Nuki Smart Lock Pro (4. Generation) angetestet: Thread does Matter.

Marcel Am 27.02.2024 veröffentlicht Lesezeit etwa 9:29 Minuten

Vor wenigen Wochen das das österreichische Unternehmen Nuki sein gleichnamiges Smart Lock in der vierten Generation vorgestellt. Auch wenn sich auf dem Markt rund um elektrische Türschlösser und Zutrittskontrollen inzwischen zahlreiche Hersteller tummeln, dürfte das Unternehmen aus dem österreichischen Graz zumindest im DACH-Raum und in Europa die größten Marktanteile besitzen; inzwischen peilt man auch weitere Märkte an, wobei die USA in 2024 den Anfang machen sollen. Der Erfolg kommt nicht ganz zu unrecht: Auch wenn andere Geräte punktuelle Vorteile aufweisen, ist gerade ein Türschloss Vertrauenssache. Damit ist primär gar nicht mal die – eigentlich schon vorausgesetzte – technische Sicherheit gemeint, sondern vielmehr die Tatsache, dass das Schloss und System zuverlässig arbeiten muss. Und das tut Nuki nun schon seit einigen Jahren an unserer Wohnungstüre. Sogar so gut, dass ich in 9 von 10 Fällen gänzlich ohne Schlüssel das Haus verlasse, denn dank des nicht weniger zuverlässigen Nuki Opener ist das auch bei Mehrfamilienhäusern inzwischen kein Problem mehr.

Nun also steht seit Ende 2023 die vierte Generation des Nuki Smart Lock in den Regalen, die wie zwar ohne das „4“ im Namen daherkommt, wohl aber wieder in zwei unterschiedlichen Ausführungen: Das Smart Lock ohne Pro für eine UVP von 169 Euro und in einer Pro-Version mit integriertem WLAN zu einer UVP von 279 Euro. Zu den technischen Unterschieden und wieso ich das Nicht-Pro-und-Pro-Modell inzwischen als überholt empfinde folgen im Verlauf des Textes noch ein paar Worte. Was aber beiden Modellen gemein ist – und eigentlich auch die einzige wirkliche Neuerung: Die Nuki Smart Lock verstehen sich auf den Über-Standard Matter und nutzen die Thread-Konnektivität, die eine Interoperabilität im Smart Home erlauben und den Energieverbrauch im Vergleich zu WLAN senken soll. Wie gut oder schlecht das ganze funktioniert, konnte ich nun anhand des Nuki Smart Lock Pro (4. Generation) herausfinden.


Äußerlich nur Gewohntes

Legt man die verschiedenen Versionen des Nuki Smart Lock nebeneinander, wird es schwierig, die einzelnen Versionen auseinanderzuhalten. Zwar lassen sich im Detail Unterschiede ausmachen, im Kern ist man dem Design, Formfaktor und Co. aber seit der ersten Version treu geblieben. Das hat natürlich den Vorteil, dass man die Schlösser ohne großes Bohei austauschen kann, wenngleich es einige geben wird, die mit jeder neuen Generation auch auf ein frisches Design erhoffen. Optisch machen die Türschlösser anderer Hersteller zugegeben schon etwas mehr her, bei Nuki weiß man aber eben was man bekommt und mit Blick auf die Zuverlässigkeit hat mich das Türschloss nie im Stich gelassen; Eigenverschulden ausgenommen, wenn zum Beispiel mal der Akku nicht rechtzeitig getauscht wurde, passiert einem aber auch nur einmal. Von technischer Seite handelt es sich bei dem Nuki Smart Lock der vierten Generation – egal ob nun mit oder ohne Pro – um die identischen Vorgängerversionen. Nicht nur äußerlich, sondern auch Motor und Co. sind unverändert übernommen worden.

Der Wechsel von einem bestehenden Nuki Smart Lock ist daher schnell gemacht: Altes Modell von der Montageplatte abziehen, neues Modell aufstecken, fertig. Das ist eben der Vorteil von Nuki, dass das Smart Lock quasi nur an die Innenseite der Haus- oder Wohnungstüre auf den bestehenden Zylinder gesteckt oder geklebt wird. Beides Varianten der Montage rückstandslos entfernbar und man spart sich ein Austauschen des Zylinders mit allen Vor- und Nachteilen wie zum Beispiel dem Bohren neuer Löcher. Für Mietwohnungen ja nicht ganz unwichtig. Probleme mit den geklebten Montageplatten? Bei mir bisher nicht vorgekommen, ein vorheriges Reinigen mit Isopropanol hilft. Auch die Einrichtung per Nuki-App für iOS und Android läuft ohne Probleme und identisch zu den vorherigen Nuki-Schlössern. An dieser Stelle verweise ich daher auf die beiden Testberichte zum Nuki Smart Lock 2.0 und dem Nuki Smart Lock 3.0 „ohne Pro“, die sich mit kleineren Abstrichen auch in 2023 noch 1:1 auf das aktuelle Modell übertragen lassen.

Powerpack mit Power Delivery

Ein paar kleinere Neuerungen gibt es jedoch im Rahmen der vierten Nuki-Generation, eines von diesen ist eine überarbeitete Version des Powerpack. Dieses wird mit dem Pro-Modell bereits von Haus aus ausgeliefert, kann für rund 49 Euro aber auch als Austauschakku oder als Nachrüstung für das „Nicht Pro“-Modell nachgekauft werden. Eine gute Alternative zum Betrieb mit vier AA-Battterien (beziehungsweise Akkus, die IKEA LADDA sind hier ein Geheimtipp zu den teureren Eneloop-Pro-Akkus), zumal das Powerpack mit bis zu sechs Monaten eine nicht unwesentlich höhere Laufzeit mit sich bringt. Daran hat sich auch mit dem neuen Powerpack nicht viel geändert, es unterstützt nun aber das schnelle Laden aka Power Delivery. Dies war bisher nicht möglich und so kam es vor, dass das Power Pack ein (vollständiges) Aufladen verneint hat, wenn man dieses an ein entsprechendes Schelllagegerät angesteckt hat. Kam ich aber auch erst drauf, nachdem sich auch der zweite Akku nicht aufladen ließ. Eine kleine, aber sinnvolle Überarbeitung.

Thread does Matter

Die größte und auch einzige Neuerung der vierten Smart Lock-Generation ist die Unterstützung des Über-Standards Matter und dem Thread-Protokoll, genauer gesagt Matter über Thread. Dadurch können die Schlösser auch in kompatiblen Apps von Drittanbietern eingerichtet und gesteuert werden; zum Beispiel in Apple Home, Google Home oder Samsung SmartThings, weitere Smart-Home-Zentralen werden sicherlich folgen (unter anderem Homey Pro, welches mit der derzeitigen Beta 10.3.0 auch Schlösser via Matter unterstützt). Das ganze klappt auch recht reibungslos, sofern man eine entsprechende Matter-Zentrale besitzt, beispielsweise einen unterstützten Apple TV oder einen HomePod. Die Einbindung kann direkt während der Einrichtung des Smart Locks erfolgen oder zu einem späteren Zeitpunkt in den Nuki-Einstellungen angestoßen werden. Den mitgelieferten QR-Code scannen, ein paar Details festlegen, etwas Wartezeit überbrücken, fertig.

Kennt man die bisherige HomeKit-Integration von Nuki, ist auch mit Matter over Thread oberflächlich erst einmal alles beim alten. Der derzeit größte Unterschied: Die Performance und Latenz ist spürbar besser. Je nach Netzwerk ist das zwar kein gravierender Unterschied, aber gab es zuvor noch die ein oder andere Gedankensekunde, reagiert das Schloss nun nahezu so flott wie per direkter Verbindung über Bluetooth und App. Dennoch ist die Matter-Integration zum jetzigen Zeitpunkt nur bedingt alleinstehend nutzbar, denn Matter versteht sich aktuell nur auf die Funktionen „Tür aufschließen und Falle ziehen“ und „Zuschließen“. Das wird sich voraussichtlich im Frühjahr 2024 ändern, sofern Nuki und die Hersteller der Smart-Home-Zentralen im Zeitplan bleiben: Dann nämlich soll per Firmware-Update die Matter-Implementierung von Version 1.1 auf 1.2 aktualisiert werden, die dann auch den Unterschied zwischen „Tür aufsperren“ und „Falle ziehen“ erlernt.

Seit dem jüngsten Firmware-Update auf die Version 4.1.8 ist auch der Fernzugriff über Thread für Nuki-eigene Apps und Services möglich. Einfach gesagt: Habt ihr euer Nuki über Thread in ein Smart Home-System mit NAT64-Unterstützung wie zum Beispiel Apple Home oder Home Assistant integriert, läuft auch der Fernzugriff über die Nuki-App über Thread. Das integrierte WLAN (oder auch der Umweg über die Bridge beim Standard-Modell, siehe unten) wird dann deaktiviert, was der Akkulaufzeit der vierten Generation zusätzlich entgegenkommt, da sich Thread wesentlich sparsamer im Energieverbrauch zeigt. Laut Hersteller sollte das Schloss mit einer Ladung des Power Pack rund sechs Monate aushalten, natürlich immer in Abhängigkeit der Anzahl an Schließungen und Öffnungen. Nicht falsch verstehen: Der Fernzugriff über das von euch verwendete Smart-Home-System selbst ist natürlich auch ohne das Firmware-Update sowohl für das Pro, als auch das Nicht-Pro-Modell möglich. Es geht sich alleinig um Fernsteuerung bei Nutzung der Nuki-App per se.

Smart Lock Pro vs. „ohne Pro“

Seit der dritten Generation des Smart Lock gibt es zwei verschiedene Versionen: Mit und ohne Pro. Grundsätzlich sind sich beide Modelle nahezu identisch, äußerlich gibt es jedoch ein paar Unterschiede: So besitzt das Pro-Modell ein Drehrad aus silberfarbenem Aluminium und überlässt euch die Wahl zwischen schwarzem oder weißem Gehäuse, wohingegen die Version „ohne Pro“ nur weißen Kunststoff zu bieten hat. Optisch natürlich Geschmacksache und auch haptisch spürbar, in der Praxis macht es aber erstmal keine großen Unterschiede, welche Version man sich an die Tür hängt. Einer der größten Unterschiede bisher: Die Pro-Version besaß ein integriertes WiFi-Modul, wodurch der Fernzugriff auch ohne Nuki Bridge möglich war. Klingt im ersten Moment nach einem Vorteil und ist es für viele Nutzer sicherlich auch, sobald aber ein Nuki Opener ins Spiel kam, benötigte man weiterhin eine Bridge und somit verlor man den eigentlich Vorteil wieder.

Mit der vierten Generation wird der technische Unterschied kleiner, sofern denn Matter over Thread genutzt wird, denn per Smart Home-Hub wäre dann ein Fernzugriff ohne WLAN-Modul möglich. Das wiederum könnte für viele ein Grund sein, zur Nicht-Pro-Variante zu greifen – preislich steht es im direkten Vergleich 169 zu 279 Euro. Dem hat Nuki jedoch eine kleine Rechenaufgabe entgegenzusetzen: Das Smart Lock 4.0 Pro bringt das Power Pack für 49 Euro mit, außerdem kostet die Freischaltung des Fernzugriffs via Matter/Thread über die Nuki-App bei der günstigeren Version einmalig 39 Euro. Macht summa summarum 259 Euro. Immer noch einen Hauch günstiger, allerdings können bei 20 Euro Differenz das schwarze Gehäuse und Aluminium-Rad wieder punkten. Wenn man weiterhin auf Akkus setzen möchte oder auf Matter und Thread verzichten kann, bleibt das Standard-Modell natürlich günstiger. Ich persönlich hätte es aber nachvollziehbarer gefunden, wenn beide Modelle zu einem Modell verschmolzen wären…

Tellerrand: Das Keypad 2.0 Pro

Mit der vierten Generation seines Smart Lock und dem überarbeiteten Power Pack hat Nuki auch noch ein Pro-Modell seines Keypad 2.0 vorgestellt. Das Keypad 2.0 selbst ist bekannt und hat das bereits bestehende Keypad um die Möglichkeit erweitert, nicht nur Zugang per Zahlencode zu erlauben, sondern auch per Fingerabdruck. Der Sensor ist dabei selbiger wie er auch zum Beispiel bei den iPhone-Modellen mit TouchID zum Einsatz kam und reagiert so schnell, dass es wirklich angenehm ist und ich inzwischen auf Auto Unlock verzichte. Bei dem Keypad 2.0 Pro handelt es sich im Kern um ein 1:1 identisches Modell, welches allerdings mit einer Edelstahlfront daherkommt. Konzipiert ist das Pro-Keypad für einen nahtlosen Einbai in Wände oder Türen und bietet dazu auch eine dauerhafte Stromversorgung als Alternative zum Batteriebetrieb. Ist dann aber eben auch weniger „Plug & Play“, sondern Bedarf einiger Bastelarbeiten inklusive Ausfräsung und Verkabelung. Zu haben sein soll das Keypad 2.0 Pro ab März 2024 für satte 349 Euro.

tl;dr & Fazit

Es ist ein wenig kurios: Im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen gleicht sich die vierte Generation des Nuki Smart Lock wie aus einem Ei gepellt. Lediglich das Innenleben ist soweit aufgerüstet, dass Matter und Thread unterstützt werden können. Beides gilt als Heilsbringer im Smart Home und das Potential dazu ist vorhanden – wird noch aber nicht vollständig ausgeschöpft. Ja, man kann beide Modelle bereits über Matter und Thread mit unterstützten Smart-Home-Zentralen koppeln, im Vergleich zur bisherigen Implementierung (je nach Zentrale direkt oder per API) bietet dies aber aktuell nur geringfügige Unterschiede. In Sachen Latenz wirkt Matter over Thread zum Beispiel in Apple Home spürbar reaktionsschneller, wenn auch ohne drastischen Aha-Moment. Noch interessanter wird es, wenn Nuki und mehr Smart-Home-Hubs das Update auf Matter 1.2 ausrollen, womit die Unterstützung für Türschlösser erweitert wird – möchte man aktuell nur die Falle ziehen muss man nämlich noch auf die Nuki-App zurückgreifen.

Ehrlich gesagt bin ich innerlich ein wenig zusammengezuckt, als ich das „kommt per Update“ gelesen habe. Immerhin war seinerzeit für das Smart Lock 2.0 auch mal Zigbee als Update versprochen und dann leise, still und heimlich gestrichen worden. Zwischenzeitlich wurde man aber schon eines besseren belehrt, denn auch wenn beide Updates – der Fernzugriff via Thread und das Update auf Matter 1.2 – erst für Frühjahr 2024 angekündigt waren, hat man zumindest das Firmware-Update mit dem Fernzugriff frühzeitig verteilt. Übrigens ist dem Unternehmen Nuki als Mitglied der Connectivity Standards Alliance (kurz CAS) ein großer Teil geschuldet, dass Matter 1.2 den Unterschied zwischen Aufsperren und Falle ziehen erlernt hat, denn außerhalb von Europa und insbesondere in den US of America ist die für uns typische Türfalle fast nicht bekannt und daher auch in den ersten Implementierungen nicht berücksichtigt worden…

Das zusätzliche Zubehör in Form des Keypad 2.0 Pro und das technisch überarbeitete Power Pack sind ebenfalls eher in die Kategorie „Modellpflege“ einzuordnen. Das Keypad 2.0 Pro läuft in meinen Augen eher mit und ist nachvollziehbarerweise nur für Eigenheim-Besitzer interessant (die man noch dazu am Nuki-Ökosystem bindet), wohingegen das Power Pack durch die Unterstützung der Power-Delivery-Technologie endlich mit jedem Netzteil aufgeladen werden kann – für mich so etwas wie das kleine Highlight im Reigen der neuen Produkte. Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass auch der Opener irgendwann mal ein Update erhält, welches entweder WiFi oder Thread mitbringt und damit den verbundenen Zwang zur Nuki Bridge obsolet macht. Das würde dann die Entscheidungsfaktoren zwischen den beiden Smart-Lock-Modellen reduzieren.

Gleichsam empfinde ich die Trennung zwischen Smart Lock und Smart Lock Pro noch mehr als bei der 3. Generation als etwas überholt. Klar, wer die Extras im Lieferumfang (Power Pack) und technischen Unterschiede (Matter, Thread und WiFi) verzichten kann – entweder aus Nicht-Bedarf oder weil man sowieso aufgrund des Nuki Opener auf eine Bridge setzen muss – der bekommt mit dem Standard-Modell ein smartes Türschloss zu einem vergleichsweise schmalen Kurs, sofern die Farbe Weiß für euch passt. Gleiches gilt auch, wenn ihr ein Smart Lock der dritten Generation besitzt und mit der Performance soweit zufrieden seid. Wollt ihr euer Smart Home hingegen möglichst eng miteinander versetzen beziehungsweise so weit möglich zentral einrichten und steuern, dann könnte sich der Wechsel auf die vierte Generation (egal ob mit oder ohne Pro) jedoch lohnen. Denn auch im Jahr 2024 ist Smart Home noch viel „Haben ist besser als brauchen“…

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

Artikel teilen

Kaufempfehlung*

  • SodaStream Wassersprudler DUO mit CO2-Zylinder, 2x 1L Glasflasche und 2x 1L spülmaschinenfeste Kunststoff-Flasche, Höhe: 44cm, Farbe: Titan, 29x25.6x44.4
  • Neu ab 149,99 €
  • Auf Amazon kaufen*

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe eine Antwort

⚠ Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.