Reolink Argus Eco Ultra im Test: Überwachungskamera mit Akku und Solarpanel

Marcel Am 07.04.2024 veröffentlicht Lesezeit etwa 16:13 Minuten

Das 2009 gegründete Unternehmen Reolink aus Hong Kong mischt schon seit einigen Jahren auf den Markt rund um Sicherheitskameras für den Innen- und Außeneinsatz mit. Besonders angetan hat es dabei vielen Nutzern die Argus-Serie, deren erste Version Anno 2017 einer Crowdfunding-Kampagne entsprang und die vollständig mit WLAN und Batterien betrieben werden konnte. Für damalige Verhältnisse noch eine Seltenheit und wenn, dann abseits des von Reolink aufgerufenen Preises. Inzwischen gibt es verschiedene Weiterentwicklungen der Argus-Reihe, die schon seit der zweiten Generation optional mit einem Solarpanel betrieben werden können, von denen ich mir mit der Argus Eco Ultra eines der aktuelleren Modelle anschauen konnte. Auch für dieses Modell verspricht der Hersteller so einiges: Indoor & Outdoor zu nutzen, Wetterfest nach Standard IP66 und daher ebenso für Indoor und Outdoor geeignet, 4K-Auflösung mit farbiger Nachtsicht, ein 6.000 mAh großer Akku und natürlich diverse Software-Features. Wie gut die Argus Eco Ultra in der Praxis funktioniert und ob die Kamera ebenso wie auch die älteren Modelle überzeugen kann, konnte ich mir ausprobieren.


Die Argus Eco Ultra in der Hand

Bereits beim Auspacken ersichtlich: Die Argus Eco Ultra ist ein ziemlicher Brocken und nichts für Leute, die eine möglichst kleine und kompakte Überwachungskamera suchen. In Zahlen ausgedrückt misst die Kamera etwa 127 × 90 × 56 mm, was verglichen mit den ersten Argus-Kameras ein deutliches Mehr an Volumen ist. Das Gehäuse besteht aus matt-weißem Kunststoff, lediglich die Front mit Kameralinse, Mini-Scheinwerfer und diversen Sensoren hebt sich in hochglänzendem Schwarz ab. Der USB-C-Anschluss fürs Laden des integrierten Akkus oder zum dauerhaften Betrieb per Netzteil oder Solarpanel befindet sich hinter einer Gummiabdichtung auf der Unterseite, selbiges gilt auch für den MicroSD-Slot mitsamt Powerbutton. Ebenfalls auf der Unterseite: Laufsprecher und Mikrofon. Insgesamt wirkt die Kamera trotz Kunststoffgehäuse hochwertig, wobei auch das vergleichsweise hohe Gewicht von knapp 430 Gramm seinen Teil dazu beiträgt. Die Anschlüsse und Steckplätze sind jedenfalls ebenso sauber in Gehäuse gefräst wie auch die Front eingepasst wurde; kein Spaltmaß, wo keines sein sollte.

Die Halterung der Kamera selbst besitzt ein recht massives Gewinde, welches mit der Rückseite des Kamerakorpus verschraubt wird. Mittels Kugelgelenk lässt sich die Kamera beliebig positionieren und ausrichten, fixiert wird das Gelenk durch zudrehen des Sockels. Auch hier gibt es qualitativ nichts auszusetzen, es wirkt doch alles recht wertig. Die Halterung lässt die Argus-Kamera aber nochmals etwas massiver wirken; die volle Höhe (inkl. Kugelgelenk) rund 9 Zentimeter, der Durchmesser liegt bei rund sechs Zentimeter. Natürlich abhängig davon, wie ihr die Kamera ausrichtet. Die Halterung kann entweder direkt an eine Decke oder Wand geschraubt werden (Schrauben und Dübel liegen bei, wobei Fischer-Dübel immer eine gute Investition sind), alternativ liegt auch ein Gurt für die Montage an einer Regenrinne, einem Baum oder ähnlichen bei.  Ich persönlich fand die Magnethalterung der alten Argus-Modelle immer extrem praktisch – schade, dass dies nicht mehr vorgesehen ist, was natürlich den Abmessungen und dem Gewicht geschuldet ist.

Die Kamera ist nach IP66 zertifiziert, sprich sie ist vollständig staubdicht und auch vor starkem Strahlwasser (lies: Regen) über einen längeren Zeitraum geschützt – irgendwo logisch, immerhin wird die Kamera nicht nur für den Einsatz in Innenräumen, sondern auch explizit für den Außeneinsatz beworben. Laut Hersteller  kann die Argus Eco Ultra im Temperaturbereich zwischen -10 und 55 Grad Celsius (und einer Luftfeuchtigkeit von 20% ~ 85%, um vollständig zu sein) betrieben werden, was für die Breitengrade hierzulande also so gerade noch ausreichend ist, wenngleich die Niedrigstemperatur doch schon an ihre Grenze kommen könnte. Meinen Erfahrungen aus den letzten Jahren mit der Argus 2 nach übersteht die Kamera aber auch nächtliche Tiefsttemperaturen im Winter mit unter -10 °C ohne Schäden, in der offiziellen Angabe wird sicherlich noch der ein oder andere Puffer berücksichtigt worden sein. Und für die, die sich für nackte Zahlen interessieren nachfolgend nochmal die wichtigsten technischen Daten in Reih und Glied:

  • Bildsensor: 1/2,7″ CMOS-Sensor
  • Auflösung: 3.840 x 2.160 (8 Megapixel) bei 15 fps
  • Sichtfeld: Horizontal 105°, Vertikal 55°, Diagonal 125°
  • Infrarot-Nachtsicht: 8 LED, 1,1 Watt, 850mn
  • Farb-Nachtsicht: 2 LED-Scheinwerfer, 2 Watt, 6.500K
  • PIR-Sensor: Erkennungswinkel 110°, bis zu 10 Meter
  • Akku: 21,6 Wh; fest verbaut – nicht austauschbar
  • Speicher: microSD-Karte (maximal 128 GB), Cloud, FTP
  • WiFi: 802.11 a/b/g/n (2,4 und 5 GHz), WPA und WPA2
  • Sonstiges: Tageslichtsensor, Zwei-Wege-Audio, Sirene, USB-C

Wie bereits erwähnt funktioniert die Argus Eco Ultra wie alle Argus-Kameras dank integriertem Akku mit 21,6 Wattstunden autark vom Stromnetz. Die Akku-Reichweite geht in Ordnung (dazu im Textverlauf noch mehr), allerdings kann das Aufladen der Kamera doch recht nervig werden, auch aufgrund des fehlenden Magnetmechanismus für die Halterung. Für einen wirklichen autarken Betrieb bietet Reolink daher schon seit einigen Jahren ein Solarpanel an, welches die Kamera zuverlässig mit Strom versorgt: Das Reolink Solarpanel 2. Jenes misst etwa 21 x 17 x 15 Zentimeter und wird ebenfalls per (1/4-Zoll-)Gewinde auf eine Halterung geschraubt, die sich dann mit Schrauben an eine Wand oder ebenfalls per mitgeliefertem Gurt an beliebigen Objekten montieren lässt; im Notfall bliebe das Solarpanel mitsamt der Halterung auch stehen; das kann bei Wind und Berührungen aber doch eine recht wacklige Angelegenheit werden.

Platziert werden sollte das Solarpanel natürlich im Idealfall dort, wo es ganzjährig den meisten Sonnenschein gibt. Das mitgelieferte und vergleichsweise flexible Verbindungskabel misst rund vier Meter und lässt sich mit einer wetterfesten Verlängerung um weitere 3,8 Meter verlängern – die Verlängerung gehört aber nicht zum Lieferumfang. Eine zweimalige Verlängerung wird vom Hersteller nicht empfohlen, da würde zu viel verloren gehen. Aber mit knapp acht Metern überwindet man schon eine gewisse Distanz es muss auch nicht zwingend die Sonnenseite des Hauses sein. Der ideale Winkel wird von Reolink mit der Faustformel „Breitengrad + 5°“ angeben, jenen könnt ihr zum Beispiel über diese Webseite flott ermitteln. Eine Ausrichtung Pi mal Daumen passte für mich; wer es ganz genau nehmen und ein kleines Hexenwerk draus machen möchte, der darf natürlich auch einen Winkelmesser zu Rate ziehen und das Panel auf den Grad genau fixieren.

Die Leistung des Solarpanel liegt bei maximal 5,8 Watt. Klingt im ersten Moment nach einer geringen Leistung (und ist es natürlich auf dem Papier auch), ist aber völlig ausreichend. Der Akku übersteht auch ohne aktive Stromzuführung die ein oder andere Woche, sodass Nächte und sonnenschwache Tage kein Problem darstellen. Sobald aber ein wenig Sonnenschein am Tag herrscht – und das auch an insgesamt bedeckteren und dunkleren Tagen – reicht dies bereits aus, um die Akkuzellen den Tag über zu laden. Der Akku muss immerhin nicht konstant auf 100% geladen werden. Allerdings waren die Temperaturen mit fünf Grad Celsius und aufwärts zum Glück wieder etwas milder. Wie die Sache bei Temperaturen um null Grad oder kälter aussieht, kann ich nicht beurteilen. Aber auch an solchen Tagen sollte die Stromversorgung aufgrund des Akkubetriebs kein all zu großes Hindernis darstellen, auch wenn Minusgrade die Laufzeit tendenziell reduzieren sollten. Was aber etwas nervig ist: Das Kabel ist schon sehr lang, da muss man dann einen Platz für finden.

Die initiale Einrichtung der Argus Eco Ultra ist – wie von Reolink aus der Vergangenheit bereits gewohnt – schnell und simpel gemacht. Dazu Bedarf es jedoch der mobilen Reolink-App für iOS oder Android. Hinweis: Die eigentliche Nutzung der Kamera wäre auch mit verfügbaren Anwendungen für Windows und macOS (Achtung: Die App im Mac App Store ist outdated!) möglich. Die Desktop-Clients spare ich in diesem Bericht aber bewusst aus, da zum einen die Einrichtung nur mit den mobilen Apps möglich ist (man muss in den Desktop-Apps die UID der Kamera eingeben) und zum anderen die Desktop-Apps eher stiefmütterlich umgesetzt sind. Es sind zwar alle wichtigen Funktionen vorhanden, auf mich wirkt der Reolink-Client auf dem Desktop aber recht spartanisch. Darüber hinaus ist der Zugriff auf die Kameras auch nur per Reolink-Client möglich, die Kameras unterstützten kein ONVIF oder andere Protokolle und können demnach nicht in andere Systeme wie Home Assistant oder der Synology Surveillance Station eingebunden werden.

‎Reolink
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Preis: Kostenlos
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Habt ihr die App heruntergeladen und gestartet, könnt ihr über das Pluszeichen eine Kamera hinzufügen. Sofort und ohne zuvor einen Reolink-Account anlegen zu müssen, das ist ja in heutiger Zeit schon erwähnenswert. Die App leitet euch durch die einzelnen Schritte: Kamera einschalten, den auf der Kamera aufgebrachten QR-Code scannen (klappt Alternativ auch mit einem in den nächsten Schritten gesicherten QR-Code oder per UID) und die heimischen WiFi-Daten eingeben. Zu Letzterem verbindet sich die Argus Eco Ultra wahlweise mit einem 2,4 GHz oder auch 5 GHz-Netzwerk. Nun wird ein QR-Code generiert, der schlicht vor die Kamera gehalten werden muss. Diese scannt jenen Code und verbindet sich auf diesem Wege mit dem Router, was sie im Idealfall mit einer Sprachaussage bestätigt. Im Anschluss könnt (oder besser gesagt müsst) ihr ein Passwort für den Zugriff auf die Kamera und einen Namen vergeben und zum Abschluss werden noch einige Hinweise zum PIR-Bewegungssensor und der Positionierung angezeigt.

Ein kurzer App-Rundgang

Die App ist, zumindest für mein Empfinden, recht klar aufgebaut und strukturiert; dennoch bietet sie allerhand Features. Grundsätzlich könnt ihr mehrere Kameras mit der App nutzen und auf deren Livestreams zugreifen – auch in einer geteilten Multi-Kamera-Ansicht. Hierzu könnt ihr die Audio wiedergeben oder selbst mit Personen sprechen, den Scheinwerfer aktivieren oder auch zwischen Tag- und Nachtsicht wechseln. Je nach Verbindung kann zwischen niedrigerer und höherer Auflösung gewechselt werden, es können Screenshots erzeugt werden oder der Aufzeichnungsverlauf in einer Zeitliste gesichtet werden. Die Kamera zeichnet nicht durchgehend auf, vielmehr startet die Aufnahme, sobald der Sensor eine Bewegung erkannt hat. Unterschieden werden kann hierbei zwischen Menschen, Tieren, Autos und anderen Objekten. Aufzeichnungen werden entweder lokal auf der Speicherkarte abgelegt oder auf einen (S)FTP-Server hochgeladen. Nachfolgend ein paar umkommentierte Screenshots und hervorzuhebende Funktionen.

Einstellungen „Display“: Je nach Kamera-Positionierung könnt ihr die Bilder vertikal oder horizontal drehen lassen, die Helligkeit manuell justieren und zwischen 50 und 60 Hz wechseln. Die Streams in niedriger („Flüssig“) und höherer („Klar“) Auflösung könnt ihr nach belieben anpassen – hierbei sei gesagt, dass die Aufnahmen immer in maximaler Qualität auf der Kamera abgelegt werden. Zum Nachtmodus habt ihr die Wahl zwischen dem klassischen Schwarz/Weiß oder einer farbigen Ansicht, wobei bei letzterem immer der Scheinwerfer angeworfen wird. Ihr könnt ihr Kamera aber auch selbst entscheiden lassen, welcher Modus genutzt werden muss: In dem Fall gibt es bei hellerem Licht eine farbige Ansicht, bei schwachem Licht eine Schwarz-weiß-Darstellung. Wer mag, kann die Einstellungen für Lichter und Schatten auch für jeden Modus manuell per Regler justieren. Die Overlays (Name der Kamera, Zeitstempel und das Wasserzeichen) können beliebig platziert oder auch komplett deaktiviert werden.

Privatsphärenmaske: Ein Teil der Ansichts-Einstellungen und in meinen Augen ein wichtiger Punkt. Um die Überwachungskamera halbwegs datenschutzkonform zu betreiben, könnt ihr in unter Privatsphärenmaske drei Zonen definieren, von denen keine Aufnahme erfolgt und Aufnahmen in der Folge an diesen Stellen geschwärzt wird. Das kann zum Beispiel ein fremdes Grundstück oder ein öffentlicher Bereich sein. Die Zonen können jedoch nur als stumpfes Viereck platziert werden, eine freie Polygonenauswahl ist nicht vorgesehen. Was ein wenig nervig werden kann: Wollt ihr die bestehenden Zonen verändern, werden alle bereits eingezeichneten Masken gelöscht und ihr müsst von vorn beginnen. Für mich nicht ganz schlüssig umgesetzt, aber das macht man nun auch nicht jeden Tag.

Benachrichtigungen: Die Reolink-App unterstützt natürlich auch Benachrichtigungen bei erkannter Bewegung (siehe oben). Geboten werden hierbei entweder klassische Push-Benachrichtigungen aufs Smartphone (inklusive kritischer Benachrichtigungen unter iOS) und einen E-Mail-Alarm. Auch der FTP-Upload ist ein Teil der Benachrichtigungen, ebenso wie das automatische Auslösen der (recht lauten) Sirene. Für jede Benachrichtigungsart könnt ihr (unabhängig voneinander!) einen Zeitplan festlegen, in dem diese verschickt werden und auch, für welche Erkennungsobjekte die Benachrichtigungen aktiviert sein sollen. So könnt ihr euch grundsätzlich nur bei Bewegungen von Personen benachrichtigen lassen und das auch nur in den nächtlichen Stunden.

Bewegungserkennung: Wie erwähnt zeichnet die Kamera nur dann auf, wenn der PIR-Sensor eine Bewegung erkennt. Und eben jener Sensor lässt sich feinjustierten. Primär natürlich mit einem Regler für die Empfindlichkeit, wobei die Kamera auch Fehlalarme reduzieren kann, ohne, dass die Empfindlichkeit geändert werden muss. Ebenso kann der Bewegungsalarm konfiguriert werden, grundsätzlich unterscheidet die Kamera auf Wunsch zwischen Personen, Fahrzeugen, Tieren und anderen Objekten. Für jede „Kategorie“ könnt ihr Bereiche mit einem Pinsel markieren, in denen kein Bewegungsalarm aufgelöst werden soll. Weiterführend könnt ihr, ebenfalls für jedes Erkennungsobjekt, die Empfindlichkeit verändern und eine minimale bzw. maximale Objektgröße festlegen – alles was dann kleiner oder größer als die festgelegten Bereiche sind, lösen keinen Bewegungsalarm aus.

Szenenmodus: Die Argus-Kameras lassen sich wie erwähnt nicht in andere Smart-Home-Systeme integrieren, sodass jede Kamera für sich eingerichtet werden muss. Allerdings bietet die App auf der Hauptansicht die Möglichkeit, Szenen zu erstellen, zum Beispiel für „Urlaub“ oder „Zuhause“. So könnt ihr Push-Benachrichtigungen, Aufnahme, Alarmton und Mail-Alarm für mehrere Kameras mit einem Tap aktivieren oder auch wieder ausschalten. Praktisches Add-on, wenn man mehrere Kameras in Verwendung hat. Schade finde ich allerdings, dass sich die Szenen nicht per Webhook, Siri Kurzbefehl oder ähnlichem triggern lassen, denn dann könnte man die Funktion der Kamera zumindest zur Hälfte in seine Automatisierungen integrieren und Alarme aktivieren, wenn beispielsweise das Türschloss verriegelt.

Zeitraffer-Aufnahmen: Ist nun nicht unbedingt eine klassische Funktion einer Sicherheitskamera, empfinde ich aber doch als nettes Gimmick. Reolink bietet bei der Erstellung einer neuen Zeitraffer-Aufnahme bereits verschiedene Templates an, beispielsweise für Wolkenbewegungen, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, eine öffnende Blüte oder auch eine Baustelle. Passen die vorgefertigten Einstellungen nicht zu eurem gedachten Zweck, könnt ihr aber auch eigene Einstellungen vornehmen – beispielsweise wann die Aufnahme startet, die Dauer und der Intervall der Aufnahmen und die Qualität. Kein wichtiges Feature, aber doch eine ganz nette Geschichte, die sicherlich nette Aufnahmen zu Tage fördert.

Weitere Einstellungen und Funktionen: Die oben genannten Punkte stellen lediglich die für mich relevantesten Features dar. Aber natürlich könnt ihr auch die Audio-Einstellungen verändern, definieren wann und wie der Scheinwerfer oder die IR-Lichter genutzt werden sollen oder auch die Kamera teilen. Ebenso könnt ihr aus der Hauptansicht heraus auch die Reolink-Cloud aktivieren und so Aufzeichnungen auf einen Reolink-Server hochladen oder die Kameras mit Sprachassistenten verknüpfen. Letzteres ist zum aktuellen Zeitpunkt aber nur für Google Assistant respektive Google Home möglich. Und zu guter Letzt bietet natürlich auch die App selbst noch ein paar Kamera-unspezifische Einstellungen an, beispielsweise für den Benachrichtigungston, Zugriff auf die App nur per Passwort/TouchID/FaceID und derlei kleinere Dinge, die für die Nutzung relevant sind.

Bild am Tage und bei Nacht

Die Argus Eco Ultra eine 4K-Auflösung mit 3.840 x 2.160 Pixeln, was nicht nur auf dem Papier für detailreiche und scharfe Bilder und Videos verspricht. Durch das diagonale Sichtfeld von 125° noch dazu auch recht weitfassend. Etwas problematisch empfand ich aber Szenarien, in denen die Kamera aus einem schattigen Plätzchen heraus ins Licht geblickt hat, denn in dem Fall ist der Kontrast für meine Augen nicht optimal, da fehlt ein HDR-Feature. Insgesamt liefert die Kamera eine sehr gute Bildqualität ab, die auch das ein oder anderen Zoomen ermöglicht. Natürlich darf man die Aufnahmen nicht mit Kameras aktueller Smartphones vergleichen, für eine Sicherheitskamera aber mehr als ausreichend. Hängt die Kamera beispielsweise in eurem Hauseingang, ist die Distanz natürlich geringer, als wenn ihr euren gesamten Garten im Blick behalten wollt. Wobei beides natürlich möglich ist.

Auch in der Nacht liefert die Eco Ultra gut erkennbare Video- und Bildaufnahmen in ordentlicher Qualität. Bei Dunkelheit und aktivierter, farbiger Nachtsicht schalten sich bei Bewegung die beiden Spotlight-LEDs hinzu, die die Szenerie auch dann gut ausleuchten und für detailreiche und scharfe Aufnahmen sorgen. Und vor allem auch für Farben, was im einer Analyse im Ernstfall ja nicht ganz unwichtig ist. Natürlich zieht das aktivierte Flutlicht den Akku merklich schneller leer, in meinen Augen überwiegen jedoch die Vorteile der Qualität. Schaltet ihr die farbige Nachtsicht jedoch ab, müsst ihr nicht auf eine gute Bildqualität verzichten. Zwar sind die IR-LEDs wie für batteriebetriebene Kameras nicht sonderlich stark, der mit wenig Licht auskommende IR-Sensor gleicht diesen Punkt aber aus. Auf diese Weise liefert die Kamera zumindest auf eine Entfernung von fünf bis acht Metern noch überraschend detailreiche und gut ausgeleuchtete Aufnahmen.

Erwähnenswerte Details

Die Erkennung von Objekten mithilfe des PIR-Sensors funktionierte in meinen Tests zuverlässig und dank softwareseitigem Algorithmus unterscheidet die Kamera zwischen Personen, Fahrzeugen, Tieren und andere beweglichen Objekten. Hier und da kann es bei schwierigen Lichtverhältnissen (zum Beispiel starkes Gegenlicht, in der Nacht funktioniert es sehr gut) zwar mal zu einer Fehleinschätzung kommen, die Bewegungen selbst werden aber erkannt. In vorsichtigen 8 von 10 Fällen funktioniert die Bewegungs- und Objekterkennung aber korrekt. Mit Aktivierung der Fehlalarm-Reduzierung in den PIR-Einstellungen der Kamera werden noch dazu auch irrelevante Bewegungen, wie beispielsweise von Bäumen in den allermeisten Fällen zuverlässig gefiltert und wer noch mehr Genauigkeit möchte, der kann auch die mindeste und maximale Größe von Objekten je Objekttyp festlegen. Benachrichtigungen kommen in Echtzeit, allerdings werden diese nicht mehrfach abgeschickt, sondern haben anscheinend eine Pause von wenigen Minuten.

Der übertragene Sound im Livestream ist okay und für den Zweck absolut ausreichend, selbiges gilt auch für die Qualität der Gegensprechanlage. Allerdings muss man bedenken, dass keine Echtzeitkonversation möglich ist, vielmehr ist bei Nutzung des Zwei-Wege-Audio ein kleiner zeitlicher Versatz von ein bis zwei Sekunden zu vernehmen. Aber auch das passt für den Zweck. Die verbaute Alarmsirene kann entweder manuell oder automatisch bei Bewegung ausgelöst werden, fällt allerdings recht leise aus. In der verkehrsberuhigten Stichstraße in der Nacht ist die Abschreckung durchaus noch gegeben; für ländlicher gelegene Objekte oder an einer viel befahrenen Straße ist die Kamera sorgt die Kamera aber für zu wenig Aufmerksamkeit und darf gerne lauter und schriller sein. Neben dem Standardton könnt ihr aber mithilfe des Mikrofons auch einen eigenen Alarmton speichern – das kann dann wiederum ganz cool sein.

Die Akkulaufzeit variiert natürlich je nach Nutzung, insbesondere der Zugriff auf den Livestream frisst natürlich Kapazität, gleiches gilt auch für viele Aufzeichnungen aufgrund Bewegung und die LED-Scheinwerfer. Am Tage und bei dauerhaftem Livestream ist nach etwa sieben bis acht Stunden Schicht im Schacht. Im Regelbetrieb mit gelegentlichem Livestream und Aufzeichnungen sind es über den Daumen gepeilt 3-5 Prozent pro Tag, sodass die Kamera etwa alle vier bis fünf Wochen geladen werden muss. Des ist aber wie gesagt von vielen individuellen Faktoren abhängig; wird die Bewegungserkennung nur ab Dämmerung aktiviert und selten ausgelöst, können es auch nochmal ein paar Wochen mehr werden. Völlige Autonomie wird wiederum durch das Reolink Solarpanel erreicht, welches eine ununterbrochene Überwachung gewährleistet. Klar wird an dunklen oder stark bewölkten Tagen weniger geladen, über die Distanz klappt das aber sehr gut und genau für schwächere Tage besitzt die Kamera ja einen ausreichenden Akku.

Grundsätzlich kann die Kamera, auch mit mehreren Personen und Fernzugriff, komplett lokal und ohne Account genutzt werden. Hierbei bleiben die aufgenommenen Videos entweder nur auf der Speicherkarte im Gerät oder werden auf einen FTP-Server hochgeladen, sodass sie immer in euren eigenen Händen liegen. Das ist schonmal sehr löblich, denn allgemein geht der Trend bekanntlich immer mehr zur Accountpflicht, auch wenn dieser nicht zwingend notwendig wäre. Dennoch bietet Reolink die Möglichkeit einer Accounterstellung an, die für zwei Features notwendig ist: Zum einen für die Anbindung an Sprachassistenten (aktuell nur Google Home, wobei Alexa immerhin in Planung ist) und für die Reolink Cloud. In dieser lassen sich Videos und Bilder bis zu 30 Tage lang aufbewahren, was natürlich ein Vorteil ist, wenn die Kamera und damit die Speicherkarte abhanden kommt.

Reolink setzt hierbei auf die Amazon Web Services und verspricht eine sichere, verschlüsselte Datenübertragung und -aufbewahrung. Darauf muss man natürlich vertrauen (wollen). Wer das Vertrauen aufbringt: Im Standard-Plan für 4,19 Euro pro Monat lassen sich bis zu fünf Kameras integrieren und es gibt 30 GB Speicherplatz für eure Aufnahmen, im Premier Plan für monatliche 8,29 Euro gibt es 80 GB für bis zu zehn Kameras (Preise sind zwar „30% off not“, das aber schon seit zwei Jahren). Bei jährlicher Zahlung wird es natürlich nochmal etwas günstiger. Außerdem gibt es noch eine „Upgraded Plan Series“, die nur eine Kamera erlauben und weniger Speicher bieten, aber auch nochmal einen kleinen Tick günstiger sind. Das muss man für sich entscheiden, ich persönlich sehe für mich keinen wirklichen Mehrwert und bin froh, dass die Kameras auch ohne jeglichen Account und ohne ein Abo betrieben werden können.

tl;dr und Fazit

Wie auch schon bei den ersten beiden Argus-Kameras vor einigen Jahren überzeugt auch die Argus Eco Ultra auf nahezu voller Linie. Natürlich gibt es hier und da ein paar Kompromisse: Das dank IP66-Zertifizierung als wetterfest geltende Kameragehäuse ist zwar fehlerfrei verarbeitet, fällt aber doch sehr voluminös aus und ist nicht gerade unauffällig, auch wenn das Design der Kamera insgesamt modern und unaufgeregt ist. Auf eine Unterstützung von ONVIF, RTSP und Co. muss man allerdings verzichten: Reolink schiebt dies dem fehlenden Support für Batteriebetrieb durch Dritthersteller-Software in die Schuhe und fairerweise ist mir keine kabellose beziehungsweise batteriebetriebene Kamera bekannt, dies eine solche mitbringt. Im Gegenzug bekommt man aber eine Kamera, die abgesehen von den Stromkosten völlig ohne Folgekosten, Account und Cloud genutzt werden kann – auch wenn ein Account für vereinzelte Funktionen notwendig ist und ein Cloudspeicher angeboten wird. Aber beides optional und unaufdringlich, Daumen hoch.

Insgesamt ist die Argus Eco Ultra jedoch eine sehr gute, batteriebetriebene Überwachungskamera. Der verbaute Akku versorgt die Kamera über eine Hand voll Wochen mit Strom und wer nicht ans Aufladen der Akkus denken möchte, der greift zum optional erhältlichen Solarpanel und macht die Kamera damit vollständig autark. Die Kamera punktet mit einer überzeugenden Bildqualität bei Tageslicht und dank guter IR-Sensoren und LED-Spotlights auch bei Nacht. Sie bietet eine zuverlässige Bewegungserkennung, die auch verschiedene Erkennungsobjekte differenzieren kann. Das Zwei-Wege-Audio ist zweckmäßig, die Alarmsirene könnte wiederum etwas mehr Bums vertragen um wirklich ab- und aufschreckend zu wirken. Die Reolink-App für iOS, Android (und Desktop) hat sich im Laufe der Zeit wirklich gemach, vor allem bietet sie eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten und kleineren Extras wie die Szenen oder auch die Zeitraffer-Aufnahmen.

Zum Preis gestaltet sich eine Aussage schwierig, denn wie üblich gibt es hier immer wieder Angebote, sodass die UVP des Herstellers fast nie zu tragen kommt. Jener liegt für die Kamera ohne Solarpanel bei 169,99 Euro, das Solarpanel 2 selbst wird mit 39,99 Euro veranschlagt – oder direkt beides zusammen für 189,99 Euro. Die Preise werden aber als Straßenpreis fast nicht erreicht: Bei Amazon gibt es die Argus Eco Ultra nur als Set und regelmäßig mit prozentualem Rabatt oder Euro-Coupon und auch über die gängigen Preisvergleiche zahlt man bei Verfügbarkeit seltenst den vom Hersteller angeschlagenen Preis, selbst beim Hersteller ist das eher selten der Fall. Realistisch pendelt sich der Preis etwa bei 150 Euro für Kamera und Solarpanel ein, plus minus 10 Euro. Und für den Preis bekommt man doch einiges an Leistung und Funktionalität geboten. Auf der Suche nach einer kabellosen und autark betriebsamen Kamera sollte man sich mit Argus Eco Ultra durchaus beschäftigen.

Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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