ryd box ausprobiert: Auto mittels ODBII-Stecker und App zum Connected Car aufrüsten

Marcel Am 31.03.2019 veröffentlicht Lesezeit etwa 13:08 Minuten

In den letzten Jahren ist das Thema „Connected Car“ immer größer geworden und inzwischen tummeln sich so einige Automodelle auf dem Markt, die recht „smart“ geworden sind. Nicht selten aber sind smarte Komponenten der höheren Preisklasse versprochen oder bringt als Zusatzfeature einen nur schwer ins Verhältnis zu setzenden Preisaufschlag mit. Glücklicherweise aber gibt es bereits gute Nachrüstmöglichkeiten, beispielsweise mit Apple Carplay oder Android Auto. Aber: Diese Lösungen dienen nur des Komforts während der Fahrt. Informationen rund ums Auto, Fahrtenbücher oder Echtzeit-Geoinformationen liefern diese aber nicht. An dieser Stelle kommt nun die kleine Box ryd (ehemals TankTaler) ins Spiel, die an die ODB2-Schnittstelle im Auto gesteckt wird und euch fortan wissenswerte Informationen rund um euer Fahrzeug auf euer Smartphone liefern und nebenbei auch ein Partnerprogramm zum Tanken inklusive Punktesammeln bieten. Musste ich mir natürlich einmal anschauen…

Unterstützte Fahrzeuge

Möchte man die kleine ryd box nutzen, gibt es nur eine kleine Voraussetzung: euer Fahrzeug muss eine ODB-2-Schnittstelle (On-Board Diagnose) besitzen, über die beispielsweise Hersteller und Werkstätten relevante Daten aus dem Fahrzeug auslesen können. Seit dem Baujahr 1996 ist die erste Version bei allen Neufahrzeugen verpflichtend, seit den Baujahren 2001 (Benziner) beziehungsweise 2004 (Diesel) gilt dies auch für die ODB-2-Schnittstelle. Die meisten sollten diese Voraussetzungen demnach erfüllen – gerade zu Zeiten der Abwrackprämie sind ja viele alte Karren ausgetauscht worden. Im Zweifel hilft euch ryd allerdings auch weiter, denn während des Bestellprozesses könnt ihr durch Eingabe eurer Fahrzeugdaten nochmals prüfen, ob die ryd box auch wirklich mit eurem Gefährt zusammenspielt.

Kleiner Fallstrick bei der Bestellung

Die Bestellung ist wie gewohnt einfach, hier gibt es keine gesonderten Schwierigkeiten. Was es aber gibt ist ein kleiner Fallstrick, denn der Stecker wird bei der Bestellung übe ryd selbst immer mit einem Account verbunden, den man bereits bei der Bestellung erstellen muss. Klingt komisch, ist aber so und hätte man meiner Meinung nach besser lösen können und müssen – die Erstellung eines Accounts bereits bei der Bestellung wirkt auf mich etwas unnötig. Die „falsche“ Accountbindung dürfte sicherlich nur wenige Nutzer betreffen, wollt ihr aber einen Stecker für eine dritte Person bestellen (beispielsweise für die Hausdame), sollte man dies im Hinterkopf behalten und nicht seinen Account angeben. Positiv: Kurze Nachricht an den Support, schon wird eine Änderung durchgeführt. Wer den Stecker über andere Shops bestellt, beispielsweise über Amazon, der ist davon nicht betroffen. Hier klappt es dann mit der Account-Erstellung bei Registrierung des Steckers.

Die erste Einrichtung

Der Einbau der ryd box ist wenig kompliziert, letztlich muss zunächst der Stecker in die ODB-2-Buchse im Auto gesteckt werden. Wo sich diese befindet? Unterschiedlich, in 99% der Fälle aber irgendwo auf der Fahrerseite. Nun ist die ryd box nicht gerade groß, einige Fahrzeugmodelle haben die ODB2-Schnittstelle jedoch an einer ungünstigen Stelle platziert, dass sich der Stecker nicht anschließen lässt. Aber auch hier hält der Support eine Lösung bereit und verschickt im Notfall ein (kostenloses) Adapterkabel, mit dem sich das Platzproblem umgehen lässt. Im Regelfall bekommt ihr bei im System hinterlegten Fahrzeugen automatisch ein Verlängerungskabel mitgeschickt, falls nicht einfach mal kurz den Support anschreiben. Aber wie gesagt: Ist von Auto zu Auto unterschiedlich, in den meisten Fällen dürfte der Einbau (wenn man es so nennen möchte) ohne große Probleme möglich sein.

‎ryd: smart tanken & Autofahren
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Entwickler: ThinxNet
Preis: Kostenlos
ryd - smart tanken & Autofahren
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Entwickler: ThinxNet GmbH
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Wie erwähnt ist der Stecker zwar bei der Bestellung über ryd selbst bereits mit eurem Account gekoppelt, dennoch müsst ihr diesen manuell mit eurem Gerät koppeln. Die dazugehörige ryd-App ist für iOS und Android zu haben und gibt euch auch ohne Stecker eine Hand voll Funktionen: Spritpreisvergleich, mobiles Bezahlen und sparen beim Tanken. Aber: Zum einen halte ich diese Benefits beim jetzigen Stand der Dinge für unbrauchbar, außerdem wollen wir uns ja die Funktion des Steckers anschauen – auf die einzelnen Features gehe ich gleich natürlich noch einmal gesondert ein. Das Koppeln des Steckers ist easy: Sobald ihr die Zündung eingeschaltet habt, könnt ihr die App öffnen und solltet dann bereits gefragt werden, ob ihr einen Stecker hinzufügen wollt. Kurz die aufgedruckte Nummer eingeben (schade, dass man den Barcode nicht einfach scannen kann), fertig.

Die „Connected Car“-Features

Ich bleibe hier zunächst einmal bei jenen Funktionen, die ein „dummes“ Auto zu einem kleinen „Connected Car“ machen – einfach weil es für mich der relevantere Teil von ryd ist. Hierbei kann der Funktionsumfang je nach Fahrzeug variieren, denn trotz ODBII-Schnittstelle ist nicht gesagt, dass die ausgegebenen Informationen standardisiert sind und ohne Anpassungen zu 100% verstanden werden. Im Zweifel einfach beim Support anfragen, was mit eurem Fahrzeug möglich ist und was nicht. Prinzipiell muss man bei der Auflistung der Funktionen wissen: Der ryd-Stecker besitzt einen verbauten GPS-Sensor und eine fest integrierte (kostenlose) SIM-Karte, wodurch er eigenständig den aktuellen Standort über das mobile Datennetz melden kann – dank Akku auch bis zu 24 Stunden ohne Stromzufuhr. Lange Rede, kurzer Sinn: Folgend nun mal eine Übersicht der einzelnen Funktionen der ryd-App in Kombination mit eurem Fahrzeug.

Standort des Autos: Direkt auf der Hauptseite wird euch (neben Tankstellen und deren Preise) der aktuelle Standort eures Fahrzeugs auf einer Karte angezeigt. Nützlich, wenn man in einer fremden Stadt nicht mehr auf Anhieb den Abstellplatz wiederfindet. Hiermit einhergehend ist natürlich auch eine Live-Verfolgung während der Fahrt – wohl aber um ein paar Sekunden verzögert. Diesen Live-Standort könnt ihr mithilfe der „Follow me“-Funktion mittels Link mit ausgewählten Leuten teilen – für eine durch euch bestimmte Zeitdauer, die sich bei Bedarf aber auch verlängern oder vorzeitig beenden lässt. Euer aktueller Standort lässt sich in diesem Falle von Dritten via Browser in nahezu Echtzeit verfolgen.

Fahrt- und Abschleppalarm: Ihr könnt euch eine Push-Benachrichtigung zukommen lassen, sobald euer Auto gefahren wird – auf Wunsch auch nur zwischen einer bestimmten Uhrzeit, zum Beispiel Nachts. Der Abschleppalarm informiert euch ebenfalls via Push-Benachrichtigung und kommt dann zum tragen, wenn euer Fahrzeug bewegt wird, während der Motor aus ist – was eben ganz klassisch beim Abschleppen der Fall ist. Klingt wie auch der Live-Standort nach einem tollen Diebstahl-Schutz, ABER: Neue(re) Fahrzeuge sowieso über den ODBII-Steckplatz geknackt werden, hierbei dürfte die Box schnell aus dem Fahrzeug geworfen werden (beim Entfernen gibt es ebenfalls eine Push-Benachrichtigung). Außerdem sind Profis mit Störsendern unterwegs, sodass die Box keinen Standort melden kann. Aber ein wenig Hoffnung besteht natürlich – und sollten mal Anfänger am Werke sein und die Box im Wagen liegen lassen, weiß die Polizei wenigstens wo man suchen sollte.

Tankfüllstand: Hier gibt es zwei unterschiedliche Quellen. Bei unterstützten Fahrzeugen könnt ihr den aktuellen Füllstand des Tanks direkt aus de Fahrzeug auslesen, was natürlich die genauere Methode darstellt. Sollte dies bei euch nicht funktionieren, kommt es auf eure Mithilfe an. Ihr müsst in diesem Falle eure Tankstopps in der App hinterlegen und den Tank so gut wie möglich volltanken. Habt ihr dies ein paar Male möglichst exakt gemacht, kann ryd den aktuellen Tankfüllstand annäherungsweise berechnen.

Batteriezustand: Ein Wert, der wiederum direkt aus dem Auto ausgelesen wird, ist der Zustand eurer Batterie. Dieser wird drei Stunden nach eurer letzten Fahrt ausgelesen (oder einmal am Tag) und ist in drei Kategorien gegliedert: „Top“ (Grün) besagt, dass die Batterie über ausreichend Ladung verfügt. Bei einem „angeschlagenen“ Zustand (Gelb) solltet ihr mal wieder eine längere Fahrt einplanen, wohingegen ihr bei einem „traurigen“ Zustand (Rot) schonmal den ADAC rufen könnt. Zumindest war dies in meinem Falle so, als die Batterie mit 11,2 Volt nicht mehr ausreichte, um den Motor zu starten. Ihr könnt übrigens auch eine Benachrichtigung erhalten, wenn die Spannung eurer Batterie stark abgefallen ist.

Fehlercodes auslesen: Fahrzeuge beinhalten immer mehr Technik und Steuergeräte, die aber glücklicherweise mit Sensoren ausgestattet sind, die die korrekte Funktionsweise der Elemente überwachen. Funktioniert etwas nicht wie gewünscht, wird ein Fehlercode erzeugt, über den die Werkstatt schneller ans Ziel gelangen kann. Zu standardisierten Codes gibt euch die App zusätzliche Informationen mit; bei herstellerspezifischen Codes wird lediglich auf eine Google-Suche verwiesen, die euch in den meisten Fällen aber einen Anhaltspunkt liefert. Kann die Werkstatt natürlich auch selbst auslesen, so aber tappt ihr nicht völlig im Dunkeln und steht nicht wie ein doofes Kind vor dem Mechaniker. Alte Fehlercodes, die nicht mehr aktiv sind, werden im Verlauf angezeigt. Denn Merke: Nicht jeder Fehler ist auch ein Defekt, manchmal verabschieden sich temporäre Fehler auch wieder. Ist jedenfalls mal ganz interessant zu sehen, was so im Auto vor sich geht – oder auch nicht, wenn man selbst nie etwas bemerkt hat, aber plötzlich zig Fehler ausgewiesen bekommt.

Kilometerstand: Auch der Kilometerstand wird bei den meisten Fahrzeugen (ryd spricht von rund 80%) direkt ausgelesen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird der Wert über GPS ermittelt und kann daher vom Wert in eurem Fahrzeug abweichen, was durch ein zusätzliches „~“ signalisiert wird.

Durchschnittsverbrauch: Der durchschnittliche Spritverbrauch wird aus euren Tankstopp-Meldungen, bei denen der Tank voll war, und natürlich den gefahrenen Kilometern (siehe Kilometerstand) berechnet. Der Wert ist nicht 100% genau, sondern es kann natürlich zu Abweichungen kommen. Für Autobesitzer, die sich den Durchschnittsverbrauch jedoch nicht anzeigen lassen können, aber dennoch eine nette Sache.

Fahrstatistiken: Zu guter Letzt gibt es dann auch noch ein paar fürs Auge aufbereitete Statistiken, wie zum Beispiel die Zeit und Distanz über und unter 30, 50, 100, 130 und 150 Kilometer pro Stunde, eine Übersicht über eure gefahrenen Kilometern in den letzten acht Tagen, sowie eine Tag und Nacht-Übersicht.

Das digitale Fahrtenbuch

Wie bereits bei den Fehlercodes angerissen, vergisst die ryd-App nichts, sondern legt sämtliche Vorkommnisse in einen filterbaren Verlauf ab. Hierzu gehören besagte Fehlercodes, aber auch eingetragene Unterhaltskosten (Tanken, Werkstatt, Steuern und alles was sonst nich so hinsichtlich des Fahrzeugs anfällt) und natürlich eure Fahrten. Diese werden euch visualisiert auf einer Karte angezeigt und lassen sich auch miteinander verknüpfen – zum Beispiel wenn ihr kurz mal auf dem Weg in ein Kiosk gesprungen seid. Er erhaltet jedoch nicht nur die Wegstrecke, sondern auch die gefahrene Geschwindigkeit und Infos darüber, wie stark man beschleunigt oder gebremst hat. Die Daten lassen sich auf Wunsch auch als CSV-Datei exportieren. Übrigens: Wollt ihr nicht, dass eine bestimmte Fahrt geloggt wird, könnt ihr vorher einen „Inkognito“-Modus aktivieren.

Für alle, die das Fahrzeug nicht nur privat, sondern auch geschäftlich nutzen, hat ryd auch ein finanzamtskonformes Fahrtenbuch in petto. Bei einem Firmenwagen können Ausgaben steuermindernd geltend gemacht werden – im Gegenzug müssen private Fahren versteuert werden. Durch die 1%-Regelung lässt sich der Privatnutzungsanteil pauschal abgelten. Aber: Wird der Pkw wenig privat genutzt, kann der Nachweis geschäftlicher Fahrten per Fahrtenbuch die kostengünstigere Lösung sein. Da in diesem Falle jedoch jede einzelne Fahrt dokumentiert werden muss, wählen viele die bequemere 1%-Regelung. Die Box kann euch die Dokumentation abnehmen und Fahrten lückenlos erfassen. Das elektronische Fahrtenbuch kann dann als PDF-Datei exportiert werden und muss nur noch an das Finanzamt weitergeleitet werden. Der Dienst kostet 49 Euro im Jahr, kann euch aber einen größeren Steuervorteil einbringen. Mehr Infos dazu findet ihr direkt bei ryd.

Tanken, bezahlen und sparen

ryd liefert euch nicht nur die direkten Tankstellen in eurer Umgebung auf der Karte auf der Hauptansicht der App, sondern bietet auch einen simplen Spritpreisvergleich, mit dem ihr (je nach genutztem Kraftstoff) die Preise der Tankstellen in eurer Nähe vergleichen könnt. Ist recht rudimentär gehalten, die Funktion macht aber das, was sie soll: der Anzeige der aktuellen Spritpreise (nur Diesel, sowie E5 und E10 – andere Spritsorten werden nicht an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts übermittelt). Ist nun keine Weltneuheit, immerhin finden sich im App und Play Store duzende Apps, die selbiges vollbringen (ich bevorzuge aktuell die Daimler-App Bertha) – unter Umständen reicht euch die Anzeige in ryd aber bereits aus, sodass ihr euch eine dedizierte App sparen könnt.

Darüber hinaus bietet ryd noch zwei Dienste an, die ich mangels Partner in meiner Umgebung nicht ausprobieren konnte: ryd pay und ryd points. ryd pay ermöglicht es, die Tankfüllung mobil und bargeldlos zu bezahlen – ohne dazu an die Kasse zu müssen. Dazu müsst ihr einmalig eure Zahlungsinformationen (SEPA oder Kreditkarte – weitere Möglichkeiten sollen folgen) hinterlegen. Steht ihr dann an einer Tankstelle, aktiviert ihr ryd pay über den grünen Tank-Button in der App und wählt die Zapfsäule aus. Im Anschluss müsst ihr die getankten Liter und den Betrag dafür bestätigen – schon wird der Betrag abgebucht und ihr könnt weiterfahren. Natürlich geht die Zahlungsbestätigung auch an den Tankwart. Im Grunde also wie Shell Smartpay, aber eben als offene Zahlungsplattform. Laut ryd wird die Zahl der teilnehmenden Tankstellen in Zukunft weiter stetig steigen, hierzu soll auch die frische Partnerschaft mit Bertha positiv beitragen.

Ebenfalls nicht zu viel erwarten würde ich von ryd points, dem Partnerprogramm von ryd. So könnt ihr bei jeder Betankung ein paar Cents sparen und Punkte sammeln. Als ryd Basic-Nutzer (also nur mit der App, ohne die Box) könnt ihr 1 Cent pro Liter sparen, mit ryd Premium sind es 2 Cent pro Liter. Außerdem erhaltet ihr pro getankten Liter 10 Punkte (ryd Basic) bzw. 20 Punkte (ryd Premium), die ihr ab 20.000 Punkten gegen Amazongutscheine und ab 30.000 Punkten in Tankgutscheine einlösen könnt. Aber auch dies geht nur bei Partnertankstellen, die sehr rar gesät sind. Das Bonusprogramm war ursprünglich der Kern des Dienstes (daher der alte Name TankTaler), inzwischen wird die Angelegenheit zugunsten ryd pay und der Connected Car-Features aber nicht mehr mit oberster Priorität verfolgt – wenngleich auch hier zukünftig wieder mehr Partner hinzukommen sollen.

Alexa weiß, wo dein Auto steht

Zum Abschluss noch ein kurzer Exkurs hinsichtlich der „Connected Car“-Features, denn ryd bietet inzwischen auch einen Skill für Alexa an. Habt ihr diesen installiert und mit eurem ryd-Konto verbunden, könnt ihr viele Informationen aus der ryd-App per Sprachsteuerung bei Alexa erfragen. Beispielsweise wo ihr euer Auto geparkt habt, wie der Zustand der Batterie und der aktuelle Kilometerstand ist oder auch ob ihr bei der nächsten Fahrt nochmal einen Zwischenstop an einer Tankstelle einlegen solltet. Einen wirklichen „must have“-Nutzen kann ich für meinen Teil nicht ganz erkennen – ist dann doch eher eine „Spielerei des Möglichen“, schlichtweg weil man es kann, wie so vieles. Hätte man den Dienst IFTTT implementiert, würden mir mehr praktische Anwendungsfälle einfallen (vor allem in Kombination mit anderen Smart Home-Komponenten), dies ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben.

ryd
ryd
Entwickler: ThinxNet GmbH
Preis: Kostenlos

Datensammelleidenschaft

Um die Daten von der Box in eure App zu befördern, sind natürlich Server von Nöten. Für viele stellt dies sicherlich ein K.O.-Kriterium dar, denn immerhin spielt man den Betreibern so massig Daten in die Hände. Diesem ist man sich im Hause ThinxNet jedoch bewusst und geht dieses Thema sensibel an. So betont man, dass die Daten nur auf gesicherten Servern in Deutschland (in München bei Domainfactory und in Frankfurt bei Softlayer) gespeichert werden, wodurch die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) Beachtung findet. Die Übertragung der Daten vom Stecker (interne SIM) zum Server sind über einen VPN verschlüsselt, der Datenstrom vom Server zur App werden via https verschlüsselt.

Darüber hinaus werden sämtliche Fahrzeugdaten getrennt von Namen gespeichert und somit pseudonymisiert. Personenbezogene Daten werden nicht an Dritte weitergegeben oder gar verkauft, die genannten Partnerunternehmen erhalten lediglich Zugriff auf vollständig anonymisierte Datensätze, die sie zur Auswertung der Kooperation benötigen. Außerdem möchte ThinxNet die von der ryd box gesammelten Daten nutzen, um beispielsweise Straßenschäden zu erkennen oder auch Ampelschaltungen zu bewerten. Bis man dazu aber genug aussagekräftige Informationen vorliegen hat und Gehör findet, dürfte es aber ebenfalls noch viel Wasser dem Rhein hinunter fließen.

Einmalkauf oder Abo?

ryd gibt es in den Paketen Basic und Premium. Basic kommt ohne einen Stecker aus, in dem Falle könnt ihr über die App aber nur den Spritpreisvergleich und das mobile Bezahlen mit ryd pay nutzen, sowie Punkte sammeln. Logisch, immerhin fehlt die ryd box, die das ganze erst wirklich interessant macht. Mit dem Stecker nutzt man automatisch ryd Premium, allerdings gibt es hierzu zwei unterschiedliche Modelle: Entweder per Einmalkauf für 149 Euro oder als Abo für 6,99 Euro pro Monat oder 59,88 pro Jahr. Wer das finanzamtskonforme Fahrtenbuch nutzen möchte, der muss die dafür veranschlagten 49 Euro/Jahr noch zusätzlich hinblättern. Das Abo hat laut Hersteller den Vorteil, dass man immer die aktuellste Hardwareversion der Box erhält.

Sind wir mal ehrlich: So ein ODBII-Stecker wird sich nicht so oft verändern, weswegen ich für meinen Teil den Einmalkauf klar vorziehen würde – und nach gut 2½ hat man das Geld schon wieder raus. Lediglich das Monatsabo ist eine Sache, die man sich zum Ausprobieren mal anschauen könnte. Darüber hinaus stehen gibt es noch eine Hand voll Partnerversicherungen, über die ihr kostenlos an die ryd box gelangen könnt. Zu diesen Partnern gehören die SV Sparkassen Versicherung, die HDI, die FRIDAY Versicherung, der BGV, e-rp sowie die AXA in der Schweiz. Solltet ihr euer Fahrzeug bei einer der sechs Versicherungen angemeldet und versichert haben, findet ihr weitere Informationen auf dieser Seite.

tl;dr und Fazit

Wer ein älteres Fahrzeug besitzt, der wird auch einen eher spartanisch ausgestatteten Bordcomputer haben. Dieser liefert während der Fahrt eben die wichtigsten Funktionen, darüber hinaus ist dann aber eher Funkstille. Natürlich ist ryd in einem solchem Falle nicht automatisch eine Kaufempfehlung, vielmehr muss man sich dafür interessieren, was außerdem so in seinem Fahrzeug vor sich geht und vor allem muss man Statistiken lieben. Ja, ryd möchte mit ryd pay und ryd points auch noch andere Bereiche beackern. Dies ist jedoch eine Insellösung und aktuell alles andere als verbreitet, sodass dies (Stand Jetzt) für mich keinen Kaufgrund darstellen würde. Gleiches gilt auch für den Diebstahlalarm, der zwar funktioniert, jedoch von professionellen Autodieben umgangen wird. Ich bin aber ein Freund von Historien und die liefert die ryd box beziehungsweise die App zur Genüge. Auch für Autofahrer, die ein digitales Fahrtenbuch fürs Finanzamt aufzeichnen wollen oder müssen, kann die ryd box eine angenehme Arbeitserleichterung darstellen.

Worüber man sich natürlich im Klaren sein muss: Die Daten wandern über Drittserver und werden dort aufbewahrt. In Zeiten von Google, Instagram und Payback nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein, für einige diese Tatsache aber eine Entscheidung gegen einen Dienst wie ryd sein – auch wenn die Daten verschlüsselt, nach europäischen Standards und pseudonymisiert übertragen und gespeichert werden. Ich für meinen Teil finde die ryd box mitsamt der App aufgrund der Auswertungen eine nette Spielerei, kann aber für die aufgerufenen 149 Euro keine klare Kaufempfehlung aussprechen. Daher: Oben findet ihr eine ausführliche Übersicht darüber, was die ryd box kann und was nicht. Solltet ihr an dem gebotenem Umfang Spaß haben, könnt ihr zuschlagen. Anderenfalls lasst es sein oder wartet noch ein wenig ab, was sich diesbezüglich noch so tut.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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