[Wirre Gedanken] Einfach mal nicht erreichbar sein – kann auch Luxus sein

Marcel Am 29.05.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 4:07 Minuten

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Wir leben im Jahr 2013 – jenem Jahr, in dem fast jeder ein Smartphone besitzt und mindestens bei Facebook angemeldet ist. Gibt natürlich Ausnahmen – ist aber inzwischen fast schon Normalität. Ebenso zur Normalität ist es geworden, über alle Nachrichten informiert zu werden, die einem selbst betreffen und das eben auch in Echtzeit – den besagten Smartphones sei Dank. Facebook, WhatsApp, Twitter, SMS, Telefon, E-Mails; all diese Nachrichten bekommen wir in 0-Komma-Nichts auf unser Display geliefert. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Und bevor ihr hier weiterlest einmal eine kleine Warnung: Dieser Artikel könnte spuren von Verworrenheit enthalten – er ist nicht linear geschrieben, schon gar nicht müssen die Inhalte inhaltlich zusammenpassen wie die Faust auf’s Auge.

Ich persönlich sehe mich hier zwar vielleicht nicht unbedingt als Durchschnittsnutzer, aber bei mir sieht es wie folgt aus (und hier gibt es sicherlich noch „schlimmere“): iPhone, iPad, Galaxy Nexus, Mac, Chromebook, Telefon. Das wären so die Gerätschaften in meinem Hause, welche Nachrichten empfangen können – und es teilweise auch machen. Potentielle Dienste, welche Nachrichten versenden oder empfangen, gibt es bei mir auch genug: Ich schreibe über WhatsApp, SMS und E-Mail, lese RSS Feeds in einer Reader-App, bin bei Facebook, Twitter und Google+ und telefonieren kann ich auch (letzteres wenn auch selten ;-)). Da könnte einiges am Tage zusammenkommen, hätte ich nicht sämtliche Benachrichtigungen mit Ausnahme der Messenger deaktiviert. Aber genug geblubbelt, kommen wir mal wieder zurück zum Thema.

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Es gibt solche Leute, die in Sekundenschnelle auf SMS, Facebook-Nachrichten und Co. antworten oder Statusupdates zum Beispiel auf Facebook sofort wahrnehmen – und das gefühlt rund um die Uhr. Ist ja nicht schlimm; die einen haben Hobby A, andere Hobby B und wiederum andere haben eben das Hobby „Kommunikation“. Was meiner Meinung nach aber ganz schlimm ist, ist dieser Drang quasi rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen. Egal wo, egal was man macht. Dafür gibt es sogar einen Ausdruck: Nomophobiker.

Ich kenne einige Leute, die im Beisein von anderen fast nur Nachrichten verschicken oder auf diversen Netzwerken abhängen, dort „liken“ und kommentieren. Auf Geburtstagen. Beim Shoppen. Beim „Abhängen“. Schlimm genug, wenn das andere machen, noch schlimmer aber wird es dann, wenn es eine Gruppe aus sechs…sieben Leuten ist und diese gefühlt scheinbar nur über das Smartphone kommunizieren. Soll sogar Paare geben, bei denen ein Abend auf der Couch genau so aussieht.

Ganz abartig wird es dann, wenn bei einem Restaurantbesuch das Smartphone häufiger in die Hand genommen wird, als das Besteck – oder um es ganz absurdum zu führen: wenn es auch noch auf den Tisch gelegt wird.

Vielleicht bin ich hier etwas zu altmodisch, aber in meinen Augen gehört das Smartphone nicht in die lustige Runde oder ins Restaurant. Klar, ich habe nichts dagegen, wenn mal jemand auf eine Nachricht antworten, seinen Facebook-Stream checkt oder sonst etwas macht – so ist halt das „digitale Leben“ und ich bin da nicht anders. Aber fast ununterbrochen? Und im Restaurant gehört das Smartphone erst gar nicht aus der Tasche gezogen – sonst kann ich auch direkt alleine Essen gehen. Ihr kommuniziert hier nicht mit eurem Smartphone, sondern mit eurer Begleitung; egal, ob es nun eine einzelne Person ist oder eine Gruppe. Real life nennt man so etwas.

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Die lustige Gruppe und der Restaurant-Besuch sind hier nur zwei Beispiele von vielen. Kino, Spaziergang … hier gibt es etliche Beispiele für und somit spanne ich den Bogen einmal wieder zurück zum Titel: Dieser Drag, ständig erreichbar sein zu müssen und alles mitzubekommen – man könnte ja solch weltbewegende Dinge wie die Trennung des Freundes-Freund-Freundes verpassen.

Ein weiterer Fall ist der Schlaf, welchen ich teilweise schon als notwendiges Übel sehe – dafür gibt es eigentlich immer genug zu tun. Viele nutzen sicherlich ihr Smartphone als Wecker – eine Unsitte, welche ich bis heute nicht so ganz verstanden habe. Denn immerhin empfängt das Smartphone auch hier immer wieder auf’s neue Nachrichten – vielleicht nicht so viele wie am Tage, aber dennoch. Klar, man kann die Alarmtöne und die Vibration ausschalten, den Flugmodus gibt es ja auch noch, ebenso bietet Apple mit dem „Do not disturbed“-Feature eines der für mich wichtigsten Features (ist bei mir übrigens von 21:30 Uhr bis 7 Uhr automatisch aktiviert). Dennoch würde ich mal behaupten, dass Kommunikationsmittel nicht ans Bett gehören, zumindest in der Nacht. Alleine die Möglichkeit, „noch mal eben auf’s Display zu schauen“, dürfte für den Schlaf vielleicht nicht Mega negativ sein, positiv aber definitiv nicht.

Aber gut, das sind andere Sachen, denn tagsüber sieht die Welt eben noch ein wenig anders aus und verschiedene Quelle können „störend“ sein. Ich bin nun seit einigen Monaten KzH und dadurch habe ich auch Tagsüber nicht die Notwendigkeit, für meinen Arbeitgeber verfügbar zu sein – also quasi jeden Tag Sonntag. In diesen Woche habe ich mir angewöhnt, zu bestimmten Zeiten einfach mal sämtliche Kommunikationsmittel beiseite zu legen oder auch über zwei, drei Stunden bewusst auszuschalten und einfach nur zu entspannen. Musik. Buch. Jeder so wie er es mag.

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Und ob ihr es glaubt oder nicht: Es kann unglaublich erholsam sein, einmal keine Vibrationen, Displayaufleuchtungen oder Alarm- und Klingeltöne zu hören und einfach mal nichts von der Welt „da draußen“ mitzubekommen. Ja, ich weiß, gerade unter der Woche hat man Dinge zu regeln, sollte (wie ich) immer für den Arbeitgeber erreichbar sein – da kann man nicht einfach mal hingehen und zum Beispiel den Dienstag komplett unerreichbar sein. Aber Sonntags mal ein paar Stunden, oder auch den Abend mal 1…2… Stunden, oder eben zum Beispiel im genannten Restaurant. Und dann muss man genau diese Stunden genießen – und wer sich darauf einmal einlässt, wird feststellen: Einfach mal nicht erreichbar sein – kann auch Luxus sein.

Bildquellen:
We stand so close together by Ed Yourdon // CC // Flickr
No Picnic by PictureYouth // CC // Flickr
Fernseh aus und raus! by Tekke // CC // Flickr

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