iRobot Roomba j7+ im Test: Gute Saugkraft, zuverlässige Hindernisserkennung und gelungene App-Features

Marcel Am 06.06.2022 veröffentlicht Lesezeit etwa 18:53 Minuten

Mit Saugrobotern lockt man für gewöhnlich keinen Hund mehr so richtig hinterm Ofen hervor: Zwar möchte man sie kaum noch missen, wenn man einmal mit einer elektrischen Haushaltshilfe zusammengelebt hat – sie sind aber bereits seit einiger Zeit aus der Nerd-Ecke heraus- und im Mainstream angekommen, sodass sie kaum noch für verwunderte Blicke sorgen. Schaut man sich mal in den einschlägigen Einkaufstempeln um, finden sich Geräte für nahezu jeden Geldbeutel – von günstig bis hochpreisig, wobei mit steigendem Preislabel auch die Qualität und Zuverlässigkeit steigt, wenn man einmal von Vorjahresmodellen absieht. Mein persönlicher Favorit ist aktuell ECOVACS bzw. genauer der Deebot T8 AIVI, der neben einer starken Saugleistung auch eine gute Navigation, Hindernisserkennung und die ein oder andere Software-Spielerei mitbringt. Aber es gibt ja auch noch einen Tellerrand, hinter dem sich zahlreiche andere Hersteller tummeln, unter anderem iRobot.

iRobot dürfte den meisten Lesern ein Begriff sein: Amerikanischer Hersteller diverser Reinigungsroboter für den privaten und geschäftlichen Bereich. Und quasi Vorreiter in Sachen Saugroboter, immerhin kam das erste Roomba-Modell bereits 2002 auf den Markt (für alle die sich alt fühlen möchten: Minority Report erschien ebenfalls 2002). Preislich ist iRobot eher in den oberen Preisgefilden unterwegs, wobei man da 2022 sicherlich drüber streiten kann, denn wirklich viel tun sich die Flagschiffe verschiedener Hersteller preislich nicht mehr. Bis dato aber konnte ich mir die iRobot-Saugroboter noch nicht selbst anschauen, dies ändert sich nun aber mit dem Roomba j7 (oder genauer gesagt dem Roomba j7+ mit automatischer Absaugstation). Der Hersteller verspricht eine besonders präzise Navigation und Hindernisserkennung, insbesondere was Haustierkot und herumliegende Kabel betrifft. Ob der j7+ das Versprechen halten kann und darüber hinaus auch bei weiteren Dingen punkten kann, konnte ich in den letzten Wochen herausfinden.

Ausgepackt und angeschaut

Beginnen wir einmal mit dem Auspacken des Saugroboters und der Absaugstation. Positiv: Bei der Verpackung fällt vergleichsweise wenig Kunststoff an. Zu einem Großteil setzt iRobot auf Pappe, mit welcher der Roboter und die Clean Base auf dem Transportweg geschützt werden, lediglich die Absaugstation besitzt eine dünne Kunststoffummantelung und der Sauger ist zusätzlich in einer Art Kunststoffschalen eingesetzt. Da fällt bei anderen Herstellern schon deutlich mehr Plastikmüll an, wenn beispielsweise Ersatzfilter und -Bürsten oder Kabel zusätzlich von einem Beutel umhüllt werden. Nicht das wichtigste Kriterium, aber schön zu sehen, dass im Jahr 2022 eine immer größere Zahl an Herstellern den Weg hin zu einem größeren Pappanteil gehen – denn auch ohne duzende Kunststoffbeutelchen lässt sich der Inhalt ausreichend sicher verpacken, wie man auch in diesem Fall sehen kann.

In Sachen Design kann der Roomba j7 durchaus Akzente setzen, verglichen mit anderen Saugrobotern macht der runde Haushalthelfer durchaus etwas her. Das liegt natürlich zum einen an der minimalistisch wirkenden Gestaltung, aber auch an der mattschwarzen-metallischen Farbgebung des Roboters. Zieht natürlich Staub an, sieht aber definitiv schick aus. Insgesamt muss ich sagen: Auch wenn der Roomba j7 wie auch andere Sauger quasi durchweg aus Kunststoff besteht, ist die Verarbeitung nochmal eine andere Nummer. Auch die Flagschiffe anderer Hersteller – deren Namen ECOVACS zum Beispiel ich hier nicht nennen möchte – sind in Sachen Verarbeitung auf einem hohen Niveau. Da liegen also keine Welten zwischen, bei diesem iRobot-Modell wirken Verarbeitung und Haptik aber noch einen Tick filigraner und besser – da reden wir dann von Kleinigkeiten, wie der Mechanismus des Staubbehälters und des Fixierungshebel der Bürsten.

Seitens iRobot hat man mit der s9-Serie bereits erstmals Saugroboter in der D-Form auf den Markt gebracht, der Roomba j7 kommt aber wiederum ein der klassischen runden Form daher. Technische Gründe gibt es nicht, dies ist eine reine Marketingentscheidung. Die Oberseite besitzt lediglich einen runden Button, bei dem metallisch-wirkenden Teil handelt es sich um keine Klappe, sondern lediglich um eine akzentuierte Oberfläche. Den inzwischen fast üblichen Laserturm sucht man vergeblich, wodurch die vergleichsweise niedrige Höhe von etwa 8,5 Zentimetern resultiert. Hat den Vorteil, dass der Sauger auch unter das ein oder andere zusätzliche Möbelstück kommt – als Nachteil muss man aber eine weniger genaue und zielgerichtete Navigation in Kauf nehmen. Letzteres soll die in der Front und im großen umlaufenden Stoßfänger eingelassene Kamera abfedern – was teils gut, teils nicht so gut funktioniert, aber dazu im Verlauf des Textes noch mehr.

Im Gegensatz zu vielen anderen Saugrobotern wird der Staubbehälter nicht von oben in den Roboter gesetzt, sondern befindet sich im Hinterteil des Roombas und lässt sich per Entriegelungstaster herausklappen. Und ja, das ist so ein Detail, dass ich erwähnt habe, denn im Vergleich wirkt der Mechanismus hochwertiger als das Einsetzen des Behälters von oben, auch dies dank Absaugstation kaum erledigt werden muss. Mit rund 400 ml ist der Behälter etwas kleiner als gewohnt, aber für 1-2 Fahren immer noch ausreichend und mit der Absaugstation sowieso genügend. Der am Staubbehälter untergebrachte Filter fällt wiederum einiges kompakter aus als bei vielen anderen Herstellern und falls notwendig, kann der Behälter mittels weiterem Taster flott über dem Mülleimer geleert werden – durch die Bauweise verbleiben hierbei auch weniger Reste im Staubbehälter, da sich weniger Wollmäuse an irgendwelchen Klappen und Scharnieren verfangen können.

Spannend ist die Unterseite des Roomba j7, zumindest, wenn man noch keinen iRobot in den Händen gehalten hat. Die großen, gummierten Räder und die Seitenbürste (von denen es in dem Fall nur eine gibt) kennt man von nahezu allen anderen Saugrobotern, die Bürsten sind aber „neu“. Denn statt einer einzelnen, mit Borsten und Lamellen ausgestatteten Hauptbürste, setzt iRobot schon seit jeher auf zwei entgegenlaufenden Gummiwalzen. Logischer Vorteil: Je weniger Borsten, desto weniger Haare können sich in diesen Verfangen. Und soviel kann ich schon sagen: Funktioniert tadellos, ohne an Saugleistung auf Teppichen zu verlieren. Ansonsten finden sich auf der Unterseite noch diverse Sensoren und die Öffnung zur automatischen Entleerung des Staubbehälters.

Noch ein paar Worte zur Absaugstation: Auch hier bietet sich wieder ein Vergleich mit anderen Modellen an, denn auch wenn die „Clean Base“ mit ihren 31,5 x 34 x 38 Zentimetern nicht gerade klein ist, wirkt sie zumindest kompakter als andere Stationen. Sie ist zwar ein wenig breiter, dafür aber auch weniger hoch, was zumindest bei uns weniger prominente Platzierungen ermöglicht. Aber letztlich von Haushalt zu Haushalt unterschiedlich. Was man aber abseits der Abmessungen sagen kann: Die Gestaltung mutet schon eher wie dein Designstück an, als an einen elektronischen Haushaltshelfer. Leicht geriffelte Seitenwände, ein mattes Design – und ein kleiner Lederwimpel, der als Lasche zum Öffnen der Klappe dient. Im Inneren findet neben einem Einwegbeutel auch ein Ersatzbeutel Platz – habe ich so auch noch nicht gesehen und ist ebenfalls ein durchdachtes Detail, auch wenn dadurch natürlich etwas Platz verloren geht und die Staubbeutel „nur“ 2,7 Liter fassen.

Die Einrichtung und App

Die erste Einrichtung des Saugroboters geht schnell und zügig von der Hand. Die Absaugstation aufstellen und in die Steckdose stecken, den Saugroboter auf der Station platzieren und einschalten. Für die Nutzung der App (natürlich kostenlos für iOS und Android zu haben) setzt iRobot, wie eigentlich alle anderen Hersteller, auf eine notwendige Registrierung per Mail – und zumindest mir ist es bewusst das erste mal untergekommen, dass die Anmeldung eine Bestätigung der eingebenden Mail-Adresse erfordert. Hintergrund des „Accountzwangs“ ist natürlich, dass man diverse smarte Funktionen und eine Bedienung des Saugers aus der Ferne anbietet, was mittels Cloud wesentlich einfacher ist. Natürlich gäbe es Mittel und Wege über eine (teil-)anonyme Identifikation und ohne Registrierung. Da es aber quasi nirgendwo anders umgesetzt wird, führen wir das Thema nicht weiter aus. Mal schauen, ob irgendwann ein Hersteller diesbezüglich vorzieht.

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Zur Einrichtung müsst ihr in der App lediglich den entsprechenden Sauger auswählen, die weiteren folgenden Schritte sind fast schon automatisiert. Muss man das Smartphone sonst oftmals erst mit dem eigenen WiFi-Netzwerk des Saugroboters verbinden oder einen QR-Code scannen, erfolgt hier fast alles automatisch. Lediglich das heimische WLAN muss ausgewählt und das dazugehörige Passwort eingegeben werden. Den Rest erledigt dann die App und dazu gehört auch die erste Kommunikation mit dem Saugroboter. Wenn man also denkt, dass die erste Einrichtung bei anderen Saugrobotern schon einfach von der Hand geht, dann geht es hier noch einfacher. Macht man im Idealfall natürlich nur einmal, aber im Bereich der Flagschiffe machen solch kleinen Details den Unterschied. Wobei einfacher auch nicht immer „gut“ heißt, in diesem Fall aber gab es keinerlei Probleme.

Bevor ich zu einzelnen Features der App komme, schonmal vorab gesagt: Die App empfinde ich als wirklich gelungen, auch wenn es vergleichsweise viel Text zu lesen gibt. Man merkt, dass sich iRobot bewusst ist, dass Saugroboter auch bei weniger technikaffinen Menschen abgekommen sind. Entsprechend gibt es nicht nur eine Übersicht über die Funktionsweise des Roomba, sondern jede Funktion wird beim ersten Aufruf mit drei, vier Hinweisen erläutert – ohne dabei in eine zu nervige Schiene zu geraten. Damit sich aber alle Funktionen der App sinnvoll nutzen lassen, muss auch der Roomba zunächst eure Räumlichkeiten kennenlernen, sprich eine Karte erstellen. Dies kann entweder mit einem ersten Sauggang erledigt werden oder aber mittels Kartierungslauf. Letzterer ist leiser und schneller. Hierbei sollten natürlich alle Türen geöffnet und Hindernisse beseitigt werden, damit der Roboter auch wirklich alle Bereiche kartographieren kann.

  • Smart Map: Ist euer Grundriss kartiert, könnt und solltet ihr diese Smart Map noch weiter anpassen. Im Kern funktioniert die Erkennung einzelner Räume ganz solide, stellenweise bedarf es aber Anpassungen bei den Übergängen. Räume können mit einem Namen versehen und große Räume mit zusätzlichen Trennern geteilt werden, ebenso könnt ihr Schutzbereiche und Reinigungszonen erstellen. Erstgenannte Bereiche werden dabei vom Sauger ausgelassen, letztgenannte wiederum stellen Bereiche dar, die sich wie Räume gezielt auswählen lassen – zum Beispiel stark frequentierte Orte wie den Eingangsbereich, dem Küchentisch oder um eine Couch.
  • Reinigung starten: Hauptfunktion der App ist natürlich das Starten der Reinigung, wobei ihr entweder alle oder nur bestimmte Räume reinigen lassen könnt. Kleiner Clou: Die Reihenfolge, in der ihr die Räume auswählt, stellt auch die Reihenfolge der Reinigung dar. Ebenso lassen sich Aktionen auch als Favoriten festlegen, die sich direkt über die Hauptseite der App ausführen lassen. Eine Sache, die mir tatsächlich ganz gut gefällt, auch wenn sie zumindest unter iOS noch tiefer ins System integriert werden dürften – beispielsweise über ein Widget, ein Longpress-Menü auf dem App-Icon und an anderen Stellen.
  • Zeitpläne: Wer den Saugroboter immer zu einer bestimmten Uhrzeit auf die Reise schicken möchte, der kann dies auch bei iRobot machen. So könnt ihr beispielsweise Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer morgens reinigen lassen und das Arbeitszimmer nach Feierabend gegen Abend. Neben der Möglichkeit festzulegen, wann der Roboter reinigen soll, könnt ihr auch definieren, wann er es nicht soll. Klingt im ersten Moment merkwürdig, hat aber einen Sinn: Reicht die Akkulaufzeit nicht mehr für die komplette Reinigung aus, fährt er zurück zur Basisstation. Dort lädt er eine gewisse Zeit auf, bevor er die Reinigung dann an der vorherigen Position vorsetzt. Legt ihr nun zum Beispiel die Ruhezeit von 20 Uhr Abends bis zum nächsten Morgen fest, verzichtet der Roomba auf eine Fortsetzung der Reinigung zu dieser Uhrzeit.
  • Standortsignale: Ihr könnt den Saugroboter auch mittels Standortdienste „bedienen“. Kurz gesagt kann der Roboter mit der Arbeit beginnen, sobald ihr das Haus verlasst – und umgekehrt auch die Arbeit einstellen und zurück zur Basis fahren, wenn ihr wieder nach Hause kommt. Übrigens auch etwas, wofür die Ruhezeiten nach Plan von Vorteil sind, damit der Sauger nicht noch um 23 Uhr am Wochenende loslegt. Kurios, dass man bei der Umsetzung des Features auf den Dienst IFTTT setzt – egal ob man die weiteren Smart-Home-Features nun nutzen möchte oder nicht. Und dabei ginge das eigentlich auch mit reinen Boardmitteln…
  • Sprachassistenten: Von Hause aus bringt die iRobot-App bereits Unterstützung für Alexa, Google Assistant und Siri mit. Wie üblich, weichen die Möglichkeiten dabei etwas voneinander ab: Während das Starten und Beenden eines Reinigungsvorgangs auf allen Plattformen möglich ist, lässt sich via Alexa oder dem Google Assistant auch die Reinigung einzelne Räume und Objekte bzw. Zonen starten.
  • Weiteres Smart Home: Die iRobot-App erlaubt neben der Verknüpfung mit dem Standort und Sprachassistenten eurer Wahl auch weitere Dienste. Verfügbar sind beispielsweise das August, ecobee und My Leviton – dürfte sicherlich hierzulande eine eher kleine Zahl tangieren. Deutlich umfangreicher ist da schon die IFTTT-Integration, sodass Aktivitäten des Saugroboters sowohl als Auslöser (z.B. Sauger ist gestartet), aber auch als Aktionen (z.B. Sauger starten oder Raum XY reinigen) in euren IFTTT-Applets eingebunden werden können.
  • Weitere Optionen: Neben den oben genannten Features könnt ihr in der App die ein oder andere Option für euren Sauger festlegen. So kann zum Beispiel die Art der Reinigung (täglich/einfach oder intensiv/zweifach) ausgewählt werden, der Sauger kann bei vollem Auffangbehälter pausiert werden und die physische Taste am Roboter lässt sich zwecks Kinder- und Haustiersicherung sperren. Zwar nur eine Hand voll Optionen, dafür aber praktische Dinge.
  • Smarte Annehmlichkeiten: Die App setzt auf die iRobot-eigene Plattform Genius Home Intelligence und bietet so die ein oder anderen netten Features. Neben der automatischen Reinigung per Geofencing gehört dazu auch die Angabe der ungefähren Reinigungszeit oder das geräuschlose (sprich ohne aktiviertem Saugmotor) Fahren zum Einsatzort. Solch eine Auflistung wäre aber nie fertig, denn auch die Plattform entwickelt sich stetig weiter, aktuell handelt es sich um die Version 3.

Der Roomba j7 in der Praxis

Navigation und Hindernisse: Herzstücke eines jeden Saugroboters. Saugkraft schön und gut, wenn der Sauger aber so blöd navigiert, dass es Stunden dauert bringt das ebenso wenig, wie wenn er sich bei jedem kleinen Hindernis festfährt und erst manuell befreit werden muss. Wie auch andere Hersteller findet iRobot große Worte für seine als PrecisionVision benannte softwaregestützte Navigation per Kamera. Die Technik ist naturgemäß nicht so stark wie die lasergestützte LIDAR-Navigation, allerdings hat iRobot die Software sehr gut optimieren können. Zwar macht auch der Roomba regelmäßig Gebrauch des Frontbumpers, drosselt aber schon vorher das Tempo, sodass er Wände, Möbel und andere Begrenzungen nur sanft anstupst. Das machen Saugroboter mit Lasertürmen spürbar besser, für eine optische Navigation zeigt der Roomba aber ein mehr als gutes Ergebnis – kein Vergleich zum Yeedi Vac Hybrid, der vor allem in verwinkelteren Umgebungen mehr Probleme hatte.

Das aber gilt nur für die Reinigung unter ausreichenden bis guten Lichtverhältnissen, denn die Kamera benötigt natürlich Licht. Hierzu hat man dem Saugroboter eine LED spendiert, die den direkten Bereich vor dem Sauger beleuchtet. Diese ist bei der Reinigung grundsätzlich aktiviert, wird aber aufgeblendet, wenn die Lichtverhältnisse schlechter werden und der Sauger meint, ein Hindernis erkannt zu haben. Sieht cool aus und hilft auch viel, denn auch bei Schlummerlicht zieht er noch recht strukturiert seine Bahnen. Herrscht im Raum aber absolute Dunkelheit, kann aber auch der Scheinwerfer nicht mehr viel retten und die Navigationsfähigkeiten des Roomba nehmen deutlich ab – er erfüllt vielleicht noch seine Pflicht, fährt aber merklich unpräziser und rumpelt häufiger an oder meint das ein oder andere Hindernis ignorieren zu können. Aber hey, wer will schon ab 22 oder 23 Uhr seinen Sauger durch die Räume schicken.

Die Hinderniserkennung war aber ein besonderes Schmankerl, denn sind die Lichtverhältnisse gegeben, funktioniert diese überraschend gut. Da die Kamera nicht nach oben gerichtet, sondern eben in Fahrrichtung schaut, werden auch kleinere Hindernisse erfasst, erkannt und umfahren. Und da habe ich bislang eigentlich kein Hindernis gefunden, welches nicht von der Objekterkennung erfasst wurde: seien es Schuhe, Socken, Türstopper oder auch Kabel. Einzig und allein bei einem dünnen USB-Kabel verschluckte sich der Saugroboter mal, ansonsten gab es aber keine Beanstandungen. Einziger Kritikpunkt: Hier und da hat er einen für meinen Geschmack etwas zu großen Respektabstand gehalten. Aber auch wenig konsequent: Mal ist er bei gleichem Objekt und gleicher Stelle etwas näher herangefahren, mal hat er den Sicherheitsabstand ein paar Zentimeter größer definiert.

Ein besonderes Augenmerk hat iRobot auf die Erkennung von Tierkot gelegt. Sorgt im ersten Moment für ein Schmunzeln, kann aber zu einem ersten Problem werden. Wer immer noch Fragezeichen hat, sollte einfach mal die Google-Bildersuche anschmeißen – aber nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Und was macht man als Tester mit einem 3D-Drucker? Richtig, man druckt sich die ein oder andere Wurst und legt sie aus. Diese fielen meiner besseren Hälfte bei Heimkehr direkt ins Auge – gleichermaßen aber auch dem Roomba j7, der alle Testate zuverlässig erkannt und großzügig umfahren hat (hier dann auch konsequent). Und falls es doch mal nicht klappen sollte: Die Schweinerei müsst ihr zwar selbst entfernen, den Sauger könnt ihr aber im Rahmen des P.o.o.p.-Versprechens (Pet Owner Official Promise) im ersten Jahr einmalig austauschen lassen. Mehr Details dazu findet ihr bei Notwendigkeit an dieser Stelle, aber bitte halbwegs reinigen oder Luftdicht im Paket verpacken, die Paketdienstleister werden es euch danken.

Saugleistung auf Hartböden: Die Saugleistung auf Hartböden wie Laminat ist sehr gut – egal ob nun hereingetragener Schmutz, Reiskörner, Linsen oder Katzenstreu ist. Da muss man fairerweise sagen, dass ich „auf der Fläche“ noch keinen Saugroboter in den Händen hatte, der daran gescheitert ist. Das würde fast schon ohne rotierende Bürsten gehen und wie man in diesem Fall sieht auch ohne Saugkraftverstärkung, denn der j7 bietet nur eine einzige Saugstufe. Auch bei den Rändern gibt sich der Roomba keine Blöße: Zwar hält er etwas mehr Abstand als zum Beispiel der ähnlich gebaute der Yeedi Vac Hybrid, durch die Kantenbürste schafft er es dennoch zuverlässig, den Schmutz zu beseitigen. Allerdings hakt es ein wenig in den Ecken, hier bleibt immer etwas Schmutz liegen. Kann man auf die runde Bauform schieben, bekommen andere Sauger aber minimal besser hin – schlichtweg weil die Bürsten minimal länger sind oder die Saugkraft deutlich stärker wirkt. Insgesamt aber absolut zufriedenstellend – zumal sich bei täglicher Reinigung eben weniger Schmutz ansammeln kann.

Saugleistung auf Teppichen: Die Spreu vom Weizen bei Staubsaugern im Allgemeinen trennt sich zumeist auf Teppichen, gerne auch in Kombination mit (Tier-)Haaren. Auf handelsüblichen Läufern und Teppichen gibt es aber wenig Beanstandungen, auch hier wird jeglicher Schmutz zuverlässig beseitigt. Hierzu gehören auch die schwierigen, festgelaufenen Haare im Teppich, bei denen die Reinigung vergleichbar zu meinem Deebot T8 AIVI ist. Aber: Wo der Deebot und andere Roboter auf pure Motorleistung setzt und die maximale Stufe aktiviert, schafft es der Roomba j7 durch die entgegengesetzt rotierenden Gummiwalzen. Ist ein deutlich niedrigerer Geräuschpegel, bei ähnlichem Ergebnis. Ein weiterer Vorteil ist die Dirt-Detect-Technologie, mit der sich so genannte „Dirt Events“, also eine „ungewöhnliche Schmutzkonzentration“ erkennt: Ist dies der Fall, reinigt der Roomba diese Bereiche mehrfach, bis die akustischen und optischen Sensoren weniger Partikel erkennen (natürlich auch auf Hartböden und nicht nur auf Teppichen).

Hochflor-Teppiche haben wir zwar nicht im Hause, aber zumindest bei dem Kunstfell-Bettvorleger zeigt der Roomba j7 ebenfalls keine Schwäche: Während viele andere Sauger sich gerne mal an dem leichten Teppich verschluckt haben, fährt der Roomba schlicht saugend herüber. Hierbei dürfte die geringere Saugkraft und die bürstenlosen Gummiwalzen den großen Vorteil ausspielen. Daher prophezeie ich mal, dass der Roomba auch bei hochflorigen Teppichen nicht gezwungenermaßen die Arbeit einstellt, sondern auch diese besaugt. Vorausgesetzt natürlich, er kann die Teppichkante überwinden. Allerdings muss man bei dieser Art der Teppichen die Erwartungen reduzieren, da den Saugern nicht selten die Leistung fehlt, um auch den tiefliegenden Schmutz auszusaugen – da ist ein Ausschlagen oftmals der bessere Weg, auch bei klassischen Handstaubsaugern.

Akkulaufzeit: Der Akku des Roomba j7 bringt 2.210 mAh mit, mit denen der Sauger laut iRobot bis zu 100 Minuten für Sauberkeit sorgen kann. Als Vergleich: Der Yeedi Vac Hybrid brachte es mit 5.200 mAh auf 110 Minuten. Hochgerechnet dürften die 100 Minuten für etwa 160 Quadratmeter stehen, wobei es natürlich immer darauf ankommt, wie viele Hindernisse vorhanden sind. Je mehr, desto länger dauert die Reinigung. Hochgerechnet aber dürften 80-90 Quadratmeter mit einem Durchgang möglich sein. Zumindest im Modus der täglichen Reinigung, wenn ihr jeden Bereich doppelt reinigen lasst, reduziert sich die Laufzeit natürlich. Geht der Akku einmal während der Reinigung zur Neige, fährt der Sauger zurück zur Station und setzt seinen Sauggang anschließend an der vorherigen Stelle fort, sobald genug Kapazität für die geplante Restreinigung vorhanden ist. Eine vollständige Ladung nimmt etwa 2½ Stunden in Anspruch – ist aber eher zu vernachlässigen.

Die Absaugstation: Zuletzt hatte ich mit dem Deebot T9+ erstmals eine Absaugstation zur Verfügung und ich muss sagen: Nicht zwingend notwendig, machen einen Saugroboter aber noch autarker. Zwar reicht der Auffangbehälter im Sauger locker für ein paar Fahrten, dennoch wäre alle paar Tage eine händische Entleerung notwendig. Je nach Verschmutzungsgrad reicht der Staubbeutel für etwa 60 Tage, wobei ich 30-40 als realistisch empfinde. Sobald der Roomba nach der Reinigung wieder an der Station andockt, wird der Staubbehälter entleert. Das ist zwar gründlich, aber extrem laut. Bereits die ECOVACS-Station empfand ich als sehr laut, die Clean Base von iRobot legt aber nochmal eine dicke Schippe drauf und dröhnt wie eine startende Flugzeugturbine. Wirklich wow. Zum Glück aber dauert der Vorgang nur wenige Sekunden. Bei der Entnahme des Staubbeutels schließt sich dieser automatisch, sodass kein Schmutz herausfällt. Nachkaufen ist natürlich notwendig, die Originalbeutel gibt es im Dreierset für rund 20 Euro.

Reinigung und Wartung: Auch wenn sich die regelmäßige Entleerung des Auffangbehälters bei Nutzung der Absaugstation erübrigt, sollte auch der Roomba j7 regelmäßig gereinigt werden. Hier und da sollte der Sauger mal mit einem feuchten Tusch von Staub am Gehäuse befreit werden, vor allem die Kamera sollte trocken von Staub und Fusseln befreit werden. Beim Auffangbehälter reicht unregelmäßig monatliche Reinigung mit etwas Wasser, der HEPA-Filter wiederum sollte alle 3-4 Wochen ordentlich ausgeklopft und alle 12 Monate ausgetauscht werden. Der lästige Wartungsschritt der Haarentfernung von der Bürste entfällt bei dem Roomba aber, diesbezüglich leisten die beiden Gummiwalzen wirklich gute Arbeit. Lediglich an den Rändern verfangen sich längere Haare, welche sich aber mit einem kurzen Handgriff entfernen lassen – gleiches gilt auch für ein paar verirrte Haare an der Seitenbürste. Insgesamt ist der Wartungsaufwand recht gering.

Saugroboter vs. Wischroboter

Der Roomba ist seit langer Zeit mal wieder ein Saugroboter in meinen Händen, der keine Wischfunktion mit sich bringt. iRobot versucht erst gar nicht, Saug- und Wischroboter zu kombinieren, sondern zieht konsequent eine Linie. Logisch, immerhin hat man den Braava-Modellen dedizierte Wischroboter im Angebot. Kleiner Clou: Ist man Besitzer sowohl eines Roomba als auch eines Braava, lassen sich beide Roboter dank der Imprint-Kopplungstechnik von iRobot miteinander koppeln und die Reinigungsvorgänge verknüpfen: Sobald der Roomba die gewünschte Fläche gesaugt hat und zurück an der Basisstation ist, sendet er ein Signal an den Braava-Wischroboter, woraufhin dieser loslegt und die zuvor gesaugte Fläche wischt. Nicht ganz zwei Arbeitsgänge in einem Arbeitsgang, aber zumindest automatisiert.

Sieht man einmal von der vibrierenden OZMO-Pro-Wischplatte aus dem Hause ECOVACS ab, kann man die übliche „Wischfunktion“ (wenn man das eher nutzlose hinterhergehen eines angefeuchteten Tuches so nennen möchte) der meisten Saug- & Wischroboter vernachlässigen. Durch die Spezialisierung auf ihre jeweilige Aufgabe sollen die iRobot-Modelle möglichst wenig Kompromisse eingehen müssen – was ich mangels Braava-Testmodell aber nicht bewerten kann. Was ich aber mit Blick auf den Deebot T8 AIVI und des Deebot T9 sagen kann: Die vibrierende Platte liefert gute Ergebnisse, ob der Braava ein signifikantes Mehr an (hartnäckigeren) Flecken vom Boden schafft ist allerdings offen. In jedem Fall bedarf es zwei Geräte und damit nicht nur ein Mehr an vorhandenem Kleingeld, sondern auch doppelt so viel freie Stellfläche.

tl;dr und Fazit

Beim Thema Design liegt der Roomba j7 mit seinem mattschwarzen Gehäuse und der metallisch wirkenden Oberseite ziemlich weit vorne, die Haptik ist wirklich hochwertig in Verarbeitung und Materialwahl und übertrifft viele andere Flagschiffe, die insgesamt ebenfalls nur wenig Kritik erlauben. Der Saugroboter ist nach dem Auspacken schnell einsatzbereit und dank vieler Erklärungen in der iRobot-App lässt man auch weniger technikaffine Neunutzer nicht im Regen stehen, sondern erklärt nach und nach eigentlich jede Funktion – und davon bietet die App so einige. Auch wenn das ein oder andere Feature nicht zu 100% zu Ende gedacht wirkt und iRobot daher stellenweise so noch ein wenig Luft nach oben hat, steht die App mit ihren Kernfunktionen, der Übersichtlichkeit und einigen Zusatzfeature (ich habe zum Beispiel Angabe der voraussichtlichen Reinigungszeit zu schätzen gelernt) für mich ganz oben auf dem Podest.

Rein technisch zieht die optische Navigation zwar den kürzeren gegenüber jenen Modellen mit Laserturm, iRobot konnte die Software aber soweit optimieren, dass die größten Schwächen ausgemerzt wurden. Zwar rumpelt er stellenweise deutlich häufiger sanft an Begrenzungen, abgesehen davon ist die Navigation durch den Raum aber sicher und strukturiert – auch Tischbeine, Stühle und Co. werden zuverlässig und zügig umfahren. Die Hinderniserkennung ist spitze, insbesondere Kabel werden (wenn auch mit einer dünnen Ausnahme) durch die Bank erkannt. Die Saugleistung auf Hartböden ist wie zu erwarten war absolut in Ordnung und auf normalen Teppichen gibt es aufgrund der effizienten Gummibürsten nur wenig Saugroboter, die eine bessere Leistung erzielen (dafür aber aufgrund der auf Teppichen erhöhten Motorleistung deutlich lauter sind).

Die automatische Absaugstation ist wesentlich(!) kompakter als andere Modelle und macht optisch ebenfalls einiges her. Muss man nicht zwingend haben, man gewöhnt sich aber schnell daran, dass man den Sauger nicht mehr alle paar Tage manuell entleeren, sondern nur alle 6-8 Wochen den Staubbeutel der Station wechseln muss. Aber: Die Entleerung betäubt kurzzeitig eure Ohren, auch nach mehreren Entleerungen entkommt mir ob der Lautstärke immer noch ein „Oha“. Bis hierhin ein sehr starkes Gesamtpaket, welches auch unter Laserturm-Saugrobotern weit oben steht. Rund 749 Euro werden für den Roomba j7 fällig, mit Absaugstation sind es sogar 999 Euro. Natürlich sind vor allem die Konkurrenten aus dem asiatischen Raum einen Teil günstiger, vor allem bei der Software aber bekommt man bei iRobot, wie ich nun erfahren durfte, noch etwas Mehr geboten.

Also eine Empfehlung, da der automatische Haushaltshelfer seine Aufgaben tadellos erfüllt und die App bei Funktionen und Bedienung vorne an steht? Ja, aber ganz so einfach ist es nicht. Mir persönlich würde schlicht die Wischfunktion fehlen. Ich kann den Ansatz von iRobot mit zwei für ihre Aufgabe dedizierten Robotern verstehen, nutze die Wischfunktion des Deebot aber ganz gerne und die aktuelle Technologie mit ihrer vibrierenden Wischplatte liefert im Alltag solide Ergebnisse. Fürs wöchentliche durchwischen ausreichend, härtere Verschmutzungen werden sowieso regelmäßig händisch entfernt. Ob ein Braava da bessere Ergebnisse liefert muss ich mangels Testexemplar offen lassen, aber selbst wenn die Wischleistung besser sein sollte, wird nicht unwesentlich mehr Kleingeld und Platz benötigt. Daher kann di Empfehlung wirklich nur dann ausgesprochen werden, wenn man auf der Suche nach einem reinen Saugroboter ist. Ob man sich nun für oder gegen die Absaugstation entscheidet, muss man wiederum von seiner Faulheit abhängig machen – nett ist sie aber definitiv.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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