Xiaomi Mi Band 3 im Test: Günstiges Fitness-Armband mit starkem Akku

Marcel Am 01.09.2018 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:48 Minuten

Fitness- und Activity-Tracker für Gelegenheitssportler gibt es in Hülle und Fülle, im Grunde findet man inzwischen in nahezu jeder Preisklasse ein passendes Gerät. Aber nach Apple, die mit ihrer Apple Watch Marktführer auf dem Bereich der Wearables ist, stehen nicht etwa Fitbit oder Garmin auf der zweiten Stufe des Treppchens, sondern der chinesische Alles-Vertriebler Xiaomi. Mit der ersten Version des Mi Band konnte man bereits aufgrund des niedrigen Preises von rund 15 Euro viele Nutzer von sich überzeugen, mit dem Mi Band 2 legte man dann auch hardwaretechnisch nochmals zu und machte sich auf, Fitbit ordentlich einzuheizen. Inzwischen ist das Mi Band 3 in den einschlägigen China-Shops wie zum Beispiel GearBest zu haben und natürlich musste ich mir einmal anschauen, ob die neue Version den Erfolg der Produktreihe fortsetzen kann.

Das Mi Band 3 ausgepackt

Bei der Verpackung und dem Lieferumfang gibt sich Xiaomi wie gewohnt minimalistisch. Soll heißen: Das Mi Band 3 kommt in einer unauffälligen Box daher und bringt lediglich ein kurzes Ladekabel mit. USB-Netzstecker oder ähnliches sucht man vergeblich, dürfte aber auch gar nicht notwendig sein, da sicherlich jeder Haushalt genügend Netzteile besitzt und im Zweifel auch ein USB-Anschluss am Rechner ausreicht. Wie bereits vom ersten Mi Band gewohnt, besteht auch die aktuellste Ausgabe aus zwei Teilen: dem Silikon-Armband und der eigentlichen Hardware, der gewohnten „Pille“. Weiteres Zubehör findet sich nicht in der Verpackung – ist angesichts des niedrigen Preises aber auch nicht wirklich zu erwarten beziehungsweise gar von Nöten.

Das Armband besteht wie auch bei den vorherigen Versionen aus einem hautfreundlichen, thermoplastischen Elastomer (TPE) und ist von Haus aus in den Farben Schwarz, Hot Orange und Tiefblau erhältlich. Wie aber für Xiaomi-Gadgets gewohnt, haben sich auch beim Mi Band 3 zahlreiche Hersteller aufgemacht, kompatible Armbänder auf den Markt zu werfen – von Apple-Sportloop-Abklatschen, über Lederarmbänder oder solchen aus Metall. Bei GearBest gibt es eine recht stattliche Auswahl. Zumindest beim Original-Band lässt sich die Trackingeinheit nach den ersten ein, zwei Versuchen zügig und ohne größere Probleme herausnehmen und auch wieder einsetzen – das Band hat auch nach rund einem Monat keine sichtbaren Abnutzungserscheiniungen, der Tracker fiel nicht heraus und machte auch keine Anstalten, dies in naher Zukunft zu tun. Durch den recht kleinen Abstand zwischen den einzelnen Ösen dürfte sich für jeden Arm eine passende Weite finden – der zum Verschluss vorhandene Pin hält das Band auch sicher am Arm.

Die Pille, die eigentliche Hardwareeinheit des Mi Band 3, misst etwa 17,9 x 46,9 x 12 Millimeter und ist somit größer als der Vorgänger – weswegen bisherige Armbänder nicht mehr passen. Damit einhergehend ist auch das etwas größere OLED-Display, welches nun eine Diagonale von 0,78 Zoll misst (anstatt 0,42 Zoll beim Mi Band 2). Die Auflösung von 128 x 80 Pixel ist für die gängigen Informationen und Benachrichtigungen ausreichend. Schade ist lediglich, dass das Display lediglich die Farbe weiß darstellt – gerade fürs Wetter, verschiedene Menüpunkte und dergleichen wären ein paar farbliche Akzente hübsch gewesen; dies dürfte aber natürlich abermals beim Preis begründet sein. Vielleicht kommt es ja dann mit dem Mi Band 4.

Bedienung und Display

Die Bedienung des Mi Band 3 erfolgt komplett mittels Touch-Gesten, der gesamte Bildschirm ist berührungsempfindlich. Per Wisch nach oben wird das Display entsperrt, per Wisch von links nach rechts lässt sich durch die jeweiligen Funktionen und Menüs (zum Beispiel Anzahl der Schritte und die zurückgelegte Distanz, Kalorienverbrauch, Pulsmessung, Wetterinformationen und Einstellungen) springen. Der unterhalb des Display untergebrachte Touch-Button dient als „Zurück“-Button in allen Lebenslagen und zur Bestätigung verschiedener Aktionen mittels längerem Gedrückthalten, beispielsweise zum manuellen Messen der Herzfrequenz, dem Suchen des verbundenen Smartphones und ähnlichem. Funktioniert recht zufriedenstellend, auch wenn man sich zwecks Wischgesten erst etwas an das kleine Display gewöhnen muss.

Das Display selbst ist im Übrigen nicht dauerhaft aktiv, sondern wacht erst bei einem Tap auf die erwähnte Softtouch-Taste auf. Alternativ dazu könnt ihr in den Einstellungen aber auch festlegen, dass das Display dauerhaft aktiv bleibt oder bei der typischen Armbewegung „Auf die Uhr schauen“ aktiviert wird. Letzteres kann auch zeitlich beschränkt werden, sodass es Nachts nur bei einem Tap aufleuchtet. Innerhalb Räumen ist die Helligkeit des Displays ingesamt ausreichend, im Freien und gerade bei Sonneneinstrahlung ist das Display schwierig bis gar nicht ablesbar ist. Ein Kompromiss zwischen Akkulaufzeit und Nutzen, in dem Falle aber ein schlechter. Fairerweise sollte man erwähnen, dass dies leider bei vielen Fitness-Trackern der Fall ist.

Die MiFit-App und Fitness-Features

Wer das Mi Band 3 nicht nur als einfachen Schrittzähler nutzen möchte, sondern die allgemein bekannten Statistiken und Auswertungen sehen möchte, der muss natürlich die dazugehörige MiFit-App nutzen. Diese ist kostenlos für iOS und Android erhältlich und erfordert – wie gewohnt – einen Mi-Account. Die Erstellen ebensolchen ist in der Theorie simpel, leider kann es in der Praxis vorkommen, dass man bis zu einem Tag auf die Bestätigungsmail warten muss – wohl ein bekanntes Problem bei Xiaomi. Hat man den Account dann aber erstellt und bestätigt, ist die weitere Einrichtung des Mi Band 3 aber simpel und ohne große Fallstricke: Das Band kann übrigens sowohl rechts, als auch links getragen werden, wird während der ersten Einrichtung von der App abgefragt. Inzwischen ist die MiFit-App deutlich reifer, sowohl was die Optik betrifft, als auch die Funktionen.

Fitness-Tracking: Schrittzähler und Aktivitäten

Natürlich eine der essentiellen Features eines Fitness-Trackers: Das Zählen und Aufzeichnen von Schritten und anderen Aktivitäten. Ein typisches Problem hierbei: Die Tracker erkennen einen Schritt mittels verschiedener Faktoren, beispielsweise am Körperimpuls oder einer ruckartigen Bewegung, wie man sie eben mit den Armen bei der Fortbewegung macht. Dies sorgt im Alltag für halbwegs realistische Ergebnisse, allerdings keine genauen, da auch mal „normale“ Armbewegungen fälschlicherweise als Schritt erfasst werden oder beim Herumtrödeln auch mal Schritte unter den Tisch fallen. Je nach Band fällt die Anzahl der Schritte mal höher, mal niedriger aus und dies ist auch beim Mi Band 3 nicht anders, wenn man dieses mit anderen Schrittzählern vergleicht.

Im Vergleich mit der Apple Watch zeigt sich jedenfalls, dass die Werte zumindest annähernd korrekt sind, das Mi Band 3 zählte über die Wochen verteilt mal ein paar Schritte mehr, mal ein paar weniger. Welche Messung nun korrekt ist? Die Wahrheit dürfte sicherlich irgendwo dazwischen liegen. Es wird wohl auch niemand 100% akkuraten Ergebnisse erwarten. Die Werte dienen lediglich der Orientierung und ob am Ende des Tages nun 12.100 oder 12.250 Schritte ausgegeben werden dürfte nur wenig relevant sein.

Was jedoch schade ist: Das Mi Band 3 ist auch weiterhin nicht in der Lage, Sportarten automatisch zu erkennen. Nun ist es so, dass einige Sportarten aufgrund ihrer Bewegungsmuster und der Arbeitsweise der Tracker nicht definiert werden können. Dennoch gibt es inzwischen eine Reihe an Wearables, die sich vom Alltag differenzierte Aktivitäten erkennen und dies bei Benachrichtigung melden oder zumindest in der App als solche ausweisen. Beim Mi Band 3 ist leider beides nicht der Fall, eine Laufrunde wird als einfache Schritte gezählt. Leider kommt noch hinzu, dass man Aktivitäten lediglich über die Smartphone-App anstoßen kann, nicht aber über das Band selbst. In meinen Augen unverständlich. ¯\_(ツ)_/¯

Kurzer Nachtrag: Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Artikels brachte Xiaomi die Firmware-Version 1.6.0.16 heraus, mit dem sich Aktivitäten auch über das Mi Band starten lassen. Geht doch.

Der Herzfrequenzsensor

Aktuelle Fitness-Armbänder tracken schon lange nicht mehr nur eure Schritte, auch die Herzfrequenz ist seit ein paar Monaten bis Jahren Standard. Aber auch hierbei gilt: Akkurate Ergebnisse gibt es nicht, vielmehr dienen sie lediglich als kleiner Anhaltspunkt. Auch hier mal wieder ein kurzer Blick auf die Apple Watch beziehungsweise deren Messungen: Jau, passt soweit. Auf dem Mi Band 3 lässt sich manuell eine einzelne Messung durchführen, alternativ dazu könnt ihr in den Band-Einstellungen in der App auch automatische Messungen aktivieren. Minimal kann ein Intervall von 1 Minute gewählt werden oder aber die automatische Herzfrequenzmessung nur während der Schlafphasen genutzt werden, um die Genauigkeit der Schlafüberwachung zu verbessern. Wer die automatische Messung nutzt, dem sollte natürlich klar sein, dass mit kürzeren Intervallen auch die Akkulaufzeit sinkt.

Die Schlafüberwachung

Wie erwähnt zeichnet das Xiaomi Mi Band 3 auch den Schlaf auf – jene Auswertungen sind jedoch nicht auf dem Band selbst ersichtlich, sondern lediglich in der App. Hier aber gibt es eine ganze Reihe an Informationen, wie zum Beispiel die Dauer und Intensität eurer Schlafphasen, allgemeine Informationen zu eurem Schlafrhytmus (zu früh eingeschlafen, zu früh aufgewacht und dergleichen), sowie weiteren Statistiken. Letztere zeigen euch zum Beispiel, wie viele Nutzer einen längeren und besseren Schlaf besessen haben oder wie viele früher schlafen gelegt haben, als ihr es tat. Die Zahlen stimmen grob überein und nächtliche Wachphasen zum Trinken oder der Erledigung menschlicher Bedürfnisse werden zuverlässig erkannt. Im Vergleich mit einschlägigen Apps für die Apple Watch passen auch diese Angaben. Schade: Den bisher noch vorhandenen Schlafphasenwecker hat man inzwischen entfernt.

Weitere Funktionen des Mi Band 3

Neben den fast schon obligatorischen Fitness-Funktionen bringt das Mi Band 3 aber auch noch ein paar andere Features mit. Zu diesem gehören natürlich Wecker und Alarme, die sich innerhalb der MiFit-App einrichten lassen und euch dann zu gegenebener Zeit mittels Vibrationen benachrichtigen. Dies funktioniert ganz gut und die Vibrationen sind auch stark genug, um den Träger aus einer leichten Schlafphase zu holen – wer jedoch tief in der Nacht aufstehen muss, der sollte weiterhin den klassischen Wecker nutzen, denn zumindest ich bin testweise nicht aus dem Tiefschlaf zu holen gewesen. Nett ist, dass sich nicht nur mehrere Wecker (auch wiederkehrend) erstellen lassen, sondern man die Anzahl auch verringern kann, da neben den einzelnen Wochentagen auch Angaben wie Werktage oder Wochenende zur Verfügung steht.

Darüber hinaus könnt ihr mit der MiFit-App auch euer Gewicht tracken, die weiteren Funktionen betreffen aber das Mi Band 3 alleine. Hierzu gehört zum Beispiel eine Stoppuhr und Wettervorschau für die kommenden drei Tage, außerdem lassen sich eingehende Anrufe direkt am Handgelenk ablehnen oder auch verlegte Smartphones mithilfe der Orten-Funktion finden. Benachrichtigungen auf dem Smartphone lassen sich auch auf dem Mi Band 3 anzeigen, dieses Feature kann bei Bedarf auch auf ausgewählte Apps beschränkt werden. Insgesamt ist das Feature aufgrund des kleinen Displays aber eher zu vernachlässigen, denn zum einen ist schlichtweg viel zu wenig Platz für aussagekräftige Informationen vorhanden, zum anderen werden bereits Emojis nur als typische „?“-Symbole angezeigt. Für grobe Informationen darüber, welche App sich gemeldet hat und welche Person euch angeschrieben hat ausreichend – viel mehr gibt es jedoch nicht zu sehen.

Weitere Screenshots der App

Ein paar letzte Notizen

  • Die Trackingeinheit des Mi Band 3 ist wasserdicht und hält laut Hersteller einem Wasserdruck von 5 Bar (5ATM) stand – Duschen und Schwimmen ist also problemlos möglich.
  • Die Akkulaufzeit fällt – typisch für die Mi Bands – sehr gut aus. Versprochen werden seitens Xiaomi, dass der 110 mAh „große“ Akku rund 20 Tage aushält – was aber natürlich je nach Nutzungsverhalten variiert. Mit automatischer Display-Aktivierung beim Anheben des Armes, einer Herzfrequenzmessung im 1-Minuten-Intervall, allen aktivierten Benachrichtigungen und morgendlichem Wecker hält das Band aber rund 8-9 Tage durch.
  • Das Mi Band 3 bietet keine eigenständige GPS-Funktion. Zwar ist es möglich, in der App einen Streckenverlauf eurer Laufaktivitäten aufzurufen – aber nur, wenn in der App zuvor die entsprechende Aktivität aktiviert wurde und das Smartphone dabei ist.
  • Wer sich sorgen machen sollte, dass die MiFit-App sämtliche Daten an chinesische Server schickt: Jau, ist so – wie auch bei allen anderen Apps sendet auch die Xiaomi-App Nutzerdaten nach Hause. Wer dies nicht möchte und ein Android-Phone sein Eigen nennt, der kann auf eine alternative App namens GadgetBridge zurückgreifen. Diese unterstützt inzwischen auch das Mi Band 3, muss allerdings manuell über F-Droid heruntergeladen und installiert werden.
  • Es wird wohl auch eine NFC-Version des Mi Band 3 geben, mit dem zum Beispiel mobiles Bezahlen möglich sein soll. Aber: Derzeit ist lediglich eine Vorbestellung möglich, mit rund 70 US-Dollarn fällt es um einiges höherpreisiger aus und da es vorerst nur für den chinesischen Markt gedacht ist, werden wohl auch erstmal nur chinesische Zahlungsdienstleister unterstützt.

Fazit: Günstig, billig, aber gut

Mit dem ersten Mi Band konnte Xiaomi für aufsehen sorgen, denn im Vergleich zu anderen Fitness-Wearables von Fitbit, Garmin und Co. war der Preis abgöttisch niedrig. Inzwischen hat Xiaomi das Mi Band an vielen Punkten aufgemotzt und musste damit einhergehend auch den Preis erhöhen. Dennoch fällt dieser mit im Schnitt 25 Euro (je nachdem, wo ihr kauft und ob es gerade eine Aktion gibt) immer noch deutlich günstiger aus, wodurch auch die dritte Version ein starkes Gesamtpaket abbildet. Natürlich sucht man die ein oder andere Funktion, hierzu gehört sicherlich das automatische Tracking von Sportaktivitäten, eine eigenständige GPS-Funktion oder auch eine MP3-Funktion direkt am Handgelenk. Ernsthafte (Hobby-)Sportler dürften also eher auf eine Alternative setzen.

Für den durchschnittlichen Nutzer ist das Band aber auf jeden Fall zufriedenstellend: Das Display ist in Ordnung, die Bedienung geht von der Hand, die Qualität der Daten ist gut, die MiFit-App ist inzwischen ausgereift und der Akku natürlich stark. Als weiterer Pluspunkt stellt sich die Verfügbarkeit zahlreicher Armbänder von Drittherstellern heraus, mit der sich das schlichte, aber doch recht plumpe Silikonarmband austauschen lässt. Wer also auf der Suche nach einem günstigen Fitness-Armband ist, der kann ohne allzu große Bedenken zuschlagen. Wer hingegen ein Mi Band 2 besitzt, der dürfte etwas im Zwiespalt stecken und muss für sich abwägen ob sich ein Neukauf lohnt – denn meiner Meinung nach fallen die Mehrwerte des Mi Band 3 in der Praxis nicht derart ins Gewicht.

Dieser Artikel wurde mir von GearBest als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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