[Wirre Gedanken] Bitte Apple, lass den Kopfhöreranschluss am iPhone sterben

Am 13.01.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:16 Minuten

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Bild: iFixit

Vor dem iPhone, ist nach dem iPhone und so verwundert es kaum, dass es, gerade einmal drei Monate nach dem Launch des iPhone 6s (Plus) bereits erste Gerüchte über das Nachfolge-Modell die Runde machen. Vorab: bevor Apple das iPhone 7 (Plus?) nicht offiziell vorgestellt hat (ich würde nicht vor September/Oktober damit rechnen), ist nichts wirklich bestätigt. Zwar waren in den letzten Jahren viele Details bereits bei der Vorstellung bekannt, zumeist entstammten diese Informationen aber aus Gerüchten aus einer Hand voll Monaten vor der Präsentation. Auch momentan kreisen wieder viele (mehr oder weniger realistische) Behauptungen durch’s Web, wobei eine gar nicht so abwegig sein dürfte: der Wegfall des Kopfhöreranschlusses am kommenden iPhone.

Das Gerücht erhitzt viele Gemüter, sogar eine Online-Petition ist bereits erstellt und von fast 250.000 Nutzern digital unterschrieben worden. Eine Online-Petition. Für ein Gerücht. Endlich mal eine wirklich sinnvolle Aktion. Hauptaussage der Petition: Apple wird alle Kunden über den Tisch ziehen und dafür sorgen, dass die bereits bestehenden Berge an Elektro-Müll noch weiter aufgeschüttet werden. Natürlich kann man nun damit argumentieren, dass Nutzer, die sich ein neues iPhone kaufen, immer ein doppeltes Paar Kopfhörer haben und sicherlich eines entsorgen (oder verkauft ihr das alte (echt?) oder neue Paar?). Auch die Tatsache, dass Apple sicherlich einen Lightning-auf-Klinkenstecker für 20 oder 30 Euro anbieten wird, ist sicherlich nicht allzu weit hergeholt.

sony-walkmanAber: Man muss den Wegfall des Miniklinken-Steckers auch als „großes Ganzes“ sehen. Ich glaube an einem aktuellen Smartphone ist kein Bauteil derart alt, wie eben jener 3,5mm Klinkenstecker. Natürlich hat der eigentliche Stecker im Laufe der Jahre ein paar Upgrades erhalten (Monostecker → Stereostecker → Zusatzfunktion wie Steuerung), dennoch ist der Stecker im Grunde noch immer derselbe, wie er bereits seit Anfang den frühen 80er Jahre in Walkmans, Discmans, Mp3-Player und anderen mobilen Geräten zum Einsatz kam. Über 30 Jahre Lebenszeit, für heutige Technik-Verhältnisse eine enorm lange Zeit und so langsam wird es mal wieder Zeit für etwas „neues“.

Wobei „neu“? Eigentlich sind die Alternativen gar nicht so neu. Da wäre zu erst einmal die Möglichkeit, die so genannte „Micro-Klinke“ zu verwenden. 2,5 statt 3,5 Millimeter. Würde für etwas mehr Platz sorgen, aber im Grunde ist das Problem damit nicht gelöst: Auch hier bräuchte man entweder einen Adapter oder neue Kopfhörer, außerdem wird das eigentliche Problem damit nur weiter nach hinten geschoben: denn die Zukunft ist kabellos. In heutiger Zeit besitzen immer mehr Haushaltsgeräte WiFi und Bluetooth: der Fernseher, der Herd, die Waschmaschine, sogar Wasserkocher funken bereits. Überall versucht man der Kabel Herr zu werden, wieso also nicht auch bei Kopfhörern? Sind wir mal ehrlich: Auf den Kabelsalat, wenn man die Kopfhörer mal wieder aus der Schublade oder der Jackentasche hervorholt, kann doch eigentlich jeder gut verzichten, oder?

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Bild: Shutterstock

Nun gut: auch Bluetooth-Kopfhörer besitzen noch genug Kabel um sich verwirren zu lassen. Aber je weniger Kabel, desto weniger Kabelgewirr hat man zu entknoten. Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht darauf achten muss, dass man das iPhone in „Kabel-Distanz“ unterwegs verstaut (Rucksack geht zum Beispiel nur bei langem Kabel), ebenso reißt man das iPhone nicht aus der Tasche oder vom Tisch, wenn man mal mit dem Kabel hängen bleibt. Geht nicht? Geht doch, muss nur ruckartig genug sein. Außerdem ist der Bluetooth-Standard inzwischen soweit vorangeschritten, dass er auch bei Musik-Übertragung nur wenig Strom verbraucht (ich habe nur einen ganz geringen Unterschied festgestellt) und sowohl Datenraten als auch Signalstärke inzwischen mehr als ausreichend sind.

Natürlich: Wer einen besonders hochwertigen Kopfhörer nutzt und ein sehr gutes und feinfühliges Gehör besitzt, der wird einen Unterschied ausmachen wollen können. Ich für meinen Teil behaupte aber mal: Wer wie ich mit den Standard-Kopfhörern von Apple zufrieden ist, der wird auch mit Bluetooth als Musik-Übertragungsweg zufrieden sein. Wer wirklich auf einen „uneingeschränkten“ Musik-Genuss aus ist, der wird aber auch sicherlich kein Smartphone als Musik-Player nutzen oder bekommt dann sicherlich von Apple die Option, seinen ach so hochwertigen Beats-Kopfhörer mittels Adapter weiterhin über den Lightning-Anschluss nutzen zu können. Natürlich wäre das mit zusätzlichen Kosten verbunden – aber hey, das ist Fortschritt. Wo wären wir denn, wenn noch immer jeder BluRay-Player mit Scart-Kabel ausgestattet wäre, nur damit man die alte Röhre aus den 90ern noch weiterverwenden kann?

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Konzept: Eric Huismann

Außerdem muss diesbezüglich natürlich bedacht werden, dass man auf dem Markt bereits den ein oder anderen Kopfhörer vorfindet, der nur mit einem Lightning-Abschluss ausgestattet ist (der Philips Fidelio zum Beispiel). Hat nur bedingt etwas damit zu tun, dass man den Nutzern unbedingt Geld aus der Tasche ziehen möchte, denn immerhin greift hier auch wieder der „Musik-Qualitäts-Aspekt“. Der Vorteil: das Audio-Signal wird komplett auf digitalem Weg an die Kopfhörer weitergereicht, analoge Störungen gehören somit der Vergessenheit an, stattdessen gibt es ein verlustfreies Output. Natürlich nur, sofern das Ausgangsmaterial stimmt, aber bei Mp3s hättet ihr auch mit Klinkenstecker kein besseres Ergebnis.

Wem aber ein Paar „einfache Kopfhörer“ reicht, der bekommt von Apple sicherlich ein paar Bluetooth-Kopfhörer mit dem iPhone 7 mitgeliefert – ich kann mir nicht vorstellen, dass Apple die Kopfhörer aus der Verpackung streichen wird. Hat der ein oder andere Hersteller schonmal bei einzelnen Modellen versucht, war nicht gerade von Erfolg gekrönt.

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Konzept: Eric Huismann

Aber ein Wegfall des Klinkensteckers könnte noch ein paar weitere Vorteile mit sich bringen. Natürlich würde es der fehlende Stecker Apple erlauben, das iPhone 7 nochmals ein paar Millimeter dünner werden zu lassen – immerhin nimmt der bisherige Stecker fast die komplette Dicke des Gehäuses ein. Wird im Fall der Fälle wohl auch so kommen, meiner Meinung wäre dies aber sicherlich nur ein Nebenaspekt. Viel interessanter wäre die Tatsache, dass der Wegfall es einfacher machen würde, das iPhone wasserfest und wasserdicht zu machen. Lightning ist rein digital und müsste sicherlich nicht weiter abgesichert werden, der Klinkenstecker dürfte hier größere Probleme machen (eine Schutzkappe halte ich nur als bedingt sinnvoll).

Werfen wir mal einen Blick in das Innenleben des iPhone 6s: der Port für den Klinkenstecker ist schnell zu finden und nimmt mehr Platz ein, als es der Lightning-Stecker macht. In Zeiten, in denen Prozessor und andere Bauteile immer kleiner geschrumpft werden, würde der Wegfall des Steckers einen enormen Teil im Inneren freischaufeln, den man eben unter Umständen auch für eine Vergrößerung des Akkus nutzen könnte – oder aber man könnte das Innenleben ein wenig umstrukturieren und die Ränder unter und über dem Display ein wenig einschrumpfen.

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Bild: iFixIt

Die Zukunft ist also kabellos oder „Hi-Fidelity“ über Lightning (noch besser wäre natürlich USB-Type-C, aber daran glaube ich (noch) nicht) – aber sicherlich nicht der 30 Jahre alte Klinkenstecker. Nur muss irgendjemand damit anfangen, alte Zöpfe rigoros abzuschneiden und wer sollte dies schaffen, wenn nicht Apple, die eine enorme Schlagkraft im Markt besitzen? Jenes Unternehmen, dass zuletzt das gute alte CD-Laufwerk in Notebooks (und auch im iMac) bestattet hat. Haben zu Zeiten des ersten MacBook Airs noch zahlreiche Nutzer belächelt, inzwischen gibt es eigentlich kein aktuelles Notebook mehr, welches mit CD-Schacht daherkommt. Und ehrlich? Ich habe seit Jahren keine CD mehr benötigt, geschweige denn vermisst. Ich würde fast darauf wetten, dass andere Hersteller innerhalb einer Generation nachziehen und ebenfalls auf den Klinkenstecker verzichten. Ja, bitte Apple: lass den Kopfhöreranschluss im iPhone sterben.

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