CAT B35 im Test: Robustes Feature Phone mit WhatsApp – das fast perfekte Konzert- und Festivalhandy

Marcel Am 15.12.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:57 Minuten

Smartphones dominieren den Markt der Mobiltelefone. Diese Aussage dürfte nicht erst seit 2019 niemandem mehr neu sein und erst recht nicht zur Diskussion stehen. Trotzdem gibt es eine Reihe an Herstellern, die regelmäßig so genannte Feature Phones (werden des Öfteren auch mal als Dumb Phones bezeichnet) auf den Markt bringen. Rein optisch eher klassische Handys in Barrenform mit Zifferntastatur, die aber ein wenig mehr können, als ihre Vorgänger aus den 2000er-Jahren. Mit klassischen Smartphones können Feature Phones nicht mithalten, dennoch gibt es für solche Geräte eine Zielgruppe und entsprechend einen Markt – und dass nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern auch hierzulande.

Gründe, die für ein Featured Phone sprechen, dürften in heutiger Zeit nicht mehr allzu zahlreich sein, aber Feature Phones haben auch ihre Vorteile: Vergleichsweise günstig zu haben, eine lange Akkulaufzeit und nicht selten sind diese auch um einiges robuster als ihre gläsernen Kollegen. Beim Caterpillar CAT B35 handelt es sich um ein solches Feature Phone – oder besser gesagt um ein Rugged Phone. Eben solche Geräte, die aufgrund ihrer Bauart besonders gut Stürze und Flüssigkeiten wegstecken können. Ich habe mir das „Anti-Smartphone“ einmal genauer angeschaut. Wie es sich in meinen Händen geschlagen hat und wieso ich das Gerät gar nicht mal so unterinteressant finde, könnt ihr in den folgenden Zeilen nachlesen.

Das Caterpillar CAT B35

Das Auspacken des CAT B35 gestaltet sich im ersten Moment als etwas merkwürdig, denn inzwischen ist man es gewohnt, nur noch von einem großflächigen Display angelacht zu werden. In der Verpackung findet sich neben dem B35 auch noch ein microUSB-Ladekabel und Ladegerät. Das Gerät selbst misst etwa 6 x 13,8 x 1,4 cm und ist komplett aus Kunststoff gefertigt. Durch sein Gewicht von etwa 130 Gramm wirkt es aber dennoch sehr wertig und vor allem stabil. Letzteres ist das Hauptargument zum B35, denn es soll Stürze aus bis zu 1,8 Meter Höhe auf Beton unbeschadet überstehen. Darüber hinaus lobt der Hersteller eine IP68-Zertifizierung aus, sprich das B35 ist staubdicht und ist bis zu 35 Minuten bei 1,2m Tiefe wasserdicht – sofern die Gummiabdeckungen geschlossen sind.

Für die Sturzsicherheit sorgen die leicht gummierten Ränder, zum Schutz des Displays sind die Seiten an der Vorderseite leicht erhöht. Trotz oder gerade wegen der umlaufenden Rillen liegt das Gerät sehr gut in der Hand, auch wenn es bei Nässe doch ein wenig rutschiger wird. Zwar sorgen die besagten Gummiteilen bei feuchtem Gerät für eine bessere Griffigkeit, eine zusätzlich leicht angerautere Oberfläche wäre hier sicherlich nicht nachteilig gewesen.

An der Unterseite finden sich die Anschlüsse für das Ladekabel und Kopfhörer, an der linken Geräteseite findet sich der geschützte Hybrid-Slot für eine nano SIM und eine microSD-Speicherkarte. Die Abdeckungen sitzen sehr fest am Gehäuse. Wirklich sehr fest. Für das erste Öffnen sogar schon einen Hauch zu fest, sodass man sich eines Werkzeugs wie zum Beispiel eines kleinen Schraubendrehers bedienen muss. Glücklicherweise betrifft das nicht die Abdeckung des Ladeanschlusses, die sich dank fingernagelfreundlicherer Aussparung auch ohne Hilfsmittel ohne große Frickelei öffnen lässt. Die Rückseite beherbergt eine kleine, auf Plan liegende Kamera mitsamt eines Lautsprechergitters und zu guter Letzt ist für dunklere Momente auf der Oberseite etwas versenkt eine Taschenlampe eingelassen.

Das QVGA-Display misst etwa 2,4 Zoll und lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch gut ablesen. Die gering anmutende Auflösung von 320×240 Pixel ist ausreichend scharf, immerhin bietet es 166 ppi, sodass man keine Pixel zählen muss. Die Tasten haben einen sehr angenehmen Druckpunkt und es ist schon etwas ungewohnt, dass man das Gerät komplett mit einer Hand bedienen kann – bei aktuellen Smartphones ja nicht mehr immer gegeben. Einziger kleiner Kritikpunkt an den Tasten: Sie sind sehr laut und das dumpfe Klicken wirkt dann doch irgendwie weniger wertig, als die sonstige Haptik des Gerätes. Bei einem Feature Phone zwar eher nebensächlich, der Vollständigkeithalber aber dennoch mal eine Übersicht, wie es um die technischen Daten des Innenleben bestellt ist:

  • Display: 2,4 Zoll (6,09 cm) mit QVGA-Auflösung
  • CPU: Qualcomm 8905 Dual-Core-Chipsatz mit 1,3 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher: 512 MB RAM
  • Akku: 2.300 mAh, fest verbaut
  • Speicher: 4 GB, erweiterbar mittels microSD-Karte
  • Kamera: nur auf der Rückseite, 2 Mio. Pixel
  • Zertifizierungen: IP68 und MIL Spec 810G
  • Konnektivität: LTE, WiFi, Bluetooth 4.1, (a)GPS, Glonass

Foto, Video und Multimedia

Bevor wir einen kleinen Rundgang durch das KaiOS, dem Betriebssystem des CAT B35, machen, ein paar Worte zu den Multimedia-Eigenschaften des Feature Phone – sprich Fotos, Videos und Audio. Zugegeben: Sonderlich viel erwartet man bei einem solchen Gerät nicht, die Stärken liegen einfach ganz woanders. Dennoch ist es natürlich nie verkehrt, wenn man hier und da auch mal ein paar Fotos aus der Hüfte schießen kann, auf denen man dann auch etwas erkennen kann. Vorab schonmal der Hinweis an Selfie-Fans: Aufgrund der fehlenden Frontkamera muss man auf Selbstpotraits verzichten. Die rückseitige Hauptkamera bringt 2 Megapixel mit – klingt nicht nur wenig, sondern ist es auch.

Bei ausreichend Tageslicht macht die Kamera eigentlich recht okay’e Fotos. Natürlich fehlt es an Details, die Bilder sind verrauscht und die Auflösung nicht sonderlich hoch. Würde man sich nicht ausdrucken oder als Hintergrundbild nutzen, aber für WhatsApp, Facebook und Co. ausreichend. Sobald es aber etwas dunkler wird oder Kunstlicht hinzukommt, übernimmt das Bildrauschen den dominanten Part und die Bilder bauen deutlich sichtbar ab – und das wäre noch sehr nett gesagt, denn die Bilder werden eigentlich nix. Die Qualität der 720p-Videos ist vergleichbar mit den Fotos und der Ton hat mich sogar ein wenig positiv überrascht. Allerdings ist wird der Ton bei jeder Bewegung und Drehung des Gerätes und noch so kleinen Windboe von Störgeräuschen überlagert, sodass nur wenig Spaß aufkommt.

Auf Streaming-Dienste wie Spotify und Co. muss man auf dem Gerät zwar verzichten, wer aber Musik als lokale Dateien oder von YouTube abspielen möchte, der muss mit einem Monolautsprecher auf der Rückseite vorlieb nehmen. Bei höheren Lautstärken kommt dieser knarzend und mit dominierenden Höhen an seine Grenzen, insgesamt ist die Qualität aber mit der eines Low-Budget-Smartphones vergleichbar. Wer einen Lautsprecher mit Bluetooth oder 3,5mm-Klinkenstecker nutzt, der wird aber kaum einen Unterschied bemerken, das richtige Material vorausgesetzt. Alles in allem liefert das CAT B35 genau das ab, was ich in Sachen Fotos und Videos erwartet habe und auch das, was man von dieser Geräte- und auch Preisklasse wohl erwartet. Dennoch ist es schade, dass man der Kamera nicht ein wenig mehr Spielraum gegeben hat – aber dazu gibt es zum Ende noch ein paar Worte.

Das KaiOS – jetzt mit WhatsApp

Das CAT B35 läuft, wie viele andere Feature Phones, mit KaiOS. Ein Betriebssystem, dass aus dem damaligen eingestellten Firefox OS aus dem Hause Mozilla hervorging. Im Vergleich zu Android bringt dieses zwar nur einen Bruchteil der Möglichkeiten mit sich, dafür aber ist es extrem ressourcenschonend. Die 512 MB RAM des B35 reichen bereits aus, um eine flüssige Nutzung zu gewährleisten – laut den Entwicklern sollten sogar bereits 256 MB RAM ausreichen. Ein weiterer Vorteil des Systems: Es lässt sich komplett mit Hardware-Tasten bedienen, wer bereits klassische Handys genutzt hat, der dürfte mit KaiOS sofort zurechtkommen – denn seit der Jahrtausendwende und den Jahren danach hat sich in Sachen Oberfläche und Bedienung klassischer Handy-Formate nicht wirklich viel geändert.

Die üblichen Apps sind bereits vorinstalliert, hierzu zählen unter anderem Kalender, Browser, Mail-Client, Uhr/Wecker, Taschenrechner und Umrechner, Diktiergerät und Multimedia-Apps wie ein Musik- und Video-Player sowie ein UKW-Radio (nur in Verbindung mit entsprechenden Kopfhörern nutzbar). Ebenfalls ab Werk an Bord ist eine YouTube-App, Google Maps und sogar der Google Assistant, der sich auch flott per längerem Tastendruck auf die Menütaste aktivieren lässt. Im App Store für KaiOS finden sich aber noch eine ganze Reihe an weiteren Anwendungen, bei denen es sich im Gegensatz zu ihren Pendants von iOS und Android aber nicht um „echte“ native Anwendungen handelt, sondern um progressive Web-Apps.

Auf diese Weise lässt sich sogar WhatsApp auf dem CAT B35 nutzen – inklusive dem Versand von Bildern, Sprachnachrichten und Gruppenchats. Klingt eigentlich schon banal, ist für diese Geräteklasse aber ein alles andere als unwichtiger Faktor – denn niemand möchte ein Zweitgerät, bei dem man seine Kontakte nicht auf den (inzwischen) üblichen Weg erreichen kann. Neben WhatsApp gibt es auch noch Apps für Facebook und dem UC Browser im Store von KaiOS – darüber hinaus tummeln sich dort weitere Apps und Spielchen für die Wartezeit zwischendurch. Man darf aber nicht erwarten, dass diese so umfangreich sind wie Smartphone-Apps. Es sind eher Notbehelfe, aber für kleinere Zwecke meistens ausreichend.

Das Surfen kann in Sachen Geschwindigkeit und Komfort nicht im Ansatz mit einem Smartphone mithalten: Der Seitenaufbau ist auch mit guter WLAN-Anbindung recht träge und aufgrund fehlender Maus- und Toucheingaben ist auch die Navigation auf einer Webseite nicht sonderlich komfortabel. Auch dies ist nur eine Notlösung und immerhin besser als gar nichts. Selbiges gilt auch für Google Maps: Nach erfolgter Wartezeit zur Bestimmung des aktuellen Standorts lässt sich zwar nach Locations suchen und auch die Anzeige von Routen ist möglich, auf die bekannte Navigationsführung muss man dann aber wiederum verzichten. Derlei Einschränkungen ziehen sich dann durch diese und jene App, wobei sich die meisten Apps mit den Hardware-Tasten zumindest ganz ordentlich bedienen lassen – sogar mit Handschuhen, in Zeiten von Smartphones ein fast vergessener Hinweis.

Beim Herumspielen mit dem Gerät und dem Verschicken der ein oder anderen Nachricht musste ich ein wenig grinsen. So betagt die T9-Tastatur auch scheinen mag, so wenig verlernt man sie zu nutzen. Die ersten Wörter und Sätze dauerten ein wenig länger, irgendwann fluppte es dann aber ganz gut. Aber nur, wenn man sich bei der Wortwahl am Duden orientiert, denn anderenfalls muss man das Wörterbuch zunächst „anlernen“. Jüngere Baujahre würden wohl erst einmal mit großen Fragezeichen auf das Gerät schauen, die etwas ältere Generation hat den Dreh wohl schneller wieder raus. Kleines Off-Topic: Spaßeshalber habe ich T9 mal komplett deaktiviert – aber Nachrichten wie früher in der Schule zügig und komplett blind unterm Tisch oder im Rucksack tippen, ist heute nicht mehr drin.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Oberfläche von KaiOS und die Bedienung per Tasten zwar wie ein lupenreines 90er-Revival anmuten, letztlich aber zielgerichtet von der Hand geht. Hat man den ersten Schock überwunden und sich ein wenig eingewöhnt, ist das System ziemlich klar strukturiert und eben auf diese Art der Bedienung ausgerichtet. Das KaiOS und vor allem die vorinstallierten Standard-Apps laufen mit kleineren Ausnahmen (z.B. die sehr träge Standorterkennung) recht flüssig, wenngleich der Umfang natürlich auf das Nötigste beschränkt ist. Positiv überrascht hat mich der Google Assistant, der eine gute Spracherkennung besitzt und schnelle Antworten liefert.

Noch ein paar Details

  • Der Akku ist fest verbaut und bietet 2.300 mAh. In Kombination mit den Innereien und dem sparsamen KaiOS kommt das CAT B35 so auf eine Sprechzeit von bis zu 12 Stunden und eine Standby-Zeit von 30 Tagen. Und ja: Diese Zeiten können durchaus erreicht werden.
  • Das CAT B35 ist nicht nur vor Stürzen auf Beton und ins Wasser geschützt, sondern ist sogar gemäß der Militärnorm MIL SPEC 810G zertifiziert. Unter anderem hält es Temperaturveränderungen zwischen -25 °C und +55 °C stand und ist auch Vibrations-, sand-, salz-, nebel- und druckbeständig.
  • Die Taschenlampe lässt sich per längerem Tastendruck ein- und ausschalten. Für wirkliche Outdoor-Einsätze ist das Licht schlichtweg nicht hell und weit genug, als Schlüssellochfinder und für ähnliche Zwecke aber okay.
  • Sofern vom Netzbetreiber unterstützt bietet das B35 auch VoLTE – also die Telefonie über das LTE-Netz.
  • Als kleines Gimmick ertönt beim Einschalten des Gerätes ein kurzer Bagger-Sound. In keinerlei Hinsicht mit praktischem Nutzen, aber doch für ein leichtes Schmunzeln gut. Und es vertont natürlich auch nochmal die CAT-Herkunft.

Die Suche nach der Zielgruppe

Mit einem Straßenpreis von rund 100 Euro ist das CAT B35 ein günstiges Feature Phone, dass solide verarbeitet ist. Mit Blick auf aktuelle Smartphones und deren Preisgefüge stellt sich natürlich die Frage nach der Daseinsberechtigung dieser Geräteklasse, die aber in meinen Augen definitiv gegeben ist. Logisch, in vielen Punkten ziehen die eher klassischen Handys in vielen Belangen klar den Kürzeren. Bedienung, Funktionsumfang und Kamera sind nur drei Punkte, bei denen selbst günstige Android-Smartphones als Sieger aus dem Vergleich hervorgehen würden. Auf der anderen Seite bietet das B35 aber auch einige Vorteile seines Gerätetypus, von denen vor allem die Robustheit und die Akkulaufzeit herausstechen und letztlich auch den (Achtung: Bullshit-Bingo) USP des Gerätes ausmachen.

Man muss eben immer auf die Zielgruppe schauen, von denen ich zwei größere Gruppen ausmachen könnte: Senioren und solche, die mit den „modernen Smartphones“ nicht viel am Hut haben. Und Personen, die vielleicht ein Zweitgerät nutzen wollen, dass auch in härteren Umgebungen überleben kann. Ganz typisch für das Unternehmen CAT wären dies Handwerker und Outdoor-Fans. Bin ich aber nicht, daher habe ich einen anderen Zweck im Auge: Konzerte und Festivals. Hier benötige ich kein Smartphone mit all seinen Apps und Möglichkeiten. Sondern ein Gerät, dass auch mal Stürze und Regenfälle aushält und nicht am Abend bereits wieder ans Ladegerät muss. Bislang hielt mich immer das fehlende WhatsApp von ernsteren Überlegungen ab. Ja, es gibt auch noch SMS, Telegram und Co. aber außerhalb der Blase ist WhatsApp schon so etwas wie ein Kommunikationsstandard.

Schade ist nur, dass die Kamera für diesen (von mir) angedachten Zweck zu wenig bietet. Nein, ich erwarte keine Kamera auf dem Niveau eines iPhone 11 Pro oder eines Galaxy S10. Es dürfte aber sicherlich Platz im Gehäuse sein, um zumindest einem Mittelklasse-Smartphone das Wasser reichen zu können, sodass auch bei Dunkelheit zumindest halbwegs verwertbare Bilder herauskommen. Natürlich würde das Gerät dann etwas teurer, es verliert aber auch einen Minuspunkt. Für Leute, die nur ein robustes (Zweit-)Gerät für den Baustellen- oder Outdooreinsatz suchen wiegt der Faktor Kamera sicherlich weniger schwer. Ich persönlich muss aber weiter auf (m)ein „perfektes“ Festival- und Konzerthandy warten, auch wenn das CAT B35 eigentlich schon ziemlich nah heran kommt.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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