Foursquare und Swarm. Foursquare muss Alt-Nutzer loswerden um erfolgreich werden zu können.

Marcel Am 26.07.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 3:08 Minuten

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Foursquare dürften sicherlich so einige kennen, immerhin hatte der 2009 gegründete Dienst zuletzt nach eigenen Angaben weltweit 50 Millionen Nutzer. Wer Foursquare nicht kennen sollte, einmal in Kurzform: Es handelt sich dabei um ein standortbezogenes, soziales Netzwerk, welches euch erlaubt, an verschiedenen Orten „einchecken“ zu können. Dabei gibt es diverse Badges, zum Beispiel wenn man einen bestimmten Standort mehrmals besucht, für verschiedene Standorte in verschiedenen Ländern und dergleichen. Ebenso gibt es den so genannten Mayorship (zu Deutsch in etwa Bürgermeistertum) für jenen Nutzer, der einen entsprechenden Standort am häufigsten besucht hat. Sinn und Zweck des ganzen? Pure Spielerei für Freunde von persönlichen Statistiken.

Nun hat man Anfang Mai einige grundlegende Änderungen am Netzwerk bekanntgegeben, welche bereits umgesetzt worden sind: So wurde die Check-In-Funktionalität in eine gesonderte App namens Swarm ausgelagert, die offizielle Foursquare-App wird runderneuert und präsentiert sich in Zukunft klar als Yelp!-Konkurrenz. Dieser Schritt – und vor allem die Swarm-App – sorgte für großen Unmut unter den Nutzern, welche in Scharen abgewandert sind oder zumindest damit gedroht haben (Merke: Kunden, die lauthals ihre Meinung herausschreien kommen wieder). Die Kritik war groß, zumal Swarm einige Features von Foursquare vermissen ließ – zum Beispiel die Badges und Mayorships, auch wenn diese in einem kommenden Update wieder Einzug finden sollen. Dennoch ist der Unmut groß, oftmals stellt sich auch die Frage, was Foursquare sich bei der ganzen Sache eigentlich gedacht hat.

foursquarecheckinDazu muss man sich aber ein wenig Gedanken machen. Was Foursquare war und wo Foursquare hin möchte. Klar, es gab auch schon vor der geplanten Umstrukturierung die ein oder anderen Empfehlungsfunktionen, diese waren aber nicht der Hauptteil der App. Größere Aufmerksamkeit bekamen jene spielerischen Features geschenkt. Check-Ins, Mayorships, Badges. Haben sicherlich einige Nutzer genutzt, aber sind wir mal ehrlich: Das bringt auf Dauer kein Geld ein, kann aber im Gegenzug neue Nutzer abschrecken. Anmeldung? Ein Netzwerk? Preisgeben wo ich mich gerade befinde? Da fallen dann schon viele Nutzer raus – vor allem jene, die nicht täglich mehrere Stunden in der kleinen gemütlichen Netzblase zuhause sind, also der mit Abstand größte Teil potentieller Nutzer. 50 Millionen Nutzer klingen zwar nicht wenig, verglichen mit anderen Netzwerken ist man aber nur ein ganz kleiner Hering im Haifischbecken, vor allem wenn man sich einmal die Nutzerzahlen vom Dezember 2013 anschaut: 1,4 Milliarden bei Facebook, 500 Millionen bei Twitter, LinkedIn kann 259 Millionen Nutzer aufweisen und Instagram immerhin noch 150 Millionen. Da ist Foursquare mit seinen 50 Millionen ein ganz kleiner Haufen.

Foursquare hingegen möchte – oder muss – nun für die breite Schicht der Nutzer erreichbar werden und formiert sich daher neu. Kein ortsbezogenes, verspieltes soziales Netzwerk mehr, sondern eine Empfehlungsplattform á la Yelp – etwas, was wirklich Geld in die Kassen spült. Dazu musste man sich von den spielerischen Elementen befreien, was man auch einfach so hätte machen können. „Unser Foursquare, also nutzt es oder lasst es“ – gäbe sicherlich das ein oder andere Netzwerk, was so verfahren würde oder in der Vergangenheit so verfahren hat. Stattdessen aber hat man die Funktionen in die neue Swarm-App gepackt – quasi als eine Art nette Geste für langjährige Nutzer. Die App kann man nun mögen oder nicht, es ändert aber nichts an der Tatsache, dass sich Foursquare neu aufstellen möchte und dabei die Mayorship-Nutzer als Klotz am Bein ansieht. „Spielen ja, Nutzen nein“, diesen Nutzertyp braucht und möchte Foursquare nicht mehr.

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Im Grunde ist das, was Foursquare für sich selbst plant, keine Neuausrichtung, sondern ein neues Unternehmen unter gleichem Namen – weswegen sich das neue (ehrlich gesagt dennoch hässlichem) Logo deutlich vom alten Logo unterscheidet. Ob der Plan aufgeht und man sich wirklich als ernsthafte Empfehlungsplattform neben Yelp positionieren kann? Das wird man in den kommenden Monaten sehen, die Chancen stehen meiner Meinung nach aber gar nicht mal so schlecht, da es einer wirklichen Alternative zu Yelp fehlt.

Ich denke allerdings, dass man diesen Schritt wagen musste, denn keine Firma der Welt wirft ihr bisheriges Konzept so über den Haufen und verändert sich so grundlegend weil man gerade Bock drauf hat – sondern weil man es muss, zum Beispiel weil nötige Finanzierungen ausbleiben. Oder anders: Entweder, man geht mit bestehenden Nutzern unter oder mit wenig neuen Nutzern. Kommt jedenfalls auf’s gleiche Ergebnis heraus. Falls ihr euch also in den App-Store-Bewertungen der Apps aufregt und ankündigt, die Apps löschen zu wollen: Macht es, denn es hilft Fourquare bei der Neuerfindung ihres Dienstes. Alle die der Meinung sind, dadurch Druck auf Foursquare ausüben zu können, haben anscheinend nicht verstanden was Foursquare werden möchte.

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