Fitness-Tracker sind auf dem Markt inzwi­schen keine Seltenheit mehr und an immer mehr Handge­lenken zu finden. Die neusten Genera­tionen von Fitness-Trackern kommen rn auch mit einem Sensor zur Messung der Herzfre­quenz daher, wie zum Beispiel das Fitbit Charge HR, welches ich vor einigen Wochen verbloggt habe. Ebenfalls fast schon ein alter Hase im Tracker-Geschäft ist auch Xiaomi, die von dem Mi Band nicht gerade wenig Geräte absetzen konnten. 

Natürlich aufgrund des geringen Preises von etwa 20 Euro – günstiger ging der Einstieg in die Welt der Fitness-Tracker sicherlich nicht. Mit dem Mi Band 1S haben die Chinesen vor wenigen Wochen ihr neustes Modell vorge­stellt, das nun auch einen Herzfre­quenz­messer an Board hat. Ich habe eine der ersten Charge von Gearbest zur Verfügung gestellt bekommen und konnte mir das Band nun schon rund 2 ½ Wochen anschauen und ein paar Vergleiche anstellen – meine Erfah­rungen und Kommentare könnt ihr hier nachlesen. 

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Design & Verar­beitung

Das Design des Mi Band 1S liegt – wie auch jenes des eigentlich identi­schen Vorgängers – irgendwo zwischen „zweck­mäßig“ und „schlicht“ und besteht aus zwei grund­le­genden Teilen: Zum Einen das Silikon­armband mit einer Länge von maximal etwa 20,5 Zenti­metern, zum Anderen der eigent­liche silber­farbene Tracker. Dieser misst etwa etwa 1,36 x 3,7 x 0,99 Zenti­meter, besitzt drei weiße LEDs (also, wie auch bei der neueren Version des Vorgängers, keine RGB-LEDs mehr) und wird in das Band hinein­ge­drückt. Das Einsetzen klappt wie auch das Heraus­nehmen ohne Probleme, dennoch hält der Tracker so fest, dass er sich während des Tragens und diversen Aktivi­täten nicht selbst­ständig machen und verloren gehen kann. 

Das Silikon­armband, welches neben Schwarz auch noch in anderen Farben gibt, wird mit einem recht simplen Druck­ver­schluss am Handgelenk befestigt – die Größen­ein­stellung erlaubt dabei Größen von 15,7 bis 20,5 Zenti­metern. Ganz einfach gelöst, auch dieser ist ausrei­chend, dass sich das Armband nicht ungewollt öffnet. Eine Ausnahme wäre natürlich, wenn man irgendwo hängen bleibt, dann aber gibt es noch immer die Siche­rungsöse, die ein Abfallen des Mi Band nochmals verhindert. Das Material, wie gesagt Silikon, dürfte vielleicht nicht jedem gefallen, aber gerade für sport­liche Aktivi­täten dürfte jenes die beste Option sein. 

Insgesamt macht das Mi Band einen guten Eindruck: Natürlich bringt der ein oder andere Fitness­tracker etwas mehr „Style“ mit, man muss aller­dings auch immer den deutlich gerin­geren Preis im Auge behalten. Und für diesen ist das Mi Band sehr gut verar­beitet und bietet in dem Punkt eigentlich keine Kritik­mög­lichkeit. Das Mi Band 1S besitzt wie auch der Vorgänger eine IP67-Zerti­fi­zierung, ist also gegen kurzzei­tiges Unter­tauchen bis zu einer Tiefe von einem Meter wasser­dicht. Schwimmen sollte man nun nicht unbedingt mit dem Band, Hände­wäschen, Duschen und derlei Sachen sind aber ohne Probleme mit dem Band möglich. 

Zur Akkulaufzeit: Das ursprüng­liche Mi Band besaß einen Akku mit 41 mAh und versprach eine Laufzeit von 30 Tagen – die in den meisten Tests aber nicht selten noch übertroffen wurde. Das Mi Band 1S kommt mit einem 45 mAh-Akku daher, aller­dings verbraucht der Herzfre­quenz­sensor natürlich mehr Strom. Seitens Xiaomi werden 20 Tage versprochen, auch diese Dauer wird mindestens einge­halten, teilweise sogar um 2-3 Tage überboten. Es kommt aber eben darauf an, wie häufig ihr zum Beispiel den Sync durch­führt, die Pulsmessung aktiviert und ähnliches – dazu aber im Verlaufe mehr. Zum Laden muss die „Pille“ übrigens aus dem Armband genommen und in das Ladekabel gesteckt werden. 

Die Einrichtung

Die erste Einrichtung des Mi Band 1S ist simpel, erfordert aber die dazuge­hörige Mi Fit App, die kostenlos für iOS und Android zu haben ist. Neben der App wird aller­dings auch zwinger­maßen ein Online-Account benötigt, den man in der App erstellen kann. Stellt sich natürlich immer die Frage, warum man die App nicht einfach nur Lokal nutzen kann, anderer­seits fragt die App auch mit Ausnahme der Mail-Adresse eigentlich keine weiteren persön­lichen Daten ab. Okay, doch: Ihr müsst nämlich euer Geschlecht und euer Alter angeben, diese Werte lassen sich aber wohl nicht weiter zuordnen.

Die Verbindung des Bands mit der App klappte bei mir ohne Probleme und war binnen Sekunden erledigt: Bluetooth an dem Smart­phone aktivieren, mit dem Band koppeln lassen, fertig. Das Band kann übrigens sowohl rechts, als auch links getragen werden, wird während der ersten Einrichtung von der App abgefragt. Alles ganz simpel gelöst, leider ist die App vom Design und der Funktio­na­lität her „nur zweck­mäßig“, wirklich viele Spiele­reien findet man dazu nicht – im Gegensatz zur Android-App steht die iOS-Version nur in engli­scher Sprache zur Verfügung, was aber auch kein allzu großes Problem darstellen dürfte. 

xiaomi-mi-band-1s-app-einrichtung-4Ihr könnt natürlich ein bestimmtes Tagesziel angeben, ist dieses erreicht vibriert das Band kurz und die drei LEDs leuchten auf. Dazu sollten die LEDs eigentlich bei entspre­chender Bewegung anzeigen, wie weit ihr eurem Tagesziel schon entge­gen­ge­kommen seid – was bei mir aber nicht wirklich funktio­nieren wollte. Zusätzlich noch ein kleiner Hinweis: Das Band schickt seine Daten nicht von sich aus die App, dies erfolgt nur manuell bezie­hungs­weise automa­tisch beim Öffnen der App. Ihr müsst euch also immer ein paar Sekunden gedulden, bevor euch die aktuellen Daten angezeigt werden. 

Mi Fit
Entwickler: Xiaomi Technology
Preis: Kostenlos

Schritt­zähler

Beginnen wir einmal mit dem verbauten Schritt­messer, für Fitness-Wearables schon ein alter Hut und auch die Haupt­aufgabe des Mi Band 1S. Bei Fitness-Trackern ist es eigentlich immer so: entweder sie messen zu viele Schritte, oder eben zu wenig. Liegt schlicht in der Natur der Sache, denn die meisten Fitness-Tracker erkennen einen Schritt an verschie­denen Faktoren, wie zum Beispiel am Körper­impuls oder einer ruckar­tigen Bewegung, wie sie eben die Arme beim Laufen machen. Das Mi Band dürfte durchweg etwas zu viele Schritte messen, denn es misst lediglich die Bewegung des Bandes. Heißt also: Bewegt ihr schlicht euren Arm, wird ein Schritt gezählt. 

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Macht aber in der Maße wohl nur wenig aus, zumal eben auch andere Tracker eine derartige Streuung mit sich bringen. Insgesamt kann ich im Vergleich zur Apple Watch sagen, dass die Werte zumindest annähernd stimmen, kleinere Schwan­kungen sind aber eben vorhanden. Welche Messung nun genauer ist? Keine Ahnung, die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwi­schen. Wer einen derar­tigen Tracker nutzt, der wird aller­dings auch keine 100% akkuraten Ergeb­nisse erwarten, die Werte dienen lediglich einer kleinen Orien­tierung und ob es nun 12.100 oder 12.250 Schritte waren ist meiner Meinung nach unrelevant. 

In der App könnt ihr euch neben den Schritten des aktuellen Tages auch einen Verlauf der letzten Tage und Monate und eine kleine Auswertung ausspucken lassen. Hierbei werden euch nicht nur die gelau­fenen Schritte (und die damit verbundene Kalorien-Zahl, grob basierend auf Alter und Gewicht) angezeigt, sondern auch zwischen „Laufen/Gehen“ und „Rennen“ unter­schieden, wobei ich für mich persönlich nicht festmachen konnte, woran die App das erkennt. Wohl an der Geschwin­digkeit der Schritt­ab­folgen, denn beim Kochen wird recht häufig ein „Rennen“ erkannt – ansonsten keine Ahnung, kam mir zugege­be­ner­maßen recht willkürlich vor.

Schlaf­über­wa­chung

Wer das Mi Band 1S auch zum Schlafen anbehält, der kann auch seinen Schlaf überwachen lassen. Auch hier gibt es einen Verlauf der gespei­cherten Werte, wobei das Band für jede Nacht verschiedene Werte ausgibt. Natürlich erst einmal die gesamte Zeit, die man im Bett verbracht hat, die Phasen des tiefen und leichten Schlafs, die Wachphasen zwischendrin und natürlich auch die Einschlaf- und Aufwachzeit. Zur besseren Messung lassen sich auch die Daten aus der Herzfre­quenz­messung hinzu­ziehen. Wie genau das Band nun die verschie­denen Werte misst, ist mir nicht gänzlich bekannt – die Werte stimmten aber halbwegs, zumindest was die Uhrzeiten anbelangt.

Herzfre­quenz­messung

xiaomi-mi-band-1s-7Kommen wir nun zum neuen „Herzstück“ des Mi Band 1S – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nämlich zum neuen Pulssensor, der sich wie auch bei anderen Trackern dieser Art an der Unter­seite der „Pille“ befindet. Aller­dings: Während die Messung zum Beispiel beim (wesentlich teureren) Fitbit Charge HR konstant durch­ge­führt worden ist, ist dies beim Mi Band 1S nicht der Fall. So muss man die Herzfre­quenz­messung erst recht umständlich über das Hauptmenü der Mi Fit App auslösen – und das jedesmal aufs Neue, eine automa­tische, konti­nu­ier­liche Messung ist nicht möglich. Zwar lässt sich eine Option aktivieren, dass zur Messung während der Schlaf­phasen regel­mäßig gemessen wird, diese Daten fließen aber nicht in die Übersicht ein. 

Die App gibt euch zwar den Hinweis, dass ihr während der Messung euren Arm angewinkelt recht nah an eurem Körper halten solltet – ist aber nur bedingt notwendig. Andere Tracker messen auch in jeder Position und auch bei diesen Werten gilt immer: sie dienen nur als Richtwert, wer aus medizi­ni­schen Gründen seine Herzfre­quenz überwachen möchte, der bekommt beim Arzt ganz andere Gerät­schaften, die den Preis einen Fitness-Trackers aber nicht selten ordentlich überbieten.

Ich habe auch hier mal ein paar direkte Vergleiche mit der Apple Watch gemacht. Ergebnis: Weder genau, noch ungenau. Mal war der gemessene Pulse der Apple Watch höher, mal der gemessene Puls des Mi Band 1S. Die Abwei­chung lag dabei aber eigentlich immer im Rahmen von +/- 5, also nicht eher gering und mit der Abwei­chung des Fitbit Charge HR zu vergleichen – und auch die Apple Watch wird mit Sicherheit keine 100% akkuraten Ergeb­nisse liefern. 

Was eben schade ist, ist die Tatsache, dass Xiaomi zwar einen Pulssensor verbaut hat, diesen aber recht lieblos integriert hat. Keine automa­tische Messung und mit Ausnahme einer knappen Erklärung keine weiteren Optionen wie Benach­rich­ti­gungen, verschiedene Zonen und dergleichen. Dies aber dürfte eine reine Software-Geschichte sein, vielleicht kommt ja noch etwas mit kommenden Updates für das Mi Band 1S und den Apps – wer weiß, wäre zumindest wünschenswert. 

Weitere Möglich­keiten

Die App (und auch das Band) besitzen aller­dings noch ein paar kleinere Zusatz­fea­tures auf die ich nun kurz eingehen möchte. 

  • xiaomi-mi-band-1s-app-weckerStiller Alarm aka Wecker: Das Mi Band kann auch als Wecker bezie­hungs­weise stiller Alarm herhalten. In der App lassen sich bis zu drei Alarm­zeiten konfi­gu­riert werden, die sich auch wieder­holen oder nur zu bestimmten Tagen aktivieren lassen. Optional können hierbei auch die Schlaf­phasen berück­sichtigt werden, sodass ihr zum Beispiel bei einer leichten Schlaf­phase kurz eurer Weckzeit auch schonmal ein paar Minuten früher geweckt werden. Pro: Soll das Aufstehen deutlich einfacher machen. Contra: Ich persönlich werde von der Vibration nicht wirklich wach, aber als einfacher Alarm sicher nicht schlecht. 
  • Anruf­be­nach­rich­tigung: Ist euer Mi Band dauerhaft mit dem Smart­phone verbunden, kann euch das Mi Band auch über einge­hende Anrufe infor­mieren, wozu das Band anfängt zu vibrieren und zu blinken. In lauteren Umgebungen sicherlich hilfreich.
  • xiaomi-mi-band-1s-app-gewichtGewichts­auf­zeichnung: Neben den Schritten und des Schlafes kann die Mi Fit App auch euer Gewicht proto­kol­lieren. Macht natürlich mehr Sinn in Kombi­nation mit einer Mi Scale, die automa­tisch die Ergeb­nisse an die App liefert, ihr könnt ihr Gewicht aber auch manuell von Hand eingeben. Solltet ihr dies Vorhaben, ein kleiner Tipp: Das „,“ richtet nichts aus, hier müsst ihr länger gedrückt halten und den „.“ auswählen. 
  • Health-App: Wer ein iPhone nutzt, der kann die Daten aus der MiFit-App auch an die Apple’sche Health-App weiter­reichen. Zu den übernom­menen Werten gehören die Schritte, die Schlaf­analyse, der Gewichts­verlauf und die verbrannten Kalorien – auch hier nichts mit Herzfre­quenzen.
  • Android-Tipp: Wer die Benach­rich­ti­gungs­funktion des Mi Bands noch etwas umfang­reicher nutzen möchte, der sollte sich einmal die Third-Party-App Mi Band Notifiy anschauen. Verschiedene Farben der LEDs lassen sich aufgrund der fehlenden techni­schen Möglichkeit beim Mi Band 1S zwar nicht nutzen, dafür aber die restlichen Optionen.

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Fazit und tl;dr

Die erste Version des Xiaomi Mi Band konnte sich in millio­nen­facher Ausführung verkaufen und auch das Mi Band 1S wird hierbei sicherlich keine Ausnahme machen. Das Band ist sehr gut verar­beitet, die Materialien sind zumindest funktionell (wer mag, der bekommt auch Leder­bänder von Xiaomi) – lediglich auf zusätz­liche Spiele­reien und Extras, wie zum Beispiel ein (Farb-)Display, muss man im Vergleich zu Konkurrenz-Produkten verzichten. Auch beim Thema App gibt es mit der Mi Fit App nur eine recht funktional ausge­stattete App, die zwar viele Gebiete abdeckt und eine Hand voll Zusatz­fea­tures bietet, letztlich aber nicht so viele Auswer­tungen und Spiele­reien besitzt, wie zum Beispiel die Apps von Jawbone oder Fitbit. 

Einzig die Herzfre­quenz­messung ist vielleicht ein kleiner Kritik­punkt, den Xiaomi aber mit einem kurzen Software- und/oder Firmware-Update besei­tigen könnte. Ich jeden­falls fände es wünschenswert, wenn das Armband den Puls in regel­mä­ßigen Inter­vallen messen und in der App hinter­legen würde – das explizite Ausführen wäre mir auf Dauer zu nervig und ist meiner Meinung nach nicht der ganze Sinn der Sache. Aber: Wird mit Sicherheit noch kommen, eine konti­nu­ier­liche Messung funktio­niert ja scheinbar, ist derzeit aber eben nur für die Messung der Schlaf­phasen zu aktivieren. 

Das erste Mi Band gibt es für umgerechnet etwas unter 14 Euro – das Mi Band 1S ist schon ordentlich teurer geworden, je nach Shop müsst ihr umgerechnet etwa 30 Euro auf die virtuelle Laden­theke legen – wobei der Preis immer sehr schwankt und mit der Zeit auch wieder sinken wird. Diesen günstigen Preis erreicht ihr aller­dings nur, wenn ihr das Band von China nach Deutschland verschicken lasst, was natürlich gerne mal ein paar Wochen in Anspruch nehmen kann. Zu haben ist das Band eigentlich bei allen einschlä­gigen chine­si­schen Online-Shops, wie zum Beispiel bei Gearbest (derzeit sogar mit dem Gutschein-Code GBMI1S für etwa 22 Euro) oder den weiteren bekannten China-Shops. Der Versand aus Deutschland ist zwar ungleich schneller, aller­dings legen deutsche Händler nochmals ein gutes Stück auf den Preis drauf. 

Letztlich die Gretchen­frage: Das Mi Band oder doch das neue Mi Band 1S? Wer lediglich einen einfachen Schritt­tracker benötigt, der kann sicherlich noch immer zu dem extrem günstigen Mi Band greifen. Ich persönlich finde auch die Messungen der Herzfre­quenz sehr inter­essant und würde daher immer zum Mi Band 1S greifen. Natürlich nur in und mit der Hoffnung, dass Xiaomi hier Software­mäßig nochmals etwas nachbessert, denn ich behaupte mal, der Status Quo macht das Band für viele etwas uninter­essant. Preislich jeden­falls liegt man mit dem Mi Band 1S ebenfalls noch wie unter den Heart-Rate-Trackern anderer Hersteller, die so bei 100-150 Euro beginnen – aber eben auch konti­nu­ierlich messen.