Der Bereich der Fitness-Tracker und -Armbänder boomt und es gibt immer mehr Hersteller, die auf den Markt drängen und die Kunden von ihren Produkten überzeugen wollen. Einer dieser Hersteller ist zum Beispiel Garmin, die sich in der Vergan­genheit bereits nicht nur einen Namen in Sachen Straßen­na­vi­gation machen konnten, sondern auch im Bereich Fitness, Sport und anderen Outdoor-Aktivi­täten breit aufge­stellt sind. Bereits seit zwei, drei Jahren ist man auch mit dem Vivofit-Armband auf dem Markt der Fitness-Wearables vertreten, welches Anfang des Jahres bereits in der dritten Version vorge­stellt wurde. Dass man sich hier von der Masse abheben muss ist auch Garmin klar und so gibt es nicht nur wechselbare Armbänder, sondern auch eine verspro­chene Akkulaufzeit von einem ganzen Jahr. Ich habe mir das Vivofit 3 einmal angesehen – ob es halten kann, was es verspricht? 

garmin-vivofit3-10

Aussehen und Trage­komfort

Vom optischen Aspekt her unter­scheidet sich das vivofit 3 nicht sonderlich von den restlichen Fitness­arm­bändern auf dem Markt. Ein Silikon­armband, ein kleines Display, ein Button – das sind so die wesent­lichsten Elemente des vivofit. Dennoch hat Garmin diesbe­züglich einen kleinen Pluspunkt geschaffen, mit dem man sich von den Konkur­renten abheben möchte, denn neben den Standard­aus­füh­rungen in Schwarz und Weiß gibt es auch noch zusätz­liche Armbänder in unter­schied­lichen Designs und Farben als optio­nales Zubehör. Pro „Style-Armband“ werden 30 bezie­hungs­weise 40 US-Dollar fällig – oder aber man sucht sich passende Armbänder von Dritt­her­stellern aus. Soviel nur einmal dazu, ich hatte das schwarze Standardband zum Testen hier, zu den Designarm­bändern kann ich demzu­folge nichts sagen. 

Wechseln lassen sich die Armbänder übrigens ganz leicht, denn das Herz des vivofit 3 lässt sich wie auch zum Beispiel beim Xiaomi Mi Band einfach aus dem Silikonband heraus­drücken und schnell wieder in ein anderes Armband bugsieren. Klappt ohne großes Gefummel. Werkzeug benötigt man lediglich, um die Batterie des vivofit 3 auszu­tau­schen, denn der Tracker kommt nicht mit einem obliga­to­ri­schen Akku daher, sondern setzt auf eine handels­üb­liche CR1632-Knopf­zelle. Mit dieser soll sich das Armband ein gutes Jahr zufrieden geben, des Weiteren hat diese Konstruktion den Vorteil, dass das Fitness­armband bis zu einem Druck von 5 ATM (entsprechen etwa 50 Meter) wasser­dicht ist. 

Das Armband selbst ist etwa 22 Milli­meter breit und 10 Milli­meter dick – die Länge variiert zwischen 137 bis 195 Milli­meter (Größe L) bezie­hungs­weise 165 und 225 Milli­meter (Größe XL). Ist also für alle Handge­lenke eine passende Größe dabei, zumal das Band selbst eben noch verschiedene Stufen besitzt. Statt einer Dornen­schließe, wie bei vielen anderen Fitness­arm­bändern, kommt bei Garmin ein recht einfacher Schließ­me­cha­nismus zum Einsatz: Die zwei „Pins“ werden durch die Öffnungen im Band gesteckt, fixiert wird das ganze dann über ein kleines Drehrad. Der Verschluss hält das Armband sicher am Handgelenk, hier gibt es nichts negatives zu sagen – auch wenn sich der Trage­komfort meiner Meinung nach in Grenzen hält, aber dazu gleich ein paar Punkte. 

Bei dem Display handelt es sich um ein beleuch­tetes LCD-Display. Garmin selbst bezeichnet dieses als „hochauf­lösend“ – hätte ich so nicht unbedingt gemacht. Soll nun kein Kritik­punkt sein, ist eben auch weit von einem deutlichen Pixelbrei entfernt, aber „hochauf­lösend“ wäre für mich etwas anderes. Oder in Zahlen: Das Display löst mit 64 x 64 Pixeln auf, macht also eine Pixel­dichte von 109 ppi. Ist bei derar­tigen Gadgets nun auch nicht ganz so wichtig, dies aber nur einmal zur Verdeut­li­chung, wie Garmin „hochauf­lösend“ inter­pre­tiert. Mit etwa 1 x 1 Zenti­metern fällt das Display zwar relativ klein aus, dennoch lassen sich die wichtigsten Daten ohne große Probleme ablesen – übrigens auch noch bei Sonnen­licht. Standard­mäßig zeigt das Display die aktuelle Uhrzeit an, über den Button lassen sich aber auch die zurück­ge­legten Schritte, der Kalori­en­ver­brauch und das Tagesziel anzeigen. 

Leider hätte man den Trage­komfort des Armbands etwas komfor­tabler gestalten können. Denn zumindest, wenn man das Armband aufgrund schmaler Handge­lenke enger binden muss, hat man das Problem, dass nach einiger Zeit das überste­hende Teil unter dem Armband an den Seiten heraus­rutscht – auch ohne sport­liche Betätigung, denn sobald auch noch der Schweiß hinzu­kommt, rutscht es noch schneller unter dem Armband hindurch. Hinzu kommt, dass der Verschluss recht unangenehm auf die Haut drücken kann – vor allem, wenn man von der Breite des Handge­lenks zwischen zwei „Ösen“ liegt, entweder rutscht es dann oder drückt eben. Hier ist das Mi Band und auch das Fitbit Charge HR deutlich angenehmer, was aber wie gesagt nur für das Standardband gilt – wie sich die Design-Armbänder so schlagen, kann ich eben nicht beant­worten.

garmin-vivofit3-9

Funktionen des vivofit 3

Beim Blick auf den Funkti­ons­umfang des vivofit 3 zeigt sich, dass es sich hierbei um einen lupen­reinen Schritt­zähler und Aktivi­täts­tracker handelt. Denn so wirklich viel bietet das vivofit 3 nicht. Die wichtigsten Funktionen wie Schritt­zähler (inklusive Auswertung von Distanz und Kalorien), Schla­fer­kennung und ein Inakti­vi­täts­alarm sind natürlich vorhanden, weitere Features wie Erkennung von Etagen oder einen Herzfre­quenz­sensor sucht man aller­dings vergeblich. Dafür aber hat Garmin seinem Fitness­gadget eine Funktion spendiert, die auf den Namen Move IQ hört und die eure aktuellen Aktivi­täten automa­tisch erkennen soll. Die Proble­matik, die damit beseitigt werden sollen, kennt sicherlich der ein oder andere: Ihr geht eine Runde joggen oder Radfahren, vergesst aber, euren Tracker in den Aktivi­täts­modus zu schalten. 

Dies soll dank Move IQ zukünftig nicht mehr passieren, denn das vivofit 3 soll Start und Ende verschie­dener Aktivi­täten wie Laufen, Radfahren und Schwimmen automa­tisch erkennen. Die Idee ist gut, bei der Umsetzung haperte es aber leider ein wenig, denn während die Sache zumindest beim Laufen gut funktio­nierte, war die Erkennung und Aufzeichnung beim Radfahren nicht ganz zu zuver­lässig – Schwimmen habe ich nicht testen können. Im Zweifelsfall – oder eben, wenn ihr euch ander­weitig sportlich betätigt – lässt sich der Aktivi­täts­modus aber auch über das Armband selbst aktivieren und deakti­vieren, indem ihr den Button ein paar Sekunden länger gedrückt haltet. 

garmin-vivofit3-8

Positiv muss man hierbei aber im Gegensatz zu Gute halten, dass die Zählung von Schritten und dergleichen im Vergleich zu den restlichen mir zur Verfügung stehenden Trackern (Mi Band, Charge HR, Apple Watch) ziemlich zuver­lässig funktio­niert. Die verschie­denen Geräte zählen zwar alle ein wenig unter­schied­liche Schritte, ist aber alles im Rahmen. Ein weiteres recht inter­es­santes Feature ist die Anzeige der Inakti­vität. Auf dem Display des vivofit 3 findet sich ein Inakti­vi­täts­balken, welcher alle 15 Minuten ohne Bewegung zunimmt. Nach einer Stunde ist dieser Balken komplett gefüllt und es ertönt ein leiser Alarm, der euch darauf hinweist, dass ein wenig Bewegung nicht schaden würde. Schade: Es gibt lediglich ein akusti­sches Signal, einen sanften Vibra­ti­ons­alarm sucht man vergebens. 

Bevor ich noch ein paar Worte zur Garmin-App selbst verliere, nochmal ein kleines Feature, dass ich durchaus inter­essant finde. Denn statt selbst ein bestimmtes Ziel an Bewegung bezie­hungs­weise Schritten pro Tag festlegen zu müssen, kann auch das vivofit 3 diese Aufgabe für euch übernehmen. Hierzu lernt der Tracker eure Aktivität kennen und passt das Tagesziel entspre­chend Tag für Tag an – natürlich immer ein wenig mehr, sodass man ein realis­tisch zu errei­chendes Ziel hat. Wer aber lieber wie gewohnt auf seine 10.000 Schritte kommen möchte, der kann in der App natürlich auch ein eigenes Tagesziel festlegen. Ich finde die automa­tische Anpassung aber gar nicht schlecht. 

garmin-vivofit3-2

Die App für iOS und Android

Garmin bietet seine Garmin Connect-App auch für Windows und macOS an, ich behaupte aber mal, dass der Großteil der Nutzer derartige Gadgets aber in Kombi­nation mit einer Smart­phone-App nutzt und diese steht eben sowohl für iOS, als auch für Android zur Verfügung. Zu Beginn läuft hier eigentlich alles wie gewohnt ab: Zuerst muss ein Benut­zer­ac­count erstellt werden, danach müsst ihr die wichtigsten Daten (Alter, Größe, Gewicht und dergleichen) eingeben. Ist auch das erledigt, könnt ihr verschie­denste Gerät­schaften mit der App und Garmin Connect verknüpfen – Garmin besitzt ja nicht nur die vivofit-Armbänder, sondern auch zahlreiche weitere Fitness-Gadgets für die verschie­densten Aktivi­täten.

Das Verbinden via Bluetooth funktio­nierte ohne Probleme und binnen weniger Sekunden, etwas umständlich ist aber die Synchro­ni­sation von Armband und App gelöst. Denn statt den Sync-Modus einfach über die App starten zu können, müsst ihr den Button auf dem Armband ein paar Sekunden gedrückt halten und loslassen, sobald das „Sync“-Symbol angezeigt wird. Ist sicherlich kein Beinbruch, ich hätte aber einen automa­ti­schen Sync bei Start der App als prakti­scher gefunden, vor allem, da man so eben direkt in der App herum­wühlen kann, ohne zuvor den Sync zu aktivieren und dann zu warten, bis dieser abgeschlossen ist. 

garmin-vivofit-3-app-1

Die App selbst ist dann wiederum recht typisch aufgebaut, auch wenn man im ersten Moment ein wenig erschlagen wird. Auf der ersten Seite erhaltet ihr einen kurzen Überblick über eure Gesamt­ak­ti­vi­täten – Schritte, Schla­fens­zeiten, Kaloren und derlei Dinge. Wahlweise als reine Zahlen­spiele oder als eine Art Zeitleiste. Per Wisch könnt ihr hier durch die verschie­denen Kategorien wischen und euch noch mehr Details zu Schritten, Schla­fens­zeiten, Radfahren und Co. anzeigen lassen – benötigt ihr eine der Ansichten nicht, könnt ihr einzelne Seiten auch einfach ausblenden lassen, auch ein einfaches Umsor­tieren der Ansichten ist möglich. 

garmin-vivofit-3-app-2

Dazu bietet die App auch die Möglichkeit, euren Gewichts­verlauf zu speichern und anzuzeigen und es gibt es dann noch diverse Statis­tiken wie persön­liche Rekorde (meiste Schritte gelaufen, längste Radstrecken und ähnliches), einen Kalender (die Daten nochmals anders aufbe­reitet), einen Newsfeed mit Neuig­keiten rund um Garmin und eben die typischen Einstel­lungen zum Benutzer und für das vivofit 3 selbst. Was die App betrifft gibt es eigentlich wenig negatives zu erwähnen, aber eben auch wenig positives – denn immerhin unter­scheiden sich die Apps der verschie­denen Anbieter auf dem Markt nicht sonderlich groß. Inter­essant wäre noch zu erwähnen, dass die iOS-App im Gegensatz zur Fitbit-App zum Beispiel auch als Daten­quelle für die Apple’sche Health.app herhalten kann. 

Zusam­men­fassung und Fazit

Auf den ersten Blick unter­scheidet das Garmin vivofit 3 sich nicht sonderlich groß von den Konkur­renten auf dem Markt, zumindest wenn man in dieser Preis­klasse bleibt. Silikon­armband, wasser­ge­schützt bezie­hungs­weise wasser­dicht, ein kleines Display. Der Sicher­heits­ver­schluss ist sicherlich clever gedacht, in der Praxis funktio­niert dieser auch sehr gut, leider empfand ich das Drücken der drei Pinöckel nach ein paar Stunden bereits als unangenehm. Auch die Tatsache, dass der „überste­hende“ Teil des Armbands nicht immer unter dem Armband verbleibt, sondern heraus­rutscht, empfand ich als störend. Dabei hätte man das ganze recht einfach lösen können, indem man dem Band eine Schlaufe spendiert, in die man den überste­henden Teil einfädeln könnte (vergleichbar mit üblichen Armband­uhren – hat diese Schlaufe eigentlich einen Namen?). 

garmin-vivofit3-2

garmin-vivofit3-7

garmin-vivofit3-1

Trotz dieser negativen Punkte besitzt das Fitness-Armband auch einige Dinge, die es dann wiederum von der breiteren Masse abheben: Da wären zuerst einmal die austausch­baren Armbänder, die den Tracker wirklich zu einem „Everyday-Gadget“ machen und das eher funktio­nelle Armband ein wenig modischer gestalten. Ein zweiter, definitiv nicht zu verach­tender Punkt ist die Akkulaufzeit, die Garmin mit rund 12 Monaten angibt und die in etwa korrekt sein dürfte: nach etwa fünf Wochen hatte ich noch satte 89% Akkuka­pa­zität. Auch durch Software-Features wie Move IQ, die Erinnerung bei Inakti­vität und die automa­tische Anpassung des Tages­ziels möchte man den Nutzern ein paar Pluspunkte an die Hand geben. Leider war Move IQ in meinen Versuchen alles andere als zuver­lässig – zumindest, wenn man sich häufiger mal aufs Rad schwingt oder ins Schwimm­becken springt. 

Funktionell hingegen ist das Garmin vivofit 3 als Fitness-Armband nicht gänzlich auf der Höhe der Zeit – andere Geräte der nahezu gleichen Preis­klasse bieten bereits einen Herzfre­quenz­sensor. Zwar lässt sich das vivofit 3 mit einem Garmin Brustgurt verbinden, diese Kombi­nation dürfte aber bei den Nutzern inzwi­schen nicht mehr ganz so hoch im Kurs stehen – auch wenn die Messungen sicherlich genauer sind, als die Messungen der Pulssen­soren an Armbändern. Und so muss man für ein Fazit wohl klar danach diffe­ren­zieren, was einem persönlich wichtig ist. Das vivofit 3 ist kein schlechtes Fitness-Armband, ich persönlich würde aber aus den genannten Gründen wohl eher dem Fitbit Charge HR den Vortritt lassen. 

Wem aller­dings ein Schritt- und Schlaf­t­racker ausreicht, sich rund ein Jahr nicht mit dem Aufladen beschäf­tigen möchte oder modischere Armbänder nutzen will – der ist mit dem vivofit 3 ebenso gut bedient.

garmin-vivofit3-11