In der heutigen Zeit ist der Online-Status fast nicht mehr aus unserem Leben wegzu­denken und auch unterwegs sind „wir“ eigentlich immer online und dank einer langsam steigenden Zahl an überlas­teten, offenen WiFi-Netzwerken und Tethering-Funktion aktueller Smart­phones ist auch das mobile Arbeiten am Notebook heutzutage nur noch selten ein Problem. Doch wirklich ideal ist die Nutzung des Smart­phones als WLAN Hotspot nicht wirklich, denn a) verringert dies die oftmals knappe Akkulaufzeit nochmals stark und b) haben reguläre Mobil­funk­tarife nur ein vergleichs­weise geringes Daten­vo­lumen – zumindest, wenn man im bezahl­baren Rahmen bleibt. 

Eine Alter­native wären reine Daten-Tarife, doch möchte man das Smart­phone ja zumindest ab und an auch mal zum Telefo­nieren verwenden und ein dauer­haftes Wechseln der SIM-Karten ist auch nervig. Genau für diese Zwecke gibt es mobile Hotspots und Router, auch MiFi Router genannt. Zuletzt habe ich einmal den TP-Link M7350 vorge­stellt, der bereits überzeugen konnte. Nun gibt es den nächsten mobilen Router, diesmal ist es der AirCard 790 aus dem Hause Netgear, der mich auf meinen alltäg­lichen Routen außerhalb der heimi­schen vier Wände begleitet hat. 

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Liefer­umfang: Alles dabei

Die Verpa­ckung selbst ist zwar recht klein, dennoch gibt es alles, was man so zum Betrieb des mobilen Routers benötigt: Zuerst einmal natürlich der AirCard 790 mitsamt Akku, zum anderen gibt es aber auch das obliga­to­rische USB-Ladekabel und Netzteil inklusive Adapter für andere Länder. Ebenfalls im Liefer­umfang befindet sich ein USB-OTG-Kabel und ein recht ausführ­liches Handbuch – wobei man dies eigentlich nicht benötigt, zumindest wenn man sich einmal mit der Materie beschäftigt hat. Denn, soviel sei verraten: Das Teil ist eigentlich recht selbst­er­klärend.

Klein, aber voll mit Technik

Was die Abmes­sungen betrifft, so ist der AirCard 790 mit seinen etwa 11 x 6,8 x 1,54 Zenti­metern nicht größer oder kleiner als vergleichbare Geräte, auch das Gewicht von etwa 135 Gramm ist eher neben­sächlich bei einem derar­tigen Gerät. Für wen es aber wichtig sein sollte: ja, der AirCard 790 passt locker auch in eine Hosen­tasche. Der gesamte Router ist aus Kunst­stoff gefertigt, die Verar­bei­tungs­qua­lität selbst ist aber einwandfrei, es lässt sich nichts eindrücken und es knarzt auch nichts. Ober- und Rückseite des Routers sind mit einer sachten Soft-Touch-Oberfläche überzogen, lediglich die Ränder sind „reiner“ Kunst­stoff – könnte sich alles auch schlechter anfühlen. 

Dominie­rendes Element am Router ist sicherlich der 2,4 Zoll große LCD-Touch­screen, über den der mobile Hotspot bedient wird. Denn mit Ausnahme der zweiten Touch-Buttons rechts vom Bildschirm und des an der oberen Kante unter­ge­brachten Power-Buttons sucht man Buttons vergeblich. Hier schonmal direkt ein kleines Lob, denn der Touch­screen lässt sich trotz der kleinen Größe sehr gut bedienen und reagiert sofort. Was mir hierbei gerade so einfällt: Eine Trans­port­tasche wird nicht mitge­liefert, wäre aber sicherlich keine schlechte Idee und ein nettes „Gimmick“, denn so möchte man den Router wohl nur ungern einfach in den Rucksack ballern.

An der unteren Seite findet sich dann ein Doppel­stecker für das MicroUSB-Ladebakel und das USB-OTG-Kabel, links und rechts davon gibt es zusätz­liche Anschlüsse für eine Flach­ban­d­an­tenne wie die Netgear MiMO, mit denen sich der Empfang und die Reich­weite des mobilen Hotspots nochmals deutlich verbessern lässt. Die Rückseite lässt sich entfernen, dahinter verbirgt sich der wechselbare Akku mit satten 2.930 mAh und natürlich der Kartenslot für eine Micro-SIM-Karte. Der Deckel lässt sich recht einfach abnehmen und wieder anbringen, ohne sich dabei aber auser­sehen lösen zu können. Sehr angenehm. 

Im Praxis-Einsatz

Der AirCard 790 dürfte auch für den nicht großartig Technik-affinen Nutzer eine fast selbst­er­klä­rende Sache sein, denn bereits eine Einrichtung ist nicht wirklich von Nöten. SIM-Karte einstecken, Gerät einschalten, SIM-PIN eingeben, fertig. Weitere Konfi­gu­ra­tionen sind für den ersten Betrieb erst einmal nicht notwendig. Auf dem Haupt­screen werden hierbei neben Infor­ma­tionen zum Verbin­dungs­status, Akkustand und WLAN-Name und -Passwort auch weitere Infor­ma­tionen wie verbrauchtes Daten­vo­lumen, verblei­bende Tage des Monats, Anzahl an verbun­denen WiFi-Geräten und ungelesene SMS angezeigt – wobei letzteres sicherlich eher nur ein „nice to have“ ist. Besonders nett: Per Tap auf das Passwort lässt sich dieses schnell und einfach ändern. 

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Die Verbin­dungs­qua­lität des AirCard 790 ist einwandfrei. Das integrierte Modem kann sowohl mit 3G, als auch mit 4G LTE (Cat 6) umgehen und bietet Daten­raten von bis zu 300 Mbit/s im Download und bis zu 50 Mbit/s im Upload – aber natürlich nur, sofern das von euch verwendete Netz und vor allem der genutzte Tarif diese Daten­raten zulässt. Bis zu 15 WLAN-Geräte lassen sich gleich­zeitig mit dem mobilen Hotspot verbinden, das erlaubte Maximum lässt sich manuell festlegen. Hierbei besonders inter­essant: Der AirCard 790 besitzt ein Dual-Band WLAN (802.11ac/b/g/n) und kann das WiFi-Netzwerk nicht nur im 2,4 GHz Netz betreiben, sondern auch mit 5 GHz. Letzteres ist vor allem inter­essant, wenn im Hotel bereits zahlreiche WiFi-Netzwerke im 2,4 GHz Netz existieren. Weitere Optionen und Funktionen des Hotspots in kurzer Übersicht: 

  • Das Daten-Roaming kann auf Wunsch komplett deakti­viert werden, auch das verwendete Funknetz (3G oder 4G LTE) kann neben der Auto-Nutzung auch manuell festgelegt werden.
  • USB-Tethering: Wollt ihr euren Rechner ohne WLAN ins Internet bringen, könnt ihr den AirCard 790 auch per USB-Kabel an den Rechner anschließen. Die Erkennung lief sowohl unter Windows, als auch unter OS X ohne Probleme. Der Vorteil: Der Akku wird gleich­zeitig auch geladen. 
  • WLAN-Bereich: Die Reich­weite eures WiFi-Netzwerk lässt sich entweder automa­tisch festlegen, alter­nativ könnt ihr die Reich­weite aber auch um einige Meter erhöhen – natürlich zu Lasten der Akkulaufzeit des kleinen Routers.
  • Gastnetzwerk: Wollt ihr auch Dritten Zugang zu eurem Internet über den mobilen Hotspot erlauben, könnt ihr auch ein sekun­däres WLAN aktivieren. Hierbei habt ihr die Möglichkeit, dass WLAN-Passwort bei jeder Sitzung neu generieren zu können – nicht, dass nachher jemand dauerhaft in eurem mobilen Router einge­loggt bleibt. 
  • WPS: Möchtet ihr ein WPS-fähiges Gerät mit eurem Mini-Router verbinden, könnt ihr jene Funktion sowohl für euer Haupt-WLAN, als auch für das sekundäre WLAN aktivieren.
  • Leider nicht möglich: Die SIM-PIN muss grund­sätzlich nach einem Neustart des Routers einge­geben werden. Eine Option, diese Abfrage zu deakti­vieren steht leider nicht zur Verfügung – gibt aber sicherlich schlim­meres.

Die Akkulaufzeit des AirCard 790 wird von Netgear mit bis zu 11 Stunden angegeben (Standby bis zu 300 Stunden). Diese elf Stunden dürften natürlich einen Optimalwert darstellen, denn die erreichbare Laufzeit ist natürlich von mehreren Faktoren abhängig. Dazu gehört neben nicht beein­fluss­baren Faktoren wie Netz- und Verbin­dungs­qua­lität auch die Konfi­gu­ration des Routers – die erwähnten Optionen zur Reich­wei­ten­er­höhung und die Nutzung des 5 GHz Netzwerks und sekun­dären WLANs dürften sicherlich auch an der Laufzeit nagen. Grund­sätzlich gilt natürlich auch: Je mehr Geräte im Netzwerk, desto kürzer die Akkulaufzeit. 

Der Router schaltet sich übrigens nach einer festge­legten Zeit (Standard: 5 Minuten) ab, sofern kein Gerät mit dem WLAN verbunden ist. Wollt ihr dann wieder ein Gerät verbinden, müsst ihr einmal kurz den Power-Button drücken, schon ist das Netzwerk wieder da. Funktio­niert zuver­lässig. Aber zurück zur Laufzeit: Mit frischem und „nicht trainiertem“ Akku und mit einem verbun­denen Gerät kam ich auf eine Laufzeit von 9 bis 10 Stunden. Absolut kein schlechter Wert, vor allem weil da etwa drei Stunden Zugstrecke zwischen waren, wo die Netzqua­lität bekann­ter­maßen eher „solala“ ist.

Jump Boost: Der AirCard 790 als Akkupack

Ein kleines Feature, das ich gesondert erwähnen möchte, ist die „Jump Boost“-Funktion des Routers. Diese erlaubt es euch, euren mobilen Router als externen Akku nutzen zu können – genau hierfür ist das USB-OTG-Kabel im Liefer­umgang vorhanden. Diese Funktion könnt ihr in den Einstel­lungen des Hotspots aktivieren, beim Anschließen des Kabels könnt ihr auswählen, wie lange euer Smart­phone mit Strom versorgt werden soll – zur Auswahl stehen 30, 60 und 90 Minuten. Für eine volle Ladung des Smart­phones reicht die Kapazität des Akkus logischer­weise nicht aus, man möchte den Router natürlich selbst auch noch nutzen – um aber im Notfall (oder Stromfall?) mal schnell ein paar Prozente auf (oder besser in) das Smart­phone zu bekommen, aber keine schlechte Sache. 

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Mobile Apps für iOS, Android und Windows Phone

Wer nicht auf dem kleinen Touch­screen herum­drücken möchte, der kann auch auf die AirCard-App zurück­greifen, die für iOS, Android und Windows Phone zur Verfügung steht. Aber vorsichtig: Optisch bewirkt die App echt Augen­krebs, egal auf welchem System man sie nutzt. Dies führte erst dazu, dass ich dachte, die App wäre inzwi­schen veraltet und wird nicht mehr weiter­ent­wi­ckelt – aber falsch gedacht, denn die Apps haben zuletzt im Februar 2016 ein Update erhalten. Dennoch: Trotz der miesen Optik funktio­niert sie einwandfrei. So lassen sich detail­lierte Infor­ma­tionen einsehen und eigentlich sämtliche Einstel­lungen verändern. Meiner Meinung nach aber nur eine zusätz­liche Möglichkeit, denn über das Tauch­display des Routers funktio­niert dies ebenso und das mit einer wesentlich angeneh­meren Optik. Erwähnen wollte ich die Apps dennoch kurz.

NETGEAR AirCard
Entwickler: NETGEAR
Preis: Kostenlos
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Entwickler: NETGEAR Inc.
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Fazit und tl;dr

Der Netgear AirCard 790 ist ein sauber verar­bei­teter mobiler Hotspot, die Einrichtung über das Touch­display funktio­niert absolut einwandfrei und ist weder umständlich noch nervig. Während meiner Testwochen im Vodafone-Netz hatte ich keinerlei Aussetzer oder Probleme mit der Verbindung – liegt natürlich auch am Gebiet, dennoch hat zumindest der Router die gebotene Leistung perfekt und zu jedem Zeitpunkt umgesetzt. Natürlich etwas, was man von einem Gerät (egal um welches es sich dabei handelt) und seiner Aufgabe erwarten kann. Vor allem dann, wenn man einmal auf den Preis blickt, denn mit einem aktuellen Straßen­preis von etwa 260 Euro gehört der MiFi aus dem Hause Netgear definitiv zu den Premium-Modellen auf dem Markt. Dafür aber gibt es eben auch eine ganze Menge an Features geboten, die man bei der preislich günsti­geren Konkurrenz vergeblich sucht. 

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So gibt es eben einen großen Touch­screen, 4G LTE Cat 6 mit bis zu 300 Mbit/s/50 Mbit/s (Download/Upload), WiFi-Funk im 5 GHz Netzwerk, Gastmodus, Jump Boost für Notfälle, Anschluss­mög­lichkeit für Flach­ban­d­an­tennen, USB-Tethering und eine vergleichs­weise lange Akkulaufzeit. Bei dem AirCard 790 handelt es sich also eher um ein „Profi-Gerät“ für Leute, die sehr viel unterwegs sind und den mobilen Router mehr und inten­siver nutzen möchten. In so fern liegt die Entscheidung, ob man das Geld in die Hand nehmen möchte, natürlich bei einem jeden selbst. Falsch macht man aber definitiv nichts, denn sieht man einmal vom Preis ab, handelt es sich bei dem MiFi sicherlich um einen der besten auf dem Markt.