Bislang versuchte sich Motorola in Sachen Smart­phones in erster Linie mit zwei verschie­denen Smart­phones: für den Low-Budget-Bereich hatte man das Moto G im Portfolio, daneben gab es dann auch noch das Moto X, welches eher die obere Preis­klasse erreichen wollte. In diesem Jahr aber hat man letzteres Modell aber nochmals in zwei unter­schied­liche Phasen aufge­teilt. Während das Moto X Style wie bisher auch gegen günstigere Flagschiffe wie zum Beispiel das LG G4 oder auch das Huawei P8 antreten lässt, reiht sich das Moto X Play irgendwie zwischen dem G und dem X Style ein – nicht nur preislich, sondern auch in der Ausstattung. Motorola möchte „dem preis­be­wussten Kunden ein Gerät an die Hand geben, welches sowohl in Sachen Kamera, als auch Akkulaufzeit Stärke zeigen kann“. Ob der Versuch erfolg­reich verlaufen ist? Das konnte ich dank einer Teststellung durch 1und1 heraus­finden.

Technische Daten und Liefer­umfang

Motorola war einer der ersten Hersteller, die den Versuch wagten und ihre Geräte ohne ein Netzteil im Liefer­umgang an den Kunden zu bringen, zumindest bei dem Low-Budget-Gerät, dem Moto G. Das Moto X Style besitzt aber, wie alle X-Modelle, neben dem USB-Ladekabel auch ein passendes Netzteil – statt­dessen hat man sich aber dazu entschieden, dem Karton keine Kopfhörer beizu­legen. Nun könnte man natürlich behaupten, dass die mitge­lie­ferten Kopfhörer sowieso eher subop­timal sind. Stimmt sicherlich auch, dennoch geben sich nicht gerade wenig Nutzer mit diesen zufrieden. Trotzdem: Voll und ganz in Ordnung – wer Kopfhörer benötigt, greift schlimms­ten­falls zu 10-20 Euro Kopfhörer, die quali­tativ sicherlich noch höher sind.

  • Display: 5,5 Zoll Display, 1080p FullHD, 403 ppi, Gorilla Glass 3
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 615, Octa-Core, 1,7 GHz
  • Arbeits­speicher: 2 GB RAM
  • Interner Speicher: 16/32 GB, mittels MicroSD-Karte erwei­terbar (maximal 128 GB)
  • Haupt­kamera: 21 Megapixel, f/2,0 Blende, Phasen-Autofokus, Dual-LED-Blitz, Videos mit 1080p-HD-Aufnahme (30 fps), Video­sta­bi­li­sierung
  • Front­kamera: 5 Megapixel
  • Konnek­tivität: USB 2.0, Bluetooth 4.0 LE, NFC, LTE; WiFi 802.11 a/b/g/n
  • Ortung: GPS
  • Sensoren: Beschleu­ni­gungs­sensor, Näherungs­sensor, Kompass, Umgebungs­licht­sensor
  • Farben: Schwarz und Weiß – dazu Akzent­farbe für die Gehäu­se­rück­seite, dank dem Moto Maker großspurig anpassbar
  • Akku: 3.630 mAh, nicht wechselbar
  • Anschlüsse: 3,5mm Klinken­an­schluss, MicroUSB
  • Abmes­sungen: 148 x 75 x 8,9-10,9 Milli­meter
  • Gewicht: 169 Gramm

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Design, Verar­beitung und Haptik

Bei dem Gehäu­se­design ist sich Motorola seiner aktuellen Design­linie treu geblieben – was die Materia­li­enwahl anbelangt, ebenso. Das gesamte Gehäuse ist aus Kunst­stoff gefertigt, was natürlich in erster Linie dem vergleichs­weise günstigen Preis geschuldet ist. Die Vorder­seite mit dem Display ist schlicht gehalten und besitzt mit Ausnahme der beiden Lautsprecher und der Front­kamera keinen weiteren Elemente. Randbe­merkung: Zwar versucht die Vorder­seite den Eindruck zu erwecken, als hätte man es hier mit Stereo-Lautspre­chern zu tun, kommt das X Play nur mit einem Mono-Lautsprecher daher. 

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Umfasst wird das Display von einem silbernen Rahmen im Alu-Look, die Rückseite selbst ist leicht gummiert und geriffelt. Ist sicherlich nicht jeder­manns Geschmack, dennoch macht das X Play keinen absolut billigen Eindruck und liegt dankt der Rundungen und der erwähnten Rückseite gut und sicher in der Hand. Trotz dessen, dass die Rückseite abnehmbar ist, lässt sich das Gerät an keiner Stelle verbiegen oder Eindrücken, in so weit gefällt es schonmal. Aller­dings: Die Abdeckung wird lediglich mittels ein paar Plastik-Köpfen angebracht, empfinde ich auf Dauer nicht gerade Vertrau­ens­würdig – aber so häufig wird man diese sicherlich nicht abnehmen, eigentlich gibt es keinen Grund dafür. 

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Die Seiten des X Play sind wie erwähnt stärker abgerundet, wodurch das Gerät in der Hand etwas kompakter wirkt, als es eigentlich ist: am dicksten Punkt misst es satte 10,9 Milli­meter, das Gewicht des Moto-Boliden fällt mit 169 Gramm ebenfalls nicht gerade gering aus – wobei dies Jammern auf hohem Niveau wäre, immerhin vergleicht man gerne mit anderen Geräten, die locker mal das doppelte Kosten können. An der Oberseite des Gerätes finden wir den Slot für SIM- und Speicher­karte, sowie die Buchse für das Kopfhörer-Kabel – unten gibt es den obliga­to­ri­schen microUSB-Stecker. Die linke Seite ist völlig frei von Elementen, die rechte beher­bergt Power-Button und die Lautstär­ke­wippe.

Der Power-Button ist leicht angeraut, wodurch man ihn blind erfühlen kann. Die Tasten besitzen zwar einen angenehmen Druck­punkt und reagieren ohne merkliche Verzö­gerung, aller­dings sitzen sie nicht ganz fest im Gehäuse, sondern lassen sich nahezu in alle Richtungen verschieben. Nichts, was nun überaus drama­tisch wäre, irgendwie passt es aber nicht so ganz zur restlichen Gehäu­se­ver­ar­beitung, die ansonsten sehr sauber und genau ist. Optik ist bekanntlich immer Geschmack­sache: Wer es etwas perso­na­li­sierter mag, der kann sich das X Play mit Hilfe des Moto Makers aber auch ein wenig an die eigenen Vorlieben anpassen lassen. 

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Übrigens: Das Moto X Play ist mit einer Nano-Beschichtung versehen, die Wasser­ab­weisend ist. Zwar ist das Smart­phone dadurch nicht wirklich „wasserfest“ und sollte nicht unbedingt baden gehen. Wird es aber mal ein wenig nasser, zum Beispiel im Schwimmbad oder im Regen, macht dem Gerät das zumindest nichts aus. 

Das Display

Das Moto X Play kommt mit einem 5,5 Zoll großen Display daher – und sorgt für eine Neuerung im Hause Motorola: Bislang setzten alle Geräte auf ein AMOLED-Display, welches vor allem mit Blick auf die Moto Infos (die Display-Benach­rich­ti­gungen) für Vorteile sorgte. Im X Play kommt jedoch ein LCD-IPS-Display zum Einsatz, welches wiederum mit 1.920 x 1.080 Pixeln auflöst und dementspre­chend auf eine Pixel­dichte von 403 ppi kommt. Aktuelle Top-Geräte besitzen zwar eine höhere Pixel­dichte, wenn man aber mal ehrlich ist, fallen diese in der Praxis aber nicht weiter auf: das Display des Moto X Play ist gestochen scharf, Pixel muss man wirklich suchen – und findet sich auch dann nur, wenn man wirklich etwas finden möchte. 

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Überrascht war ich von der maximalen Helligkeit, die es so nur selten gibt. Selbst bei direkter Sonnen­ein­strahlung bleibt das Display sehr gut lesbar – und ich als Fan von hoher Helligkeit habe diese sogar ein wenig herunter geschraubt. Die Kontraste sind super, die Farben knallig aber natürlich und die Schwarz­werte sind ebenfalls top. An der Blick­win­kel­sta­bi­lität gibt es ebenfalls nur wenig auszu­setzen, Farben und Hellig­keiten bleiben auch bei Neigung sehr gut – lediglich wenn man das Gerät zu sehr neigt, verwa­schen die Farben etwas. Klingt nach Kritik, man muss aber eben immer auch den Preis im Blick haben und hier gehört das Display des X Play zu einen der besten auf dem (mittel­prei­sigen) Markt. 

Perfor­mance und Software

Das Innen­leben des Moto X Play ist natürlich nicht auf Top-Leistung ausgelegt, im Inneren werkelt „nur“ ein Snapdragon 615 mit 1,7 GHz, der von 2 GB Arbeits­speicher unter­stützt wird. Dies sorgt zwar für deutlich schwächer Benchmark-Werte und wenig Spaß bei aktuellen High-End-Spielen für mobile Geräte, im Alltag merkt man davon aber nur wenig. Der Vorteil dürfte darin liegen, dass Motorola das instal­lierte Android 5.1 nahezu unberührt lässt und keine eigene Oberfläche imple­men­tiert. Klar: hier und da (zum Beispiel in der Multi­tasking-Ansicht oder beim Scrollen von großen Inhalten) merkt man manchmal, dass man ein günsti­geres Gerät in den Händen hält, kennt man aller­dings kein High-End-Gerät, so verwischt dieser Eindruck. 

Wie erwähnt verzichtet Motorola seit jeher auf einer eigenen Oberfläche, statt­dessen kommt ein fast nacktes Android zum Einsatz. Man gibt dem Nutzer lediglich ein paar kleinere Hilfs-Apps und Features an die Hand. Dazu gehören zum Beispiel die Migrate- und Connect-App, mit deren Hilfe sich Daten vom alten Gerät auf das neue kopieren oder verschie­denste Zusatz­geräte (wie zum Beispiel Bluetooth-Lautsprecher oder Smart­watches) mit dem Moto X Play verbinden und verwalten lassen.Außerdem hat Motorola seinem Android eine Moto-App spendiert, die der eigent­liche inter­es­sante Zusatz darstellt. Diese bringt im Grunde vier verschiedene Funktionen mit sich. 

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Eine überar­beitete Sprach­suche, mit denen man zum Beispiel Apps öffnen kann und die auf Wunsch dauerhaft auf euren angelegten Aktivie­rungssatz lauscht. Bezüglich der Gesten wird aktuell nur eine unter­stützt, nämlich das öffnen der Kamera durch kurzes Schütteln des Gerätes. Über den Punkt „Infos“ lässt sich die Funktio­na­lität von Moto Infos etwas anpassen. Hierbei werden euch Benach­rich­ti­gungen Motorola-typisch direkt auf dem schwarzen Display angezeigt. Am inter­es­san­testen sind in meinen Augen aber die Moto-Regeln, mit denen ihr automa­tisch ein paar Einstel­lungen vornehmen könnt, wenn ihr euch zum Beispiel in einem Auto befindet, einen Termin habt oder euch an einem bestimmten Ort aufhaltet. 

Insgesamt macht das Motorola-Android also einen sehr guten Eindruck, gefällt mir von allen Herstellern noch immer am besten (mal abgesehen vom wirklich „nackten“ Android). Wer die drei zusätz­lichen Apps nicht benötigt, der kann diese auch einfach deinstal­lieren oder deakti­vieren. Ein weiterer Vorteil der geringen Anpassung: Es dürfte recht zügig ein Update auf Android 6.0 Marsh­mallow bereit­stehen, womit die Perfor­mance des Moto X Play sicher noch ein wenig besser werden wird. 

Der Akku

Der Akku stellt das erste wirkliche Haupt­merkmal des Moto X Play dar – zumindest wenn man sich einmal die Aussagen von Motorola anhört. Und soviel kann man sagen: Mit dem Akku hat man ein wirkliches Ass im Ärmel. Zwar ist auch dieser fest verbaut (auch wen die Rückseite den Anschein erweckt, man könnte ihn wechseln), fällt aber mit 3.630 mAh recht üppig aus. In Verbindung mit dem wenig bearbei­teten Android, dem 1080p-LCD-Display und des schwä­cheren Prozessors konnte man dem Moto X Play damit eine Akkulaufzeit auf den Weg geben, die man bei aktuellen Top-Geräten schlicht nicht erhalten kann. Eine Info vorab: Ist der Akku einmal leer, lässt sich dieser dank Quick­Charge 2.0 und dem beige­legten Netzteil innerhalb von etwas mehr als zwei Stunden auf 100 Prozent bringen. 

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Natürlich sind Werte zur Laufzeit immer stark Nutzungs­ab­hängig, wenn man möchte, bekommt man auch das Moto X Play innerhalb von ein paar Stunden komplett leer – aber schon hier zeigt sich, dass das X Play ordentlich etwas mitbringt: Etwa sechs bis sieben Stunden konnte ich das Moto X Play durchs Web, durch YouTube und Co. jagen. Im Alltag wird das X Play aber sicherlich weniger intensiv genutzt und so schafft das Gerät locker einen ganzen Tag Nutzung – auch bei meinem normalen Nutzungs­ver­halten. Bei dem ein oder anderen dürfte das Gerät sogar wirklich die 48 Stunden durch­halten, oder zumindest zwei Arbeitstage. Soll heißen: auch wenn die verspro­chenen 48 Stunden der typische Idealwert eines Herstellers ist – so besitzt das X Play eben auch aufgrund der Hardware eine der längsten Laufzeiten. 

Die Kamera

Eine weitere Stärke stellt laut Motorola die Kamera des Moto X Play dar. Bislang war es ja eher so, dass Motorola seinen Geräten lediglich eine Kamera spendiert hat, damit man eine Vorweisen kann – wirklich zu gebrauchen waren diese nicht, was seinerzeit auch einer der größten Kritik­punkte am Moto G. Mit dem Moto X Play hat man laut Motorola eine der besten Kameras auf dem Markt, vor allem bei Aufnahmen unter schwä­cheren Licht­be­din­gungen. 21 Megapixel, eine f/2.0er-Blende und ein Autofokus mit Phasen­er­kennung sollen dafür sorgen, dass die Aufnahmen gelingen. Meine Meinung nach ein paar Testfotos? Puste­kuchen. Nun ist die Kamera bei weitem nicht mehr so scheiße, wie es bei früheren Motorola-Geräten der Fall war, aber irgendwie wollte der Funke bei mir nicht ganz überspringen. 

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Am Tage ist die Bildqua­lität mitsamt Details, Rauschen und Co. durchaus mehr als in Ordnung – zwar nicht so stark wie im Reigen der Top-Geräte, aber in der Preis­klasse auf den vorderen Plätzen. auch bei Aufnahmen unter schlech­teren Licht­be­din­gungen: grund­sätzlich sind diese nicht schlecht, aller­dings wirken diese so, als hätte man nachträglich einfach nur an ein paar Reglern gespielt. Was mich aber ordentlich wurmt, ist die hohe Ausfallrate der Aufnahmen. So waren viele Aufnahmen schlicht verwa­ckelt und verschwommen, wiesen nur wenig bis gar keine Details auf, waren verrauscht und dergleichen. Hat etwas von Roulette: Häufig sind die Aufnahmen sehr gut, ebenso häufig aber auch nicht – mit steigender Ausfall­wahr­schein­lichkeit, je schlechter das Licht wird. Schade. 

Info

Die Testauf­nahmen sind auf 1.200 Pixel herunter skaliert. Die volle Auflösung und viele zusätz­liche Aufnahmen findet ihr in diesem Flickr-Album.

Und der Vollstän­dig­keits­halber auch noch ein kurzes Testvideo.

Fazit zum Moto X Play

Das Fazit des Moto X Play fällt etwas gemischt aus, wobei mein persön­liches Fazit sich während der Nutzung etwas geändert hat – wenn auch nur gering. Mein erster Gedanke nach den ersten zwei, drei Tagen ging in die Richtung „zu günstig für ein Top-Gerät, zu teuer für ein günstiges Gerät“. Mit einem Straßen­preis von derzeit etwa 330 Euro gehört das Motorola eher zu den günstigen, mittel­prei­sigen Geräten. Und betrachtet man nur aktuelle Geräte, so ist der Preis gemessen an der gebotenen Leistung absolut in Ordnung. Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, der bekommt mit dem Moto X Play eine gute, solide Verar­beitung, ein sehr starkes Display, einen noch besseren Akku und genug Leistung für Alltags­auf­gaben. Lediglich die Kamera bleibt ein kleiner Motorola-Kritik­punkt, die aller­dings durch das fast unberührte Android aufge­wogen wird. 

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Und dennoch muss man diffe­ren­zieren: Wem es ausreicht, dass der Akku „nur“ über einen Tag kommt und das Gerät nachts eh immer an der Steckdose hat und wem es egal ist, ob der Hersteller eine eigene Oberfläche nutzt (oder eh einen alter­na­tiven Launcher verwendet), der hat zahlreiche Alter­na­tiven. Das Huawei P8 zum Beispiel bietet ein Alu-Gehäuse, eine ebenbürtige Verar­beitung, ein ebenfalls starkes Display – besitzt aber auch eine bessere Leistung und eine wesentlich stärkere Kamera. Aber eben auch eine eigene UI und keine Akkulaufzeit von bis zu zwei Tagen. Und so muss man eben selbst entscheiden, welche Punkte einem besonders wichtig sind – ich für meinen Teil würde mich im direkten Vergleich aber eher für das Huawei entscheiden. Eure Wahl…