Garmin Vivofit 3 ausprobiert: Fitness-Armband mit vielen Stärken, aber auch einigen Schwächen

Marcel Am 25.07.2016 veröffentlicht Lesezeit etwa 8:44 Minuten
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Der Bereich der Fitness-Tracker und -Armbänder boomt und es gibt immer mehr Hersteller, die auf den Markt drängen und die Kunden von ihren Produkten überzeugen wollen. Einer dieser Hersteller ist zum Beispiel Garmin, die sich in der Vergangenheit bereits nicht nur einen Namen in Sachen Straßennavigation machen konnten, sondern auch im Bereich Fitness, Sport und anderen Outdoor-Aktivitäten breit aufgestellt sind. Bereits seit zwei, drei Jahren ist man auch mit dem Vivofit-Armband auf dem Markt der Fitness-Wearables vertreten, welches Anfang des Jahres bereits in der dritten Version vorgestellt wurde. Dass man sich hier von der Masse abheben muss ist auch Garmin klar und so gibt es nicht nur wechselbare Armbänder, sondern auch eine versprochene Akkulaufzeit von einem ganzen Jahr. Ich habe mir das Vivofit 3 einmal angesehen – ob es halten kann, was es verspricht?

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Aussehen und Tragekomfort

Vom optischen Aspekt her unterscheidet sich das vivofit 3 nicht sonderlich von den restlichen Fitnessarmbändern auf dem Markt. Ein Silikonarmband, ein kleines Display, ein Button – das  sind so die wesentlichsten Elemente des vivofit. Dennoch hat  Garmin diesbezüglich einen kleinen Pluspunkt geschaffen, mit dem man sich von den Konkurrenten abheben möchte, denn neben den Standardausführungen in Schwarz und Weiß gibt es auch noch zusätzliche Armbänder in unterschiedlichen Designs und Farben als optionales Zubehör. Pro „Style-Armband“ werden 30 beziehungsweise 40 US-Dollar fällig – oder aber man sucht sich passende Armbänder von Drittherstellern aus. Soviel nur einmal dazu, ich hatte das schwarze Standardband zum Testen hier, zu den Designarmbändern kann ich demzufolge nichts sagen.

Wechseln lassen sich die Armbänder übrigens ganz leicht, denn das Herz des vivofit 3 lässt sich wie auch zum Beispiel beim Xiaomi Mi Band einfach aus dem Silikonband herausdrücken und schnell wieder in ein anderes Armband bugsieren. Klappt ohne großes Gefummel. Werkzeug benötigt man lediglich, um die Batterie des vivofit 3 auszutauschen, denn der Tracker kommt nicht mit einem obligatorischen Akku daher, sondern setzt auf eine handelsübliche CR1632-Knopfzelle. Mit dieser soll sich das Armband ein gutes Jahr zufrieden geben, des Weiteren hat diese Konstruktion den Vorteil, dass das Fitnessarmband bis zu einem Druck von 5 ATM (entsprechen etwa 50 Meter) wasserdicht ist.

Das Armband selbst ist etwa 22 Millimeter breit und 10 Millimeter dick – die Länge variiert zwischen 137 bis 195 Millimeter (Größe L) beziehungsweise 165 und 225 Millimeter (Größe XL). Ist also für alle Handgelenke eine passende Größe dabei, zumal das Band selbst eben noch verschiedene Stufen besitzt. Statt einer Dornenschließe, wie bei vielen anderen Fitnessarmbändern, kommt bei Garmin ein recht einfacher Schließmechanismus zum Einsatz: Die zwei „Pins“ werden durch die Öffnungen im Band gesteckt, fixiert wird das ganze dann über ein kleines Drehrad. Der Verschluss hält das Armband sicher am Handgelenk, hier gibt es nichts negatives zu sagen – auch wenn sich der Tragekomfort meiner Meinung nach in Grenzen hält, aber dazu gleich ein paar Punkte.

Bei dem Display handelt es sich um ein beleuchtetes LCD-Display. Garmin selbst bezeichnet dieses als „hochauflösend“ – hätte ich so nicht unbedingt gemacht. Soll nun kein Kritikpunkt sein, ist eben auch weit von einem deutlichen Pixelbrei entfernt, aber „hochauflösend“ wäre für mich etwas anderes. Oder in Zahlen: Das Display löst mit 64 x 64 Pixeln auf, macht also eine Pixeldichte von 109 ppi. Ist bei derartigen Gadgets nun auch nicht ganz so wichtig, dies aber nur einmal zur Verdeutlichung, wie Garmin „hochauflösend“ interpretiert. Mit etwa 1 x 1 Zentimetern fällt das Display zwar relativ klein aus, dennoch lassen sich die wichtigsten Daten ohne große Probleme ablesen – übrigens auch noch bei Sonnenlicht. Standardmäßig zeigt das Display die aktuelle Uhrzeit an, über den Button lassen sich aber auch die zurückgelegten Schritte, der Kalorienverbrauch und das Tagesziel anzeigen.

Leider hätte man den Tragekomfort des Armbands etwas komfortabler gestalten können. Denn zumindest, wenn man das Armband aufgrund schmaler Handgelenke enger binden muss, hat man das Problem, dass nach einiger Zeit das überstehende Teil unter dem Armband an den Seiten herausrutscht – auch ohne sportliche Betätigung, denn sobald auch noch der Schweiß hinzukommt, rutscht es noch schneller unter dem Armband hindurch. Hinzu kommt, dass der Verschluss recht unangenehm auf die Haut drücken kann – vor allem, wenn man von der Breite des Handgelenks zwischen zwei „Ösen“ liegt, entweder rutscht es dann oder drückt eben. Hier ist das Mi Band und auch das Fitbit Charge HR deutlich angenehmer, was aber wie gesagt nur für das Standardband gilt – wie sich die Design-Armbänder so schlagen, kann ich eben nicht beantworten.

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Funktionen des vivofit 3

Beim Blick auf den Funktionsumfang des vivofit 3 zeigt sich, dass es sich hierbei um einen lupenreinen Schrittzähler und Aktivitätstracker handelt. Denn so wirklich viel bietet das vivofit 3 nicht. Die wichtigsten Funktionen wie Schrittzähler (inklusive Auswertung von Distanz und Kalorien), Schlaferkennung und ein Inaktivitätsalarm sind natürlich vorhanden, weitere Features wie Erkennung von Etagen oder einen Herzfrequenzsensor sucht man allerdings vergeblich. Dafür aber hat Garmin seinem Fitnessgadget eine Funktion spendiert, die auf den Namen Move IQ hört und die eure aktuellen Aktivitäten automatisch erkennen soll. Die Problematik, die damit beseitigt werden sollen, kennt sicherlich der ein oder andere: Ihr geht eine Runde joggen oder Radfahren, vergesst aber, euren Tracker in den Aktivitätsmodus zu schalten.

Dies soll dank Move IQ zukünftig nicht mehr passieren, denn das vivofit 3 soll Start und Ende verschiedener Aktivitäten wie Laufen, Radfahren und Schwimmen automatisch erkennen. Die Idee ist gut, bei der Umsetzung haperte es aber leider ein wenig, denn während die Sache zumindest beim Laufen gut funktionierte, war die Erkennung und Aufzeichnung beim Radfahren nicht ganz zu zuverlässig – Schwimmen habe ich nicht testen können. Im Zweifelsfall – oder eben, wenn ihr euch anderweitig sportlich betätigt – lässt sich der Aktivitätsmodus aber auch über das Armband selbst aktivieren und deaktivieren, indem ihr den Button ein paar Sekunden länger gedrückt haltet.

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Positiv muss man hierbei aber im Gegensatz zu Gute halten, dass die Zählung von Schritten und dergleichen im Vergleich zu den restlichen mir zur Verfügung stehenden Trackern (Mi Band, Charge HR, Apple Watch) ziemlich zuverlässig funktioniert. Die verschiedenen Geräte zählen zwar alle ein wenig unterschiedliche Schritte, ist aber alles im Rahmen. Ein weiteres recht interessantes Feature ist die Anzeige der Inaktivität. Auf dem Display des vivofit 3 findet sich ein Inaktivitätsbalken, welcher alle 15 Minuten ohne Bewegung zunimmt. Nach einer Stunde ist dieser Balken komplett gefüllt und es ertönt ein leiser Alarm, der euch darauf hinweist, dass ein wenig Bewegung nicht schaden würde. Schade: Es gibt lediglich ein akustisches Signal, einen sanften Vibrationsalarm sucht man vergebens.

Bevor ich noch ein paar Worte zur Garmin-App selbst verliere, nochmal ein kleines Feature, dass ich durchaus interessant finde. Denn statt selbst ein bestimmtes Ziel an Bewegung beziehungsweise Schritten pro Tag festlegen zu müssen, kann auch das vivofit 3 diese Aufgabe für euch übernehmen. Hierzu lernt der Tracker eure Aktivität kennen und passt das Tagesziel entsprechend Tag für Tag an – natürlich immer ein wenig mehr, sodass man ein realistisch zu erreichendes Ziel hat. Wer aber lieber wie gewohnt auf seine 10.000 Schritte kommen möchte, der kann in der App natürlich auch ein eigenes Tagesziel festlegen. Ich finde die automatische Anpassung aber gar nicht schlecht.

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Die App für iOS und Android

Garmin bietet seine Garmin Connect-App auch für Windows und macOS an, ich behaupte aber mal, dass der Großteil der Nutzer derartige Gadgets aber in Kombination mit einer Smartphone-App nutzt und diese steht eben sowohl für iOS, als auch für Android zur Verfügung. Zu Beginn läuft hier eigentlich alles wie gewohnt ab: Zuerst muss ein Benutzeraccount erstellt werden, danach müsst ihr die wichtigsten Daten (Alter, Größe, Gewicht und dergleichen) eingeben. Ist auch das erledigt, könnt ihr verschiedenste Gerätschaften mit der App und Garmin Connect verknüpfen – Garmin besitzt ja nicht nur die vivofit-Armbänder, sondern auch zahlreiche weitere Fitness-Gadgets für die verschiedensten Aktivitäten.

Das Verbinden via Bluetooth funktionierte ohne Probleme und binnen weniger Sekunden, etwas umständlich ist aber die Synchronisation von Armband und App gelöst. Denn statt den Sync-Modus einfach über die App starten zu können, müsst ihr den Button auf dem Armband ein paar Sekunden gedrückt halten und loslassen, sobald das „Sync“-Symbol angezeigt wird. Ist sicherlich kein Beinbruch, ich hätte aber einen automatischen Sync bei Start der App als praktischer gefunden, vor allem, da man so eben direkt in der App herumwühlen kann, ohne zuvor den Sync zu aktivieren und dann zu warten, bis dieser abgeschlossen ist.

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Die App selbst ist dann wiederum recht typisch aufgebaut, auch wenn man im ersten Moment ein wenig erschlagen wird. Auf der ersten Seite erhaltet ihr einen kurzen Überblick über eure Gesamtaktivitäten – Schritte, Schlafenszeiten, Kaloren und derlei Dinge. Wahlweise als reine Zahlenspiele oder als eine Art Zeitleiste. Per Wisch könnt ihr hier durch die verschiedenen Kategorien wischen und euch noch mehr Details zu Schritten, Schlafenszeiten, Radfahren und Co. anzeigen lassen – benötigt ihr eine der Ansichten nicht, könnt ihr einzelne Seiten auch einfach ausblenden lassen, auch ein einfaches Umsortieren der Ansichten ist möglich.

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Dazu bietet die App auch die Möglichkeit, euren Gewichtsverlauf zu speichern und anzuzeigen und es gibt es dann noch diverse Statistiken wie persönliche Rekorde (meiste Schritte gelaufen, längste Radstrecken und ähnliches), einen Kalender (die Daten nochmals anders aufbereitet), einen Newsfeed mit Neuigkeiten rund um Garmin und eben die typischen Einstellungen zum Benutzer und für das vivofit 3 selbst. Was die App betrifft gibt es eigentlich wenig negatives zu erwähnen, aber eben auch wenig positives – denn immerhin unterscheiden sich die Apps der verschiedenen Anbieter auf dem Markt nicht sonderlich groß. Interessant wäre noch zu erwähnen, dass die iOS-App im Gegensatz zur Fitbit-App zum Beispiel auch als Datenquelle für die Apple’sche Health.app herhalten kann.

Zusammenfassung und Fazit

Auf den ersten Blick unterscheidet das Garmin vivofit 3 sich nicht sonderlich groß von den Konkurrenten auf dem Markt, zumindest wenn man in dieser Preisklasse bleibt. Silikonarmband, wassergeschützt beziehungsweise wasserdicht, ein kleines Display. Der Sicherheitsverschluss ist sicherlich clever gedacht, in der Praxis funktioniert dieser auch sehr gut, leider empfand ich das Drücken der drei Pinöckel nach ein paar Stunden bereits als unangenehm. Auch die Tatsache, dass der „überstehende“ Teil des Armbands nicht immer unter dem Armband verbleibt, sondern herausrutscht, empfand ich als störend. Dabei hätte man das ganze recht einfach lösen können, indem man dem Band eine Schlaufe spendiert, in die man den überstehenden Teil einfädeln könnte (vergleichbar mit üblichen Armbanduhren – hat diese Schlaufe eigentlich einen Namen?).

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Trotz dieser negativen Punkte besitzt das Fitness-Armband auch einige Dinge, die es dann wiederum von der breiteren Masse abheben: Da wären zuerst einmal die austauschbaren Armbänder, die den Tracker wirklich zu einem „Everyday-Gadget“ machen und das eher funktionelle Armband ein wenig modischer gestalten. Ein zweiter, definitiv nicht zu verachtender Punkt ist die Akkulaufzeit, die Garmin mit rund 12 Monaten angibt und die in etwa korrekt sein dürfte: nach etwa fünf Wochen hatte ich noch satte 89% Akkukapazität. Auch durch Software-Features wie Move IQ, die Erinnerung bei Inaktivität und die automatische Anpassung des Tagesziels möchte man den Nutzern ein paar Pluspunkte an die Hand geben. Leider war Move IQ in meinen Versuchen alles andere als zuverlässig – zumindest, wenn man sich häufiger mal aufs Rad schwingt oder ins Schwimmbecken springt. 

Funktionell hingegen ist das Garmin vivofit 3 als Fitness-Armband nicht gänzlich auf der Höhe der Zeit – andere Geräte der nahezu gleichen Preisklasse bieten bereits einen Herzfrequenzsensor. Zwar lässt sich das vivofit 3 mit einem Garmin Brustgurt verbinden, diese Kombination dürfte aber bei den Nutzern inzwischen nicht mehr ganz so hoch im Kurs stehen – auch wenn die Messungen sicherlich genauer sind, als die Messungen der Pulssensoren an Armbändern. Und so muss man für ein Fazit wohl klar danach differenzieren, was einem persönlich wichtig ist. Das vivofit 3 ist kein schlechtes Fitness-Armband, ich persönlich würde aber aus den genannten Gründen wohl eher dem Fitbit Charge HR den Vortritt lassen.

Wem allerdings ein Schritt- und Schlaftracker ausreicht, sich rund ein Jahr nicht mit dem Aufladen beschäftigen möchte oder modischere Armbänder nutzen will – der ist mit dem vivofit 3 ebenso gut bedient.

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Dieser Artikel wurde mir vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Mehr Infos

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