Der WesternDigital TV Play: vollwertiger Mediaplayer oder kleiner Bruder des WD TV Live?

Marcel Am 20.04.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:43 Minuten

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Etwas mehr als ein Jahr ist es her, als die Jungs von Western Digital mit dem WD TV Live eine überarbeitete Version des gleichnamigen Vorgängers präsentiert haben. Die neue Generation hat mich persönlich voll überzeugt, allerdings benötige ich persönlich keine Webdienste und bin daher der Einfachheit halber – wie schon oft geschrieben – beim AppleTV samt aTV Flash und dem Mediaplayer geblieben. Nun hat WesternDigital Anfang des Jahres mit dem WD TV Play einen Nachfolger präsentiert; logisch, dass ich mir das Teil auch einmal angeschaut habe.

Rein von der Optik her sieht der WD TV Play dem AppleTV doch schon sehr ähnlich. Macht ja aber nichts, sieht dennoch ganz schick aus, lediglich diese blaue Unterseite samt Rand finde ich nicht so prickelnd – aber das mag ja Geschmackssache sein, ich fand dennoch den WD TV Live ein wenig hübscher.

An der Rückseite der Streamingkiste finden wir die üblichen Verdächtigen: Stromanschluss, AV Out, HDMI, Ethernet und optischer Audioausgang. Der USB-Slot ist an die Seite gewandert, erleichtert das Wechseln des USB-Sticks oder der USB-Festplatte.

Während die Fernbedienung des WD TV Live gegenüber seinem Vorgänger ein wenig größer geworden ist, ist sie nun beim WD TV Play wieder etwas geschrumpft. Kunststoff, der sich aber dennoch ziemlich wertig anfühlt und ausnahmsweise mal nicht vom glänzenden und nervenden Klavierlack überzogen ist.

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Und ich sage es schon einmal vorab, dann haben wir die Hardware-Sache auch schon so gut wie abgeschlossen: Die Fernbedienung liegt durch die angenehme Größe gut in der Hand und die Tasten haben einen sehr feinen Druckpunkt – ich hatte während des ganzen Tests nichts daran auszusetzen. Die Netflix-Taste? Dazu komme ich später noch einmal.

Die Software. Kommen wir nun einmal direkt zur Software des WD TV Play. Und, soviel kann ich sagen, ab hier war ich irgendwie etwas enttäuscht von dem kleinen Teil. Auf der einen Seite ist die Oberfläche mit der des WD TV Live nahezu identisch, aber dennoch unterschiedet sich das Prinzip der beiden Player grundlegend. Aber erst einmal kurz etwas zur Einrichtung: die Verbindung mit dem Netzwerk via WLAN lief einwandfrei und ohne Probleme – reibungslos.

Die Hauptoberfläche beziehungsweise der Startbildschirm hat sich gegenüber dem WD TV Live ein wenig verändert, die Aufteilung ist jedoch nahezu identisch geblieben: Favoriten, Film & Fernseher, Web Videos, Musik, Fotos, SpielSports et jeux und Social & News.

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Doch dazu komme ich später zurück, da dies dann auch eine gute Überleitung zum Fazit wird. Viel interessanter ist jedoch die App „My Storage“, welche sich in einem pinken Icon in den Favoriten präsentiert. Denn darüber erhaltet ihr Zugriff auf eure Daten – entweder via USB-Stick oder Festplatte oder aber per Medienserver, wie ihn die FritzBox oder die DiskStation bietet. Direkter Zugriff auf Freigaben eures NAS? Mööp. Nein, geht nicht. Netzwerkserver ja, aber nur mit Mediaserver.

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Und ab hier ist es dann nahezu 1:1 zu dem WD TV Live: Selbe Optik, aber ein wenig weniger Funktionen sind es dann doch. So lassen sich zum Beispiel auf dem Medienserver keine Ansicht umschalten – es gibt lediglich eine Listenansicht. Filter? Fehlen hier ebenfalls, aber eigentlich logisch, denn das erledigt ja eigentlich der Medienserver.

Nutzt man jedoch ein USB-Laufwerk, so bekommt man zumindest Filtermöglichkeiten nach Videos, Fotos und Musik zur Auswahl gestellt – andere Ansichten? Nein, auch hier nicht. Merkwürdigerweise.

Was ich bislang an den Mediaplayern von WesternDigital toll fand: es wurden sämtliche Formate abgespielt. Hier sieht es anders aus, denn offiziell werden nur MPEG4-Videodateien abgespielt. DVD-Images, VOB-Dateien und MKV? Fehlanzeige. Merkwürdigerweise spielte er zwei Videos im MOV-Format nicht vom Medienserver ab, aber vom USB-Stick. Erster Verdacht: Der Medienserver macht das nicht mit, aber dem war nicht so. Scheint am WD TV Play zu liegen. Kuriose Sache. Das Overlay und die Filmoptionen sind übrigens wieder zum WD TV Live identisch.

Und das waren auch schon sämtliche Features, die die kleine Kiste bezüglich des eigenen Server mitbringt. Also kommen wir mal wieder zurück zum angesprochenen Startscreen und den dortigen Hubs. Sind wie gesagt sieben an der Zahl und alle beherben unterschiedliche Apps: Netflix, Viewster, Maxdome, YouTube, Spotify, TuneIn Radio, Dezzer, Flickr, RedBull TV, Facebook, Twitter, BILD und einige mehr sind dabei.

Über die Sinnhaftigkeit von Facebook, Twitter und Co. brauche ich ja sicherlich nichts zu erzählen. Ja, funktioniert. Nein, macht mit der Fernbedienung natürlich keinen Spaß, da können die Tasten noch so gut sein. Spotify und YouTube (übrigens der TV-Modus von YouTube) sind ganz nett gemacht und brauchbar, die restlichen Apps wie Netflix und Maxdome konnte ich nicht testen – diese Art von Diensten, zu denen auch noch andere zu finden sind, sind natürlich ideal für so eine Kiste. Mangels Account konnte ich sie aber leider nicht testen und Watchever fehlt…

Und so haben wir die Oberfläche weitestgehend durch und ich kann zu meinem Fazit kommen. Und hier möchte nun direkt einmal die Frage aus dem Titel beantworten: Nein, der WD TV Play ist kein vollwertiger Medienplayer, jedoch ist er auch nicht der kleine Bruder des WD TV Live. Der WD TV Play ist nicht dafür gedacht, seine Videos vom eigenen Server zu schauen, sondern möchte Video-On-Demand-Dienste auf eurem Fernseher bringen. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass Netflix in den US of America einen größeren Umfang und Bekanntheitsgrad als alle in Deutschland verfügbaren Dienste wie Maxdome, Lovefilm und Watchever zusammen hat, ist es auch logisch, wieso man den Dienst so präsent auf der Fernbedienung platziert hat: ein Knopfdruck und Netflix startet.

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Daher kann man dem WD TV Play eigentlich gar nicht so kritisch betrachten, denn hierzulande sieht es mit solchen Diensten halt noch eher mau aus, ist aber meiner Meinung nach dennoch die Zukunft. Und so würde ich fast sagen, dass er eher seiner Zeit (zumindest hierzulande) noch ein wenig voraus ist – schaut in 2-3 Jahren nochmal, dann hat jeder solch eine reine Video-On-Demand-Kiste zuhause rumstehen, sofern der Fernseher dies dann nicht eh schon macht. Und by the way: der AppleTV bietet von Haus aus auch nicht mehr oder weniger Funktionen, denn auch die Kiste aus Cupertino ist ohne Jailbreak rein auf Streaming ausgelegt – nur, dass es hier eben auch eine Watchever-App gibt.

Dennoch muss ich sagen, dass man sicherlich den WD TV Live hätte weiterentwickeln können und dabei ebenso auf die VoD-Dienste hätte setzen können – ist ja eigentlich kein entweder/oder, sondern beides kombiniert wäre ja eigentlich auch machbar, oder?

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