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Produk­tives Arbeiten mit dem iPad? Meiner Meinung nach ohne Hilfs­mittel nur bedingt möglich – sei es nun mit den „älteren“ Modellen oder auch mit den neuen iPad Pros. Konsu­mieren von Medien, Surfen im Web, kleinere Aufgaben erledigen – all das geht sicherlich ohne Probleme auch nur mit dem Touch­screen und genau hier können die iPads (und auch andere Tablets mit Android) ihre Stärke ausspielen. Knack­punkt ist dann aller­dings das Schreiben von längeren Texten wie Artikel, Mails, Mitschriften in der Uni und dergleichen. Da dauert es mit der On-Screen-Tastatur einfach viel zu lange, sodass man hierzu definitiv auf eine Hardware-Tastatur zurück­greifen sollte. 

Nun unter­stützt iOS eigentlich seit jeher gängige Bluetooth-Tasta­turen, aber immer zwei Geräte mitschleppen zu müssen, ist auch alles andere als komfor­tabel. Also haben sich Hersteller ans Werk gemacht und passende iPad-Hüllen mit fest verbun­dener Tastatur produ­ziert, von denen mich aber bislang auch noch kein Modell so richtig überzeugen konnte. Entweder war die Hülle schlecht und unvor­teilhaft, die Tastatur mies (schlechter Anschlag, wabbelnde Tasten, schlechte Verar­beitung) oder die Art und Weise der Kombi­nation (zum Beispiel eine dauer­hafte Verbindung) sagte mir schlicht nicht zu. 

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In den letzten Wochen hatte ich aber mal die Möglichkeit, eine Tastatur aus dem Hause ZAGG zu testen, genauer gesagt das ZAGG Slim Book für das iPad mini der vierten Generation (funktio­niert aber auch mit der dritten Generation, da baugleich). Dieses besteht aus zwei Modulen: zum einen natürlich die Tastatur mitsamt des Akkus, zum anderen eine Hülle für das iPad mini. Beide Teile lassen sich entweder mitein­ander oder getrennt vonein­ander nutzen – etwas, was ich für mich persönlich als wichtig erachte. Meine Eindrücke zum ZAGG Slim Book möchte ich nun ein wenig ausführen. 

Beginnen wir erst einmal mit der iPad-Hülle und beginnen dann auch schon den ersten größeren Kritik­punkt, denn die Hülle besteht leider durch die Bank aus Kunst­stoff. Zwar ist die Verar­beitung nicht groß zu beanstanden, denn immerhin passt das iPad mini genau in die Hülle, die Ausspa­rungen für die Buttons und Stecker sind sauber ausge­stanzt und es gibt keine scharfen Kanten – irgendwie habe ich aber vor allem mit Blick auf den Preis ein klein wenig mehr erwartet. Außerdem hätte das Case auch gerne einen Tick dünner sein dürfen, auch wenn das iPad mitsamt der Hülle noch immer gut in der Hand liegt und sich bedienen lässt. 

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Hat man das iPad einmal in die Hülle gepackt, kann man dieses nun einfach in das vorhandene Scharnier an dem Tastatur-Modul stecken, dank der verbauten Magnete hält dieses überra­schend gut – ich hatte zu keinem Zeitpunkt die Befürchtung, dass sich die beiden Module vonein­ander lösen. In diesem Modus kann man das Slim Book nun wie ein Notebook nutzen und auf und zu klappen. Einmal aufge­stellt bleibt das iPad wirklich fest in seiner Position, wobei es ein wenig wabbelig ist. Nicht, dass es nun bei jedem Tasten­an­schlag wackeln würde, aber gerade bei der Touch­be­dienung kann dies etwas unangenehm sein. 

Was mir persönlich auch etwas missfällt: Klappt man das „Display“ auf, so drückt die Längs­seite die Tastatur ein wenig hoch, sodass diese keilförmig nach oben steht. Kann man nun rein auf die Bauart des Schar­niers schieben, kann man aber auch mit dem Stichwort „Ergonomie“ begründen. Ich für meinen Teil bevorzuge zwar auch minimal anstei­gende Tasta­turen wie zum Beispiel das Apple Magic Keyboard, im Falle des Slim Book ist mir die Erhöhung aber ein wenig zu viel, zumal diese eben auch noch je nach Ausrichtung des iPads stärker oder schwächer ausfällt. 

Ansonsten gibt es aber nicht mehr viel, was man an der Tastatur selbst aussetzen könnte. Die Unter­seite des Tastatur-Moduls besteht wie auch die iPad-Hülle aus Kunst­stoff, während man auf eine Oberseite aus Aluminium gesetzt hat, die in Kombi­nation mit den schwarzen Tasten sicherlich nicht ohne Zufall an ein MacBook erinnert. Insgesamt fühlt sich der Tastatur-Teil vor allem auf der Oberseite sehr gut an und ist auch ordentlich stabil, auch bei Druck gibt keine Stelle nach oder lässt sich verbiegen und auch ein Knarz­ge­räusch versucht man vergeblich zu vernehmen. Sehr gefällig. Positiv kann man zusätzlich festhalten, dass das Slim Book zusam­men­ge­klappt gerade einmal 1,5 Zenti­meter misst – fast alle vergleich­baren Tastatur-Hüllen fallen dicker aus. 

Die Tasten selbst sind sehr angenehm, „schwimmen“ nicht in ihren Ausspa­rungen und haben einen anstän­digen Druck­punkt. Aller­dings: Bedingt durch die Kompaktheit des iPad minis fällt natürlich auch die verfügbare Fläche der Tastatur recht klein aus, sodass die Tasten nicht nur kleiner, sondern auch enger beiein­ander stehen, was in den ersten Tagen erst einmal ein wenig nervig und vor allem ungewohnt ist. Blindes Tippen wie auf der Mac-Tastatur? Fehlan­zeige. Je mehr Stunden ich dann aber mit dem Slim Book verbracht habe, umso flüssiger lief das ganze, auch wenn man sicherlich nicht das Level erreicht, welches man auf einer „richtigen“ Tastatur hat. 

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Verbunden wird die Tastatur natürlich ganz unpro­ble­ma­tisch via Bluetooth und wie von einer speziell für iOS entwor­fenen Tastatur bietet sie natürlich auch ein paar Sonder­tasten bezie­hungs­weise hat gängige Tasten von PC-Tasta­turen durch iOS-Sonder­funk­tionen ersetzt. So gibt es statt der Escape-Taste einen Homebutton, man kann das iPad per Tasten­druck sperren, Siri aktivieren, die Multi­tasking-Ansicht öffnen und auch Mediatasten sind vorhanden. Ansonsten gibt es ein vollstän­diges deutsches Tasta­tur­layout, inklusive Umlaute. 

Die Tastatur besitzt eine (für mich als notwendig erachtete) integrierte Hinter­grund­be­leuchtung in drei unter­schied­lichen Hellig­keits­stufen und mit sieben verschie­denen Farben: Weiß, Rot, Violett, drei unter­schied­lichen Blau-Tönen und Grün – ist also für jeden Geschmack etwas dabei. Ein ganz großer Pluspunkt dürfte auch die angegebene Akkulaufzeit sein, denn ZAGG gibt diese mit langen zwei Jahren an. Variiert natürlich je nach Nutzung und ob die Tastatur immer beleuchtet wird, aber selbst wenn die Akkuladung letztlich nur bei einem Jahr liegen sollte, ist dies schon enorm. 

Das ZAGG Slim Book kann übrigens auf vier unter­schied­liche Arten genutzt werden. Zuerst natürlich als „Notebook“-Ersatz mit aufge­klapptem iPad, aber wie erwähnt kann das iPad mitsamt der Hülle auch schnell vom Tastatur-Modul getrennt und eigen­ständig als Tablet-PC genutzt werden. Etwas abgewan­delte Varianten dieser beiden Möglich­keiten: Das iPad lässt sich aber auch umgekehrt in das Scharnier stecken, sodass man das Konstrukt entweder hochge­klappt als Video-Display nutzen kann, oder komplett zusam­men­ge­klappt in einer Art Buch-Modus. Kann man nutzen, muss man aber nicht, wollte ich nur mal erwähnt haben.

Fazit zum ZAGG Slim Book für das iPad mini 4? Meiner Meinung nach die derzeit beste Tastatur-Hülle für das iPad mini und die „ältere“ Air-Generation der großen iPads, denn auch für diese Modelle gibt es ein entspre­chendes Slim-Book-Modell. Die Verar­beitung ist sehr gut und hochwertig, die Akkulaufzeit dürfte fast länger ausfallen, als man das iPad-Modell nutzt, die Bluetooth-Verbindung ist zuver­lässig, es gibt eine Hinter­grund­be­leuchtung für die Tasten, zusam­men­ge­klappt ist die Kombi­nation noch relativ flach und man kann das iPad auch schnell eigen­ständig nutzen. In so fern sind eigentlich alle für mich relevanten Punkte erfüllt. 

Aller­dings gibt es neben den Licht­blicken auch Schat­ten­seiten. Da wäre erst einmal die Wahl der Materialien, denn mit rund 100 Euro ist das Slim Book kein Schnapper und diesbe­züglich hätte ich zumindest etwas hochwer­tigere Materialien erwartet – ein komplettes Gehäuse aus Aluminium wäre absolut spitze gewesen, hätte ich gefeiert. Der zweite Kritik­punkt liegt natürlich schlicht an der Größe des iPad minis, was eben folge­richtig zu kleineren und enger anein­ander liegenden Tasten führt. Erfordert eben Kompro­miss­be­reit­schaft und ein gewisses „Eintippen“ – erwartet aber nicht, das ihr ein perfektes Tippgefühl wie bei einer großen Tastatur bekommt. 

Eine ultimative Kaufemp­fehlung kann man demnach nicht geben. Ja, meiner Meinung nach sind die 100 Euro aufgrund der Materialien grenz­wertig. Anderer­seits gibt es eben auch viele positive Allein­stel­lungs­merkmale, die das ZAGG Slim Book zu der wohl am gelun­gensten Tastatur-Hülle machen. Letztlich kommt es aber darauf an, was ihr von einem solchen erwartet und wie häufig ihr es benötigt – Gelegen­heits­nutzer finden sicherlich günstigere Alter­na­tiven. Ansonsten lässt sich nur sagen: Probiert es aus, vor allem das Tippgefühl muss und sollte persönlich erprobt werden – die Geschmäcker sind hier zu unter­schiedlich.