Lunecase Icon angeschaut: Schutz­hülle fürs iPhone mit LEDs für Anrufe und Nachrichten. Ein Kickstarter-Rückblick.

Am 05.05.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 5:24 Minuten

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Rund zwei Jahre ist es her, als man auf Kickstarter eine iPhone-Hülle mit dem Namen Lunecase Icon finan­zieren konnte. Ursprünglich nur als Hülle für das iPhone 5s gestartet, gab es nach der Finan­zierung – wie leider für Kickstarter inzwi­schen allzu häufig typisch – ein paar Probleme und als das Projekt dann wieder den richtigen Weg einschlagen konnte, war das 5s bereits Geschichte und viele Nutzer hielten bereits das iPhone 6 in den Händen. Zum Glück aber gab es für alle Backer die Möglichkeit, statt einer Hülle für das 5/5s auf eine Hülle für das 6 zu wechseln. Dennoch vergingen noch einmal fast 1½ Jahre, bevor auch diese Hüllen ausge­liefert werden konnten. Ich habe ehrlich gesagt schon nicht mehr daran geglaubt, umso überraschter war ich also nun, dass ich mein bestelltes Lunecase nun in den Händen hielt.

Erst einmal zur grund­sätz­lichen Funktion des Lunecase Icon. Dieses ist in erster Linie natürlich eine Hülle fürs iPhone 5/5s und 6/6s, besitzt auf der Rückseite eine kleine LED-Benach­rich­tigung, die euch über einkom­mende Anrufe oder Nachrichten infor­miert. Beson­derer Clou: das Lunecase verzichtet dabei auf eine eigene Strom­ver­sorgung, statt­dessen wird die vom iPhone ausge­strahlte elektro­ma­gne­tische Energie genutzt, um die Hülle ausrei­chend mit Strom zu versorgen. Recht inter­es­santer Ansatz, fand ich zum damaligen Finan­zie­rungs­zeit­punkt ganz spannend, auch wenn ich kein großer Hüllen-Fan bin. Leider aber fast schon typisch für Kickstarter-Projekte: Man hat die Hülle verändert, statt die elektro­ma­gne­tische Energie zu nutzen, setzt man nun auf eine Bluetooth-Verbindung und eine nicht aufladbare Batterie – dazu aber später etwas mehr. 

Nun ist das Lunecase Icon an sich meiner Meinung nach erst einmal hochwertig gemacht. Der Kunst­stoff ist fest und stabil, die Soft-Touch-Oberfläche fühl sich ebenfalls sehr gut in der Hand an. Die Ausspa­rungen für die seitlich angebrachten Buttons sind sauber ausge­fräst, was mir aller­dings weniger gefällt, sind die Ausspa­rungen oben und unten. Zwar gehen die Seiten noch minimal bis zu den Ecken, flachen hier dann aber ab, sodass die Kanten des iPhones freiliegen. Zwar dürften die Kanten bei vielen Stürzen dennoch geschützt sein, trifft das iPhone aller­dings in einem ganz schlechten Winkel und mit der Display­seite voran auf dem Boden auf, knallt es eben genau auf die Unter- oder Oberkante. 

Die Seiten­wände selbst schließen bündig mit der Display­front ab, steht also nach oben hin nicht über. Legt ihr euer iPhone also auf eben die Vorder­seite, liegt es direkt mit dem Display auf. Auch hier schützt die Hülle nur bedingt. Für mich persönlich ist der Punkt aber in Ordnung, denn dadurch fühlt sich das iPhone trotz der Hülle noch ordentlich an und liegt sehr gut in der Hand. Ein positiver Punkt sind die sauber ausge­frästen Kanten: Die Unter­seite der Hülle liegt nicht selten auf dem kleinen Finger auf und hier habe ich häufig das Problem, dass diese entweder auf Dauer zu scharf sind oder zu sehr in die Haut drücken. Ist hierbei aber nicht der Fall, die Kanten sind abgerundet und völlig unpro­ble­ma­tisch. Gefällt jeden­falls.

Kommen wir aber zum eigent­lichen inter­es­santen der Hülle: den LED-Benach­rich­ti­ungen, die sich in der Rückseite befinden und ausge­schaltet nicht sichtbar sind. Zum Ein- und Ausschalten der Hülle gibt es auf der Innen­seite der Hülle einen kleinen Button, den man mit Hilfe eines SIM-Karten­öffners oder ähnlichem Betätigen an. Danach muss das Lunecase Icon mit iPhone gekoppelt werden (funktio­niert völlig unpro­ble­ma­tisch, wie die Verbindung generell) und schon kann es losgehen. Kommt nun ein Anruf oder eine Nachricht herein, leuchten die jewei­ligen LEDs auf der Rückseite auf. Dies geschieht zwar relativ zeitnah und zuver­lässig, aller­dings sind die LEDs leider übelst unsauber eingebaut und verbaut. 

Denn kommt ein Anruf oder eine Nachricht (iMessage, SMS, WhatsApp, Skype, Telegram und mehr) herein, blinkt zwar das richtige Icon auf der Rückseite, aller­dings leuchtet auch das jeweilige andere Icon leicht mit. Außerdem leuchten die Icons nicht konstant: Bei einem Anruf blinkt dieses dreimal auf (eine Sekunde leuchten, dann eine Sekunde Pause), bei einer Nachricht sogar nur zweimal. Das Blinken ist meiner Meinung nach zu langsam und völlig blöd – ich hätte ein dauer­haftes Leuchten für fünf Sekunden oder ähnliches wesentlich besser und prakti­scher gefunden. Auch doof, dass das Display eben plan auf dem Tisch liegt – aufgrund der LEDs hätte ich hier eben irgendwie eine leichte Erhöhung zum Schutz des Displays erwartet, immerhin bringen die LEDs nichts, wenn man das iPhone „normal“ auf den Rücken legt.

Aber hey, war da nicht etwas von elektro­ma­gne­ti­scher Strahlung und „stromlos“? Ja, war. Davon hat man sich aller­dings recht früh verab­schiedet. Nun ist es natürlich so, dass man ein wenig verarscht wurde, denn immerhin ist es ein anderes Produkt, als ursprünglich versprochen. Dies hängt einfach damit zusammen, dass das ursprüng­liche Modell lediglich Nachrichten in Form von SMS erkennen konnte – logisch, immerhin kommen Nachrichten von WhatsApp und Co. nicht mehr über ein eigenes Funksignal herein. Damit man aber auch diese Nachrichten (sprich iMessage, WhatsApp, Telegram und Co.) erkennen und anzeigen kann, musste man diesen Weg gehen. Was man damit aber leider verliert, ist das Leuchten der LEDs, noch bevor der eigent­liche Anruf oder die SMS am Gerät einge­gangen ist. 

Und so ist das ganze ein zweischnei­diges Schwert. Klar, man hätte sich darüber vorher Gedanken machen müssen, anderer­seits hätte die reine SMS-Funktio­na­lität inzwi­schen dazu geführt, dass man die Nachrichten-LED gleich hätte ausbauen können. Der nicht wieder­auf­ladbare Akku des Lunecase Icon soll übrigens zwei Jahre lang laufen, wäre also quasi länger, als viele Nutzer überhaupt ein und dieselbe Hülle oder iPhone-Generation nutzen. Dennoch kann ich verstehen, dass sich einige Backer über diese Änderung beschweren, wenngleich ich es noch vertretbar halte. Ist leider auch eine typische Sache für Kickstarter, im Vergleich zu anderen, völlig missra­tenen Änderungen ist es in diesem Falle aber doch sinnvoll. Hätte man das ursprüng­liche Produkt („SMS-only“) verschicken und ein neues Modell vorstellen sollen? Fühlt sich irgendwie auch falsch an. 

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Daher ist das Kickstarter-Projekt sicherlich ein wenig gescheitert, die Hülle an sich aber eine nette Sache. Die Qualität ist absolut in Ordnung, die Art und Weise, wie man die LEDs verbaut hat, hätte aber ohne Frage besser sein können. Stellt sich die Frage nach dem Preis und hier ist das Lunecase Icon mit den angeschla­genen 50 US-Dollar zuzüglich 5 US-Dollar für den Versand alles andere als ein Schnapper. Ja, man hält natürlich ein Gerät für 700 oder mehr Euro in den Händen, irgendwie fühlen sich die etwa 50 Euro dennoch als zu teuer an. Das Lunecase hat eben ein paar Schwächen und für etwa die Hälfte des Preises gibt es gleich­wertige oder höhen­wertige iPhone-Cases anderer Hersteller. Letztlich machen die LEDs den Unter­schied.

Aber auch wenn ich mal davon absehe, dass ich kein Freund von Smart­phone-Hüllen bin (mit Ausnahme des mega dünnen Chimpcase), sehe ich persönlich irgendwie keinen langfris­tigen Nutzen im Lunecase. Ja, in den ersten Eindrücken sind die LEDs ganz nett, aber ich möchte ja auch andere Benach­rich­ti­gungen und deren Inhalte direkt sehen und dazu nicht erst das iPhone herum­drehen müssen. Dies weiß man aber eben vorher und kann natürlich auch von Nutzer zu unter­schiedlich sein. Und so muss jeder für sich entscheiden, ob man den höheren Preis des Lunecase Icon (oder eines der anderen Lunecase-Modelle) in Kauf nimmt oder sich dich eher um eine einfache Schutz­hülle bemüht… 

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