Fernbe­dienbare LED-Glühbirnen sind keine Neuheit mehr, inzwi­schen gibt es einige Hersteller, die ihre Beleuch­tungs­systeme an den Kunden bringen möchten. Am bekann­testen (und am längsten dabei) dürfte sicherlich das Hue-System aus dem Hause Philips sein, es gibt aber inzwi­schen einige Hersteller, die ebenfalls auf diesen Zug aufge­sprungen sind. So auch der Leucht­mittel-Spezialist Osram, der mit seinem Lightify-System nun auch schon einige Monate auf dem Markt verfügbar ist und verschiedene „smarte“ Leucht­mittel anbietet. Ich habe das System nun einmal auspro­bieren können und konnte das Starterset bestehend aus Gateway und LED-Birne, sowie LED-Streifen namens Flex genauer anschauen. Bringen wir also mal ein wenig Licht ins Dunkel.

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Die ersten Schritte

Bevor das Lightify-System in Betrieb genommen werden kann, muss gar nicht viel erledigt werden. Zuerst einmal müsst ihr euch dazu die Lightify-App aufs Smart­phone laden, die für iOS (Link) und Android (Link) zu haben ist. Im ersten Schritt müsst ihr dazu die Serien­nummer des etwa 6 x 6 x 4,5 Zenti­meter großen (oder kleinen) Kasten, Lightify Gateway gennant, in die App eingeben – glück­li­cher­weise lässt sich aber auch einfach ein QR-Code abfoto­gra­fieren, der sich auf der Rückseite des Gateway befindet. Im nächsten Schritt geht es zur Einrichtung eines Benutzer-Accounts, der leider eine zwingende Voraus­setzung ist. Finde ich etwas schade, auch wenn es hierüber möglich wird, die verbun­denen Lampen auch von unterwegs zu steuern – eine WiFi-only-Lösung wäre sicherlich eine gute Alter­native, aber nun gut. 

Auch die nächsten Schritte sind simpel: Gateway in die Steckdose und danach das Smart­phone mit dem WLAN der „Lightify-Zentrale“ verbinden. Aber keine Sorge: Einen Schritt später könnt ihr das Lightify-System in euer bestehendes WiFi-Netzwerk einbinden, auch dies klappte in meinem Testlauf ohne irgend­welche Probleme – wie eigentlich die gesamte Einrichtung. Auch Leucht­mittel lassen sich völlig unpro­ble­ma­tisch mit dem Gateway verbinden: Leucht­mittel in die Lampen­fassung eindrehen oder mit dem Stromnetz verbinden, kurz ein und ausschalten und schon wird die Lampe vom System gefunden und kann mit einem weiteren Tap ins System eingefügt werden. Klappt schnell und völlig unpro­ble­ma­tisch, so muss das. 

Das Lightify-System im Einsatz

Haben wir die kurze Einrichtung dann einmal abgeschlossen und alle unsere Lampen ins System integriert, können wir das ganze auch schon im Praxis-Einsatz auspro­bieren. Hierbei ist es egal, welche Lampen oder Strips ihr im Einsatz habt, sämtliche Lampen funktio­nieren letztlich identisch bezie­hungs­weise bieten (mit Ausnahme des Warmweiß/Kaltweiß-Wechsels) die gleichen Features. Werfen wir einmal einen Blick in die Apps und die dortigen Möglich­keiten – ich hoffe, es ist einiger­maßen struk­tu­riert.

osram-lightify-ui-25Kurzer Zusam­menriss zu den Apps: Sind optisch nicht ganz so schlimm wie „Smart Home“-Apps anderer Hersteller, auch wenn sicherlich hier und da Luft nach oben wäre – ist aber nichts, was man nicht zukünftig verbessern optimieren könnte. Was die Perfor­mance und die Funktionen angeht, so gibt es aber wenig bis gar nichts zu meckern – machen was sie sollen und das sogar noch zuver­lässig, auch konnte ich keine hohen Latenzen bei der Verän­derung der Einstel­lungen beobachten. Eine Kritik vorab: Was der App (Status Quo) fehlt, ist eine Geofencing-Funktion – sprich ein automa­ti­sches Einschalten bestimmter Lampen oder Gruppen, sobald ihr euch in der Nähe eurer Wohnung befindet (und natürlich umgekehrt). 

Nun aber zu den Funktionen und hier möchte ich mit der einfachen Geräte-Übersicht und dem einfachen Licht­wechsel anfangen. Grund­sätzlich könnt ihr die Lampen über die App natürlich einzeln ansteuern und bekommt dann eine recht nett visua­li­sierte Ansicht zu sehen, in der ihr zunächst einmal die Lampe ein- und ausschalten könnt. Aber auch die Farbtem­pe­ratur, die Helligkeit und die Farbe könnt ihr per „Gedrückt halten“ schnell und einfach auswählen. Das Infinite-Symbol (die liegende Acht) startet einen Farbwechsel, den ihr in Sachen Tempo anpassen könnt – das Herz-Symbol fügt die aktuellen Einstel­lungen zu euern Favoriten hinzu. 

Jene Favoriten lassen sich über den unteren Reiter aufrufen und schnell auswählen, bis zu 16 verschiedene Licht­ein­stel­lungen lassen sich hier speichern. Außerdem könnt ihr auf drei vorde­fi­nierte Lichtmodi zurück­greifen (Aktiv zum Arbeiten mit „Tages­licht“, Relaxen mit warmen Wohlfühl­licht und Pflan­zen­licht auch als Cannabis-Licht „Grüner Daumen Licht“ betitelt o_O) oder auch eine Farbe aus einem Foto heraus wählen. Tipp: Wollt ihr ein Licht­setting als Standard definieren, sodass dieses automa­tisch beim Einschalten der Lampe aktiviert wird, könnt ihr dies über das Licht­schalter-Icon oben rechts machen. 

Damit ihr aber nicht immer sämtliche Lampen manuell Reihe für Reihe einschalten müsst, lassen sich verschiedene Lampen natürlich auch in Gruppen zusam­men­fassen. Zum Beispiel einmal „Alle Lampen“ und dann Gruppen für die einzelnen Räume – oder was ihr halt so habt. So könnt ihr gleich eine ganze Gruppe an Lampen gleich­zeitig ein- und ausschalten oder die Tempe­ratur, Helligkeit und Farbe regeln – die Ansicht hier ist identisch mit jener, die man auch bei einzelnen Lampen vorfindet. Was so sein sollte, aber durchaus erwäh­nenswert ist: Aktiviert ihr den automa­ti­schen Farbwechsel für die Gruppe, werden die Lampen natürlich mitein­ander synchro­ni­siert.

Eine weitere praktische Sache sind auch die so genannten Szenen. Hier könnt ihr verschiedene Beleuch­tungs­ein­stel­lungen (wie gewohnt: Tempe­ratur, Farbe, Helligkeit) und die gewünschten Gruppen oder einzelnen Lampen zusam­men­tragen und speichern. Per einfachen Tap auf eine Szene wird diese nun aktiviert – ist also quasi so etwas wie die Favori­ten­funktion, nur schneller erreichbar und mit der Option, mehrere Lampen und Geräte festlegen zu können. So kann man zum Beispiel schnell das Licht für „Fernsehen“ dimmen oder kaltweißes Licht zum Arbeiten aktivieren. Szenen erstellt ihr übrigens, indem ihr in den Gruppen-Einstel­lungen den „+“-Button oben rechts betätigt. 

Die letzten beiden Features sind im Reiter „Extras“ zu finden: Timer und Wake-up Light. Mit Hilfe des Timers lassen sich eure Lampen natürlich zu einer bestimmten Uhrzeit ein- und auch wieder ausschalten. Hierbei könnt ihr entweder auf bestimmte Szenen verweisen oder auch nur einfache Gruppen oder einzelne Lampen ansprechen. Außerdem könnt ihr neben der Uhrzeit auch die Wochentage auswählen. 

Beim Wake-up Light (auch als Licht­wecker bezeichnet) gebt ihr eine Zeit an, zu der ihr gewöhnlich aufstehen müsst. 20 Minuten vor dieser Zeit werden nun eure Lampen einge­schaltet – natürlich mit einer warmen Licht­farbe und ehr niedriger Helligkeit. Dieses dann immer heller und weißer – bis es sich 40 Minuten nach der eigent­lichen Weckzeit auch wieder automa­tisch ausschaltet. Natürlich könnt ihr auch wieder Gruppen oder einzelne Lampen auswählen. 

Viel Auswahl vorhanden

Das Lightify-System besitzt eine recht große Auswahl an verschie­denen Leucht­mitteln und Zusatz­ge­rät­schaften. Ich hatte für den Test die „einfache“ LED-Glühbirne mit RGB-Farbauswahl und einen RGB-LED-Strip mit 2 Metern Länge. Was soll man dazu sagen? Jau, leuchten. Die RGB-Glühbirne bringt 10 Watt bezie­hungs­weise 810 Lumen (also in etwa vergleichbar mit einer 60-Watt-Glühbirne) mit sich – als gängige Wohnraum­be­leuchtung meiner Meinung nach mehr als ausrei­chend, die meisten dürften das Licht sicherlich etwas dimmen, man möchte ja nicht immer eine Flutlicht­be­leuchtung haben.

Der RGB-Strip besitzt 18 Watt und kommt so auf 839 Lumen – auch dies ist mehr als ausrei­chend, zumal die Strips in der Regel als passive Beleuchtung genutzt werden. Kleiner Kritik­punkt am Strip: Mit 12 Milli­metern ist der doch recht breit, zumindest verglichen mit einfachen Strips, die sonst etwa halb so breit sind. Größerer Kritik­punkt am Strip: Er lässt sich zwar kürzen, aller­dings gibt es noch keine Verbinder, mit denen man die Strips einfach wieder zusam­men­fügen oder kombi­nieren kann – hierzu müsste man die Kontakt­stellen löten, was sicherlich nicht jeder­manns Sache ist. 

Mal die bisher verfüg­baren Leucht­mittel aufge­listet. Beachtet hierbei aber, dass nicht alle der verfüg­baren Leucht­mittel eine RGB-Funktion besitzen: Die mit RGB gekenn­zeich­neten Leucht­mittel (LED-Lampe, Strip, Reflektor und Gartenspot) kommen mit Farbwechsel daher, alle anderen sind lediglich in warmweiß bis Tages­licht (etwa 2.000/2.700 – 6.500K) zu haben – mit zwei Ausnahmen, die lediglich warmweißes Licht mit 2.700K produ­zieren. Es ist also für jeden Licht­wunsch etwas dabei.

Neben diesen Leucht­mitteln gibt es aber auch noch zwei weitere Geräte von und für Lightify, die durchaus inter­essant sind. Zum einen wäre da die schaltbare Steckdose, mit der sich auch „Fertiglampen“ in das Lightify-System integrieren und wie gewohnt in Gruppen nutzen lassen (inklusive Timer). Leider kann diese nicht mehr als „An/Aus“, eine Dimmfunktion fehlt zum Beispiel. Des Weiteren gibt es auch einen Funkschalter, mit dem man Lampen schnell auch ohne Smart­phone ein- und ausschalten kann. Der Funkschalter steuert die Lampen direkt an und kann mit vier Lampen oder Gruppen (jede Ecke eine) verknüpft werden, außerdem unter­scheidet er zwischen einem kurzem und langem Druck. 

Fazit: Solides Paket und die Hue-Konkurrenz

Fassen wir also mal kurz zusammen: Das Lightify-System hat eine große Auswahl an unter­schied­lichen Leucht­mitteln und die mobilen Apps für iOS und Android bietet eine ganze Menge an Features – auch wenn viele der Funktionen inzwi­schen fast schon voraus­ge­setzt werden können oder sollten. Licht­steuerung auch von unterwegs, schneller Licht­wechsel (indivi­duell pro Lampe oder als Gruppen­schaltung), vorde­fi­nierte Szenen, Standard-Einstel­lungen beim Einschalten, Timer-Funktion und Licht­wecker – im Grunde also alles wichtige vorhanden. Meiner Meinung nach positiv: Die Erstein­richtung ist schnell und einfach, die Apps sind während meiner Testläufe nie abgestürzt und Änderungen haben keine allzu hohen Latenzen. Mit der angebo­tenen Schalt­steckdose und dem Funkschalter ist man sogar nochmals etwas flexibler und muss nicht immer das Smart­phone heraus­kamen – auch nicht gänzlich unwichtig. 

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Dank des ZigBee-Funkstan­dards arbeitet Osram Lightify lassen sich auch Geräte anderer Hersteller in das System einbinden. Zumindest in der Theorie, denn mir ist es nicht gelungen, eine Hue-Lampe in das Lightify-System einzu­binden. Umgekehrt ist dies aber ohne weiteres Möglich, sodass man auch ohne Probleme als Philips-Hue-Nutzer auf die Lightify-Glühlampen und deren Sorti­ments­auswahl zurück­greifen kann. Würde ja auch Sinn machen, immerhin sind die Osram Lightify Leucht­mittel fast die Hälfte günstiger als die Hue-Pendants. Wie auch das Starterset von Osram. Zwar besitzt das Lightify-System anders als Philips Hue keine offene API zur Integration in Apps von Dritt­ent­wicklern oder anderen Diensten wie zum Beispiel IFTTT – dafür aber zahlt man letztlich auch deutlich weniger. 

„Spiel­kinder“ mit dem Drang, wirklich alles mitein­ander vernetzen zu wollen oder eben viel mit zusätz­lichen Diensten und Apps auszu­pro­bieren, setzen aus diesem Grunde wohl eher auf die Philips Hue Bridge (mit Osram Glühlampen :-P), denn auch die mobilen Apps sind einen kleinen Tick einfacher zu durch­schauen. Ich persönlich würde wohl eher auf eine Hue-Bridge 2.0 mit HomeKit-Unter­stützung für Siri setzen und dabei aber die Osram LEDs nutzen – nicht nur aufgrund des Preises, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass mir vor allem das Tages­licht-Weiß bei den Osram-Lampen eher zusagte. Wer aller­dings seine Wohnungs­be­leuchtung nur ein wenig „smarter“ machen und mit dem Smart­phone nutzen möchte (ohne allzu viele Spiele­reien), der ist komplett bei Osram Lightify ebenso gut aufge­hoben.