homee im Test: Modulare Smart Home-Zentrale für Z-Wave, Zigbee und EnOcean

Marcel Am 12.11.2017 veröffentlicht Lesezeit etwa 16:21 Minuten

Smart Home, das vernetzte Zuhause, ist seit Monaten auf dem aufsteigenden Ast und wird in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Hierbei geht es nicht mehr nur um „Lampe ein“ und „Lampe aus“, sondern um immer intelligentere Verknüpfungen verschiedenster Komponenten wie smarte LED-Leuchtmittel und Steckdosen, diverse Sensoren und Co. Zahlreiche Hersteller tummeln sich auf dem Markt, zuletzt habe ich das aktuell von mir favorisierte Devolo Home Control vorgestellt. Aber offene Standards wie Z-Wave oder ZigBee hin oder her: Letztlich erfordern viele Komponenten von den System-Herstellern manuelle Feinjustierungen, wenn man die Features zu 100% ausnutzen möchte. Daran scheitert es in den meisten Fällen, sodass die Systeme zwar irgendwo offen sind, man aber letztlich doch bei den Hardware-Kompontenten des Hersteller verbleibt.

Und ich zumindest tue mich schwer damit, mich an einen Hersteller zu binden. Was, wenn er in letzter Konsequenz pleite gehen sollte? Oder die Entwicklung der Software einschläft oder nicht (mehr) meinen Anforderungen und Wünschen entsprechen sollte? Oder andere Hersteller neue oder praktikablere Hardware veröffentlichen? Hat man nur zwei, drei Steckdosen kann man sicherlich wechseln. Nutzt man jedoch alle Features, die einem bezüglich der Automatisierung zur Verfügung stehen, können die Ausgaben für die Komponenten schnell mal vierstellige Beträge annehmen – und dann ist ein Wechsel nicht mehr ganz so spaßig. Da wäre es doch vorteilhafter, man hat ein System, mit dem sich verschiedene Protokolle und Komponenten verschiedener Hersteller nutzen ließen – ohne auf Frickel-Bastel-Lösungen á la FHEM zurückgreifen zu müssen.

Etwas, was Apple mit HomeKit im Sinn hat – letztlich ist aber auch das System trotz verschiedener Hersteller im Apple-Ökosystem gefesselt. Aber der Ansatz ist nicht neu, schon seit 2012 gibt es mit homee von Codeatelier ein Smart Home-System, dass modular aufgebaut ist und je nach Ausbaustufe mit WLAN-, Z-Wave-, ZigBee und EnOcean-Komponenten kommunizieren kann. Oder noch besser: Die sonst nicht zueinander kompatiblen Bausteine lassen sich dank der homee-Würfel und der Software im Hintergrund gemeinsam betreiben, als handele es sich dabei um ein einziges System. Klingt fast schon zu schön um wahr zu sein, weswegen ich mir das Teil mit seinem Z-Wave-Würfel einmal anschauen musste – und dies in den letzten Wochen auch konnte. Ob homee wirklich die vielzitierte eierlegende Wollmilchsau verkörpert? We will see.

Die Würfel ausgepackt

Schaut man sich einmal den Markt der zur Verfügung stehenden Smart Home-Basen an, dürfte mit einem Blick klar sein: Schick sind sie nicht, zumindest sind mir keine bekannt. Eher zweckmäßige Klötze, die man irgendwo hinter oder unter dem Schrank versteckt – solange sie funktionieren. Im Falle von homee sieht die Sache aber ein klein wenig anders aus, denn die bunten, etwa 5 x 5 x 5 Zentimeter großen (oder eher kleinen) Würfel bringen zumindest ein wenig Farbe ins Zimmer. Ästhetik ist natürlich immer Geschmacksache, meiner Meinung nach fühlt man sich aber nicht fast schon genötigt die Würfel in irgendeiner dunklen Ecke zu verstecken – der vielzitierte WAF dürfte hier schon um einiges höher sein.

Zum System: Der weiße Würfel ist der Brain Cube, quasi das Herzstück des Systems, ohne den nichts geht. Dieser funkt mit WiFi und ist für sämtliche Konfigurationen zuständig – was im Umkehrschluss bedeutet, dass sämtliche Daten nur lokal auf dem homee gespeichert und ausgeführt werden. An der Stromversorgung via MicroUSB dürfte bereits erkennbar sein: Der Stromverbrauch ist relativ gering. Genauer gesagt verbrauchen beide Würfel im Schnitt etwa 2 Watt,  eine Kippenschachtel dürfte also teurer sein, als der summiere Jahresverbrauch.

Der Clou des Systems sind die vier Magnetkontakte an der Oberseite der Würfel, mit denen sich die einzelnen Protokollwürfel einbinden lassen. Diese schnappen automatisch zusammen und sorgen zum einen für die Stromversorgung der Würfel, zum anderen für die Kommunikation. Der Brain-Cube ist wie erwähnt die Basis, zum Test stand mir noch der lilafarbene Z-Wave-Würfel zur Verfügung – außerdem gibt es noch jeweils einen Würfel für die Integration von Zigbee (Orange, u.a. Philips hue und IKEA TRÅDFRI) und EnOcean (Türkis, batterielose Funktechnik). Wie gesagt: Ganz clevere Lösung, mit der man verschiedene Hardware mit unterschiedlichen Protokollen gemeinsam nutzen kann und das aufgrund der modularen Beweise auch noch Zukunftssicher ist.

Erstinstallation und Einrichtung

Hat man einmal den weißen Brain Cube via USB-Kabel mit dem Strom versorgt, kann auch schon die erste Einrichtung starten. Funktionierte hier übrigens ohne Probleme und war in wenigen Sekunden (okay, ein paar Minuten waren es dann doch) abgeschlossen. Sobald der Brain Cube mit dem Strom verbunden wurde, öffnet homee sein eigenes WiFi-Netzwerk, mit dem es sich zunächst einmal zu verbinden gilt. Zuvor solltet ihr euch natürlich die entsprechende App für iOS oder Android aufs Smartphone oder Tablet ziehen. Ohne vorweg zu viele Worte über die App verlieren zu wollen: Im Gegensatz zu den Apps viiieeeeler anderer Smart Home-Systeme ist diese nicht nur funktional auf der Höhe der Zeit, sondern gehört auch optisch zu den besten Apps ihrer Art.

homee
homee
Entwickler: Codeatelier GmbH
Preis: Kostenlos
homee
homee
Entwickler: Codeatelier
Preis: Kostenlos

Aber erstmal einen kurzen Überblick über die Einrichtung: Wie gesagt mit dem WiFi des homees verbinden und die App starten, woraufhin der Würfel erkannt wird. Nun müsst ihr nur noch die ID des Würfels eingeben oder den unterseitig aufgedruckten QR-Code scannen – hier hat man mitgedacht. Die weiteren Schritte lassen sich dann mit wenigen Taps abschließen: Namen und Icon für euren homee auswählen, die Daten eures heimischen WiFi-Netzwerks hinterlegen, fertig. Solltet ihr noch einen oder mehrere Würfel nutzen wollen: Einfach während des Betriebes (oder schon vorher) aufsetzen, sie werden automatisch und ohne nötige Konfiguration vom Brain Cube erkannt.

Bevor wir aber zu den grundlegenden Funktionen des homee-Systems kommen, erst einmal noch einen kurzen Überblick über die Konfigurationsmöglichkeiten des Brain Cube und Systems selbst, diesbezüglich möchte ich einmal zwei Dinge hervorheben.

Punkt 1: homee lässt sich auch rein lokal betreiben. Standardmäßig wird homee mit eurem WiFi-Netzwerk verbunden und lässt sich so natürlich von zu Hause, aber auch von unterwegs steuern – die entsprechenden Befehle werden verschlüsselt über Deutsche Server übertragen. Wer das nicht möchte, der kann homee auch in einem Stand-alone-Modus betreiben. Dann öffnet homee sein eigenes Netzwerk und ist nur über dieses bedienbar – was entsprechend erfordert, dass ihr zuvor euer Smartphone, Tablet oder Rechner mit diesem verbindet. Angelegte Automatismen und Funk-Schalter funktionieren aber natürlich weiterhin – ist trotzdem recht unbequem und wohl leicht nischig.

Punkt 2: homee ist unterstützt mehrere Nutzer. Ein Punkt, an dem ich oftmals verzweifle und den viele Hersteller ignorieren oder nur halbherzig umsetzen. Bei homee allerdings könnt ihr flott Nutzer anlegen und mit drei unterschiedlichen Rollen versehen: Chef homee, homee oder Kleiner homee. Den Unterschied machen die Berechtigungen: Der „Chef homee“ ist der Adminstrator, während dem „homee“-Nutzer die Konfiguration des Systems verboten ist, er aber Geräte und Co. hinzufügen, bearbeiten und löschen kann. „Kleine homees“ letztlich können lediglich Geräte, Homeegramme und Gruppen schalten. Top, endlich mal, auch wenn eine Einschränkung für jedes Gerät und Homeegramm „nice on top“ wäre. Noch dazu ist die Einrichtung eines neuen Nutzers ganz einfach: Nutzer in der App anlegen und auf dessen Smartphone den QR-Code scannen. Fertig. Ohne Account. Geht also doch.

Ein kleiner App-Walkthrough

Soviel einmal zur Erstinstallation, kommen wir nun zu dem wirklich spannenden Thema: der eigentlichen Einrichtung des homee-Systems beziehungsweise eurem „smarten“ Zuhause. Ich werde hier nicht alles bis ins kleinste Detail erläutern – dafür sind die Funktionen zu vielfältig. Aber einmal ein kleiner Walkthrough durch den Funktionsumfang in der Reihenfolge, wie man bei der Einrichtung zumeist vorgeht. Es gibt im Übrigen neben den mobilen Apps auch noch eine Web-App, die sich optisch sehr nahe an den Tabletversionen orientiert und de facto den gleichen Funktionsumfang bietet. Gemäß dem „Mobile Lifestyle“ bleibe ich bei der Bebilderung aber bei der iOS-App, daher kann es leichte Designunterscheide zur Android-App geben, denn die jeweiligen Apps sind optisch ans System angepasst.

Info

Wollt ihr euch die Apps einmal im Detail anschauen: Einfach mal herunterladen. Es gibt einen Testmodus mit vollausgestattetem System, sodass ihr munter herumspielen könnt – natürlich ohne Hardware.

Geräte einbinden und Übersicht

Am Anfang aller Automatisierungen und Verknüpfungen steht natürlich immer das Einbinden der verfügbaren Geräte – in meinem Falle sind dies durch die Bank Z-Wave-Geräte beziehungsweise diese Devolo-Hardware. Ich werde an dieser Stelle gar nicht zu sehr auf die Hardware eingehen, denn: homee unterstützt wie erwähnt verschiedene Hardware diverser Hersteller, eine Übersicht über unterstützte Produkte säuberlich sortiert nach Protokoll und Anwendungszweck findet ihr auf dieser Seite. Beim Hinzufügen müsst ihr zunächst das entsprechende Protokoll auswählen. Im Anschluss bekommt ihr die unterstützten Geräte angezeigt und könnt die Inkludierung starten. Danach noch ein Icon auswählen und einen Namen vergeben – fertig.

Funktionierte bei mir problemlos, lediglich einige Steckdosen und Sensoren haben die vorherige Exkludierung von der Devolo-Zentrale irgendwie nicht gecheckt. homee trifft hier keine Schuld, vielmehr eine nervige Sache einiger Z-Wave-Geräte. Theoretisch könntet ihr auch Geräte einbinden, die von homee nicht offiziell unterstützt werden. Kann funktionieren, kann aber auch zu einer Fehlfunktionalität oder zu fehlenden bzw. falschen Angaben und Optionen führen. Im Zweifel einfach mal ausprobieren, gerade einfache Steckdosen ohne Schnick-Schnack dürften ohne größere Probleme funktionieren und falls nicht, einfach mal eines der Geräte aus der Liste auswählen – oftmals gibt es baugleiche Geräte anderer Hersteller, die nur umgelabelt wurden. In der Geräteübersicht seht ihr dann alle eingebundenen Geräte mitsamt ihrem Icon und einer kurzen Statusinformation.

Per Tap auf eine Steckdose oder per Wisch von links nach rechts könnt ihr diese ein- oder ausschalten. Ein Wisch von rechts nach links öffnet eine Detailansicht zum jeweiligen Gerät, hier findet ihr unter anderem ein paar Statistiken wie beispielsweise den Verbrauch oder Zustandsmeldungen, Geräte spezifische Informationen. Bearbeiten lassen sich Komponenten natürlich ebenfalls, besonders interessant dürften für „Spielkinder“ die Justierungen des Aufwachintervalls und der Meldeintervalle für Temperatur, Helligkeit und ähnlichem sein. Profis bekommen auch einen Expertenmodus an die Hand, mit denen Parameter von und für Z-Wave-Geräte manuell gesetzt werden können. Für mich als „Plug’n’Play-Nutzer“ aber weniger interessant, daher nur mal zur Kenntnisnahme.

Gruppen: Falls es mal geordneter sein darf

Als nächstes folgen dann die Gruppen, mit denen sich irgendwie zusammengehörende Komponenten sortiert werden können. Ist natürlich sehr Nutzerspezifisch, beispielsweise könnte eine Gruppe aber „Leuchten Wohnzimmer“ lauten, während es dann noch eine Gruppe „Leuchten Erdgeschoss“ gibt. Oder aber „Geräte Wohnzimmer“ mit allen Geräten im Raum und eine Gruppe „Rauchmelder“ mit allen Rauchmeldern in euren vier Wänden. Oder oder oder. Wozu das ganze? Der Übersicht wegen, außerdem könnt ihr eine Gruppe über Amazon Alexa schalten. Größter Vorteil liegt aber in der Kombination mit Homeegrammen, denn auch hier können die Gruppen angesprochen werden. So reicht es aus, eine Gruppe auswählen, anstatt jedes einzelne Gerät – außerdem müsst ihr nur die Gruppen bearbeiten, solltet ihr einmal Geräte ersetzen oder hinzufügen.

Automatisierung mit homeegrammen

Der letzte Punkt im Funktionsumfang von homee sind Homeegramme, die bei Devolo z.B. in Szenen und Regeln untergliedert sind. Homeegrammen sind nichts anderes als Regeln und Aktionen zur Automatisierung eures Heims, quasi ein lokales IFTTT. Wenn dies passiert, führe dies durch. Wird man ins Kalte Smart Home-Wasser geworfen, dürfte es das wirrste Feature sein, da man oftmals auf den ersten Blick vom Umfang erschlagen wird. Ist auch bei homee nicht anders, wenngleich sich die Entwickler Mühe gegeben haben, es ordentlich und sinnvoll zu strukturieren und zu untergliedern. Warum das Feature bei homee sehr mächtig ist: Nahezu alles kann als Auslöser für eine Aktion herhalten und nahezu alles kann ausgeführt werden.

Homeegramme sind grundsätzlich erst einmal nach einem immer gleichen System aufgebaut: Wenn A oder B und C, dann mache D. Klingt komplizierter als es ist, knappes Beispiel: Wenn „Bewegungsmelder Bewegung registriert“ und es „zwischen 22 und 6 Uhr ist“, dann „schalte Licht ein“. Ist natürlich nur ein sehr rudimentäres Beispiel, es geht auch deutlich komplexer, vor allem aufgrund der Tatsache, dass Homeegramme eben weitere Homeegramme ausführen können. Mehrere Auslöser mit einem ODER verknüpfen (Bewegungsmelder Wohnzimmer ODER Flur) und über Bedingungen mit einer UND-Verknüpfung einschränken (nur zwischen 22 und 6 Uhr und nur wenn der Modus auf „Zuhause“ steht). Einziges kleines Manko: Mir fehlt eine vierte Dimension „SONST“ (Wenn->Dann->Sonst), mit der die Zahl der Homeegrammen deutlich reduziert werden könnte.

Als Auslöser können nicht nur Geräte, Uhrzeiten und der Sonnenstand dienen, sondern auch Zustände anderer Homeegramme (Aktiv oder Inaktiv) und sogar WebHooks – URL-Freigaben, mit denen sich Homeegramme ebenfalls ausführen lassen, zum Beispiel über Dienste wie IFTTT. Auch die zur Verfügung stehenden Aktionen sind vielfältig: Steuerung von Geräten, Homeegrammen und Gruppen, senden eines WebHooks oder auch das Senden einer Push-Benachrichtigung aufs Smartphone. Bei letzterem zu Ende gedacht: Ihr könnt nicht nur die gewünschten Geräte beziehungsweise die Benutzer auswählen die eine Benachrichtigung erhalten sollen, sondern auch einen beliebigen Text (mit Emojis!) eingeben.

Wie gesagt: Alles sehr komplex, da muss man sich reinfuchsen. Klingt in der Theorie aber deutlich schwieriger, als es eigentlich ist. Letztlich solltet ihr euch erst einmal Gedanken drüber machen, was ihr automatisiert haben wollt und dann schauen, was euch die homee-Software anbietet. Die Lichtsteuerung wäre eine Sache, es ließe sich aber auch eine Heizautomatisierung erstellen, reine Informationen á la „Waschmaschine ist fertig“, verschiedene Alarmszenarien programmieren und mehr. Softwareseitig werden gerade durch die WebHooks kaum Grenzen gesetzt, diese existieren lediglich in eurer Phantasie und logischerweise den persönlichen Bedürfnissen.

Noch ein paar Worte zur App

Die drei großen Punkte Geräte, Homeegramme und Gruppen wären abgehackt, die App bietet aber noch ein paar weitere Kleinigkeiten. Unter anderem einen gut umgesetzten homee-Homescreen. Dieser ist im Kacheldesign gehalten und erlaubt es euch zum Beispiel, beliebige Geräte, Gruppen und Homeegramme zwecks Schnellzugriff ablegen zu können. Vor allem die so genannten Smart Widgets wissen zu gefallen, quasi vorgefertigte und Geräte-abhängige Gruppen. Habt ihr beispielsweise allen Lampen und Steckdosen für Leuchten mit einem Lampen-Icon versehen, kategorisiert homee diese als „Licht“ und ermöglicht das Schalten aller Leuchten mit einem Schalter. Fenstersensoren werden ebenfalls zusammengefasst und bieten einen Überblick über alle Fensterzustände. Das Smart Widget „Energie“ zeigt euch den Gesamtverbrauch aller Geräte an. Darüber hinaus gibt es auch noch Smart Widgets für Klimawerte, Sicherheit (Alarm), Rolladen, Garagentore und Heizungen. Clevere Sache.

Ebenfalls auf dem Homescreen zu sehen: ein fixes Widget mit vier verschiedenen Modi. Hierüber könnt ihr homee verklickern, dass ihr aktuell zuhause seid, euch schlafen gelegt habt, abwesend seid oder auch auf Urlaubsreise. Der Wechsel eines Modi hat erst einmal keine Auswirkungen auf das System, aber: Ihr könnt die Modi auch innerhalb Homeegramme als Auslöser, Bedingung und Aktion auswählen. Beispiel: „Wenn Modus auf Abwesend gesetzt wird, dann aktiviere die Alarmanlage“. Oder: „Wenn Modus auf Zuhause gesetzt wird, dann schalte Alarm unscharf und schalte Licht ein“. Oder: „Wenn zwischen 20 und 8 Uhr und Modus auf Urlaub, dann fahre Rolladen herunter“. Klingt banaler als es ist, bringt aber nochmals eine Tiefe in die Homeegramme, da man so besser zwischen verschiedenen Szenarien differenzieren kann.

homee und Alexa

Digitale Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder auch Google Home sind der aktuelle Trend im Smart Home-Bereich und nahezu jeder Hersteller von Smart Home-Gadgets bietet auch einen Alexa-Skill an. Die Qualität ist aber oftmals sehr ernüchternd, wie man zuletzt am Beispiel Devolo gesehen hat: Beim Home Control ist nur das Schalten von Szenen möglich, nicht einzelner Geräte, und diese müssen auch noch zuvor eine URL-Freigabe erhalten. Hinzu kommt, dass die Sprachbefehle alles andere als natürlich sind und immer das Wort „mit Devolo“ erfordern. Auch hier gilt: Dies macht homee um Längen besser. Wäre wohl mit einem 100-Meter-Sprint Yokozuna vs. Usain Bolt vergleichbar.

Denn homee setzt voll auf eine „native“ Integration: Geräte und Gruppen werden als Geräte zu Alexa hinzugefügt, Homeegramme als Szenen. Wollt ihr zum Beispiel eine Steckdose einschalten, könnt ihr einfach „Alexa, schalte Stehlampe ein“ sagen, oder aber „Alexa, schalte Stehlampe auf 70%“. Homeegramme werden einfach durch den Befehl „einschalten“ und „ausschalten“ abgespielt, zum Beispiel „Alexa, Kinomodus einschalten“. Solltet ihr eine Gruppe steuern, in etwa „Alexa, schalte Licht in Wohnzimmer ein“, wird für alle möglichen Geräten in der Gruppe der Befehl durchgeführt. Funktioniert super und intuitiv.

Nun ist es oftmals aber so, dass man Geräte im System anders benannt hat, als man es später rufen möchte. Ist natürlich doof, wenn man immer „Steckdose Stehlampe [Devolo]“ rufen muss. Aber auch hier haben die Jungs und Mädels von homee mitgedacht: Denn für jedes Gerät, Homeegramm und Gruppe kann in den jeweiligen Einstellungen ein Rufname  (oder auch mehrere durch Komma getrennte Namen) festgelegt werden. Habt ihr dies gemacht, so wird eben dieser für die Sprachsteuerung verwendet. Ebenso ist es möglich, für jedes Gerät, Homeegramm und Gruppe gesondert festlegen zu können, ob dieses für Alexa aktiviert werden soll – man muss das Alexa-System ja nicht unnötig vollballern.

Die homee-Community

Ein letzter Punkt auf den ich noch gesondert hinweisen möchte ist die homee-Community, also das hauseigene Forum. Hier gibt es nicht nur aktuelle Informationen rund um Firmwareupdates und Meldemöglichkeit für Fehler. Nutzer können auch Features und neue Geräteimplementierungen vorschlagen oder einfach um Hilfe fragen. Sehr lebhafte Community, die aber keine Einbahnstraße ist, denn auch die Entwickler sind häufig anzutreffen und geben ebenfalls Hilfestellungen und viel Rückmeldung. Allgemein ein Punkt, der mir wirklich positiv aufgestoßen ist, denn das homee-Team ist sehr engagiert bei der Sache und versucht jedem Problem auf die Schliche zu kommen oder zumindest einen kurzfristigen Workaround zu bieten. Ist eine Sache, die in meinen Augen nicht ganz unwichtig ist.

Probleme mit Z-Wave-Steckdosen

Wenig Kritik, viel Lob – meiner Meinung nach aber auch gerechtfertigt, denn die homee-Entwickler machen es an vielen Stellen besser als die „Großen“. Dennoch möchte ich eine Sache nicht unerwähnt bleiben lassen, an die die Entwickler unbedingt und dringend arbeiten sollten: Der Zuverlässigkeit von Z-Wave. Wobei das zu allgemein ausgedrückt ist, denn der Z-Wave-Würfel arbeitet grundsätzlich ohne Probleme. Sensoren leiteten Meldungen wie „Tür wurde geöffnet“ oder „Bewegung wurde erkannt“ umgehend weiter, diese machen gar keine Anstalten, irgendwie die Arbeit zu verweigern. Bei den Steckdosen sieht die Sache aber leider ein wenig anders aus – wenn auch nur in speziellen Fällen.

Mein Problem: Ich habe aktuell 12 Steckdosen in vier verschiedenen Gruppen um Lampen zu steuern. Das Schalten einzelner Steckdosen? Unproblematisch. Das Schalten der einzelnen Gruppen mit 3-4 Steckdosen? Ebenso ohne Probleme. Anfällig wird es aber erst, wenn ich versuche, sämtliche Steckdosen über das Smart Widget bzw. im Rahmen eines Homeegrammes oder die Gruppe „Licht in Wohnung“ zu schalten. In gefühlt 3 oder 4 von 10 Fällen werden dann nicht sämtliche Steckdosen geschaltet, sondern es werden zwei oder auch drei Steckdosen vergessen. homee aber zeigt dies nicht an, sondern zeigt bei Lampen, die nicht eingeschaltet wurden, den Status „Aus“ an, sogar mit Verbrauch.

Meine Vermutung: An der Reichweite liegt es nicht, denn die „Vergessenen“ wechseln munter, während die Steckdose an der Waschmaschine im Keller konstant eine Verbindung aufweist. Nehme ich zwei Steckdosen aus dem System ist die Zuverlässigkeit auch deutlich höher, hier kommt es dann nur selten zu vergessenen Schaltvorgängen.  Auch hatte ich mit dem Devolo-System diese Probleme nicht, sodass ich nicht von einer grundsätzlichen Z-Wave-Problematik ausgehen würde. Vielmehr liegt es meiner Meinung nach irgendwo in der homee-Firmware begraben.

Was sagen die Entwickler? Die waren wie gesagt recht kommunikativ. Man hat einmal einen Blick in die Logifiles geworden und das Problem wohl nachvollziehen können. Das Problem sei auch bekannt, eine kurzfristige Lösung hat man aber nicht parat. Ein kleiner Workaround schaffte aber Abhilfe: In den Homeegrammen die einzelnen Geräte mit einer Zeitverzögerung von einer Sekunde schalten lassen. Als kurzfristiger Behelf in Ordnung, aber definitiv nicht Sinn der Sache und führt das Smart Widget „Licht“ beziehungsweise Gruppen ad absurdum. Als „Verursacher“ hat man wohl das Multicast ausmachen können. Man arbeitet aktuell intensiv an einer Security 2-Implementierung  von Sigma Designs, mit dem „zukünftig diese Probleme ein für alle male beheben“ werden sollten. Hoffen wir mal.

Sollte (nein muss) unbedingt behoben werden. Sofern dies mit einem Update der Fall sein sollte, erfahrt ihr dies natürlich an dieser Stelle.

Fazit und tl;dr

Bis hierhin durchgehalten? Super. Für die, die aber nur eine kurze Übersicht im tl;dr-Stile haben wollen, nochmal alles zusammengefasst. Die Würfel sind vergleichsweise schick und müssen nicht in oder unter Schränken versteckt werden. Der modulare Aufbau hat gleich zwei Vorteile: Zum einen ist es zukunftssicher, da man bei neuen Protokollen lediglich einen weiteren Würfel benötigt. Zum anderen kann man sich sein System so aber auch selbst zusammenstellen: Ihr benötigt nur Z-Wave? Dann holt ihr euch nur den lilanen Würfel. Ihr benötigt nur Zigbee? Dann eben nur den orangefarbenen. Ihr benötigt beide? Dann holt und nutzt ihr beide. Gerade diese Protokoll- und Herstellerübergreifende Lösung ist ein dickes fettes Ass im Ärmel, man muss sich halt nicht mehr auf einen Hersteller und ein Protokoll festlegen, sondern kann seine Z-Wave-Sender und -Steckdosen mit den hue-Lampen von Philips kombinieren.

Hinzu kommt, dass die Entwickler mitdenken und auf Nutzerwünsche eingehen, was man an den verfügbaren Apps sieht. Optisch wirken sie endlich mal nicht dahin geklatscht, wie es oftmals bei großen Herstellern leider der Fall ist. Die Installation und Einrichtung ist super einfach gehalten und durch die umfangreichen Homeegramme sind der Heimautomatisierung nahezu keine Grenzen gesetzt. Die unterschiedlichen Nutzer-Rollen, die Smart Widgets und die astreine Alexa-Integration mitsamt ihrer Konfigurierbarkeit zeigen, dass man sich wirklich Gedanken macht. Für viele Nutzer nicht ganz unwichtig: Bei homee wird alles lokal gespeichert und verarbeitet, lediglich beim Zugriff von unterwegs werden eure Befehle in verschlüsselter Form über einen deutschen Proxy geschleust. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler die erwähnten Z-Wave-Probleme in den Griff bekommen.

Der Preis? Rund 120 Euro für den Brain Cube, jeweils 100 Euro für einen Erweiterungs-Würfel oder 199 € für ein Starterset bestehend aus Brain Cube und einem Würfel. Ja, nutzt man zwei oder mehr Systeme, kommt was zusammen. Andererseits muss man aber auch bedenken: Entscheidet man sich für Hersteller X, hat man eben auch nur ein System. ;) Ich jedenfalls oute mich als homee-Fan: endlich mal etwas, dass nicht einfach nur „irgendwie“ funktioniert, sondern bei dem auch die Apps dazu einladen, das System einzurichten.

Wer sich also aktuell noch mit der Entscheidung für ein Protokoll oder System schwer tun sollte, der sollte homee unbedingt einmal ins Auge fassen und in die engere Auswahl aufnehmen. Wie eingangs bereits ausgeführt: Flexibilität und Zukunftssicherheit spielen ja auch keine unwesentliche Rolle, wenn man seine vier Wände mit mehreren hundert Euro an Schaltern, Sensoren und Co. ausstatten möchte.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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