Wer unterwegs gerne Musik hört – und das werden sicherlich die meisten sein – der hat die Qual der Wahl, was Kopfhörer betrifft. Da wäre zuerst einmal die Frage nach der Baumform: Earbuds oder In-Ears? Oder doch die auffäl­li­geren und größeren On- oder Over-Ear-Kopfhörer? Dazu kommt dann auch noch die Frage, ob man nun lieber einen kabel­ge­bun­denen Kopfhörer oder doch lieber ein kabel­loses Modell mit Bluetooth nutzen möchte? Und zu guter Letzt spielen natürlich auch noch immer der Klang und der Preis eine große Rolle. Das Angebot an Kopfhörern ist tief und breit, was die Auswahl erschwert, anderer­seits aber auch für jeden Topf irgendwo den passenden Deckel bereithält. 

In den letzten Wochen konnte ich mir einen On-Ear-Kopfhöhrer aus dem Hause Teufel genauer anschauen bezie­hungs­weise anhören – genauer gesagt den kabel­losen Teufel AIRY. Nachdem ich in der Vergan­genheit bereits von Teufel ROCKSTER XS und dem Teufel BAMSTER XS positiv überrascht worden bin, waren natürlich auch die Erwar­tungen an die ersten Bluetooth-Kopfhörer aus dem Hause Teufel recht hoch, denn die beiden mobilen Lautsprecher konnten nicht nur durch Design und Verar­beitung, sondern auch durch den starken Klang punkten. Ob der Teufel AIRY diesen Erwar­tungen stand halten konnte oder ob die gewohnt hohe Teufel-Qualität hier etwas federn lassen musste – lest selbst.

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Design und Verar­beitung

Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern hat sich Teufel beim Design des AIRY-Kopfhöhrers einer gewissen Portion Minima­lismus bedient. Statt auffäl­liger Formen kommt der AIRY mit einem ganz dezenten und unauf­dring­lichem Design daher, wahlweise in den Farben Anthrazit, Weiß oder Elfenbein. Gefällt mir richtig gut, vor allem aber die Schlankheit des Kopfhörers, verglichen mit etlichen anderen On- oder Over-Ear-Kopfhörern. Der Bügel ist etwa 2,5 Zenti­meter breit, die Ohrmu­scheln haben einen Durch­messer von etwa 6,5 Zenti­metern. Natürlich hat man es sich im Hause Teufel nicht nehmen lassen, das typische Teufel-„T-“ auf die Außen­seiten der Ohrhörer zu bringen, aber auch diese gliedern sich wunderbar in den Gesamtlook ein. 

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Bezüglich der Materi­alwahl hat man sich für Kunst­stoff entschieden, was erst einmal den Vorteil hat, dass es den Kopfhörer überra­schend leicht macht: gerade einmal 150 Gramm bringt der AIRY auf die Waage. Gleich­zeitig macht das geringe Gewicht aber subjektiv einen etwas minder­wer­tigen Eindruck, auch wenn dieser trübt. Natürlich ist Kunst­stoff in Sachen Haltbarkeit und Stabi­lität vor allem auf lange Zeit gesehen immer etwas anfällig, dennoch stimmt die Verar­beitung wie von Teufel gewohnt und immerhin gibt es ja auch 2 Jahre Garantie. Die wenigen Teile sind sauber montiert, Spaltmaße sind auf ein Minimum reduziert, insgesamt macht der AIRY trotz Kunst­stoff nicht unbedingt den Eindruck, als würde er bei der nächst­besten Gelegenheit ausein­an­der­fallen.

Der innere, weiße Streifen ist aus Silikon und dient natürlich dazu, den Trage­komfort ein wenig zu erhöhen. Gleich­zeitig lässt er sich aber auch abnehmen und so zum Beispiel reinigen oder austau­schen. Gleiches gilt auch für die beiden Ohrpolster aus einem Kunst­leder-artigen Material, die sich mittels kurzer Drehbe­wegung vom Kopfhörer lösen können. Was eine nette Idee ist: Teufel bietet ein optional erhältlich AIRY Color Kit für rund 40 Euro an, welches Ohrpolster (und Silikon­ringe) in vier verschie­denen Farben enthält und dem AIRY so eine Akzent­farbe spendiert. Leider gibt es nur das Paket für 40 Euro – schade, dass man die Farben nicht einzeln anbietet, so ist man immer gezwungen, alle vier Farben zu kaufen. 

An der rechten Seite des Bügels findet man alle Bedien­ele­mente des Kopfhörers vor – genauer gesagt Play/Pause-Button (schaltet den AIRY bei längerem Druck auch ein und aus), ein Rad zum Verändern der Lautstärke und jeweils einen Button zum Zurück- oder Vorspringen innerhalb eurer Playlist. Die Idee, das Teufel-Logo mit einem Rad zur Änderung der Lautstärke zu versehen finde ich ganz cool, leider wirken die Buttons, verglichen mit dem Kopfhörer etwas billig und irgendwie ganz und gar nicht Teufel-typisch. Zwar wackeln die Taster nicht, sie geben aber bei Betätigung einen recht lauten „Klick“-Ton von sich, erinnerte mich irgendwie an einen Knack­frosch oder Hunde-Clicker. Dafür aber reagieren sie sofort und sind auch blind nach kurzer Einge­wöhnung blind zu treffen. 

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Zu guter Letzt findet sich an der linken Seite auch noch ein MicroUSB-Stecker zum Aufladen des internen Akkus und ein Anschluss für ein 3,5mm-Klinkenkabel, denn sollte euch unterwegs einmal der Saft ausgehen, könnt ihr den Kopfhörer auch mittels Kabel mit einem Wieder­ga­be­gerät verbinden und weiter Musik hören. Im kabel­ge­bun­denen Betrieb funktio­nieren jedoch die Bedien­ele­mente des AIRY nicht mehr, sehr schade. Teufel liefert jeden­falls ein entspre­chendes Klinken­kabel bereits mit, genauso wie ein USB-Ladekabel und eine Trans­port­tasche. Letztere macht einen stabilen Eindruck und ist im klassi­schen Teufel-Design gehalten, fällt aller­dings recht groß aus, da sich der AIRY nicht zusam­men­falten lässt. Für mich nur bedingt ein Kritik­punkt, da man ihn unterwegs eben auf die Schnelle um den Hals legen kann und ansonsten bin ich immer mit meinem Dakine Wonder unterwegs. 

Trage­komfort des AIRY

Bei dem Teufel AIRY handelt es sich um einen On-Ear-Kopfhöhrer, die Ohrmu­scheln sitzen also direkt auf dem Ohr und umschließen es nicht, wie es eben Over-Ear-Kopfhöhrer machen. Dies hat oftmals zur Folge, dass die Kopfhörer nach längerer Tragezeit zu drücken beginnen, was ich beim Teufel AIRY aber nicht sagen kann. Auch nach längerer Zeit ist der Kopfhörer angenehm zu tragen und dank einem gut bemes­senen Anpress­druck der Bügel hält der AIRY auch bei etwas stärkeren Bewegungen rutsch­sicher auf dem Kopf. Ist aber immer eine Frage der Sensi­bi­lität, bekanntlich bietet Teufel aber eine achtwö­chige Testmög­lichkeit, in der ihr den Trage­komfort selbst auspro­bieren könnt. 

Was für On-Ear-Kopfhöhrer recht gut ist, ist die Geräusch­un­ter­drü­ckung auf der Straße oder (wichtiger) in öffent­lichen Verkehrs­mitteln. Bereits nach dem Aufsetzen sind Außen­ge­räusche deutlich gedämmter, spätestens dann, wenn Musik läuft, ist nichts mehr zu hören. Einziges kleines Manko könnten Leute haben, deren Kopf etwas größer ausfällt, denn die Verstell­mög­lichkeit des AIRY ist relativ gering, genauer gesagt lässt sich die Größe nur um etwa 2,5 Zenti­meter verstellen (Kleinste Größe: zirka x Zenti­meter). Könnte also zu Problemen führen, mir reichte aller­dings die erste „Verlän­ge­rungs­stufe“, sodass ich damit keinerlei Kompli­ka­tionen hatte.

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Verbin­dungs­qua­lität und Akku

Die Verbindung des AIRY geschieht, wie bereits erwähnt, in erster Linie via Bluetooth, was auch völlig unpro­ble­ma­tisch ist. Die Verbindung ist schnell herge­stellt, die Verbindung ist stabil – auch wenn ich das Smart­phone einmal im Rucksack trans­por­tiert habe, Teufel selbst gibt eine Reich­weite von 10 Metern an. Wer ein Android-Phone mit NFC-Chip sein eigen nennt, der kann die Verbindung auch via Nahfeld­kom­mu­ni­kation herstellen: dazu hat Teufel im linken Teil des Bügels einen NFC-Chip verbaut, einmal kurz das Smart­phone an diese Stelle gehalten, schon werden Handy und Kopfhörer mitein­ander verbunden. Ganz praktisch: Der AIRY merkt sich bis zu sechs verbundene Geräte, sodass ein Wechsel zwischen den Abspiel­ge­räten schnell erledigt ist – der AIRY verbindet sich nach dem Einschalten automa­tisch mit dem bekannten Gerät. 

Teufel selbst gibt beim AIRY eine mögliche Akkulaufzeit von „bis zu 20 Stunden“ an, bei mittleren Lautstärken. Ist immer recht schwer zu vergleichen, ich aber kam auf etwa 16-18 Stunden und habe es gerne etwas lauter, außerdem dürfte auch die Qualität der Bluetooth-Verbindung eine Rolle spielen. Aber wie es auch sein mag: Selbst ein Wert von 15+ Stunden wäre noch immer sehr gut, an der Akkulaufzeit ist also nichts auszu­setzen. Ist der Akku einmal leer, so ist er innerhalb 2-3 Stunden wieder geladen – Teufel hat dem AIRY eine Schnell­la­de­funktion spendiert. 

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Die Klang­qua­lität

Die Klang­qua­lität dürfte bei einem Kopfhörer trotz Design, Trage­komfort und Co. noch immer einer der wichtigsten Faktoren sein. Zuerst einmal aber mal ein paar technische Infor­ma­tionen: Der AIRY besitzt einen Linear-HD-Treiber mit einem Durch­messer von 40 Milli­metern, welcher einen Frequenz­be­reich von 20 bis 21.000 Hz abdecken kann und einen maximalen Schall­druck von 100 dB bietet. Unter­stützt wird der Treiber von starken Neodym-Magnete, die für einen bassstarken Klang sorgen sollen. Sagt euch alles nicht viel als Entschei­dungs­merkmale? Gut, mir nämlich ehrlich gesagt auch nicht sonderlich viel, hier verlasse ich mich dann doch lieber auf mein subjek­tives Gefühl, denn Vorlieben sind auch bei Bass und Co. nicht selten unter­schiedlich, anderen­falls würde niemand zu Beats-Kopfhörern greifen.

Und bezüglich des Klangs haben mich die Teufel AIRY keines­falls enttäuscht. Ob man nun eher Pop, HipHop, Rap, Electro, Soul, Jazz oder die von mir präfe­rierten Genre Rock, Metall und Co. hört – der Klang ist bei eigentlich jedem Genre lebendig und ausge­wogen – sogar bei „Problem­musik“ mit viel Orchester, wie zum Beispiel die älteren Nummern von Nightwish oder Apoca­lyptica. Die Höhen und Mitten sind stark aber ausge­glichen, die unter­schied­lichen Instru­mente sind als solche getrennt vonein­ander heraus­zu­hören, bilden also keinen „Matsch“ und auch Stimmen sind klar und verständlich. Teufel-typisch (und wie versprochen) besitzt der AIRY einen ordent­lichen wummenden Bass, ohne dabei aber völlig übertrieben und künstlich erhöht zu wirken – im Gegensatz zu den angespro­chenen Beats-Modellen. 

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Verzer­rungen sucht man ebenfalls vergeblich, auch bei aufge­drehter Lautstärke bietet der AIRY ein hervor­ra­gendes und spaßiges Klang­er­lebnis. Apropos Lautstärke: Liegt der AIRY vor einem, kann man den Kopfhörer auf maximaler Stufe fast schon als Bozen­ersatz nutzen. Soll heißen: die maximale Lautstärke ist schon sehr derbe, wem sein Gehör etwas lieb ist, der sollte es mit dem Pegel nicht übertreiben. Wie angesprochen schirmt der AIRY durch den Anpress­druck und die geschlossene Bauform Umgebungs­ge­räusche sehr gut ab, dies gilt aber auch für eure Mitrei­sende, die auch bei höheren Lautstär­ke­pegeln nicht viel von euren Musik­ex­zessen mitbe­kommen.

Was ich noch sagen wollte…

Der Teufel AIRY unter­stützt übrigens aptX, ein Audio­co­dier­ver­fahren (inzwi­schen von Qualcomm), welches eine kabellose Übertragung in CD-Qualität erlaubt. iOS bezie­hungs­weise die iPhones unter­stützten diesen Codec aller­dings nicht, insgesamt gibt es nur vergleichs­weise wenig Smart­phones mit Android, die aptX unter­stützen, weswegen ich zum hörbaren Unter­schied leider nichts sagen kann. Vermutung: Hängt sicher auch mit dem verwen­deten Ausgangs­ma­terial ab, wer seine Mp3s mit 256 KBit/s von YouTube gerippt hat oder unterwegs Spotify auf niedrigster Qualität hört, der wird sicherlich durch eine aptX-unter­stützung keinen Vorteil erhalten.

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Wie bereits erwähnt lässt sich der AIRY im Zweifelsfall auch mittels 3,5mm-Klinkenkabel mit einem Wieder­ga­be­gerät verbunden und nutzen, wofür Teufel ein 1,3 Meter langes Kabel in den Liefer­umfang gepackt hat. Dieses ist optisch zwar schick, war für mich aber zumindest unterwegs und vor allem beim Laufen eigentlich nicht zu gebrauchen, da sich Bewegungs­ge­räusche und Reibungen ihren Weg ins Ohr suchen – Stichwort „Mikro­fonie“, vor allem bei etwas leiserer Musik störend und auf Dauer unangenehm. Mit einem anderen Kabel war dieser Effekt deutlich geringer zu vernehmen, eben eine Frage der Abschirmung. 

Zu guter Letzt könnt ihr den AIRY auch als Freisprech­funktion nutzen. Einge­hende Anrufe lassen sich über den Play-/Pause-Button annehmen, das Telefonat kann ohne weitere Probleme geführt werden – ohne den Kopfhörer bezie­hungs­weise dessen Mikrofon immer an den Mund führen zu müssen. Ergebnis: Ihr hört euren Gesprächs­partner sehr gut und euer Gesprächs­partner kann auch euch verstehen. Die Sprach­qua­lität hat mich nun nicht vom Hocker fallen lassen, ist aber für kurze Telefonate unterwegs ausrei­chend. Immerhin telefo­niert ja eh kaum noch jemand, oder?

Fazit und tl;dr

Der Teufel AIRY bietet ein dezentes und fast schon zeitloses Design ohne viele Auffäl­lig­keiten, gefällt mir sehr gut. Als Material findet bei dem Kopfhörer Kunst­stoff zum Einsatz, was den AIRY zwar sehr leicht macht, sich aber eben auch nicht so hochwertig anfühlt, wie Metall- oder Alumi­ni­um­ele­mente. Dennoch ist die Verar­beitung des Kopfhörers Teufel-typisch sehr hoch, sieht man einmal von den etwas billig wirkenden Plastik-Buttons ab – diese versprühen weniger Teufel-Qualität, sondern vielmehr leichten China-Charme. Der Anpress­druck der Bügel ist ideal und hält den Kopfhörer sicher auf dem Kopf, die Ohrpolster erfüllen ihren Zweck und sorgen dafür, dass man den AIRY auch mehrere Stunden tragen kann, ohne dass dieser unangenehm wird. Das i-Tüpfelchen wäre noch ein Faltme­cha­nismus zum platz­spu­ren­deren Transport gewesen, Teufel legt aber eine stabile Trans­port­tasche bei. 

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Beim Klang hat man sich seitens Teufel keinerlei Blöße gegeben und zaubert einen belebten und ausge­wo­genen Klang in die Ohren – mit einem deutlichen aber sehr angenehmen Bass. Auch hohe Lautstärken macht der AIRY ohne große Verzer­rungen mit und dank der Bauart bekommen Dritte auch nicht viel mit – umgekehrt ist dies aber natürlich ebenso der Fall. Mit einer Akkulaufzeit von (bei mir möglichen) 18 Stunden dürfte man auch längere Reisen ohne musika­lische Unter­bre­chungen erfolg­reich meistern, zur Not lässt sich der Bluetooth-Kopfhörer auch mittels Klinken­kabel mit dem Smart­phone verbinden, wobei das beilie­gende Kabel zumindest bei mir wohl etwas schlecht abgeschirmt war. 

Preislich ruft man für den AIRY etwa 140 Euro auf, meiner Meinung nach trotz der kleineren Schwächen bei der Verar­beitung ein sehr gutes Verhältnis von Preis zu Leistung. Das tolle bei Teufel ist ja immer, dass man Boxen, Lautsprecher immer acht Wochen lang auspro­bieren und bei Nicht­ge­fallen auch kurz vor Frist­ablauf eine unpro­ble­ma­tische Rückgabe durch­führen kann (nur, wenn direkt über Teufel bestellt). Und solltet ihr euch dann für den AIRY entscheiden und der verbaute Kunst­stoff doch mal das zeitliche segnen, so gewährt Teufel noch immer zwei Jahre Garantie – erfah­rungs­gemäß ist auch die Garan­tie­ab­wicklung bei Teufel sehr kunden­freundlich einge­stellt. Wer also einen schlanken On-Ear-Kopfhöhrer mit starkem Klang sucht: Von mir gibt es den Daumen nach oben.