Inbox by Gmail: Die Revolution der Mail-Bearbeitung, leider nicht für mich

Marcel Am 31.10.2014 veröffentlicht Lesezeit etwa 6:03 Minuten

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Irgendwann in der letzten Woche hat Google mit Inbox einen neuen, auf Gmail aufsetzenden Dienst namens Inbox by Gmail vorgestellt, mit dem man die Art und Weise, wie man eingegangene Mails bearbeitet, revolutionieren möchte. Anfangs nur per zufälliger Einladung verfügbar, hat man nun fast jedem Nutzer drei weitere Invites gegönnt, mit denen man andere Nutzer zum Dienst einladen kann – eine Art Schneeballsystem, die ich nicht unbedingt gerne mag, die aber gerade in den letzten Monaten gerne von Entwicklern genutzt wurde und die scheinbar funktioniert. Zeit also, einmal einen Blick in den neuen Google Dienst zu werfen und zu schauen, ob auch ich einen Vorteil von Inbox verspüre.

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Erst einmal: Wie erwähnt ersetzt Inbox Gmail nicht, sondern baut auf diesen Dienst auf, lässt sich also erst einmal auch nur mit dem hauseigenen Mail-Dienst nutzen. Ob und wann weitere Mail-Dienste und IMAP-Konten irgendwann mal unterstützt werden ist nicht genau bekannt, allerdings durchaus wahrscheinlich. Inbox steht als Web-App im Browser (derzeit wird allerdings nur Chrome unterstützt) und als native App für iOS und Android zur Verfügung, wobei ich mich hier lediglich auf die Web-Oberfläche beziehe. Dank des Material Design schaut die UI aber sowohl im Browser, als auch in den Apps nahezu identisch aus, sodass man sich nach erster Eingewöhnung überall zurecht findet. Schaut auf den ersten Blick erst einmal sehr schick und aufgeräumt aus – und das ist es eigentlich auch, zumindest hier kann ich nicht viel negatives sagen. Ich mag das Material Design, ist eben immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

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Womit fangen wir nun zuerst einmal an? Am besten einmal mit dem kleinen roten Kreis in der unteren rechten Ecke. Fahren wir hier mit der Maus drüber, so poppen hier ein paar weitere Kreise aus: Da wären zum einen drei der zuletzt am häufigsten kontaktierten Kontakte zwecks Schnellzugriff, ebenso können wir natürlich auch eine neue Mail verfassen. Problem hier: Der Editor ist mir persönlich zu klein und bietet keine Möglichkeit, Dateien per Drag’n’Drop anzuhängen – stattdessen muss man den Weg über die Büroklammer und dem typischen Dialogfenster gehen. Aber: Inbox ist noch Beta, kann sich also noch ändern und wird es sicherlich auch – kann Gmail ja auch. Soweit also einmal die Möglichkeit, neue Mails zu verfassen.

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Kommen wir nun zu dem Hauptteil der Startseite: Euren E-Mails. Was man direkt auf den ersten Blick erkennen dürfte: Google filtert Bilder, Videos, Links und dergleichen aus den Nachrichten heraus und zeigt euch diese direkt auf der Übersichtsseite als kleine Vorschau an. Mag einigen gefallen, macht mir die Sache allerdings ein wenig zu unruhig. Standardmäßig gruppiert Inbox by Gmail eure E-Mails und besitzt hierzu bereits von Haus aus einige vordefinierte Kategorien wie „Käufe“, „Finanzen“, „Soziale Netzwerke“, „Benachrichtigungen“ und dergleichen. Habt ihr also zum Beispiel mehrere Mails von Amazon erhalten, so werden diese gebündelt unter der Gruppe „Käufe“ angezeigt, die restlichen Mails natürlich ebenso. Hat den Vorteil, dass ihr euch bei der Abarbeitung eurer Mails erst einmal auf die wichtigeren Kategorien beschränken könnt – auch wenn es auf den ersten Blick etwas unübersichtlich ist, da die Mails eben nicht wie gewohnt untereinander aufgelistet werden. Letzteres ist nämlich erst der Fall, wenn ihr eine Kategorie auswählt: Dann wird die entsprechende Box vergrößert und präsentiert alle Mails aus dieser Gruppe.

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Ein weiterer Klick auf eine der angezeigten Mails öffnet diese in einer Inline-Anzeige und zeigt wie gewohnt auch weitere Informationen zum Absender an. Hier können wir natürlich die Mail beantworten oder auch weiterleiten, alles kein Problem. Auch das Archivieren von Mails ist möglich, zu erreichen über das Häkchen-Symbol. By the way: In Inbox schimpft sich diese Funktion nicht „archivieren“, sondern „erledigen“ – sind praktisch aber identische Funktionen. Wollt ihr Mails direkt von der Hauptseite aus aus eurem Posteingang entfernen, so könnt ihr dies natürlich auch machen – wahlweise lassen sich dabei ganze Gruppen als erledigt markieren oder auch nur einzelne Mails.

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Ein weiteres Herzstück von Inbox ist die Wiedervorlage von Mails. Kennt ihr ja von Mailbox und Konsorten: Mails lassen sich über den Uhr-Button zu einem bestimmten Zeitpunkt erneut in den Posteingang legen, wobei ihr hier von Google verschiedene Zeitpunkte kredenzt bekommt oder aber auch selbst eine bestimmte Uhrzeit angeben könnt. Der Vorteil? Euer Posteingang ist aufgeräumt, interessante oder wichtige Mails flattern euch zu gegebener Zeit aber erneut ins Haus und geraten nicht in Vergessenheit. Wurde schon zu Mailbox-Zeiten gefeiert, hat sich aber bis dato noch nicht in meinen Workflow integrieren können – aber dazu gibt es später noch ein paar Zeilen.

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Soweit also einmal die Kernfunktionen von Inbox by Gmail. Über das Hamburger-Menü oben links könnt ihr eine Sidebar einblenden, in der ihr nicht nur zwischen den gewohnten Ordnern wechseln könnt, sondern auch auf einzelne Kategorien zugreifen könnt und dergleichen. Wollt ihr eine Mail als erledigt aus eurem Posteingang entfernen, diese allerdings für die spätere Nachlese noch schnell erreichbar machen, so könnt ihr diese auch anpinnen lassen. Legt ihr dann den kleinen Schalter rechts neben der Suchleiste um, so werden euch sämtliche angepinnte Nachrichten angezeigt.

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Apropos Kategorien: Ihr könnt für jede Gruppierung einstellen, ob diese im Posteingang gruppiert angezeigt werden sollen oder einzeln, des Weiteren könnt ihr Mails dieser Gruppe auch direkt automatisch als erledigt markieren und so erst gar nicht in den Posteingang kommen lassen.

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Außerdem könnt ihr natürlich auch eigene Gruppierungen erstellen. Dazu bekommt ihr derzeit vier verschiedene Filter (Empfänger, Absender, Betreff, Nachrichtentext) an die Hand gegeben, mit denen ihr Mails einer Gruppe zuordnen könnt. Im Grunde also eigentlich nichts anderes, als eine Kombination aus den bereits aus Gmail bekannten Filter und Label.

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Zu guter Letzt versteht sich Inbox dann auch auf einfachen Erinnerungen, die ebenfalls über den roten Button erstellt werden. Erinnerungen liegen wie auch Mails in eurem Posteingang und können ebenso auf später verschoben oder als erledigt markiert werden. Zusätzliche Funktionen sucht man hier vergebens, bei den Erinnerungen handelt es sich beim derzeitigen Stand wirklich nur um eine rudimentäre Gedächtnisstütze – der ein oder andere spart sich unter Umständen aber einen To-Do-Dienst wie Wunderlist oder dergleichen.

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Das also einmal so als kurzer Überblick über die (neuen) Funktionen von Inbox, mit denen Google die Abarbeitung seines Posteingangs vereinfachen und strukturieren möchte. Was man eben nicht vergessen darf: Der Dienst ist wie erwähnt derzeit noch Beta und so gibt es einige Dinge, die fehlen oder die Google noch besser lösen könnte. So fehlt neben dem fehlenden Drag’n’Drop-Support für den Mail-Editor auch eine Anzeige an (ungelesenen) Mails in der Sidebar, es gibt keine Signaturen, die Sidebar lässt sich nicht geöffnet anpinnen und dergleichen. Aber das sind Dinge, die Google mit hoher Sicherheit in den kommenden Wochen noch verbessern wird.

Was mich persönlich an Inbox selbst stört, sind eben nicht jene Kleinigkeiten und Kinderkrankheiten, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich mit derartigen Mail-Bearbeitungen nicht sonderlich viel anfangen kann. Vielmehr nutze ich Inbox inzwischen lediglich als aufgehübsche Gmail-Oberfläche – sämtliche Gruppen wurden von mir gelöscht beziehungsweise deaktiviert, ich habe schon den neuen sortierten Posteingang von Gmail deaktiviert, da er mir schlichtweg keine Vorteile bringt. Auch die Wiedervorlage von Mails habe ich noch nicht so recht verstanden. Flattert eine Mail in meinen Posteingang, so habe ich im Grunde zwei Optionen, wie ich mit diesen weiter verfahre:

  1. Mail erfordert keine Reaktion und wird nicht für später benötigt (zum Beispiel Pressemitteilungen) -> Also wird sie archiviert oder gelöscht, je nach Relevanz.
  2. Mail erfordert eine Reaktion: Entweder habe ich gerade etwas Zeit und kann die Mail direkt verarbeiten oder beantworten oder sie bleibt im Posteingang bis die Zeit da ist.

Nun kann man bei letzterem natürlich sagen, dass ich mittels der Wiedervorlage den Posteingang noch weiter aufräumen könnte. Ja, könnte ich. Aber ehrlich: Wo ist der Vorteil? Sie ist ja letztlich noch immer da und erfordert eine Aktion. Ob sie nun sichtbar ist oder erst einmal ausgeblendet wird – mir doch latte. Ist in meinen Augen etwa so, als würde ich dreckiges Geschirr einfach in einen leeren Schrank verfrachten. Für den Moment ist das Geschirr zwar aus dem Sichtfeld verschwunden, früher oder später muss der Abwasch trotzdem erledigt werden (oder man hat einen Geschirrspüler :P). Aus den Augen aus den Sinn? Ist nicht so meines. Und demzufolge bringt mir Inbox außer einer schickeren Oberfläche absolut keine Vorteile, zumindest beim jetzigen Stand. Die Revolution blieb für mich also erst einmal aus, da kann der erzeugte Hype noch so groß sein…

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