[Wirre Gedanken] iOS 7 & Apple die Copycat? Schnüffelt doch bitte weniger Terpentin…

Marcel Am 17.06.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:52 Minuten

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…und kommt wieder in der Realität an. Rund eine Woche ist es her, dass Apple uns iOS 7 präsentiert hat. Laut Apple „die größte Entwicklung seit der Einführung des iPhone“ – das war bekanntlich 2007. Apple hat designtechnisch eigentlich so gut wie keinen Stein auf dem anderen belassen und auch neue Funktionen integriert. Und schon bildete sich eine große Menschentraube, deren Aufschrei eigentlich nicht neu ist: Apple hat geklaut wo sie nur konnten, iOS ist eine Kopie von Android und Windows Phone 8.

Nun gut, so falsch ist das gar nicht, immerhin sind manche optische Ähnlichkeiten im „Flat-Design“ sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Das Problem: Auch Android besitzt ein „flaches“ Design, Windows Phone ist noch „flacher“. Ein flaches Design äußerst sich durch einen gewissen Minimalismus. Keine bis wenig Verläufe. Keine skeuomorphischen Elemente. Entfernt man diese aus den bestehenden iOS-Apps, so gelangt man fast schon dort an, wo iOS 7 steht. Macht man den Hype um’s „Flat Design“ mit, so bietet die Designsprache nur wenig Abgrenzungsmerkmale und es kommt zwangsläufig zu gewissen Annäherungen. Die Icons ähneln sich? Das tun sie oft – der Nutzer ist immerhin gewohnt, dass ein Brief eine Mail-Funktionalität widerspiegelt und eine Lupe „irgendetwas“ durchsucht. Icons haben sich eingebürgert, genauso wie der Begriff „googeln“. Spielraum? Wenig.

controlcenter

Auch funktionell sieht das ähnlich aus. Apple führt mit iOS 7 zahlreiche neue Features ein, von denen es manche durchaus schon seit geraumer Zeit gibt. Das Control Center zum Beispiel, mit dem man Schnellzugriffe viele viele Funktionen bekommt. Geklaut aus Android? Mitnichten, denn schon vor Android gab es unter Windows Mobile 6.5 und der HTC-eigenen TouchFlo-Oberfläche (dem Vorgänger von HTC Sense) solch eine Leiste und auch den Cydia-Tweak SBSettings gab es vor der Leiste von Android. Dass das Control Center schneller erreichbar und übersichtlicher ist, als jenes von Android? Nebensache.

Was könnte denn noch abgekupfert sein? Die Multitasking-Vorschau zum Beispiel: Bilder der laufenden Apps. Android? Könnte sein, hier allerdings sind die Vorschaugrafiken vertikal angeordnet. Wenn dann Windows Phone – aber halt. Hatte nicht Palm mit webOS eine ähnliche Kartenansicht für’s Multitasking?

multitasking

Noch mehr Beispiele? Das Notification Center auf dem Lockscreen, automatische App-Updates – viele Apps sehen sich aber einfach nur durch die minimalistische Optik ähnlich. Und hier ist der Nutzer eben gewohnt, dass es so funktioniert. Die derzeitige Art und Weise, wie sich Apps nutzen lassen, ist fast schon zu einem Standard geworden. Das gleiche gilt aber auch für Dinge wie Schnellzugriffe. Ja, man hat viele Neuigkeiten schon mal irgendwo gesehen, das aber konnte man auch sagen, als Android um die Ecke kam. Google hat es hier nicht anders gemacht als Apple jetzt.

Man hat den Markt sondiert und Features implementiert, an die sich die Nutzer schon seit Jahren gewöhnt haben – der Vorteil von Google: Windows Mobile kannte zu dem Zeitpunkt kaum einer, die damaligen Smartphones waren Nischenprodukte. Apple ist nun mit iOS 7 endlich in der Gegenwart angekommen und hat Features implementiert, die der Nutzer kennt und wünscht. Und ja, dabei hat man sicherlich auch mal ein Auge auf die Konkurrenz geworfen: webOS, Ubuntu Phone OS (man bedenkt einmal die Gesten), Android, Windows Phone – und sicherlich hat man auch mal ein Auge auf diverse Cydia-Tweaks geworfen…

Aber: Ist Apple deswegen eine „Copycat“? Kommt es nicht vielmehr darauf an, wie ein bestimmtes Feature umgesetzt und optimiert wird? Überlegt einmal, wo wir technisch stehen würden, wenn niemand eine erfolgreiche Erfindung kopiert und verbessert. Gleichstrom und Wechselstrom, der Otto-Motor, sogar in Sachen Musik und Fernsehern würden wir noch immer große Platten und tonnenschwere Röhren mit uns herumschleppen. Wir wären immer noch auf einem Stand von vor 100 Jahren – ähnlich wie iOS, welches optisch noch immer stark an das erste iPhoneOS anno 2007 erinnert.

Apple ist also endlich in der Gegenwart angekommen und nutzt bestehende Dinge, um sie für ihr System zu optimieren und weiterzuentwickeln und damit funktionstechnisch wieder den Anschluss zu gewinnen. Und genau das ist wünschenswert, nicht nur für iOS-Nutzer, sondern für alle mobilen Nutzer da draußen. Fehlen Alleinstellungsmerkmale, fehlt Entwicklung. Gilt nicht nur für iOS, Android und Windows Phone, sondern bei allen materiellen und digitalen Entwicklungen.

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