PrusaSlicer 2.7: Neues Gcode-Format, SVG-Support und mehr

Marcel Am 24.11.2023 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:00 Minuten

Prusa hat seinem PrusaSlicer mit der Version 2.7 einige interessante Neuerungen spendiert. Unter anderem gibt es ein neues, platzsparendes Gcode-Format, Unterstützung für SVG-Dateien und viel technisches.

Der von Prusa entwickelte PrusaSlicer galt lange Zeit neben Ultimaker Cura als das Maß aller Dinge und ist in der Urform selbst ein Fork des Slic3r-Slicer aus dem RepRap-Projekt. Inzwischen ist der PrusaSlicer von seiner Vorlage aber deutlich wegentwickelt worden und muss seinerseits für etliche Forks wie beispielsweise dem BambuStudio oder dem SuperSlicer herhalten. Und anders als der Name vermuten lässt, kann auch der PrusaSlicer nicht nur für die 3D-Drucker aus dem Hause Prusa genutzt werden sondern steht allen Druckermodellen offen. Natürlich sind die von Haus aus mitgelieferten Profile für die eigenen Drucker bestmöglich optimiert, dank der großen Community finden sich aber zahlreiche von Nutzern erstellte Profile und Filamente aller Art. Nun hat Prusa seinen Slicer auf die Version 2.7 aktualisiert und dabei ein paar Neuerungen eingebaut, die nach und nach mit Sicherheit auch in andere Slicer und Druckerfirmwares übernommen werden.

Da wäre zunächst die wohl größte Neuerung zu finden, da sie sich auf die gesamte 3D-Druck-Szene auswirken dürfte. GCODE-Dateien sind zwar gemeinhin der Standard, haben aber den Nachteil, dass sie auch bei kleineren Drucken schnell eine große Dateigröße besitzen. Hierzu gab es in der Vergangenheit bereits Lösungsversuche, beispielsweise das Octoprint-Plugin MeatPack(smacht sich der Tatsache des begrenzten Zeichensatz zu Nutze) oder der Heatshrink-Komprimierungsalgorithmus. Prusas Ansatz hingegen ist ein binäres G-Code-Format zur Kodierung und Komprimierung von ASCII-G-Code-Dateien, welches flexibler ist und mittels libbgcode-Bibliothek offen zur Verfügung gestellt wird. Der Größenunterschied fällt je nach Inhalt des G-Codes bzw. dem Druckobjekt unterschiedlich aus, im Schnitt lässt sich die Dateigröße aber um rund 70 Prozent reduzieren, was bei (mittel-)großen Drucken schon einiges an Ressourcen spart. Die Ausgabe als binärer G-Code kann unter „Druckeinstellungen → Ausgabeoptionen → Export“ aktiviert werden, ebenso gibt es eine Option zur Konvertierung bestehender G-Code-Dateien. Wichtig: Um einen binären G-Code zu drucken, muss dieser von der Firmware des Druckers unterstützt werden. Die die Prusa-Modelle MINI, XL und MK4 wird die frische Firmware 5.10 benötigt.

Darüber hinaus unterstützt die Version 2.70 auch die Ausgabe von G2- und G3-G-Codes mit Bogen- und Kreisbewegungen. Die Implementierung basiert auf der ArcWelderLib by @FormerLurker beziehungsweise dem gleichnamigen OctoPrint-Plugin ArcWelder. Auch diese Funktion sorgt für eine Verkleinerung von G-Code-Dateien, sogar unabhängig davon, ob man das klassische oder binäre Format nutzt – im Schnitt liegt die Dateigröße etwa 10 Prozent unterhalb. Einziger Haken an der Sache ist, dass die G2- und G3-Ausgabe nicht mit dem Spiralvasen-Modus kompatibel ist und bei aktivierter Funktion der übliche G1-Code ausgegeben wird. Auch dieses Feature muss explizit aktiviert werden, zu finden unter „Druckeinstellungen → Erweitert → Schneiden → Bogenanpassung“. Und zu Guter Letzt auch noch zum Thema G-Code passend: Der bisher schon implementierte Makroeditor für die manuelle Bearbeitung der G-Code-Teile wurde um einen Dialog mit allen verfügbaren Platzhaltern inklusive Beschreibung ergänzt.

Die dritte größere Verbesserung ist ebenfalls von der verwendeten Drucker-Firmware abhängig ist (oder besser gesagt von deren Unterstützung): Das Abbrechen einzelner Druckobjekte während des Drucks. Bis dato konnte der PrusaSlicer Objekt-Bezeichnungen lediglich für das OctoPrint-Plugin CancelObject in die Druckdateien aufnehmen, nun werden jene Bezeichnungen auch für die Marlin-, und Klipper-Firmware unterstützt. Unter „Druckeinstellungen → Ausgabeoptionen → Etikettenobjekte“ kann die Ausgabe konfiguriert werden, statt einer einfachen Checkbox gibt es nun ein Dropdown-Menü mit verschiedenen Möglichkeiten. Bei Marlin und RepRap wird der Befehl M486 genutzt, bei Klipper kommt EXCLUDE_OBJECT zum Einsatz, ansonsten werden keine Anmerkungen erzeugt. Und „natürlich“ hat man jenes Feature ebenso auch in die Firmware 5.1.0 der aktuellen Drucker-Range aus eigenem Hause implementiert – immerhin ein sehr oft genanntes Feature und durch aus praktisch, wenn bei einem Druck mehrere Druckteile eines nicht ganz so funktioniert wie geslict.

Und dann hat auch tatsächlich auch ein Feature aus dem BambuStudio in den PrusaSlicer geschafft. Denn die Version 2.70 bringt eine neue, im Englischen als „ramping travel moves“ bezeichnete, Bewegung des Druckkopfes mit. Bisher konnte nur der allgemein bekannte „Z-Hop“ des Extruders eingestellt werden, sodass sich der Druckkopf vor jeder Richtungsänderung anhob und anschließend zurückbewegt hat. Dies verhindert zwar, dass die Düse über bereits gedruckte Oberflächen zieht, gleichzeitig sorgt eben jene Anhebung aber auch für ein verstärktes Stringing, vor allem bei PETG und Nutzung größerer Düsendurchmesser. Der neue Rampenhub wiederum sorgt dafür, dass sich der Druckkopf eben nicht mehr ruckartig vor dem „Leerweg“ anhebt, sondern allmählich während der Bewegung. Um das volle Potential der neuen Bewegung auszuschöpfen, wird gleichsam nicht mehr direkt zur nächsten Druckschicht gewechselt, sondern der Druckkopf folgt beim Schichtwechsel einer spiralförmigen Trajektorie und eben jene wurde von selbiger Funktion des BambuStudio inspiriert – was Prusa auch ganz offen kommuniziert.

Also viel technische Neuerungen, es gibt aber auch etwas, mit dem Nutzer wirklich spielen können. Beispielsweise die Unterstützung für SVG-Dateien, die natürlich nicht gedruckt werden können. Vielmehr können SVG-Dateien genutzt werden, um die Grafiken mittels des mit der Version 2.60 des PrusaSlicers eingeführten Text-Embossing-Werkzeug auf 3D-Modelle anzuwenden. Beim Speichern einer Projektdatei mit eingefügter SVG-Datei werdet ihr gefragt, ob der Pfad zur SVG-Datei ebenfalls gespeichert werden soll, um die Prägeparameter zu einem späteren Zeitpunkt zu ändern oder die SVG-Datei später von der Festplatte zu laden. Alternativ könnt ihr den SVG-Teil im Projekt aber auch als Modell speichern, was eine weitere Bearbeitung nicht möglich macht. Neben der Verwendung im Text-Embossing-Tool können SVG-Grafiken auch als zusätzliches Teil oder als Modifizieren genutzt werden. Außerdem wurden etliche UI-Elemente für die Ansteuerung mittels Tastatur optimiert und mehr als ein Duzend Fehler behoben. Das gesamte Changlog findet ihr wie gewohnt auf GitHub, wo es auch den Download der jüngsten Version 2.70 gibt (oder Alternativ über die Prusa-Webseite).

Quellcode GitHub via Prusa

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