NFC im privaten Bereich: Wie lassen sich NFC-Tags praktisch nutzen?

Marcel Am 21.09.2013 veröffentlicht Lesezeit etwa 6:10 Minuten

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Immer häufiger stolpert man in Bezug auf Smartphone-Features auf den Begriff NFC, der Near Field Communication. Dabei handelt es sich einfach gesagt um eine Technik, welche Daten über eine Funkverbindung auf kurzer Distanz austauschen kann. So reicht es zum Beispiel aus, zwei Smartphones kurz aneinander zu halten und schon werden zum Beispiel Bilder übertragen. Auch Geräte können so einfach über ein „dranhalten“ in sekundenschnelle gekoppelt werden – als Beispiel sei hier zum Beispiel das Lumia 920 und die Nokia-Kopfhörer Purity Pro zu nennen. In diesem Artikel möchte ich aber vielmehr auf eine weitere Möglichkeit eingehen, die NFC-Technik zu nutzen, denn mittels so genannter NFC-Tags lassen sich Daten schnell teilen oder bestimmte Abläufe automatisieren.

Was sind NFC-Tags?

NFC-Tags sind im Grunde passive RFID-Chips, die es in allen erdenklichen Formen gibt. Das Team von NFC21 war so nett und hat mir einmal ein kleines Starter-Paket zukommen lassen, welches eben schon einige Varianten der NFC-Tags beinhaltet: als Schlüsselanhänger, im Scheckkarten-Format oder als Aufkleber in verschiedenen Formen und Größen. Auch Armbänder mit integriertem NFC-Chip gibt es, im Grunde lassen sich die Chips in nahezu sämtlichen Dingen implementieren. Aber kurz zurück zum technischen: Die besagten RFID-Chips besitzen je nach Typ nur einen sehr begrenzten Speicher, von 96 Bytes (Typ 1) bis hin zu 32 KB (Typ 4) ist alles dabei – ich glaube die meisten Tags besitzen den Typ 2 und bieten damit zwischen 48 Byte bis 144 Bytes. Die integrierten Chips sind völlig stromlos, sobald aber euer Smartphone in den Radius des Tags gelangt, wird dieser mit Strom versorgt und die Daten werden gesendet. Das nur mal so zum Thema „Grundlagen“, wer mehr über die Technik an sich wissen möchte, der sollte zum Beispiel mal auf Wikipedia mit dem Lesen beginnen.

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Was lässt sich mit diesen NFC-Tags alles machen?

Bei jeder neuen Technik stellt sich natürlich immer eine Frage: Was kann man damit machen, wie kann ich mir das Leben ein wenig einfacher machen, was bringt es mir. Auf den NFC-Tags lassen sich, wie bereits mehrfach erwähnt, bestimmte Datensätze speichern und abrufen. Eine Webseite zum Beispiel, digitale Visitenkarten, auch bestimmte Aktionen lassen sich „programmieren“ – eine kleinere Übersicht folgt im Laufe des Artikels. Alles was wir dafür benötigen, ist im Grunde ein Smartphones, welches NFC unterstützt, also zum Beispiel ein Samsung Galaxy S4, das Nexus 4, ein HTC One oder auch nahezu sämtliche Lumia-Modelle aus dem Hause Nokia oder aktuelle Xperia-Smartphones von Sony.

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Außerdem benötigen wir eine entsprechende App die es uns erlaubt, die NFC-Tags zu beschreiben. Unter Android gibt es zum Beispiel meinen Favoriten NFC Aufgaben-Launcher oder auch NFC Tag Writer, für Windows Phone gibt es zum Beispiel NFC interactor, Nokia NFC Writer oder auch NFC Tag Writer.

Trigger
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NFC Writer by Trigger
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Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.
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Im Grunde läuft das Beschreiben eines Tags in jeder App identisch ab: Datentypen auswählen, Daten eintragen, Tag ans Smartphone halten und somit die Tags mit den eingegebenen Daten beschreiben. Funktioniert mit allen erwähnten Apps einwandfrei, auch wenn nicht alle genannten Apps sämtliche Funktionen anbieten – ich persönlich bevorzuge immer die erst genannten Apps für Android und Windows Phone.

Ein paar Anwendungsszenarien für NFC-Tags

Wie erwähnt lassen sich mit den Tags nicht nur einfache Links oder Adressen austauschen, sondern es lassen sich auch Aktionen damit ausführen – und das sogar in doppelter Ausführung, wobei sich beide Aktionen immer wieder abwechseln. Hier mal eine kleine Liste mit möglichen Anwendungsszenarien für die Tags, damit das ganze hier auch mal einen praktischen Nutzen bekommt.

  • Visitenkarte speichern: Einfach den Tag ans Smartphone halten und euer Gegenüber bekommt sämtliche Daten einer Visitenkarte
  • WLAN-Zugriff für Gäste: Gäste müssen nur noch ihr Smartphone an den Tag halten und schon befinden sich sich in eurem (Gäste-)WLAN. Passworteingabe und Suchen des richtigen WiFi-Netzes? Entfällt somit.
  • Nach Hause kommen und Haus verlassen: Hierbei lassen sich zwei Aktionen auf einen Tag speichern. Bei der ersten Berührung (Haus verlassen) wird zum Beispiel das WLAN ausgeschaltet, das mobile Datennetz und GPS eingeschaltet, der Klingelton lauter gemacht und so weiter und so fort. Bei einer zweiten Berührung (wieder zuhause) passiert eben genau das Gegenteil.
  • Nachtmodus: Tag am Nachttisch platzieren, das Smartphone schaltet den Wecker ein, dimmt das Display, schaltet den Flugmodus ein und so weiter. Lässt sich natürlich auch super mit einer zweiten Berührung für „Aufstehen“ ergänzen.
  • Automodus: NFC-Tag an die Autohalterung angebracht und schon schaltet sich die Navi-App und GPS ein, via Bluetooth mit der Freisprecheinrichtung gekoppelt, die Helligkeit wird auf 100% gestellt, die Lautstärke erhöht und sämtliche Telefoniefunktionen deaktiviert (Flugmodus) – anders ist ein Smartphone als Navi nicht erlaubt.
  • Völlige Ruhe: Ihr wollt einfach mal für euch sein? Dann lässt sich so der Flugmodus einschalten, der Klingelton und die Vibration ausschalten und was euch eben noch so einfällt.
  • Im Büro: Tja, man muss ja auch mal arbeiten. Also verbinden wir uns direkt mit dem Büro-WLAN (wenn verfügbar), schalten den Klingelton aus, deaktivieren Bluetooth und was wir eben noch so alles nicht während der Arbeit benötigen.

Das sind natürlich nur ein paar mögliche Beispiele, wer zum Beispiel die Android-App NFC Aufgaben-Launcher nutzt, der kann auch E-Mails und SMS versenden, Anrufe tätigen, Musik abspielen, einen Kalendereintrag hinzufügen und so weiter uns so fort; einige wenige Aktionen (wie zum Beispiel der Flugmodus) benötigen zwar einen Root eures Gerätes, aber auch ohne lässt sich eine Menge automatisieren. Eurer Kreativität sind sicherlich keine Grenzen gesetzt, man muss sich nur etwas einfallen lassen und überlegen, wann man wo unterschiedliche Nutzungsprofile benötigt.

137 Byte sind nicht genug… Ab in die (NFC-)Cloud

Im Grunde benötigen die Beispiele nicht viel Speicherplatz, sodass ich auch mit den Tags mit 137 Byte gut klarkomme. Was aber, wenn man zum Beispiel einmal eine Visitenkarte speichern möchte, die über die üblichen Daten hinausgeht? URL? Twitter-Profil? Facebook-URL? Diese Datensätze können schnell mal über die angeschlagenen 137 Byte hinausgehen – was also tun? Genau für solche Zwecke haben die Jungs und Mädels von NFC21 das Projekt NFC-Cloud gestartet – quasi ein Cloddienst für NFC-Tags. Hier können Inhalte hinterlegt werden, sodass der eigentliche NFC-Tag nur noch die URL enthält, welche dann eben auf den Eintrag in der NFC-Cloud verweist.

So lassen sich nicht nur umfangreichere Visitenkarten erstellen, sondern auch Facebook- und Twitter-Feeds, App-Empfehlungen oder sogar beliebig lange Textnachrichten. Das gute an der Sache: Eure Tags werden getrennt von euren Aktionen gespeichert. Sprich: Ihr verknüpft zwar einen NFC-Tag fest mit einer Kurz-URL zum entsprechenden Inhalt, diesen könnt ihr dann aber belieb zuweisen. Heute Twitter-Feed, morgen Facebook-Link zum Beispiel. Oder jeden Tag eine andere App-Empfehlung. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht, wenn man die NFC-Cloud einmal ausprobiert hat. Einziger kleiner Haken: Zur Nutzung des kostenlosen Dienstes wird eine entsprechende App empfohlen, welche es aktuell nur für Android (und BlackBerry) gibt – die entsprechende Kurz-URL lässt sich aber natürlich auch mit jeder anderen Schreib-App auf einen Tag bringen. Übrigens funktioniert die NFC-Cloud nicht nur mit NFC-Tags, sondern auch mit handelsüblichen QR-Codes.

NFC-Cloud App
NFC-Cloud App
Entwickler: NFC21 GmbH
Preis: Kostenlos
  • NFC-Cloud App Screenshot
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Mein Fazit zu NFC im privaten Bereich

Natürlich lässt sich NFC auch noch in anderen Bereich einsetzen – viele Kreditkarten und auch meine aktuelle Sparkarten-Karte sind zum Beispiel mit einem solchen Chipausgestattet und ermöglichen das somit bargeldlose Bezahlung, sofern vom Händler unterstützt. Ich habe mich in diesem Artikel ganz bewusst nur auf den privaten Bereich konzentriert, denn bis sich NFC wirklich durchsetzt und zum Beispiel das Bezahlen mittels Smartphone flächendeckend verfügbar wird, dürften noch einige Monate oder sogar Jahre ins Land streichen. Privat kann man mit NFC schon jetzt einiges erreichen – und dies wird in Zukunft sicherlich noch weiter ausgebaut, toll wären natürlich direkt App-Interaktionen über einen Tag, aber auch der Versand von Bildern und Co. zwischen zwei Smartphones ist natürlich schon möglich, auch die Verbindung zwischen Smartphone und Headset oder ähnlichem Zubehör ist eine sehr tolle Sache.

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NFC ist aktuell eines meiner Lieblingsfeatures eines Smartphones und war auch eines meiner bevorzugten Features für ein iPhone 5S, aber Apple hat sich scheinbar dagegen entschieden. Das aber ändert nichts daran, dass ich an den Erfolg von NFC glaube – irgendwann wird es sich schon durchsetzen, immer mehr Firmen wie zum Beispiel auch die Deutsche Bahn oder diverse andere Nahverkehrsunternehmen setzen auf diese Technik, sodass auch Apple irgendwann auf den Zug aufspringen muss, vielleicht sogar beim iPhone 6. Und bis dahin nutze ich die Tags eben nur mit meinem Nexus 4 und dem Lumia 920 – Spaß machen die NFC-Tags dennoch. Ja, NFC hat die Chance, das „nächste dicke Ding“ zu werden.

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