Motorola Moto X Play im Test: Akku-Langläufer mit starkem Display für schmales Geld

Marcel Am 10.11.2015 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:57 Minuten
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Bislang versuchte sich Motorola in Sachen Smartphones in erster Linie mit zwei verschiedenen Smartphones: für den Low-Budget-Bereich hatte man das Moto G im Portfolio, daneben gab es dann auch noch das Moto X, welches eher die obere Preisklasse erreichen wollte. In diesem Jahr aber hat man letzteres Modell aber nochmals in zwei unterschiedliche Phasen aufgeteilt. Während das Moto X Style wie bisher auch gegen günstigere Flagschiffe wie zum Beispiel das LG G4 oder auch das Huawei P8 antreten lässt, reiht sich das Moto X Play irgendwie zwischen dem G und dem X Style ein – nicht nur preislich, sondern auch in der Ausstattung. Motorola möchte „dem preisbewussten Kunden ein Gerät an die Hand geben, welches sowohl in Sachen Kamera, als auch Akkulaufzeit Stärke zeigen kann“. Ob der Versuch erfolgreich verlaufen ist? Das konnte ich dank einer Teststellung durch 1und1 herausfinden.

Technische Daten und Lieferumfang

Motorola war einer der ersten Hersteller, die den Versuch wagten und ihre Geräte ohne ein Netzteil im Lieferumgang an den Kunden zu bringen, zumindest bei dem Low-Budget-Gerät, dem Moto G. Das Moto X Style besitzt aber, wie alle X-Modelle, neben dem USB-Ladekabel auch ein passendes Netzteil – stattdessen hat man sich aber dazu entschieden, dem Karton keine Kopfhörer beizulegen. Nun könnte man natürlich behaupten, dass die mitgelieferten Kopfhörer sowieso eher suboptimal sind. Stimmt sicherlich auch, dennoch geben sich nicht gerade wenig Nutzer mit diesen zufrieden. Trotzdem: Voll und ganz in Ordnung – wer Kopfhörer benötigt, greift schlimmstenfalls zu 10-20 Euro Kopfhörer, die qualitativ sicherlich noch höher sind.

  • Display: 5,5 Zoll Display, 1080p FullHD, 403 ppi, Gorilla Glass 3
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 615, Octa-Core, 1,7 GHz
  • Arbeits­speicher: 2 GB RAM
  • Interner Speicher: 16/32 GB, mittels MicroSD-Karte erweiterbar (maximal 128 GB)
  • Haupt­kamera: 21 Megapixel, f/2,0 Blende, Phasen-Autofokus, Dual-LED-Blitz, Videos mit 1080p-HD-Aufnahme (30 fps), Videostabilisierung
  • Front­kamera: 5 Megapixel
  • Konnek­tivität: USB 2.0, Bluetooth 4.0 LE, NFC, LTE; WiFi 802.11 a/b/g/n
  • Ortung: GPS
  • Sensoren: Beschleu­ni­gungs­sensor, Näherungs­sensor, Kompass, Umgebungslichtsensor
  • Farben: Schwarz und Weiß – dazu Akzentfarbe für die Gehäuserückseite, dank dem Moto Maker großspurig anpassbar
  • Akku: 3.630 mAh, nicht wechselbar
  • Anschlüsse: 3,5mm Klinken­an­schluss, MicroUSB
  • Abmes­sungen: 148 x 75 x 8,9-10,9 Millimeter
  • Gewicht: 169 Gramm

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Design, Verarbeitung und Haptik

Bei dem Gehäusedesign ist sich Motorola seiner aktuellen Designlinie treu geblieben – was die Materialienwahl anbelangt, ebenso. Das gesamte Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt, was natürlich in erster Linie dem vergleichsweise günstigen Preis geschuldet ist. Die Vorderseite mit dem Display ist schlicht gehalten und besitzt mit Ausnahme der beiden Lautsprecher und der Frontkamera keinen weiteren Elemente. Randbemerkung: Zwar versucht die Vorderseite den Eindruck zu erwecken, als hätte man es hier mit Stereo-Lautsprechern zu tun, kommt das X Play nur mit einem Mono-Lautsprecher daher.

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Umfasst wird das Display von einem silbernen Rahmen im Alu-Look, die Rückseite selbst ist leicht gummiert und geriffelt. Ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, dennoch macht das X Play keinen absolut billigen Eindruck und liegt dankt der Rundungen und der erwähnten Rückseite gut und sicher in der Hand. Trotz dessen, dass die Rückseite abnehmbar ist, lässt sich das Gerät an keiner Stelle verbiegen oder Eindrücken, in so weit gefällt es schonmal. Allerdings: Die Abdeckung wird lediglich mittels ein paar Plastik-Köpfen angebracht, empfinde ich auf Dauer nicht gerade Vertrauenswürdig – aber so häufig wird man diese sicherlich nicht abnehmen, eigentlich gibt es keinen Grund dafür.

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Die Seiten des X Play sind wie erwähnt stärker abgerundet, wodurch das Gerät in der Hand etwas kompakter wirkt, als es eigentlich ist: am dicksten Punkt misst es satte 10,9 Millimeter, das Gewicht des Moto-Boliden fällt mit 169 Gramm ebenfalls nicht gerade gering aus – wobei dies Jammern auf hohem Niveau wäre, immerhin vergleicht man gerne mit anderen Geräten, die locker mal das doppelte Kosten können. An der Oberseite des Gerätes finden wir den Slot für SIM- und Speicherkarte, sowie die Buchse für das Kopfhörer-Kabel – unten gibt es den obligatorischen microUSB-Stecker. Die linke Seite ist völlig frei von Elementen, die rechte beherbergt Power-Button und die Lautstärkewippe.

Der Power-Button ist leicht angeraut, wodurch man ihn blind erfühlen kann. Die Tasten besitzen zwar einen angenehmen Druckpunkt und reagieren ohne merkliche Verzögerung, allerdings sitzen sie nicht ganz fest im Gehäuse, sondern lassen sich nahezu in alle Richtungen verschieben. Nichts, was nun überaus dramatisch wäre, irgendwie passt es aber nicht so ganz zur restlichen Gehäuseverarbeitung, die ansonsten sehr sauber und genau ist. Optik ist bekanntlich immer Geschmacksache: Wer es etwas personalisierter mag, der kann sich das X Play mit Hilfe des Moto Makers aber auch ein wenig an die eigenen Vorlieben anpassen lassen.

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Übrigens: Das Moto X Play ist mit einer Nano-Beschichtung versehen, die Wasserabweisend ist. Zwar ist das Smartphone dadurch nicht wirklich „wasserfest“ und sollte nicht unbedingt baden gehen. Wird es aber mal ein wenig nasser, zum Beispiel im Schwimmbad oder im Regen, macht dem Gerät das zumindest nichts aus.

Das Display

Das Moto X Play kommt mit einem 5,5 Zoll großen Display daher – und sorgt für eine Neuerung im Hause Motorola: Bislang setzten alle Geräte auf ein AMOLED-Display, welches vor allem mit Blick auf die Moto Infos (die Display-Benachrichtigungen) für Vorteile sorgte. Im X Play kommt jedoch ein LCD-IPS-Display zum Einsatz, welches wiederum mit 1.920 x 1.080 Pixeln auflöst und dementsprechend auf eine Pixeldichte von 403 ppi kommt. Aktuelle Top-Geräte besitzen zwar eine höhere Pixeldichte, wenn man aber mal ehrlich ist, fallen diese in der Praxis aber nicht weiter auf: das Display des Moto X Play ist gestochen scharf, Pixel muss man wirklich suchen – und findet sich auch dann nur, wenn man wirklich etwas finden möchte.

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Überrascht war ich von der maximalen Helligkeit, die es so nur selten gibt. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung bleibt das Display sehr gut lesbar – und ich als Fan von hoher Helligkeit habe diese sogar ein wenig herunter geschraubt. Die Kontraste sind super, die Farben knallig aber natürlich und die Schwarzwerte sind ebenfalls top. An der Blickwinkelstabilität gibt es ebenfalls nur wenig auszusetzen, Farben und Helligkeiten bleiben auch bei Neigung sehr gut – lediglich wenn man das Gerät zu sehr neigt, verwaschen die Farben etwas. Klingt nach Kritik, man muss aber eben immer auch den Preis im Blick haben und hier gehört das Display des X Play zu einen der besten auf dem (mittelpreisigen) Markt.

Performance und Software

Das Innenleben des Moto X Play ist natürlich nicht auf Top-Leistung ausgelegt, im Inneren werkelt „nur“ ein Snapdragon 615 mit 1,7 GHz, der von 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Dies sorgt zwar für deutlich schwächer Benchmark-Werte und wenig Spaß bei aktuellen High-End-Spielen für mobile Geräte, im Alltag merkt man davon aber nur wenig. Der Vorteil dürfte darin liegen, dass Motorola das installierte Android 5.1 nahezu unberührt lässt und keine eigene Oberfläche implementiert. Klar: hier und da (zum Beispiel in der Multitasking-Ansicht oder beim Scrollen von großen Inhalten) merkt man manchmal, dass man ein günstigeres Gerät in den Händen hält, kennt man allerdings kein High-End-Gerät, so verwischt dieser Eindruck.

Wie erwähnt verzichtet Motorola seit jeher auf einer eigenen Oberfläche, stattdessen kommt ein fast nacktes Android zum Einsatz. Man gibt dem Nutzer lediglich ein paar kleinere Hilfs-Apps und Features an die Hand. Dazu gehören zum Beispiel die Migrate- und Connect-App, mit deren Hilfe sich Daten vom alten Gerät auf das neue kopieren oder verschiedenste Zusatzgeräte (wie zum Beispiel Bluetooth-Lautsprecher oder Smartwatches) mit dem Moto X Play verbinden und verwalten lassen.Außerdem hat Motorola seinem Android eine Moto-App spendiert, die der eigentliche interessante Zusatz darstellt. Diese bringt im Grunde vier verschiedene Funktionen mit sich.

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Eine überarbeitete Sprachsuche, mit denen man zum Beispiel Apps öffnen kann und die auf Wunsch dauerhaft auf euren angelegten Aktivierungssatz lauscht. Bezüglich der Gesten wird aktuell nur eine unterstützt, nämlich das öffnen der Kamera durch kurzes Schütteln des Gerätes. Über den Punkt „Infos“ lässt sich die Funktionalität von Moto Infos etwas anpassen. Hierbei werden euch Benachrichtigungen Motorola-typisch direkt auf dem schwarzen Display angezeigt. Am interessantesten sind in meinen Augen aber die Moto-Regeln, mit denen ihr automatisch ein paar Einstellungen vornehmen könnt, wenn ihr euch zum Beispiel in einem Auto befindet, einen Termin habt oder euch an einem bestimmten Ort aufhaltet.

Insgesamt macht das Motorola-Android also einen sehr guten Eindruck, gefällt mir von allen Herstellern noch immer am besten (mal abgesehen vom wirklich „nackten“ Android). Wer die drei zusätzlichen Apps nicht benötigt, der kann diese auch einfach deinstallieren oder deaktivieren. Ein weiterer Vorteil der geringen Anpassung: Es dürfte recht zügig ein Update auf Android 6.0 Marshmallow bereitstehen, womit die Performance des Moto X Play sicher noch ein wenig besser werden wird.

Der Akku

Der Akku stellt das erste wirkliche Hauptmerkmal des Moto X Play dar – zumindest wenn man sich einmal die Aussagen von Motorola anhört. Und soviel kann man sagen: Mit dem Akku hat man ein wirkliches Ass im Ärmel. Zwar ist auch dieser fest verbaut (auch wen die Rückseite den Anschein erweckt, man könnte ihn wechseln), fällt aber mit 3.630 mAh recht üppig aus. In Verbindung mit dem wenig bearbeiteten Android, dem 1080p-LCD-Display und des schwächeren Prozessors konnte man dem Moto X Play damit eine Akkulaufzeit auf den Weg geben, die man bei aktuellen Top-Geräten schlicht nicht erhalten kann. Eine Info vorab: Ist der Akku einmal leer, lässt sich dieser dank QuickCharge 2.0 und dem beigelegten Netzteil innerhalb von etwas mehr als zwei Stunden auf 100 Prozent bringen.

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Natürlich sind Werte zur Laufzeit immer stark Nutzungsabhängig, wenn man möchte, bekommt man auch das Moto X Play innerhalb von ein paar Stunden komplett leer – aber schon hier zeigt sich, dass das X Play ordentlich etwas mitbringt: Etwa sechs bis sieben Stunden konnte ich das Moto X Play durchs Web, durch YouTube und Co. jagen. Im Alltag wird das X Play aber sicherlich weniger intensiv genutzt und so schafft das Gerät locker einen ganzen Tag Nutzung – auch bei meinem normalen Nutzungsverhalten. Bei dem ein oder anderen dürfte das Gerät sogar wirklich die 48 Stunden durchhalten, oder zumindest zwei Arbeitstage. Soll heißen: auch wenn die versprochenen 48 Stunden der typische Idealwert eines Herstellers ist – so besitzt das X Play eben auch aufgrund der Hardware eine der längsten Laufzeiten.

Die Kamera

Eine weitere Stärke stellt laut Motorola die Kamera des Moto X Play dar. Bislang war es ja eher so, dass Motorola seinen Geräten lediglich eine Kamera spendiert hat, damit man eine Vorweisen kann – wirklich zu gebrauchen waren diese nicht, was seinerzeit auch einer der größten Kritikpunkte am Moto G. Mit dem Moto X Play hat man laut Motorola eine der besten Kameras auf dem Markt, vor allem bei Aufnahmen unter schwächeren Lichtbedingungen. 21 Megapixel, eine f/2.0er-Blende und ein Autofokus mit Phasenerkennung sollen dafür sorgen, dass die Aufnahmen gelingen. Meine Meinung nach ein paar Testfotos? Pustekuchen. Nun ist die Kamera bei weitem nicht mehr so scheiße, wie es bei früheren Motorola-Geräten der Fall war, aber irgendwie wollte der Funke bei mir nicht ganz überspringen.

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Am Tage ist die Bildqualität mitsamt Details, Rauschen und Co. durchaus mehr als in Ordnung – zwar nicht so stark wie im Reigen der Top-Geräte, aber in der Preisklasse auf den vorderen Plätzen. auch bei Aufnahmen unter schlechteren Lichtbedingungen: grundsätzlich sind diese nicht schlecht, allerdings wirken diese so, als hätte man nachträglich einfach nur an ein paar Reglern gespielt. Was mich aber ordentlich wurmt, ist die hohe Ausfallrate der Aufnahmen. So waren viele Aufnahmen schlicht verwackelt und verschwommen, wiesen nur wenig bis gar keine Details auf, waren verrauscht und dergleichen. Hat etwas von Roulette: Häufig sind die Aufnahmen sehr gut, ebenso häufig aber auch nicht – mit steigender Ausfallwahrscheinlichkeit, je schlechter das Licht wird. Schade.

Info

Die Testaufnahmen sind auf 1.200 Pixel herunter skaliert. Die volle Auflösung und viele zusätzliche Aufnahmen findet ihr in diesem Flickr-Album.

Und der Vollständigkeitshalber auch noch ein kurzes Testvideo.

Fazit zum Moto X Play

Das Fazit des Moto X Play fällt etwas gemischt aus, wobei mein persönliches Fazit sich während der Nutzung etwas geändert hat – wenn auch nur gering. Mein erster Gedanke nach den ersten zwei, drei Tagen ging in die Richtung „zu günstig für ein Top-Gerät, zu teuer für ein günstiges Gerät“. Mit einem Straßenpreis von derzeit etwa 330 Euro gehört das Motorola eher zu den günstigen, mittelpreisigen Geräten. Und betrachtet man nur aktuelle Geräte, so ist der Preis gemessen an der gebotenen Leistung absolut in Ordnung. Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, der bekommt mit dem Moto X Play eine gute, solide Verarbeitung, ein sehr starkes Display, einen noch besseren Akku und genug Leistung für Alltagsaufgaben. Lediglich die Kamera bleibt ein kleiner Motorola-Kritikpunkt, die allerdings durch das fast unberührte Android aufgewogen wird.

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Und dennoch muss man differenzieren: Wem es ausreicht, dass der Akku „nur“ über einen Tag kommt und das Gerät nachts eh immer an der Steckdose hat und wem es egal ist, ob der Hersteller eine eigene Oberfläche nutzt (oder eh einen alternativen Launcher verwendet), der hat zahlreiche Alternativen. Das Huawei P8 zum Beispiel bietet ein Alu-Gehäuse, eine ebenbürtige Verarbeitung, ein ebenfalls starkes Display – besitzt aber auch eine bessere Leistung und eine wesentlich stärkere Kamera. Aber eben auch eine eigene UI und keine Akkulaufzeit von bis zu zwei Tagen. Und so muss man eben selbst entscheiden, welche Punkte einem besonders wichtig sind – ich für meinen Teil würde mich im direkten Vergleich aber eher für das Huawei entscheiden. Eure Wahl…

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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