Immer mehr Menschen werden inzwi­schen von verschie­densten Allergien geplagt und neben den Intole­ranzen gegen unter­schied­liche Inhalte in Lebens­mitteln steht auch die Allergie gegen Hausstaub „hoch im Kurs“. Und gerade die Luft in Innen­räumen ist alles andere als sauber und beinhaltet neben Hausstaub und dem gefürch­teten Feinstaub auch Milbenkot, Pollen Schim­mel­sporen, Bakterien, Zigaret­ten­rauch und andere Ausdüns­tungen und Schad­stoffe, die uns sehr belasten können. Luftrei­niger versprechen Abhilfe und wollen die Raumluft dauerhaft bis zu 99% von Partikeln säubern. 

Ein solcher ist zum Beispiel der Mi Air Purifier 2 aus dem Hause Xiaomi. Chine­si­scher Hersteller, der eigentlich so alles im Angebot hat, was man irgendwie verkaufen kann: Von Smart­phones und Tablets, über Fitness-Armbänder (das Mi Band 1S) und smarten Lampen, bis hin zu Reiskocher, Luftrei­niger und anderen Kram. Das besondere dabei: Xiaomi gehört trotz der Herkunft zu jenen Herstellern, von denen man eigentlich alles beden­kenlos kaufen kann, ohne groß Enttäuscht zu werden – und dabei spart man auch noch einen guten Batzen Geld, denn die Gadgets sind nicht selten deutlich günstiger als von anderen Herstellern. 

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Nun also der Mi Air Purifier 2, den ich von GearBest zur Verfügung gestellt bekommen habe und der seit ein paar Wochen in meinem Arbeits­zimmer vor sich hin werkelt. Vorab ein kleiner Disclaimer: Ich habe den Fokus des kleinen Reviews auf die Smart-Home-Funktionen des Luftrei­nigers gelegt. Zwar werde ich auch ein paar wissen­schaft­liche Infos einwerfen, mir stehen aber keine hochwer­tigen Gerät­schaften zur Verfügung, um die Luftqua­lität und die enthal­tenen Schad­stoffe wirklich analy­sieren und überprüfen zu können – wird im Artikel aber auch nochmal selbst erwähnt.

Der Xiaomi Mi Air Purifier 2

Der Mi Air Purifier 2 ist ein gutes Stückchen kleiner geworden, als sein direkter Vorgänger „mit ohne 2“ und misst rund 52 Zenti­meter in der Höhe, sowie 24 Zenti­meter in der Breite und der Tiefe. Also noch immer alles andere als unauf­fällig. Das Design würde ich als „schlicht solide“ bezeichnen: Kein Designer­stück, wie zum Beispiel die Luftrei­niger von Dyson oder anderen Herstellern, aber auch nicht das, was ich nun als häßlich bezeichnen würde. Das Gehäuse des Luftrei­nigers besteht komplett aus Kunst­stoff, welcher aller­dings recht dick und damit einen durchaus stabil en Eindruck macht und auch beim Thema Verar­beitung gibt es Xiaomi-typisch eigentlich nichts, was man negativ kriti­sieren könnte. 

Klappt man die hintere Klappe des Mi Air Purifier 2 auf, so gelangt man an den Filter, den man ganz einfach und ohne irgend­welche „Fallen“ wechseln kann. Randnotiz: Es gibt übrigens zwei unter­schied­liche Arten von Filtern, neben den blauen Standard-Filtern gibt es auch noch grüne „Enhanced-Filter“, die zusätzlich auch noch Formaldehyd aus der Luft ziehen. Zum Ein- und Ausschalten gibt es nur einen Button an der Oberseite, die restliche Bedienung erfolgt eben per App. Vielleicht für viele inter­essant: Die LEDs zur Anzeige der Betriebsmodi lassen sich über die Geräte­ein­stel­lungen in der Mi-App auch dimmen oder gänzlich ausblenden. 

Ansonsten gibt es eben nicht mehr viel zum Gerät selbst zu sagen: Seitlich wird eben die Luft einge­zogen, dann durch den Filter gereinigt und oben durch den Venti­lator wieder im Raum verteilt. Kurz ein paar Worte zum Aufstellen des Luftrei­nigers: Dieser sollte natürlich möglichst zentral im Raum stehen, damit die Luft gleich­mäßig verteilt werden kann. Ecken wären also Tabu, genau wie die Platzierung hinter großen Objekten oder vor Fenstern, letzteres wäre ein wenig kontra­pro­duktiv. Nun muss man einen Luftrei­niger nicht völlig frei in der Raummitte platzieren, aber ein wenig auf die Platzierung achten schadet nicht.

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Einrichtung und Betrieb

Die erste Einrichtung des Mi Air Purifier ist schnell gemacht, erfordert aller­dings zwei Dinge: Zum einen natürlich die dazuge­hörige Smart-Home-App aus dem Hause Xiaomi, die sowohl für iOS, als auch für Android kostenlos zu haben ist. Des Weiteren wird „natürlich“ auch ein Account benötigt, den ihr euch direkt über die App selbst oder über diesen Link erstellen könnt – viel wird nicht abgefragt, leider ist es optional nicht möglich, den Luftrei­niger ohne einen Mi-Account nutzen zu können. Hat natürlich den Vorteil, dass die Steuerung auch von unterwegs aus klappt, ist aber eben nicht für jeden ein Muss, sodass eine optionale Anbindung nicht schlecht wäre – aber was rede ich, ist leider bei fast allen Smart-Home-Anbietern der Fall. 

MiHome
Entwickler: Xiaomi Inc.
Preis: Kostenlos

Die Apps sind zwar nur in engli­scher Sprache zu haben, dies dürfte aber eigentlich kein Problem darstellen. Die Einrichtung ist recht gut bebildert und erklärt die folgenden Schritte ganz gut: Das gewünschte Gerät auswählen, welches mit dem Mi Home verbunden werden soll, den Luftrei­niger einschalten, das heimische WiFi-Netzwerk auswählen und das dazuge­hörige Passwort eingeben, mit dem WiFi-Netzwerk des Mi Air Purifier verbinden und warten. Danach befindet sich der Luftrei­niger in eurem WiFi-Netzwerk und ihr könnt noch einen Namen für das Gerät vergeben. Wie gesagt, schnell erledigt und ohne Probleme machbar. 

Der Betrieb des Luftrei­nigers selbst erfordert eigentlich kaum Eingriffe eurer­seits. Die Luftqua­lität wird automa­tisch gemessen, der aktuelle Wert (der Feinstaub-Messung PM25) wird euch natürlich innerhalb der App angezeigt. Scrollt ihr in der Haupt­an­sicht weiter herunter, so erhaltet ihr noch ein paar zusätz­liche Infor­ma­tionen wie Tempe­ratur, Luftfeuch­tigkeit, eure Luftqua­lität verglichen mit der Luftqua­lität im Freien und der verblei­benden Restlaufzeit des Filters. Außerdem gibt es eine kurze Übersicht über die Laufzeit des Luftrei­nigers und die kumulierte Menge an Luft, die der Mi Air Purifier bereits gereinigt hat. Alles recht übersichtlich und auch hier dürfte die fehlende deutsche Übersetzung kein Problem sein.

Der Mi Air Purifier 2 kennt drei unter­schied­liche Betriebsmodi. Im Automatik-Modus arbeitet der Luftrei­niger natürlich nur soviel, wie notwendig ist – sobald sich die Luftqua­lität im Raum wieder verbessert hat, schaltet sich der Lüfter ab und surrt nahezu lautlos umher. Ist ein angenehmes, gleich­mä­ßiges Surren, könnte ich ohne Probleme bei Schlafen. Im Sleep-Mode soll der Lüfter besonders leise sein, Xiaomi gibt hierbei 30 Dezibel an, etwa die Lautstärke eines Flüsterns – meinem Empfinden nach aber deutlich leiser und angenehmer, wobei zwischen dem Schlaf­modus und der niedrigsten Auto-Stufe meiner Meinung nach kein hörbarer Unter­schied liegt. Er geht aber eben in der Nacht nicht plötzlich hoch, dies dürfte der einzige Unter­schied sein.

Zu guter Letzt gibt es dann auch noch den Favoriten-Modus: Per Longpress auf den Button könnt ihr die Geschwin­digkeit des Lüfters natürlich auch manuell festlegen und die ausge­wählte Stufe dann zukünftig per einfachen Tap auf „Favorite“ auswählen. Hierbei sei nur gesagt, dass sich der Lüfter dann eben nicht mehr selbst herunter regelt. Die Lautstärke? Ist natürlich davon abhängig, wie sehr der Lüfter arbeitet. Auf niedrigster Stufe kaum hörbar, im „normalen“ Betrieb während der erfor­der­lichen Luftrei­niger in etwa vergleichbar mit einem leicht rotie­renden Venti­lator und auf maximaler Stufe kann das Ding dann auch ordentlich und unangenehm röhren.

Leistung der Luftrei­nigung

Nun gibt es einmal etwas techni­sches und wissen­schaft­liches, damit wir Sinn und Unsinn und die Leistung des Luftrei­nigers einmal ein wenig genauer beleuchten können. Erst einmal: Bei dem verbauten Filter handelt es sich um einen HEPA-Filter der Filter­klasse H11 (E11) mit einem Abschei­degrad von >90%. Heißt also einfach ausge­drückt, dass der Filter mindestens 95% aller Partikel von einer Größe mit mindestens 0,3µm (Mikro­metern) aus der Luft entfernt (inklusive dem gefürch­teten Feinstaub PM 2,5). Hinzu kommen noch eine erste Schicht für größere Partikel wie Haare und Hausstaub, sowie eine Schicht mit Aktiv­kohle, die Formaldehyd und andere Schad­stoffe entfernt. 

Xiaomi gibt für den Mi Air Purifier 2 folgende technische Daten zur Reini­gungs­leistung der Luft an: 100% der großen Partikel wie Haare und Staub, 99,3% an Partikel bis zu 0,3 Mikro­meter, 99,99% an Partikeln mit bis zu 2,5 Mikro­meter (Feinstaub), sowie 91% an Formaldehyd (nur der grüne Filter) und anderen Schad­stoffen. Es bleibt also nicht mehr viel Zeugs in der Luft, dass euch irgendwie Schaden könnte. Luftrei­niger haben natürlich immer den Nachteil, dass die verwen­deten Filter irgendwann einmal gewechselt werden müssen. Wie häufig, lässt sich nur schwer sagen, in meinen Räumen (Laminat­boden, Nicht-Raucher-Wohnung, Hund) würde der Filter etwa 145 Tage halten, macht also etwa 2-3 Filter pro Jahr. Zu den Kosten später noch einen Absatz. 

Wie lange ein Luftrei­niger benötigt, hängt natürlich von der Größe des Raumes oder der Wohnung ab. Als Faust­formel gilt, dass die Luft in einem Nicht­raucher-Zimmer mindestens 2 Mal pro Stunde komplett umgewälzt werden sollte. Beispiel: Ein Raum mit einer Größe von 30m2 und einer Höhe von 2,20 m besitzt ein Volumen von 66m3 – der Luftrei­niger sollte also pro Stunde mindestens 132m3 Luft reinigen können. Der Mi Air Purifier 2 schafft pro Stunde etwa 330m3 Luft (CADR-Wert), im „Super-Modus“ (sprich voll aufge­dreht, maximal 15 Minuten) kommt er sogar auf einen zwischen­zeit­lichen CADR-Wert von 388m3. Insgesamt schafft er so etwa 10.000 Liter Luft pro Minute zu reinigen – ein Raum mit 23 m2 wäre also in rund 10 Minuten gereinigt. 

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Kosten für Filter und Strom

Bei einem Gerät, dass quasi dauerhaft läuft, stellt sich natürlich auch immer die Frage nach den Kosten, die pro Monat oder Jahr anfallen. Zugegeben: lässt sich nur schwer beant­worten, denn sowohl die anfal­lenden Strom­kosten, als auch die Kosten für die Erneuerung des Filters sind von verschie­denen Faktoren abhängig. Größe des Raumes oder der Wohnung, Luftqua­lität außen, Hartboden oder Teppich, Haustiere, Raucher – all das sind Dinge, die den Luftrei­niger beein­flussen. Wie immer gilt: Je größer und „schmut­ziger“ die Luft, umso mehr muss der Luftrei­niger arbeiten, desto höher ist der Strom­ver­brauch und die Abnutzung des Filters. 

In der ruhigsten Stufe des Automatik-Modus und im Schlaf­modus verbraucht der Xiaomi Mi Air Purifier 2 etwa 2,5 – 2,7 Watt, bei vollster Leistung geht der Verbrauch auf 30 Watt hoch, fällt aber eben nach maximal 15 Minuten auch wieder ab. Bei mir schaltete er aber mit Ausnahme der Zigaretten-Probe nie vollkommend auf, sodass mir mein Messgerät nach runden vierzehn Tagen einen Verbrauch von etwa 3,506 Kilowatt­stunden anzeigte. Bei einem Durch­schnitts­preis von etwa 28,69 Cent pro kW/h wären dies also round about 26 Euro pro Jahr. 

Der HEPA-Filter überlebt bei mir laut Mi-Home-App etwa 150 Tage, macht also 2-3 Filter pro Jahr – aber auch hier kann je nach Umgebung vorzeitig ein neuer Filter fällig werden. Kosten­punkt pro Filter: etwa 45 – 50 Euro, je nach Anbieter (aktuell würde ich diesbe­züglich auf HonorBuy verweisen). Rechnen wir einmal zusammen: Drei Filter á 45 Euro macht 135 Euro, hinzu kommen noch die Strom­kosten, sodass mir der Betrieb des Mi Air Purifier 2 im Jahr ganz grob etwa 160 Euro kosten würde. Oder aber man nutzt zusätzlich eine zeitge­steuerte Steckdose und lässt den Reiniger in der Nacht zum Beispiel gänzlich abgeschaltet…

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Abschluss­worte und tl;dr

Der Xiaomi Mi Air Purifier 2 hinter­lässt einen guten Eindruck. Das Gehäuse ist stabil und (wie eigentlich von Xiaomi gewohnt) sehr gut verar­beitet, das Design ist zwar nicht sonderlich verspielt, dennoch aber sehr schlicht gehalten. Sieht meiner Meinung nach definitiv schmucker aus, als viele andere Luftrei­niger in dieser Preis­klasse oder etwas darüber. Der Filter kann viele Schmutz­par­tikel aus der Luft besei­tigen, die Leistung des Lüfters ist mehr als ordentlich und auch für leicht überdurch­schnittlich große Räume mit bis zu 30 Quadrat­metern geeignet – alles darüber wird dann eben lauter. Preislich spricht ebenso wenig gegen den Mi Air Purifier 2 von Xiaomi, denn selbst als Import ist der mit etwa 160 Euro noch um einiges günstiger als gleich­wertige Geräte anderer namhafter Hersteller. 

Nun ist es natürlich so, dass sicherlich nicht jeder einen Luftrei­niger benötigt, zumal die Luftqua­lität in Deutschland bei Weitem noch nicht so schlimm ist, wie in einigen anderen Ländern, allen voran natürlich dem Xiaomi-Heimatland China. Ich persönlich habe keine Vorteile der „saube­reren“ Luft bemerkt, aller­dings habe ich glück­li­cher­weise nicht mit Allergien zu kämpfen, sodass ich wohl nicht in die Zielgruppe derar­tiger Geräte falle. Vielmehr dürften Aller­giker (egal ob nun Hausstaub, Heuschnupfen, Schimmel oder dergleichen) und Asthma­tiker zur primär angespro­che­neren Käufer­schicht zählen. Und in diesem Punkt ist der Mi Air Purifier 2 durch sein Preis-/Leistungsverhältnis definitiv ein inter­es­santes Angebot. dass man sich einmal anschauen sollte… 

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