Nicht totzukriegen: studiVZ- und meinVZ-Nachfolger VZ.net geht an den Start

Marcel Am 27.04.2020 veröffentlicht Lesezeit etwa 2:19 Minuten

Da fühlt man sich ja fast wie Anfang 20: Bereits vor einigen Wochen wagte der einstige Messenger-Riese ICQ eine Art Neustart, nun folgen ihm die deutschsprachigen Netzwerke studiVZ und meinVZ. Wer die beiden Netzwerke nicht kennen sollte: Mitte der 2000er Jahre im deutschsprachigen Raum wahnsinnig erfolgreich (es gab ja auch noch das schülerVZ), in besten Zeiten Anno 2006 konnte man laut eigenen Angaben 20 Millionen Nutzer aufweisen. Dann aber schwamm Facebook über den großen Teich und öffnete seine Tore unter anderem auch in Deutschland, womit der Abstieg der VZ-Netzwerke begann. 2012 erreichte man lediglich noch 2,8 Millionen Nutzer, ein paar Jahre später, genauer gesagt erst Ende 2017, meldete das Gründungsunternehmen Poolworks Insolvenz an. Nun meldet man sich aber froh und munter zurück, aus studiVZ und meinVZ wurde einfach nur noch VZ.net.

Bei der Wiedergeburt spielt man natürlich mit dem Nostalgie-Kick der Altnutzer und hat Funktionen wie das altbekannte Gruscheln, den Plauderkasten und natürlich die Gruppen zurückgebracht. Endlich wieder Gruppen wie „Ich leb in meiner eigenen Welt. Das ist OK, man kennt mich dort“ und „Scheiß Party, wenn ich meine Hose finde, geh ich heim“. Gruppen sind aber mehr als nur stumpfe Titel im Profil und können als Plaudergruppe, Forum oder Channel angelegt werden. Plaudergruppen dienen dem Austausch zwischen Bekannten und besitzen weitere optionale Funktionen wie Kalender, Terminabstimmung und Standort um z.B. größere Treffen zu planen. Foren kennt man auch im Jahre 2020 noch, wenngleich diese eher zu einer aussterbenden Gattung gehören. Channels hingegen sind eine Art persönliches Microblog auf der Plattform.

Man legt den Fokus also voll auf Gruppen, weswegen man sich selbst auch als „Gruppenseite“ bezeichnet. Soziales Netzwerk ja, man vermeidet aber die direkte Konkurrenz zu Facebook. Ziel war es vielmehr, ein benutzerfreundliches und für jedes Alter leicht zu bedienendes Netzwerk zu erschaffen, dass in allen Punkten DSGVO-Konform ist. So werden sämtliche Daten auf Server in Deutschland gehostet und seitens der Betreiber Datenverkauf oder kommerzielle Algorithmen ausgeschlossen. Finanziert wird das Netzwerk über sichtbare Werbung in Form von klassischen Bannern, Video, Gruppen-Empfehlungen oder auch integrierten „Social Games“. Darüber hinaus ist ein Bonussystem als zusätzlicher Anreiz zur Förderung aktiver Gruppen geplant: Gruppenbesitzer erhalten Punkte für bestimmte Aktionen wie die Gründung von Gruppen und das Posten von Beiträgen, die aktivsten Nutzer können in regelmäßigen Abständen Preise erhalten.

Rein optisch ganz ansprechend gelöst und auch ohne Facebook-Kommentare im Quelltext der Seite. Interessant für Altnutzer, die ihren Account dazumal nicht gekillt haben: Nach der Registrierung könnt ihr Daten eures alten VZ-Accounts noch bis zum 30.06.2020 importieren, danach werden alle Daten gelöscht. Tjoa, Totgeburt? War auch mein erster Gedanke. Die Umsetzung finde ich aber gar nicht so schlecht, vor allem der Fokus auf Privatsphäre und die auch auf Facebook beliebten Gruppen. Man greift zwar Facebook an gewissen Punkten an, vermeidet aber durch die Grundausrichtung die direkte Konfrontation. Aber es ist wie so oft: Gute Ideen und Umsetzungen scheitern oftmals an der Reichweite, vor allem wenn wie in diesem Falle mobile Apps für iOS und Android fehlen – da kann die Webseite noch so responsive gestaltet sein. In der Vergangenheit haben die VZ-Netzwerke zwar einen langen Atem bewiesen, mittel- bis langfristig dürfte es aber dennoch nicht rosig aussehenOder was meint ihr?

via BLOG.vz VZ.net

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