren lassen. Optional können hierbei auch die Schlafphasen berücksichtigt werden, sodass ihr zum Beispiel bei einer leichten Schlafphase kurz eurer Weckzeit auch schonmal ein paar Minuten früher geweckt werden. Pro: Soll das Aufstehen deutlich einfacher machen. Contra: Ich persönlich werde von der Vibration nicht wirklich wach, aber als einfacher Alarm sicher nicht schlecht.
  • Anrufbenachrichtigung: Ist euer Mi Band dauerhaft mit dem Smartphone verbunden, kann euch das Mi Band auch über eingehende Anrufe informieren, wozu das Band anfängt zu vibrieren und zu blinken. In lauteren Umgebungen sicherlich hilfreich.
  • xiaomi-mi-band-1s-app-gewichtGewichtsaufzeichnung: Neben den Schritten und des Schlafes kann die Mi Fit App auch euer Gewicht protokollieren. Macht natürlich mehr Sinn in Kombination mit einer Mi Scale, die automatisch die Ergebnisse an die App liefert, ihr könnt ihr Gewicht aber auch manuell von Hand eingeben. Solltet ihr dies Vorhaben, ein kleiner Tipp: Das „,“ richtet nichts aus, hier müsst ihr länger gedrückt halten und den „.“ auswählen.
  • Health-App: Wer ein iPhone nutzt, der kann die Daten aus der MiFit-App auch an die Apple’sche Health-App weiterreichen. Zu den übernommenen Werten gehören die Schritte, die Schlafanalyse, der Gewichtsverlauf und die verbrannten Kalorien – auch hier nichts mit Herzfrequenzen.
  • Android-Tipp: Wer die Benachrichtigungsfunktion des Mi Bands noch etwas umfangreicher nutzen möchte, der sollte sich einmal die Third-Party-App Mi Band Notifiy anschauen. Verschiedene Farben der LEDs lassen sich aufgrund der fehlenden technischen Möglichkeit beim Mi Band 1S zwar nicht nutzen, dafür aber die restlichen Optionen.

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Fazit und tl;dr

Die erste Version des Xiaomi Mi Band konnte sich in millionenfacher Ausführung verkaufen und auch das Mi Band 1S wird hierbei sicherlich keine Ausnahme machen. Das Band ist sehr gut verarbeitet, die Materialien sind zumindest funktionell (wer mag, der bekommt auch Lederbänder von Xiaomi) – lediglich auf zusätzliche Spielereien und Extras, wie zum Beispiel ein (Farb-)Display, muss man im Vergleich zu Konkurrenz-Produkten verzichten. Auch beim Thema App gibt es mit der Mi Fit App nur eine recht funktional ausgestattete App, die zwar viele Gebiete abdeckt und eine Hand voll Zusatzfeatures bietet, letztlich aber nicht so viele Auswertungen und Spielereien besitzt, wie zum Beispiel die Apps von Jawbone oder Fitbit.

Einzig die Herzfrequenzmessung ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt, den Xiaomi aber mit einem kurzen Software- und/oder Firmware-Update beseitigen könnte. Ich jedenfalls fände es wünschenswert, wenn das Armband den Puls in regelmäßigen Intervallen messen und in der App hinterlegen würde – das explizite Ausführen wäre mir auf Dauer zu nervig und ist meiner Meinung nach nicht der ganze Sinn der Sache. Aber: Wird mit Sicherheit noch kommen, eine kontinuierliche Messung funktioniert ja scheinbar, ist derzeit aber eben nur für die Messung der Schlafphasen zu aktivieren.

Das erste Mi Band gibt es für umgerechnet etwas unter 14 Euro – das Mi Band 1S ist schon ordentlich teurer geworden, je nach Shop müsst ihr umgerechnet etwa 30 Euro auf die virtuelle Ladentheke legen – wobei der Preis immer sehr schwankt und mit der Zeit auch wieder sinken wird. Diesen günstigen Preis erreicht ihr allerdings nur, wenn ihr das Band von China nach Deutschland verschicken lasst, was natürlich gerne mal ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann.  Zu haben ist das Band eigentlich bei allen einschlägigen chinesischen Online-Shops, wie zum Beispiel bei Gearbest (derzeit sogar mit dem Gutschein-Code GBMI1S für etwa 22 Euro) oder den weiteren bekannten China-Shops. Der Versand aus Deutschland ist zwar ungleich schneller, allerdings legen deutsche Händler nochmals ein gutes Stück auf den Preis drauf.

Letztlich die Gretchenfrage: Das Mi Band oder doch das neue Mi Band 1S? Wer lediglich einen einfachen Schritttracker benötigt, der kann sicherlich noch immer zu dem extrem günstigen Mi Band greifen. Ich persönlich finde auch die Messungen der Herzfrequenz sehr interessant und würde daher immer zum Mi Band 1S greifen. Natürlich nur in und mit der Hoffnung, dass Xiaomi hier Softwaremäßig nochmals etwas nachbessert, denn ich behaupte mal, der Status Quo macht das Band für viele etwas uninteressant. Preislich jedenfalls liegt man mit dem Mi Band 1S ebenfalls noch wie  unter den Heart-Rate-Trackern anderer Hersteller, die so bei 100-150 Euro beginnen – aber eben auch kontinuierlich messen.

Dieser Artikel wurde mir von Gearbest als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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