Das Alcatel One Touch Fire mit Firefox OS: Auspacken, anschauen, wegpacken

Marcel Am 13.01.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:45 Minuten

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Vor rund einem halben Jahr konnte ich mir einmal das relativ stark gepushte Firefox OS in einer Prerelease-Version auf dem Geeksphone Keon anschauen – was ich nicht gerade als spaßig bezeichnen würde, denn Firefox OS wies für mich persönlich zu diesem Zeitpunkt doch eine ganze Reihe an Punkten auf, die den Spaß am System doch ordentlich vermissen ließen. Nun konnte ich mir mit freundlicher Unterstützung von Congstar auch einmal eine aktuellere Firefox-OS-Version auf dem Alcatel One Touch Fire anschauen. Dieses ist für rund 90 Euro dort zu haben, was natürlich schon ein Zeichen setzt, dass Mozilla mit Firefox OS ganz klar den unteren Markt bedienen möchte.

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Die Technik und der Lieferumfang

90 Euro für ein Smartphone, dementsprechend fällt natürlich auch die Hardware aus, mit der ich mich an dieser Stelle gar nicht allzu lang befassen möchte. Dass man für diesen Preis keinen so oft zitierten „iPhone-Killer“ in den Händen halten wird, dürfte jedem klar sein: So gibt es ein 3,5 Zoll LCD-Display mit nüchternen 480 x 320 Pixel, einen 1 GHz Single-Core Prozessor von Qualcomm, 512 MB RAM, 2 GB interner Speicher, welcher aber mittels microSD-Karte erweitert werden kann, eine Kamera mit 3,2 Megapixel und ohne LED-Blitz, ein wechselbarer Akku mit 1400 mAh, sowie A-GPS, WLAN und 3G mit bis zu 7,2 Mbit/s. Zum Lieferumfang gehört neben dem Gerät selbst auch ein Lade- und Datenkabel, ein Netzstecker, Kopfhörer und ein paar Beschreibungen.

Das One Touch Fire

Wie auch teilweise hochpreisigere Geräte kommt das One Touch Fire komplett in Kunststoff gehüllt daher, ist aber überraschenderweise doch recht ordentlich und sauber verarbeitet. Das Display liegt sauber aus, die Buttons haben einen angenehmen Druckpunkt, die Öffnungen für USB- und Kopfhörerkabel sind sauber herausgeschnitten und auch der Akkudeckel selbst gibt bei Druck nicht nach – letzteres ist lediglich einen Bruchteil eines Millimeters beim Display der Fall, aber auch das geht aufgrund des Preises noch in Ordnung.

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Der Akkudeckel selbst lässt sich ganz einfach mit den Fingern öffnen und abnehmen, darunter finden wir eben den wechselbaren Akku und die Einschübe für die Micro-SIM- und microSD-Karte vor, welche sich ebenfalls ohne großes Gefummel einlegen lassen. Wirklich, hier habe ich schon teurere Geräte gesehen, welche nicht so gut verarbeitet waren – man muss ja auch mal positive Punkte erwähnen. Hier einmal ein paar Eindrücke vom Alcatel One Touch Fire:

Mal ein paar Worte zu Display, Kamera und Co.

Das Display löst mit seinen 480 x 320 Pixel natürlich alles andere als scharf auf, ich glaube hierzu muss man keinerlei Diskussion führen, es geht definitiv besser. Auch in Sachen Blickwinkelstabilität gibt es Display recht schnell den Willen ab seine Inhalte preis zu geben – dafür aber ist die maximale Helligkeit durchaus ein positiver Punkt, ob er dem Display aber im Fegefeuer behilflich sein mag?

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Der Akku ist für ein derartiges Gerät mit seinen 1400 mAh durchaus in Ordnung, immerhin ist die verbaute Technik im Inneren nicht so leistungshungrig wie aktuellere Prozessoren und auch das Display muss mit seinen 3,5 Zoll natürlich weniger beleuchtet werden. Ebenso fehlen natürlich auch diverse Features und Sensoren, welche sich bei anderen Geräten ebenfalls auf den Akku schlagen – daher kommt man mit gelegentlichem Surfen, Mails und Co. durchaus mal zwei Tage über die Runden, die Nutzung ist eben etwas anders, als bei Geräten mit iOS, Android oder Windows Phone – aber dazu später etwas mehr. Wer das Gerät fast nur für Nachrichten, E-Mails und Anrufe nutzt, der kann sogar fünf Tage und mehr erreichen.

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Als letzten Punkt in Sachen „Technik“ möchte ich hier nochmal kurz auf einen Punkt eingehen, der inzwischen für viele immer recht wichtig geworden ist: Die Kamera. Diese löst eben wie gesagt mit 3,2 Megapixel auf und muss auf eine Hilfe in Form eines LED-Blitzes verzichten – dementsprechend sind eben die Ergebnisse der Kamera. Reichen sicherlich als Schnappschüsse zur Erinnerungshilfe, möchte man aber sicherlich nicht unbedingt ausdrucken lassen – es fehlt einfach nahezu alles, von ordentlichen Farben und Kontrasten, über Details und so weiter und so fort.

Das also soviel einmal kurz zur Technik des Gerätes, die integrierten Lautsprecher sind logischerweise keine Klangwunder, aber auch kein totaler Reinfall (hier hab ich schon PC-Speaker erlebt, die noch schlechter waren), auch die Sprachqualität bei Anrufen geht absolut in Ordnung, damit kann man heutzutage aber auch keinen Blumentopf mehr gewinnen, ich persönlich setze dies bei Handys und Smartphones einfach mal voraus. Somit kommen wir nun zum eigentlich viel interessanteren Teil: Dem System.

Firefox OS

Wie erwähnt konnte ich dir Vorversion der finalen Version 1.0 bereits vor rund einem halben Jahr ausführlich begutachten und war alles andere als begeistert. Auf dem Gerät ist nun Firefox 1.1 installiert und Mozilla hat doch spürbar an der Performance des Systems gearbeitet. Es ist zwar kein Rennpferd daraus geworden, läuft aber wesentlich angenehmer und flüssiger, als es noch mit Version 1.0 der Fall war und auch in Sachen Optik kann man durchaus Fortschritte erkennen. Es ist zwar bei Weitem noch nicht so schick wie es die drei großen Systeme auf ihre Weise sind, es ist aber schon besser geworden, gerade was kleinere Details angeht.

Was die Funktionen selbst angeht, so gibt es hierbei aber eigentlich nichts neues. Wir haben eben einen Lockscreen samt Uhrzeit und Benachrichtigungen, einen App Drawer, eine Suche (die gleichzeitig im Web und auf dem Gerät sucht), können Kontakte von Google importieren (aber nicht synchronisieren) und haben diverse Apps wie eine Uhr mit Wecker, Nachrichten, Browser (klar: Firefox) und so weiter und so fort. Auch Apps für Facebook, Twitter und weitere Dienste sind bereits vorinstalliert und im Marketplace für Firefox OS gibt es inzwischen auch eine recht ordentliche Anzahl an verfügbaren Apps. Dabei handelt es sich jedoch bekanntlich nicht um native Apps wie es sie eben zum Beispiel für iOS gibt, sondern um HTML5-Apps, sprich: WebApps. Daher gibt es hier keinen einheitlichen Look, sondern sämtliche Apps sehen etwas anders aus und lassen sich teilweise auch unterschiedlich bedienen – eben eine Sache des „offenen“ Systems. Wer’s mag…

Und was soll man nun noch groß zu einem System erklären, welches sich ganz klar an Anfänger richtet und dementsprechend nicht die tiefe eines Android besitzt? Meiner Meinung nach nicht viel, daher hier einmal etliche Screenshots des Systems, ich denke mal, damit dürftet ihr einen recht guten Eindruck bekommen:

Ein schwieriges Fazit

Tzja, ein Fazit zu ziehen ist wirklich alles andere als leicht – und dabei muss man auch ganz stark differenzieren. Da haben wir zum einen das One Touch Fire, welches überraschenderweise richtig ordentlich verarbeitet ist, sodass sich einige Low-Budget-Geräte hier noch etwas abschauen könnten. Andererseits gibt es eben auch Androiden, welche für einen geringen Aufpreis gerade in Sachen Display und Leistung noch eine ordentliche Schüppe drauflegen – die 90 Euro klingen zwar fair, sind meiner Meinung nach aber ein wenig zu hoch gegriffen, in Spanien wurde das technisch ähnliche ZTE Open mit Firefox OS beispielsweise für 69 Euro inkl. 30 Euro Prepaidguthaben verkauft. Diese Preisstufe wäre sicherlich realistischer als die angeschlagenen 90 Euro für das One Touch Fire.

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Auf der anderen Seite haben wir aber auch Firefox OS aus dem Hause Mozilla, das ursprünglich für Entwicklungs- und Schwellenländer wie zum Beispiel Brasilien gedacht war und für deren Bevölkerung (oder einen großen Teil davon) ein Smartphone mit Firefox OS wirklich die erste Berührung mit den „smarten Mobiltelefonen“ darstellen dürfte, dementsprechend dürfte das verfügbare App-Angebot ebenfalls durchaus in Ordnung sen. Das Problem: Hierzulande sind wir inzwischen mehr als verwöhnt, hat man einmal den Vergleich mit iOS oder Android, dann muss man einfach sagen, dass Firefox OS einfach nur wenig bis gar keinen Spaß macht. Wenn es keine Vorteile bietet (und die konnte ich zumindest gegenüber Android nicht einmal im Preis wiederfinden), muss man es zumindest in den Ländern, in denen sich die besagten drei größeren Systeme bereits etablieren konnten, als Totgeburt bezeichnen – da kann es noch so offen sein…

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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